Blackberry Priv: Business-Telefon mit echter Tastatur und Android

Gehäuse, Display & Ton

Noch Luft in der Kiste

Das Blackberry Priv ist mit seiner schwarz-grauen Farbgebung optisch zwar auf geschäftsmäßiges Understatement getrimmt, aber kleine Details wie etwa die abgerundeten Seiten, die etwas an die Edge-Version des aktuellen Samsung Galaxy S6 (Plus) erinnern, aber nicht so weitgehend ausgeführt ist, sorgen für ein eigenständiges Antlitz.

Das Kunststoffgehäuse wirkt stabil und optisch gut verarbeitet, die Rückseite knarzt allerdings leise vor sich hin - es scheint noch etwas Luft zwischen Deckel und Hardware zu sein. Mit einer Grundfläche von 14,7 x 7,7 Zentimetern ist das Priv gerade in der Breite schon recht ausufernd, aufgrund der runden Seiten, die etwas an frühere Nokia-Lumia-Geräte erinnern, liegt es aber angenehm in der Hand - wenn diese nicht zu klein ist. Denn sonst wirken auch die Bauhöhe von etwas mehr als neun Millimetern und das mit 192 Gramm recht hohe Gewicht größer, als sie sich in der Praxis tatsächlich anfühlen.

Schade ist der etwas begrenzte Funktionsumfang der zusätzlichen Taste zwischen dem Laut- und Leise-Knopf: Mit ihr kann lediglich ein Menü zur Toneinstellung aufgerufen werden. Dies mag im Geschäftsalltag sicherlich praktisch sein, um noch kurz vor Meetings zu verhindern, das im Gespräch kein Geklingel nervt. Allerdings hätte es an dieser Stelle auch etwas mehr Fantasie sein dürfen - etwa, indem die Taste im Kameramodus zum Auslöser wird und dergleichen mehr.

Unterm Display versteckt sich eine Tastatur

Das ganz große Highlight des Blackberry Priv ist jedoch die Hardware-Tastatur. Blackberry ist so ziemlich der einzige Hersteller, der die Sinnhaftigkeit von echten Tasten nicht in Frage stellt.

Wird das Display mit leichtem Druck nach oben geschoben kommt eine kleine Tastatur mit QWERTZ-Layout zum Vorschein - typischerweise setzt Blackberry auf ein Hochformat. So ganz ist die Entscheidung aber nicht nachvollziehbar - bei Nutzung des Querformats hätten die einzelnen Tasten nicht nur größer gestaltet werden können, sondern auch Umlaute, Sonderzeichen und Ziffern Platz gefunden. Diese werden nun in Form einer Zweitbelegung bei längerem Drücken in einer schmalen Zeile am unteren Bildschirmrand angezeigt.

Unterm Strich ist die Tastenausrichtung aber Geschmackssache, denn gerade beim Chatten in den üblichen Messengern ist diese Ausrichtung durchaus von Vorteil, weil Gesprächsverläufe übersichtlicher bleiben.

An der grundlegenden Tastenmechanik gibt es - genauso wie an dem leichtgängigen und doch gut haltenden Slider-Mechanismus - wenig zu bemängeln - abgesehen von der bauartbedingten Größe der hintergrundbeleuchteten Tasten, die allerdings auch von normal ausgeformten Fingern problemlos getroffen werden können. Sie bieten dabei sogar einen kleinen Tastenhub und einen festen Druckpunkt. So schreibt es sich tatsächlich schneller und angenehmer als bei den aktuell üblichen Bildschirmtastaturen - selbst mit Eingabehilfen wie Swype geht das Schreiben nicht schneller von der Hand.

Großer Bildschirm, fette Auflösung

Einer der Gründe für die sinkende Attraktivität der Blackberry-Smartphones war in der Vergangenheit sicherlich die Kombination aus kleinen Bildschirmen und den fest darunter installierten Tasten. Durch das Slider-Format steht einem großen Display allerdings nichts mehr im Wege und so setzt der Hersteller auf ein Panel mit einer recht großen Diagonale von 5,4 Zoll, bei dem OLED-Technologie zum Einsatz kommt.

Die Auflösung der Bildschirminhalte ist hoch: Blackberry setzt auf ein Panel mit einer Auflösung von 2560 x 1440 Pixeln, was in einer Pixeldichte von 540 ppi resultiert.

Nicht ganz optimal ist jedoch die Leuchtdichte: Zwar müssen OLED-Bildschirme aufgrund der aktiv leuchtenden Pixel nicht ganz so hell werden wie die auf einer Hintergrundbeleuchtung basierenden LCD-Pendants, aber die auf Basis von acht Messpunkten ermittelte durchschnittliche Leuchtdichte von 286 cd/m² ist für ein Smartphone der Oberklasse nicht nur vergleichsweise wenig, sondern dem Außeneinsatz an hellen Sonnentagen nicht gerade förderlich.

