bq im Interview: High-End-Geräte, Android One, OS und Wearables

bq, der einzige Smartphone-Hersteller, der seine Geräte eigenständig in Europa entwickelt, versucht mit leistungsstarken Mittelklasse-Smartphones und -Tablets zu überzeugen. Im Gespräch äußert sich bq's CTO zu Strategien, mobilen Betriebssystemen und IoT...

Seit rund zwei Jahren ist der Markt rund um Smartphones in Bewegung. Wurde das Angebot zuvor von einer Handvoll großer Hersteller bestimmt, ist seither einiges in Bewegung geraten. Eine Vielzahl neuer Anbieter versuchen ihr Glück - dies gilt etwa für Firmen wie Wiko, Phicomm oder Kazaam.

Auch das spanische Unternehmen bq fällt in diese Kategorie - und das ist auch nicht sonderlich verwunderlich. Denn das Unternehmen begann erst 2010 mit 16 Angestellten mit der Entwicklung von eBook-Readern; erste Smartphones und Tablets folgten zwei Jahre später, bevor 2013 mit der Konzeption und Fertigung eigener 3D-Drucker begonnen wurde, die mittlerweile in mehr als 50 Ländern zu haben sind.

2014 wies das Unternehmen bereits mehr als 1050 Mitarbeiter aus und klopfte auch hierzulande erstmals wahrnehmbar an die Tür. Selbst Roboter-Bausätze für Kinder finden sich im Angebot der Spanier. Dabei kann sich bq im Prinzip als einziger wirklich europäischer Smartphone- und Tablet-Hersteller fühlen: Im Gegenzug zur Konkurrenz bewerkstelligen die Spanier die Entwicklung vollständig in Eigenregie, während die anderen meist in Asien entwickeln lassen und oftmals vorgefertigte Geräte von ODM-Fabrikanten mit einem eigenen Namen versehen lassen. Die eigentliche Produktion verfolgt aber auch bei bq in Asien.

Welche Vorteile die größere Unabhängigkeit haben kann, zeigt bq im Februar. Mit der Vorstellung des ersten Smartphones auf Ubuntu-Basis wurde dem Hersteller einiger Rummel zuteil. Das Aquaris E4.5 Ubuntu Edition stieß nicht zuletzt aufgrund seines günstigen Preises bei den "frühen Vögeln" auf reges Interesse. Die ersten Chargen waren kurz nach ihrer Auslieferung zu den Händlern bereits wieder vergriffen. 

Während des bq OpenDays in Madrid wurde das Angebot mit Aquaris X5 um ein weiteres Smartphone erweitert, das - im Gegensatz zu seinen Vorgängern - nun auch optisch ansprechender wirken soll. Außerdem wurde mit dem Aquaris M5 ein klassisches Media-Tablet vorgestellt. Wir haben die Gelegenheit genutzt und mit CTO Ravín Dhalani über Strategien, Betriebssysteme und natürlich das Internet der Dinge gesprochen.

THDE: bq wird als Hersteller in Deutschland eigentlich erst seit zwei Jahren wahrgenommen. Die bisher vorgestellten Smartphones sind vor allem in der Mittelklasse angesiedelt. Mit welchen Strategien will bq mehr Kunden überzeugen, dass sie nicht zu einem Motorola- oder Samsung-Gerät greifen?

RD: Derzeit fokussieren wir uns auf den europäischen Markt. Wir denken, dass sich hier ein Fenster für ein Unternehmen wie das unsere geöffnet hat. Wir sind dicht an unseren Märkten und damit auch an unseren Nutzern dran und verstehen, was sie wirklich wollen. Gleichzeitig behalten wir die Kontrolle über die Entwicklung.

THDE: Ein Weg zu neuen Kunden stellt das Aquaris M10 dar. Doch warum entwickeln Sie ein klassisches Media-Tablet in Zeiten, in denen diese Produktkategorie unter zurückgehenden Verkaufszahlen leidet und mehr und mehr von Modellen abgelöst wird, die eine Tastatur bieten und damit in dem einen oder anderen Fall auch ein Notebook ersetzen?

RD: Dieser Einschätzung stimme ich durchaus zu. Aber wir sehen dennoch einen Markt für Media-Tablets und haben aus diesem Grund letztlich auf die Tastatur verzichtet. Ich glaube in dieser Kategorie gibt es kein besseres Tablet, was die Mischung aus Preis, Außenmaße, Design, Leistung und Akkulaufzeit anbelangt. Wir denken, dass uns das Verhältnis aus diesen Faktoren sehr gut gelungen ist.

