bq Aquaris 4.5 Ubuntu Edition: Alternative zu Android und iOS?

Ubuntu Touch OS mit einem eigenen Konzept

Ubuntu Touch ist anders

Im Grunde genommen gibt es derzeit vier Wege, wie ein mobiles Betriebssystem gesteuert wird. Die beiden Platzhirsche sind sich dabei vergleichsweise ähnlich: Sowohl bei Android als auch bei iOS werden die Icons zu den einzelnen Anwendungen auf einem Bildschirm abgelegt. Bei iOS handelt es sich dabei um den Heimbildschirm, in der Vanilla-ROM des Google-Betriebssystems werden Apps auf einem eigenen Bildschirm gesammelt, sodass die eigentliche Heimansicht mehr Möglichkeiten zu Individualisierung bietet.

Daneben präsentiert Microsoft mit der Kacheloptik und der Listensortierung bei Windows Phone (bzw. künftig Windows 10 for Phones) einen eigenen Weg; das Gleiche gilt - wenn auch in anderer Form - für Blackberry. Denn bei BB10 werden die einzelnen Menus aus einer der vier Seiten herausgezogen. Mozilla klaut dagegen bei seinem Firefox OS recht unverfroren bei Apple.

Überzeugen soll Ubuntu Touch OS vor allem mit den klassischen Vorzügen von Open-Source-Software. Offene Standards sollen den Nutzer weniger in eine eindimensionale Richtung drängen, als man dies von Apple und Google gewohnt ist. Zudem soll der Nutzer deutlich mehr seiner Rechte behalten.

So wird beispielsweise für die (vollständige) Nutzung des Ubuntu-Smartphones kein Nutzerkonto verlangt, wie das bei den beiden übermächtigen Konkurrenten der Fall ist, die sich auf diese Weise einen profunden Einblick in die auf dem jeweiligen Smartphone gespeicherten Daten und Nutzergewohnheiten verschaffen. Erst wenn Apps aus dem Ubuntu-Store heruntergeladen werden sollen, muss eine Registrierung erfolgen.

Alles steckt in den Seiten

Ubuntu Touch OS erinnert noch am stärksten an das Blackberry-Betriebssystem, denn auf eine klassische Home-Taste wird verzichtet. Stattdessen werden sämtliche Funktionen aus den Seiten herausgezogen. Allerdings war es das dann schon mit der Ähnlichkeit.

Anders als bei den anderen Betriebssystemen werden auf dem Heimbildschirm keine Anwendungen präsentiert. Vielmehr wartet hier eine Ansicht auf den Nutzer, die die wesentlichen Ereignisse und Informationen des Tages zusammenfasst - von geplanten Terminen bis hin zum Wetter. Aus der linken Seite kann ein Anwendungsmenü herausgezogen werden, das optisch an die Menüleiste der Desktopversion angelehnt ist. Aufgrund des aktuell noch beschränkten Angebots an Anwendungen steht der Übersichtlichkeit an dieser Stelle nichts im Wege.

Ähnlich wie bei Android, iOS und mittlerweile auch Windows Phone versteckt sich im oberen Bildschirmrand ein Menü, das die wesentlichen Einstellungsmöglichkeiten auf einen Blick präsentiert. Rechts verbirgt sich dagegen eine Auflistung aller geöffneter Bildschirme, während am unteren Bildschirmrand die Verwaltung des Geräts untergebracht ist.

Einzigartig ist die Sortierung der einzelnen Anwendungen und Dienste in sogenannte Scopes, die thematisch gegliedert sind. Auf diese Weise soll eine größere Übersichtlichkeit als bei Android oder iOS erreicht werden. Durch einfaches Blättern - also durch ein Wischen von links nach rechts - wenden die einzelnen Bildschirme aufgerufen.

Welche Informationen auf den Bildschirmen dargestellt werden, können die Nutzer selbst entscheiden (und entsprechend einstellen). Mancher Bildschirm mag im Alltag etwas überflüssig erscheinen, aber im Großen und Ganzen ist alles sehr übersichtlich und erfordert nur wenig Eingewöhnungszeit.

Auch die grundlegende Infrastruktur - etwa die Tastatur - ist ordentlich. Die Ubuntu-Tastatur kann hinsichtlich ihrer Präzision durchaus mit älteren Versionen der Standard-Android-Tastatur mithalten. Das aktuelle Google-Keyboard ist ihr jedoch überlegen - genauso wie den Software-Tastaturen von Apple und Microsoft.

Nur bedingt für den Alltag geeignet

Formal gesehen ist die Bedienung des Ubuntu-Smartphones durchaus praktikabel. Alle Funktionen werden übersichtlich präsentiert und sind leicht erreichbar. Allerdings muss der Nutzer immer wieder mit kleineren Unzulänglichkeiten leben.

Dies zeigt sich schon bei den in den Seiten steckenden Menüs, die sich nicht mitdrehen, wenn der Bildschirm rotiert - im Querformat müssen die Schnelleinstellungen hochkant bedient werden. Auch der Browser arbeitet nicht ganz reibungslos: Zwar ist ein Wechsel der einzelnen Seiten mit Hilfe der Adresszeile stets möglich, doch teilweise wird das Aufrufen von Links auf einer Seite - etwa den Ergebnissen einer Google-Suche - verweigert.

Die größte Hürde für einen Einsatz des Ubuntu-Smartphones im Alltag stellt jedoch das sehr begrenzte Angebot an Anwendungen im Ubuntu Store dar. So gibt es zwar eine App für Facebook und Twitter, um den Social-Media-Gewohnheiten zu frönen, aber beliebte Messenger-Dienste wie etwa Whatsapp fehlen. Das Angebot an Spielen ist begrenzt; gleiches gilt für Office- und eigentlich alle anderen Anwendungen auch. Die vorhandenen Möglichkeiten basieren zumeist auf Web-Standards.

Erstelle einen neuen Thread im Artikel-Forum über dieses Thema
Dieser Thread ist für Kommentare geschlossen
1 Kommentar
Im Forum kommentieren
    Dein Kommentar
  • samserious
    Hoffentlich mausert sich UbuntuOS und insbesondere dessen Angebot an Apps noch etwas. Aber was den angeblichen Google-Kontozwang anbelangt, klar gilt der für Endverbrauchergeräte ab werk. Aber wer CustomROMs ohne GApps flasht, der braucht natürlich keinerlei Konten (auch wenn die das Umziehen von eienr Rom zur anderen erheblich vereinfachen). Zu einer Sache möchte ich noch etwas loswerden:
    "[...] beliebte Apps wie WhatsApp Messenger fehlen[..]". Als ob sich WhatsApp für OpenSource-Software und deren Nutzer interessieren würde.

    Spotify ist da ja mit Linux etwas entgegenkommender, Messenger wie Telegram ohnehin, aber WhatsApp ist für mich der Inbegriff für Mainstream-SocialMedia-Verblödung überhaupt. Ein Messenger, der nichtmal Dateien schicken kann, aber Schnellfunktionen für Selfies hat -.-
    1