Laut am Ohr, dröhnend in der Hand

Der Lautsprecher des Blackberry Priv ist gut sichtbar platziert: Er sitzt an der Front unterhalb des Displays und zieht sich über die gesamte Breite des Smartphones. Viel Platz, um Töne nach außen zu bringen - und der Hersteller nutzt das entsprechend aus.

Der Klang bei der Medienwiedergabe ist klar und vergleichsweise ausgewogen, auch wenn eine Höhenlastigkeit und eine kleine Neigung zum blechernen Klang konstatiert werden muss. Doch Rauschen und Kratzen bleiben aus - trotz der recht hohen Lautstärke, die der Lautsprecher bewerkstelligt, wirkt er auch beim maximalem Schallpegel nicht überfordert.

Priv-Nutzern dürfte allerdings die Medienwiedergabe weniger wichtig sein als die Fähigkeiten beim Telefonieren - und hier kann das Smartphone zumindest dann überzeugen, wenn es klassisch ans Ohr gehalten wird. Der übermittelte Ton ist zwar in den Höhen deutlich übersteuert, dafür aber sind die Reserven bei der Lautstärke enorm. Beim Maximum dürfte manch einer das Gerät erschrocken vom Ohr wegziehen.

Vergleichsweise laut ist das Priv auch dann, wenn Mikrofon und Lautsprecher als Freisprecheinrichtung verwendet werden, sodass die Kombination auch in lauteren Umgebungen fürs Gespräch verwendet werden könnte - zumindest theoretisch. Denn der Eindruck wird von einem sehr rauschig wiedergegebenen Ton getrübt, der zudem wie am Ohr auch zu höhenlastig ist. Hält man das Smartphone in der Hand, entsteht zudem der Eindruck, dass das Gehäuse Sympathie zeigt und im Takt der Wiedergabe mitdröhnt. Doch die hohe Lautstärke sorgt auch hier dafür, dass die Verständlichkeit zumindest in leisen Umgebungen nicht zwingend leidet.

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5 Kommentare
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    Dein Kommentar
  • Tesetilaro
    schönes teil - so schön, daß ich von meiner persönlichen 300 € Schmerzgrenze abweichen würde - aber auch blackberry kann die maximal auf 500 € erhöhen *g*
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  • matthias wellendorf
    Ja der Preis treibt echt die Tränen in die Augen. Gerüchte von einem Nachlass nach dem MWC haben sich bisher leider noch nicht bewahrheitet.
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  • RESTless
    Ich bin bisher sehr zufrieden, einzig die DTEK-App ist ne Enttäuschung, ich kann mir ansehen wie Whatsapp meine Kontakte alle zwei Minuten liest, jedoch nichts dagegen tun. Na gut und Qi hätte man ruhig in alle Versionen einbauen können bei dem Preis, Europa ist wieder aussen vor. Aber die Berechtigungen reicht dann das 6.0 Update nach.
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  • Tesetilaro
    vorschlag, deinstallier WA -.-
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  • bombinho
    Fail, schade, der Priv haette mich wirklich interessiert. Aber die Kombo aus OLED-Bildschirm und fest verbautem Akku macht zwar Sinn, weil der Bildschirm am Lebensende des Akkus mit ziemlicher Sicherheit ebenfalls mit viel Glueck noch ueber 50% seiner Leuchtstaerke oder in diesem Fall Leuchtschwaeche hat.

    Aber einen Wegwerf-Blackberry fuer den Preis?

    Ich hoffe immer noch, dass Blackberry es schafft, ein vernuenftiges Telefon mit LCD und Wechselakku auf die Beine zu stellen, ob OS10 oder Android ist mir fast egal. Ich brauche ohnehin ein Androidgeraet fuer mobile Kartenzahlung.

    Die Fertigungs- und Designqualitaet bis zum Z10 war unglaublich, was meine alten Blackberrys alles klaglos mitgemacht haben im Vergleich zu Androidtelephonen ist erstaunlich. Wenn ich da an das wasserdichte Z3 denke, welches einen Riss in der Displayecke alleine vom Transport in der Hosentasche bekam... Sony haelt es offensichlich nicht fuer noetig, die Raender des Displays zu fixieren oder ich hatte ein Montagsmodell. Das Z10 (in der selben Tasche) ist nach wie vor in 1a Zustand.

    Wie ist die Qualitaet des Priv im Vergleich zu den Mitbewerbern?
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