Google: Chrome mit Adblocker am 15. Februar

Vor einigen Wochen ließ Google mit der Ankündigung aufhorchen, dass in einer kommenden Version des Chrome-Browsers ein Adblocker integriert werden soll, der Werbetreibende zu "guter Werbung" erziehen soll. Werbeinhalte werden immer dann blockiert, wenn die Formate in denen sie dargestellt werden, die bestimmten formalen Vorgaben nicht mehr entsprechen, die von einer sogenannten Coalition for Better Ads definiert werden. Dabei handelt es sich um ein Gremium, dem neben Google zahlreiche weitere Größen aus der Medienbranche - von Axel Springer über Facebook bis hin zu Interessenvertretungen verschiedener Werbetreibender - beiwohnen.

Nun hat Google verlautbaren lassen, dass die Chrome-Version mit dem integrierten Adblocker am 15. Februar erscheinen soll. Dieser scheint die einzelnen Seiten zu überprüfen und in einem sogenannten "Bericht zur Nutzerfreundlichkeit von Werbeanzeigen" aufzulisten. Bei Regelverstößen erhalten sie den Vermerk "Warnung" oder "Fehlerhaft". Anschließend hat der Seitenbetreiber die Möglichkeit die Anzeigenformate innerhalb von 30 Tagen nach den Regularien der Coalition for Better Ads zu ändern, ansonsten werden sämtliche Anzeigen auf der jeweiligen Seite ausgeblendet.

Auch wenn Google mit diesem Ansatz bei vielen Nutzern sicherlich auf Zuspruch stößt, bleibt es immer noch befremdlich, dass ein Unternehmen zu einer derartigen Bevormundung greift. Schließlich wird damit in das Recht der Seitenbetreiber eingegriffen, zu präsentieren, was sie für richtig halten, so lang es sich im gesetzlichen Rahmen bewegt. Vermutlich werden demnächst sämtliche Bilder mit nackten Brüsten verbannt, weil sie gegen Facebooks Sittlichkeitsempfinden verstoßen.

Und auch der finanzielle Aspekt darf nicht ganz vergessen werden: Ein Unternehmen, das Werbung im Internet zu neuen Höhen getrieben hat, für Werbezwecke sämtliche Informationen eines Nutzer ausschlachtet und damit Unsummen verdient, reglementiert die Anzeigendarstellung für Seitenbetreiber, denen die Refinanzierung ihrer Arbeit auch so schon schwerfällt.

Vielleicht sollte der kommende Chrome-Browser auch mit einem Tracking-Blocker versehen werden, der das Observieren der Nutzer im Internet durch Google und Facebook verhindert.

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3 Kommentare
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  • Rattenmann
    Das klingt arg nach "omg, meine Werbeeinnahmen! Die fiesen bösen Overlords!" für meinen Geschmack.

    Fakt ist: Viele Webseiten sind ohne Adblocker gar nicht mehr nutzbar.
    Aggressive Overlays, ständige Popups (gerne genau dann und dort wo man auf "weiter" drücken will), Werbung die kaum noch vom Content zu unterscheiden ist, oder Platzaufteilungen im 80% Werbung, 20% Content Bereich.

    Manche Seiten sind vor allem auf mobilen Geräten überhaupt nicht nutzbar, da man diese Overlays und Popups oft nicht wegklicken kann. Oder man versucht es und bekommt direkt 3 installationsdateien in die Downloadliste.

    Sicher ist nicht jede Webseite so extrem, aber die breite Masse ist es leider mittlerweile geworden. So viele, dass ich mittlerweile eine whitelist für brauchbare Seiten habe, statt eine Blacklist für die Übertriebenen.
    In meinem Fall wird dieser Schritt von Google also dazu führen, dass ich meinen Adblocker pauschal wieder aus haben werde und wieder eine Blacklist führen werde.

    Davon ab ist rein "Artikel schreiben und durch Werbung Geld machen" alles andere als Zeitgemäß und Zukunftsträchtig. Wer glaubt damit in einigen Jahren noch seine Miete bezahlen zu können ist illusorisch, oder gehört zu einer der Top 10 Seiten. Die Frage ist dann eher: Wurde vorraus gedacht? Welche anderen Geldquellen sind umsetzbar? Ist der Content zeitgemäß? Taugen die Entwickler der Seite, oder hinken sie hinterher?

    Die Hoffnung ist hier groß und ich erwarte steigende Einnahmen für die Seitenbetreiber.
    Zumindest wenn das Programm von Google so funktioniert wie erwartet.

    Und, das kann ich mir nicht verkneifen, gerade Tom's Hardware könnte hier durchaus einen Stoß in die richtige Richtung vertragen. Der Content ist oft Tage alt, die Werbung ist am Limit und die Webseite ist technisch gesehen auf dem Stand von vor 10 Jahren. Ich bin hier gerne gewesen für die meiste Zeit, aber z.B. ist dies der erste Post von mir in langer Zeit. Nicht weil ich nicht wollte, sondern weil jeder Browser den Gang ins Forum verweigert hat aufgrund von "zu vielen Cookies und Zirkelreferenzen". Selbst nach löschen ALLER alten Cookies,...

