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THDE liest: Al Gore - Die Zukunft

THDE liest: Al Gore - Die Zukunft
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Unsere Buchbetrachtungen konzentrieren sich vorrangig auf die Zukunft. Was liegt da näher, als ein Buch zu besprechen, das "Die Zukunft" heißt und helfen soll, der Menschheit ihre Zukunft zu bewahren?

Wenn ein Politiker oder anderer Prominenter normalerweise ein Buch veröffentlich, sind dies von Ghostwritern zusammengeschriebene Memoiren, mit denen sich der Betroffene selbst beweihräuchert und ein Denkmal setzen will.

Gores "Die Zukunft" ist da eine rühmliche Ausnahme.

In seinem Sachbuch geht Gore äußerst detailliert auf vergangene und aktuelle Entwicklungen in der Welt und der Technik ein. Am Ende zeigt er Lösungsvorschläge auf, wie die Menschheit der Probleme Herr werden könnte.

"Die Zukunft" ist definitiv USA-zentriert, was allein schon daran liegt, dass dort ein besonderes Wahrnehmungsproblem bezüglich des Klimawandels herrscht. Durch den omnipräsenten Lobby-Einfluss auf die Politik aber auch auf die Medien werden Umwelt- und andere Probleme effizient unter den Teppich gekehrt.

Gore geht soweit, von einer "Zersetzung" der Demokratie in den USA zu sprechen. Diese geht sowohl von den unfassbar starken Lobbyisten als auch den zu kommerziell gewordenen Medien aus, die ihre Kontrollfunktion als vierte Gewalt im Staat nicht mehr wahrnehmen.

Themen des Buches

Im Mittelpunkt des Buches stehen - wie schon der Untertitel "die sechs Kräfte, die unsere Welt verändern" verrät - sechs "Kräfte" oder Entwicklungen, die einen immer größer werdenden Einfluss auf unsere Welt haben.

Kraft 1 (die "Welt AG") ist auf gewisse Weise ein anderes Wort für die Globalisierung. Weltweit agierende Großkonzerne leiten eher die Geschicke der Welt als regionale oder nationale Politiker. Die direktesten Auswirkungen auf Otto-Normalbürger sind die Faktoren Outsourcing (Verlagerung von Jobs in günstigere Regionen) und Robosourcing (Ersetzung von menschlicher Arbeitskraft durch Maschinen oder Computer).

Kraft 2 ist das "Weltgehirn". Es entsteht durch die immer stärkere Vernetzung von Menschen und Computern durch bessere Kommunikationswege und das Internet. Hier geht Gore insbesondere auf den Aspekt Datenschutz ein und vertritt eine eher europäische (bzw. deutsche) Sichtweise des Bereichs.

"Machtfragen" nennt Gore die dritte Kraft, die für ihn aus einer Machtverschiebung weg von den bisherigen Weltmächten (insbesondere den USA) besteht. Besonders China profitiert von der Unfähigkeit der USA, sich an die wandelnde Welt anzupassen und die Augen gegenüber den Veränderungen zu öffnen.

Die wohl wichtigste Kraft bezeichnet Gore als "Auswüchse". So bezeichnet er sich gegenseitig verstärkenden Faktoren wie zum Beispiel Bevölkerungswachstum, Umweltverschmutzung und gesteigertes/verändertes Konsumverhalten.

Die "Neuerfindung von Leben und Tod" nennt Gore die Veränderungen durch Genetik und Biowissenschaften. Durch neue Technologien entstehen sowohl Chancen (zum Beispiel auf Lebensverlängerung oder längere Gesundheit) als auch Gefahren (zum Beispiel durch fahrlässig durchgeführte Genveränderungen).

Die sechste Kraft ("Am Abgrund") und beschreibt die Reaktionen auf die Umweltveränderungen, die uns abgerungen werden.

Ein Beispiel

Natürlich kann in dieser Rezension nicht umfassend auf alle sechs Bereiche eingegangen werden. Stattdessen soll eine der im Buch offensichtlich werdenden Verkettungen aufgezeigt werden.

