Blackberry Leap: Business-Smartphone zum Mittelklassepreis

Der Name Blackberry ist immer noch der Inbegriff für ein Business-Smartphone - und mit dem Leap versucht der Hersteller, über einen günstigen Preis neue Nutzergruppen zu erschließen.

Es gibt kaum einen Hersteller von (mobiler) Hardware, der in der jüngeren Vergangenheit unruhigere Zeiten durchlebt hätte als Blackberry. Einst unter dem Namen RIM geführt löste die Marke Blackberry im ersten Jahrzehnt des Jahrtausends den Personal Digital Assistent (PDA) ab, für den vor allem der mittlerweile auch schon untergegangene Hersteller Palm stand (lang, lang ist's her...), und avancierte zu dem Inbegriff für Business-Smartphones.

Doch auch der Höhenflug von RIM war nicht von Dauer. Apple stellte 2007 mit dem iPhone mehr oder weniger einen iPod mit Telefonfunktion vor und lätete damit die Ära der Smartphones ein. Dieser Umbruch leitete gleichzeitig auch den Niedergang von RIM - und auch von Nokia; die Finnen hatten mal einen Marktanteil von mehr als 75 Prozent - ein.

Denn von da an wollten immer mehr Nutzer nicht nur ein Gerät mit Business-Anwendungen wie Kalender, Notizfunktion usw., sondern auch gute Kameras und Anwendungen für die Freizeit - etwa leistungsstarke Mediaplayer, aufwändige Spiele oder Apps, mit denen das private Sportprogramm protokolliert werden konnte.

Die Kanadier verschliefen den neuen Trend jedoch bzw. glaubten, ihre Stammkundschaft mit ihrem bisherigen Programm auch weiterhin überzeugen zu können, was jedoch nicht gelang. Dies galt auch für die neueren Entwicklungen: Das neue Betriebssystem BB10 verzögerte sich um Monate. Der Versuch, vom Tablet-Trend zu profitieren, scheiterte mit dem Playbook ebenfalls kläglich.

Die Absatzzahlen brachen ein, die Quartalsbilanzen wurden zunehmend mit einem Minus abgeschlossen und in der Gerüchteküche wurde über eine Übernahme nach der anderen spekuliert. Am dichtesten war wohl Lenovo dran, doch die Chinesen passten der kanadischen Regierung wohl nicht, die eine Gefährdung der heimischen Sicherheitstechnik befürchtete und den Deal untersagte.

Es wurde frisches Geld mit Hilfe eines Finanzinvestors organisiert und die Konzernleitung von dem Deutschen Thorsten Heinze an John S. Chen übertragen. Der schaffte es im vergangenen Jahr immerhin, den mittlerweile nur noch Blackberry geheißenen Hersteller auf niedrigem Niveau zu stabilisieren, auch wenn immer wieder neue Gerüchte bezüglich einer Übernahme – zuletzt war Microsoft im Gespräch – auftauchten.

Seit Ende vergangenen Jahres kann der Hersteller immerhin seine eingefleischten Fans wieder mit durchaus attraktiven Neuentwicklungen begeistern, von denen das Passport mit einer klassischen Hardware-Tastatur, die gleichzeitig aber auch Gesten zur Steuerung akzeptiert, die spektakulärste war.

Mittelklasse-Smartphone mit betagter Hardware

Doch auch das Blackberry Leap ist nicht als Ladenhüter konzipiert, auch wenn es sich mit einem Verkaufspreis von unter 240 Euro nicht den klassischen Blackberry-Nutzer anspricht. Vielmehr soll es Neugierige anlocken, die auf der Suche nach einer Alternative zu den großen Ökosystemen von Apple und Google sind.

Die müssen sich bei dem Preis natürlich mit einer Hardware-Ausstattung begnügen, die sich auf Mittelklasse-Niveau bewegt: Das 5-zöllige Display löst mit 720p auf, dahinter steckt ein schon recht betagte Qualcomm Snapdragon S4 Plus. Für das Speichern von Daten sind fest 16 Gigabyte verbaut, ein microSD-Schacht macht eine einfache Erweiterung möglich. Auch die Kameras sind simpel: Selfies werden an der Front mit zwei Megapixeln aufgezeichnet, die rückseitige Hauptkamera arbeitet mit einer Auflösung von acht Megapixeln.

Blackberry OS 10.3

Eine weitere Eigenheit der Blackberry-Smartphones ist das hauseigene Betriebssystem. Installiert wird die Version BB 10.3, dass sich auf den ersten Blick zwar von den Bedienkonzepten der großen Konkurrenten unterscheidet, dann aber doch nicht soweit weg ist.

Der Nutzer startet beim Einschalten zunächst auf dem Blackberry Hub, der neue Nachrichten und anstehende Termin anzeigt. Mit einem weiteren Wisch von rechts nach links gelangt man auf den Heimbildschirm, der jedoch die geöffneten Anwendungen im Überblick präsentiert. Eine weitere Wischbewegung führt schließlich zu den installierten Anwendungen, die ähnlich wie bei Android oder iOS auf dem Bildschirm gesammelt werden. Allerdings nervt manche Gestensteuerung mit geringer Intuitivität. Dies gilt etwa für die Wortvorschläge der an sich guten Tastatur.

In der linke Seite versteckt sich ein Menü des Hubs und aus dem oberen Bildschirmrand lässt sich - ähnlich wie bei Apple und Google auch - ein Schnellzugriff auf die wesentlichen Einstellungen herausziehen, der sehr umfangreich und dennoch übersichtlich ist. Im Vergleich zu den beiden großen Systemen gibt sich Blackberry OS keine Blöße und steht ihnen in nichts nach. Die Bedienung ist intuitiv und stellt keine großen Hindernisse für jene in den Weg, die sich von gewohnter Kost trennen wollen.

Wesentliche, gerade für den Geschäftsalltag notwendige Anwendungen sind bereits vorinstalliert. Dies gilt natürlich zuerst für die sicheren Blackberry-Kommunikationsdienste, es findet sich aber auch eine App für das Lesen, Bearbeiten und Erstellen von Office-Dokumenten, eine Notiz-Anwendung oder eine Verbindung zu den Cloud-Speicherdiensten Box und Dropbox. Selbst Adobe Reader ist vorinstalliert.

Weitere Apps können über das Blackberry-eigene Angebot "Blackberry World" oder den Amazon-App-Store bezogen werden. In beiden Fällen kann die gebotene Auswahl jedoch nicht mit der des Apple- oder des Android-Ökosystems mithalten, was vermutlich einer der Gründe für das spärliche Interesse gerade privater Nutzer ist.

Zudem gefällt der Umgang mit den Nutzerdaten: Anders als etwa Apple, Google oder Microsoft fordern die Kanadier vor der Nutzung des Smartphones keine umfassende Registrierung. Erst wenn Anwendungen aus einem der beiden Stores bezogen werden sollen, wird das Einrichten eines Passworts fällig, wobei für die Nutzung des Amazon-Angebots ein bestehendes Amazon-Konto genügt.

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