    Also nehmt den Vorstoß von Google als Hilfe an die Seite zu überdenken. Jetzt wo es sich noch rentiert. In 5 Jahren wird die Konkurrenz zu gut sein um TomsHardware noch in den Favoriten zu behalten.
  • matthias wellendorf
    Ich gebe dir da schon teilweise schon recht. Auf manchen Seiten blinkts und flackerts mehr als auf chinesischen Weihnachtsbäumchen. Und natürlich kam es in den vergangenen Jahren zu einer Spirale: Mehr Adblocker, mehr Werbung, mehr Adblocker... Und vielleicht ist der Ansatz auch richtig zu sagen, wenn sich der eine bei der Werbung zurückhält, machts der andere beim Blocken und am Ende haben alle mehr davon.

    Aber das ist eigentlich nicht der springende Punkt. Vielmehr ist es so, dass sich hier ein Unternehmen dazu aufschwingt über freiheitliche Individualrechte entscheidet. Und dass es sich dabei um Google handelt, macht die Sache ja nun nicht besser - hier wird der Bock zum Gärtner gemacht. Und dass in dem Gremium hauptsächlich die Großen der Branche sitzen, lässt das flaue Gefühl noch größer werden. Axel Springer war bisher nicht als gesellschaftlicher Wohltäter bekannt, sondern als stets auf den eigenen Vorteil bedacht.

    Reglementierungen dieser Art sollten nicht von Unternehmen vorangetrieben werden, sondern von Behörden, die auf der Basis rechtlichen Grundsätzen arbeiten. Man vergisst schnell, welch hohes Gut Grundrechte darstellen, die auch auf diesem Weg leise ausgehöhlt werden.
  • Rattenmann
    Zitat:
    Reglementierungen dieser Art sollten nicht von Unternehmen vorangetrieben werden, sondern von Behörden, die auf der Basis rechtlichen Grundsätzen arbeiten. Man vergisst schnell, welch hohes Gut Grundrechte darstellen, die auch auf diesem Weg leise ausgehöhlt werden.


    Da stimme ich persönlich überhaupt nicht zu.

    Behörden machen selten etwas das gut funktioniert.
    Behörden sind der Zeit meist Jahre, wenn nicht Jahrzehnte hinterher.
    Behörden handeln regional, nicht global.

    Der Aufwand für Werbetreibende sich an die Regularien jedes einzelnen Landes anzupassen ist sicher nicht billig. Im Endeffekt würde das das Budget reduzieren und damit das Einkommen der Seiten die diese Werbung anzeigen wollen / müssen.

    Hinzu kommt, dass wenn nicht Google, wer bitte hat den sonst das Wissen zwischen akzeptabel und nicht mehr akzeptabel zu entscheiden? Dann kommen dazu die großen Mitspieler die einfach am relevantesten sind. Wenn man hier sagt es müssen noch kleine und Behörden dazu, was würde das bringen? Die kleinen Firmen haben nicht die Daten / Erfahrung um sinnvoll mitzureden und die Behörden sowieso nicht.

    Das wäre als würde ein Prof. Dr. Dr. an der Uni mit einem Student im ersten Semester an einen Tisch gesetzt um darüber zu diskutieren wie die Vorlesungen zu handhaben sind.

    Solche Dinge sollten und können nur von erfahrenen Leuten (in diesem Fall natürlich Google und co) besprochen werden. Alles Andere würde schlicht schief gehen.

    Hinzu kommt, dass niemand gezwungen wird Chrome zu nutzen. Die breite Masse macht das durchaus freiwillig, weil die Produkte von Google nun mal gut ankommen. Nicht ganz grundlos. Andere Browser blocken auch, oder wollen dies tun. Ich habe jetzt die Details nicht mehr im Kopf (weil ich halt nur Chrome nutze), aber es gab schon mehr als einen Bericht von Browsern die exakt das Selbe machen wollen, oder bereits machen.

    Einziger Unterschied: Google macht das im Team mit anderen großen Namen, weist die Werbenden auf Missstände hin und gibt ihnen Zeit diese zu beheben. Andere Browserhersteller machen das willkürlich im Alleingang und blocken einfach ohne Hinweis und Hilfestellung.

    Natürlich verspricht sich Google davon etwas, genau das was bei mir z.B. funktionieren würde. Wenn die Werbung im Rahmen bleibt, dann braucht man keine Adblocker mehr. Damit bekommt auch Google mehr Geld. Wenn sie das erreichen und dabei meine wunden Augen entlasten, dann ist das sicher kein Problem.

    Alle gewinnen, WENN der Plan so umgesetzt wird und aufgeht:

    1. Für ihre Produkte Werbende haben mehr views und bekommen Feedback von professionellen Seiten.
    2. Seiten die Werbung schalten müssen mit weniger Adblockern rechnen und haben weniger Aufwand die verhassten Inhalte mundgerecht zu verpacken / zu verstecken.
    3. Nutzer können entspannter surfen, gerade auch da wohl auch die Malware lastigen Extreme gefiltert werden.

    Ich sehe hier keine Verlierer. Aber das hängt natürlich davon ab ob es auch echt so und genau so umgesetzt wird. Da aber wohl Google sogar am meisten profitiert erwarte ich hier keine bösen Überraschungen.