  • Rasantes Bevölkerungswachstum und höhere Lebenserwartung
  • Desertifikation (immer mehr Landstriche werden durch unsachgemäße Bewirtschaftung zu Wüsten - auch und insbesondere in den USA und Südamerika)
  • Wasserknappheit und nachhaltige Zerstörung von Süßwasserreservoirs (auch durch Fracking)
  • Weniger Nahrungsmittelanbauflächen durch Anbau von Biokraftstoffen
  • Steigender Fleischkonsum mit zehnmal so hohem Biomassebedarf pro Kilogramm Nahrung
  • Geringere Erträge in der Landwirtschaft durch steigende Temperaturen und Klimawandel
  • Ernteausfälle durch schlimmer werdende Ungezieferplagen in Folge von Monokulturen und Klimawandel

Schon einzelne der oben genannten Punkte sind an sich problematisch. Doch die Ballung dieser Probleme zeigt exemplarisch, auf welchen Abgrund die Welt zusteuert und wie rasant sich die Fahrt beschleunigt. Sicherlich hat jeder schon vom ein oder anderen Aspekt gehört und sich darüber Gedanken gemacht. Aber eben gerade die Kombination aller Faktoren macht sehr nachdenklich.

"Dieses Buch richtet sich zwar an eine Leserschaft auf der ganzen Welt, enthält aber auch eine besondere und dringende Botschaft an die Bürgerinnen und Bürger der Vereinigten Saaten von Amerika, die heute das einzige Land sind, das die notwendige weltweite Führungsrolle übernehmen kann." - Al Gore

Wer wegen der aktuellen Flüchtlingsströme aufgrund des regional beschränkten Syrien-Problems beunruhigt ist, wird sich kaum vorstellen können, wie es aussehen wird, wenn ganze Landstriche, Regionen, Länder oder Kontinente unbewohnbar werden und quasi deren Gesamtbevölkerung auf dem Marsch in bewohnbare Gegenden ist.

Lösungsansätze

Der letzte Teil des Buches geht auf Wege ein, die uns vor den größten Problemen bewahren könnten oder diese zumindest möglichst glimpflich verlaufen lassen soll.

In einigen Bereichen sind wir hier in Deutschland den USA und großen Teilen der restlichen Welt einen Schritt voraus. Die Umstellung auf regenerative Energie und nachhaltigere Land- und Forstwirtschaft stehen hier im Zentrum.

Als ebenso wichtig bezeichnet Gore die Abkehr von der Einstellung, dass Umweltverschmutzung und Ressourcenverbrauch quasi kostenlos sind. Buchhalterisch sind diese in Produktkosten nicht eingepreist. Eine Lösung wäre hier zum Beispiel der - in Europa immerhin schon halbherzig durchgeführte - Handel mit Emissionsrechten.

Damit die wie auch immer gearteten Veränderungen stattfinden können, muss allerdings die Politik willens und in der Lage sein, diese Veränderungen umzusetzen. Gore beschwört eine wieder erstarkende USA, ihre Vormachtstellung für eine Verbesserung der Weltsituation einzusetzen.

Weiterhin setzt Gore seine Hoffnung auf das Internet, das als Ersatz für die nicht mehr unparteiischen Medien für eine Reformierung der Demokratie dienen könnte.

Abseits dieser US-zentrischen Sichtweise denkt Gore in vielen Bereichen sehr europäisch und so drängt sich der Verdacht auf, dass er seine Landsleute letztlich "am Ego packen" will, damit diese den Arsch hochbekommen.

Nicht umsonst sind die letzten 100 Seiten des Buches Anmerkungen und Quellenhinweise - damit möchte Gore wohl den Eindruck des Spekulierens von sich weisen. Und das ist auch vernünftig, denn im Land der Kreationisten und Leugner des Klimawandels, die ihn sowieso schon allesamt "lieben", darf er sich keine Blöße geben.

Schließlich sind diese massiv verbreiteten Ansichten nicht ausschließlich persönlicher Unbedarftheit geschuldet, sondern resultieren aus professioneller Desinformation durch Politik und Wirtschaft.

Fazit

Muss man "Die Zukunft" lesen? Das Buch öffnet dem (nicht nur US-amerikanischen) Leser die Augen. Wer glaubt, er hätte die Augen schon weit offen, wird durch Gores Buch eventuell eines Besseren belehrt.

Es mag sein, dass Deutschland informationspolitisch und umweltpolitisch besser dasteht, als dies bei den USA der Fall ist. Aber dennoch finden sich in diesem Buch etliche Informationen über die Entwicklungen in der Welt im Allgemeinen und über die USA  im Speziellen, die für ein solides Weltbild unumgänglich sind.