Die aktuellen Convertibles sind ein interessantes, jedoch anderes Konzept, das wir uns auch für bq vorstellen können. Aber alles braucht seine Zeit. Hätten wir ein entsprechendes Gerät im vergangenen Jahr mit Windows 8 vorgestellt, wäre das vermutlich kein großer Erfolg geworden. Doch Windows 10 bietet nun neue Möglichkeiten. Gleiches gilt für Intels Skylake-Prozessoren, die einen guten Kompromiss aus Leistung, Stromverbrauch und Preis bieten.

THDE: In Deutschland greifen viele Nutzer nach wie vor zu High-End-Smartphones. Wäre ein entsprechendes Modell vorstellbar?

RD: High-End-Geräte sind etwas, über das wir bei bq bereits nachgedacht haben - zumal sie in Europa auf großes Interesse stoßen. Wenn man sich mal unsere Produktentwicklung während der vergangenen Jahre anschaut, stellt man fest, dass wir versucht haben, mit jeder Generation weitere High-End-Features zu liefern.

Damit steigt aber auch der Preis. Ganz am Anfang hatten wir einfache Smartphones für 99 und 119 Euro im Angebot. Das hat sich völlig geändert. Jetzt liefern wir Geräte zwischen 200 und 300 Euro aus. Und Flaggschiffe sind definitiv etwas, dass wir immer im Hinterkopf haben. Es ist also gut vorstellbar, dass wir unsere Ideen eines Tages in die Tat umsetzen.

THDE: Auf der anderen Seite entwickelt bq aktuell ein Android-One-Gerät, die Google für Entwicklungsländer konzipiert hat. Ist das ein Versuch, einen Fuß auf den südamerikanischen Markt zu bekommen? Spanien hat ja enge Handelsbeziehungen zu Ländern wie Brasilien und Argentinien.

RD: Vom sprachlichen und kulturellen Standpunkt aus betrachtet, hat Spanien natürlich eine enge Verbindung zu Südamerika, aber hinsichtlich des Verständnisses für Regulierung, offene Märkte, der Wirtschaft an sich nicht. Das ist einer der Gründe, warum wir uns derzeit vollkommen auf Europa konzentrieren. Sicherlich werden wir darüber nachdenken, auf den südamerikanischen Markt zu gehen, wenn wir die Möglichkeit sehen. Wir sind zwar mit unseren 3D-Druckern bereits in mehr als 50 Ländern vertreten, bei den Smartphones zählt für uns aber im Augenbblick nur Europa.

Android One ist für uns vielmehr eine sehr gute Gelegenheit, an einem Programm teilzunehmen, das die Vorteile eines reinen Androids mitbringt. Nutzer wollen beispielsweise regelmäßige Upgrades. Wir sehen darin also einen guten Ansatz, eines der besten Android-Konzepte zu einem niedrigen Preis allen Nutzern zur Verfügung stellen zu können.

THDE: Wo sehen Sie konkret die Vorteile von Android One für bq? Schließlich nutzt bq bereits Vanilla-ROMs, mit denen Sie doch eigentlich genauso verfahren könnten wie mit denen des Google-Programms?

RD: Das ist richtig. Aber in dem Android-One-Programm werden zusammen mit Google Richtlinien definiert, wie mit den Upgrades umzugehen ist, wie die Hersteller an die Upgrades kommen. Wir hoffen, dass mit diesem Programm Updates deutlich schneller an unsere Produkte verteilt werden können.

Ein weiterer Vorteil für uns ist, dass wir die Validierung zusammen mit lokalen Google-Teams durchführen können. Niemand weiß besser als sie wie die Android-Experience aussehen soll. Dies sind aus technischer Perspektive die beiden wesentlichen Punkte.

THDE: Würden Sie sich also am Ende ein Android-One-Programm für alle Smartphone-Klassen wünschen?

RD: Das Aquaris A4.5 Android One ist unser erster Schritt in Richtung Android One. Das heißt zunächst müssen wir Erfahrungen mit dem Programm sammeln, aber auch abwarten, in welcher Form es von Google weitergeführt wird.

Android One – sofern möglich – auch auf einem hochwertigeren Gerät zu verwenden, ist sicherlich eine Überlegung. Den Nutzern sind schnelle Upgrades auf die nächsthöhere Version wichtig. Wir machen aber einen Schritt nach dem anderen. Wir wollen erst mal dieses Projekt abschließen und dann sehen, ob es ein weiteres Gerät geben wird. Dabei wird auch das Feedback der Nutzer eine große Rolle spielen.

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