Alle 12 Kommentare anzeigen.
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  • mareike , 6. Januar 2016 20:36
    ......."Dieses Buch richtet sich zwar an eine Leserschaft auf der ganzen Welt, enthält aber auch eine besondere und dringende Botschaft an die Bürgerinnen und Bürger der Vereinigten Saaten von Amerika, die heute das einzige Land sind, das die notwendige weltweite Führungsrolle übernehmen kann." - Al Gore

    Die Vereinigten Terror und Folterstaaten von Amerika haben die Führungsrolle, nur in die falsche Richtung. Al Gore ist nur ein US Dummschwätzer mehr. Man erinnere sich an sein Geschwafel mit dem Waldsterben. Dummerweise für Ihn ist das Waldsterben gestorben. Also muss wieder was anderes pallabert werden.

    Wenns den amerikanischen Miliardären langweilig wird, schreiben sie "Bücher".
  • kingphiltheill , 6. Januar 2016 22:39
    Das Waldsterben ist gestorben? Was passiert denn ununterbrochen mit dem Amazonas? Der Verlust von Regenwäldern zur Gewinnung von Ackerland ist mit ein paar neuen Bäumen in Europa niemals auszugleichen.
    Dein Kommentar ist totaler Quatsch.
  • Plitz , 7. Januar 2016 00:06
    Bis jetzt war jede "Wahrheit" die der ans Licht brachte nichts anderes als Schall und Rauch. Seine "Enthüllungen" können höchstens noch in den USA für Aufsehen sorgen, der Rest der Welt ist zum Glück schon etwas schlauer ...
  • Jo146 , 7. Januar 2016 08:55
    Immer wieder verblüffend wie unfassbar geschickt und ausgereift die Lügenindustrie funktioniert. Wahnsinn was damit verdiernt wird... Möchte gar nicht wissen wieviele Millionen dieses Buch kaufen und sogar daran glauben OHNE das zu hinterfragen was ihnen gesagt wird.
    Allerdings geht das Aufwachen los und wird immer größer.
  • Bodo , 7. Januar 2016 10:15
    @Jo146: Das genannte Buch ist ein solcher Weckruf.

    @Plitz: Schlauer als die USA zu sein ist nicht schwierig. Aber wenn wir in Deutschland (oder gar dem Rest der Welt) so schlau sind, wie kommt es bei uns zum Beispiel zur massiven Kohleverstromung? Das mit dem "schlau sein" ist leider immer so eine Sache ...

    @mareike: Gore kritisiert massiv die derzeitige Rolle der USA.
  • Plitz , 7. Januar 2016 10:55
    Also man muss jetzt echt nicht ein Buch von Gore lesen, um zu wissen, dass Kohle zur Stromerzeugung genutzt wird. Und genau das mein ich mit "Enthüllungen" ... Es ist keine Enthüllung! Es ist keine Überraschung! Es ist einfach so ...
  • ShieTar , 7. Januar 2016 11:27
    Zitat :
    Also man muss jetzt echt nicht ein Buch von Gore lesen, um zu wissen, dass Kohle zur Stromerzeugung genutzt wird. Und genau das mein ich mit "Enthüllungen" ... Es ist keine Enthüllung! Es ist keine Überraschung! Es ist einfach so ...

    Du wärest vielleicht überrascht wieviele Menschen die an sich trivialen Ursachen und Folgen des Klimawandels noch immer nicht nachvollziehen können, oder sich entschieden haben nicht daran glauben zu müssen. Es ist halt leider so das auch Wahrheiten, egal wie einfach sie sind, nur dann im Kopf der Mehrheit ankommen wenn sie häufig genug widerholt werden.

    Und solange die Wissenschaftsskeptiker durch Lobby-Organisationen mit dem passenden Kapital versorgt werden um ihre kruden Thesen von der Verschwörung zur Panikmache durch die Wissenschaftler nahezu täglich in Bild & Co zu verbreiten, hat jedes noch so triviale Buch das ein wenig Aufmerksamtkeit auf die Faktenbasierte Betrachtung der Realität lenkt einen gewissen Wert.

    Jetzt müsste man das Buch nur noch zur Pflichtlektüre für CSU-Politiker machen, inklusive anschliessender Prüfung. Dann kommen vielleicht mal sinnvollere Beiträge aus Bayern zum Thema Energiewende als eine sinnfreie Empörung über ein paar belanglose Strommasten.
  • mareike , 7. Januar 2016 11:37
    @ kingphiltheill vieleicht kennst du den Unterschied nicht Zwischen dem "Waldsterben" und Abholzung / Raubbau. Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun.
  • mareike , 7. Januar 2016 11:44
    .....Jetzt müsste man das Buch nur noch zur Pflichtlektüre für CSU-Politiker machen....
    Du meinst bestimmt Hörbuch ? Oder können die echt schon alle lesen ?
  • Tabernus , 8. Januar 2016 13:50
    Es ist schon erschreckend, dass hier Werbung für ein solches Buch betrieben wird.
    Jeder normaldenkende Mensch, der sich eingehend mit der Thematik befasst und auch Gegenargumente nicht kategorisch an sich abprallen lässt, sollte in der Lage sein Al Gore und alle Klimahysteriker als das zu entlarven, das Sie sind:
    Eine Ablenkung für den normalen Bürger, damit er sich eher um seine CO2-Bilanz sorgt, als echte Probleme, die Ihn selbst, sein Umfeld und die gesamte Menschheit betreffen, zu erkennen.

    Wenn die USA irgendwo vorangehen müssen, dann als Vorreiter für friedliche Konfliklösung und interkultuerelle harmonische Koexistenz - und weiter können IST- und SOLL-Zustand kaum voneinander entfernt sein.

    So hätte jeder Mensch auf jedem Fleckchen Erde ein sicheres Zuhause.
    Alle Staaten der Welt könnten gemeinen ECHTE Probleme lösen, statt durch Krieg und dadurch entstehenden Leid, Hunger, Tod und verschendeten hunderten Millarden Dollarn pro Jahr für Rüstung, Wiederaufbau... unnötig in einem Teufelskreis gefangen zu sein.

    Der Abschnitt "Wer wegen der aktuellen Flüchtlingsströme aufgrund des regional beschränkten Syrien-Problems beunruhigt ist, wird sich kaum vorstellen können, wie es aussehen wird, wenn ganze Landstriche, Regionen, Länder oder Kontinente unbewohnbar werden und quasi deren Gesamtbevölkerung auf dem Marsch in bewohnbare Gegenden ist." kann bestenfalls als unüberlegter Scherz formuliert worden sein, anderfalls würde man die globale Kriegsführung westlicher Staaten und das töten x-tausender Menschen nicht als "regional beschränktes Problem" benennen.
    Und wenn Landstriche derzeit "unbewohnbar" werden, dann könnte das, wie auf dem Balkan, in Afganistan, im Irak ... unter anderem daran liegen, dass die USA und Ihre Verbündeten dort mit Uran-Munition ganze Landstriche auf Jahrtausende verseuchen?
    Krieg ist die Ursache für die großen Probleme dieser Welt, und die Macht, die dahinter steht und die Möglichkeiten hätte dies zu ändern, ist die USA.

    Al Gore den Friedensnobelpreis für seine Hirngespinste zu geben war ein Witz, sein Film war ein Witz, und genau in die gleiche Kategorie fällt sein Buch.

    So etwas darf nicht unterstützt werden!
  • Bodo , 11. Januar 2016 10:15
    @Tabernus
    Zitat :
    Es ist schon erschreckend, dass hier Werbung für ein solches Buch betrieben wird.

    Dies ist eine (positive) Rezension - keine Werbung.

    Zitat :
    Eine Ablenkung für den normalen Bürger, damit er sich eher um seine CO2-Bilanz sorgt, als echte Probleme, die Ihn selbst, sein Umfeld und die gesamte Menschheit betreffen, zu erkennen.


    Du bist also der Meinung, dass der globale Temperaturanstieg, akuter Trinkwasssermangel, die Vernichtung von Mutterboden, Trinkwasserverseuchung durch Fracking etc. kein echtes Problem für das "Umfeld und die gesamte Menschheit" ist?

    Das Buch behauptet nicht, dass es keine anderen Probleme gibt. Aber macht das die angesprochenen Probleme weniger dringend? Übrigens geht Gore auch auf Probleme der Privatsphäre und vieles andere ein. Auf gewisse Art und Weise ist das Buch überaus europäisch.

    Zitat :
    Krieg ist die Ursache für die großen Probleme dieser Welt

    Und die Ursachen für Kriege sind jene, die es zu bekämpfen gilt: Rohstoffmangel etc.
  • quixx , 11. Januar 2016 15:51
    Zitat :
    .....Jetzt müsste man das Buch nur noch zur Pflichtlektüre für CSU-Politiker machen....
    Du meinst bestimmt Hörbuch ? Oder können die echt schon alle lesen ?


    Die sind weiß Gott nicht dumm, dumm ist nur, wer sie wählt unter 3Mio Guthaben.