Ein Redakteur in Taiwan: Private Ein-, Aus-, An- und Absichten

Wenn einer eine Reise tut... Taiwan steht ja nicht nur für die Computex - viele Firmen haben hier ihren Hauptsitz. Da erschließen sich außerhalb der Messestände und offiziellen Termine viele Möglichkeiten zu persönlichen Besuchen und Kontakten.

Man muss sich wirklich entscheiden, was man mit der eigentlich doch recht eng bemessenen Zeit so alles anstellt. Fliegt man für nur eine Woche nach Taipeh, spult brav einen Messestandstermin nach dem anderen ab, schwitzt sich gediegen durch den Tag und hat am Ende außer News, die meist gar keine mehr sind, nur einen Koffer voll Hochglanzpapier, USB-Sticks mit Präsentationen und sonstigen Giveaways?

Oder nimmt man sich dann doch etwas mehr Zeit und versucht, mit den Herstellern und Entwicklern ins Gespräch zu kommen, Gedanken auszutauschen und auch einmal einen Blick hinter die Kulissen zu bekommen?

Persönliche Bekanntschaften und Kontakte sind nämlich mehr wert, als das bloße Schaulaufen in den Ausstellungshallen. Leider kostet so eine Entscheidung viel Vor- und Nacharbeit, denn es bleibt ja tonnenweise Arbeit im Labor liegen.

Knapp 40 Kilo Gepäck deuten samt der zwei eingeplanten Wochen dann eher auf Letzteres hin. Natürlich bin auch mit diversen Sticks und irgendwelchen Gimmicks zurückgekommen, aber der Schwerpunkt lag meist außerhalb der öffentlichen Hallen - und das war und ist auch gut so.

Natürlich gibt es auch viele Dinge, über die man besser noch nicht oder gar nicht erst schreibt, aber dazwischen gibt es wirklich Vieles, was auch für die Leser interessant sein könnte. Grund genug, dieses Jahr erstmals mehr als nur die übliche Nachlese zu schreiben - nur muss man dafür erst einmal pünktlich  in Taipeh ankommen...

Zunächst fehlte das Flugzeug in Istanbul erst einmal über Stunden auf der Anzeige, um dann irgendwann mit fast fünf Stunden geschätzter Verspätung doch noch irgendwie anzukommen. Wer dann noch die Nonchalance des türkischen Bodenpersonals und die chaotischen Zustände auf Istanbuls Flughafen hinzuaddiert, der weiß auch, dass dies noch lange nicht das Ende ist.

Der Anflug auf Taipeh erfolgt als halber Inselumflug zunächst in einer Schleife. Und weil ich diesmal nachts bei Dunst und Regen in einem gefühlten schwarzen Loch gelandet bin, müssen ausnahmsweise die (etwas wackeligen) Bilder vom letzten Jahr herhalten. Damals hatte ich mich - nach einer Woche Arbeit vom chinesischen Festland kommend - selbst mit einem Blick in die Abendsonne belohnt.

Ankunft in Taipeh

Knapp sechs Stunden Verspätung und eine Ankunft nach Mitternacht sind für routinierte Nachtarbeiter wie mich sicher noch zu verkraften, allerdings ist es dann schon eine Art Benchmark und Stresstest, wenn bis zum ersten Termin nur noch wenige Stunden verbleiben. Etwas glättendes Rouge auflegen geht nun mal bei mir als Hosenträger nicht, aber Rasieren schon. Nur mit dem Schlafen wird es wohl erst einmal nichts mehr.

Knapp 6 Stunden Verspätung. Das Shuttle stand schon auf einbem LangzeitparkplatzKnapp 6 Stunden Verspätung. Das Shuttle stand schon auf einbem Langzeitparkplatz

Wenn man am ganz frühen Morgen durch den Zoll spaziert, dann merkt man, dass man mit seinem kleinen Hangover nicht allein ist, denn die ganze "geschmuggelte" Wurst bleibt brav im Koffer. Auch Hunde möchten nachts schlafen, das Personal sowieso. Und so steht den folgenden zwei Wochen auch nichts mehr im Weg. Außer vielleicht der eine oder andere Scooter auf der Fahrt ins Hotel.

Apropos Nachtfahrt: Eigentlich ist immer Verkehr in Taipeh. Egal ob auf dem Highway, in der City oder einem der Townships. Konfuzius meinte nicht umsonst "Wer Geist hat, hat sicher auch das rechte Wort, aber wer Worte hat, hat darum noch nicht notwendig Geist." Deshalb schimpfen Autofahrer auf Taiwan auch nicht, wenn ihnen etwas missfällt. Irgendeiner gibt am Ende eh immer nach. Meist sogar noch mit einem Lächeln im Gesicht und man merkt einmal mehr, dass verbal nervige deutsche Oberlehrer dort eher nicht zum Straßenalltag gehören.

Nachtfahrt durch New Taipei City

Das steckt an und man gewöhnt sich schnell an die scheinbare Langsamkeit des Seins, die oft genug am Ende dann doch schneller ist. Warum Asiaten auch im Sommer auf offener Straße kaum schwitzen? Sie bewegen sich einfach anders und verzichten zudem auf Papiertaschentücher, die sowieso in wenigen Minuten zu nassen, golfballgroßen Klumpen in der Hosentasche mutieren. Taschentücher haben hier einen völlig anderen Zweck, denn der Körper besteht nun mal nicht nur aus der Nase. Man kann es kopieren und siehe da, es klappt sogar.

Deutsche Hast und Hektik haben von jetzt an erst einmal für zwei Wochen eine wohlverdiente Pause - man schafft die vielen Termine nämlich auch so. Außerdem bleibt so auch viel mehr Zeit, um auch Informationen und Puzzlesteine zu erhaschen, die man im Messetrubel sonst erst gar nicht erst findet.

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16 Kommentare
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    Dein Kommentar
  • derGhostrider
    Da ist kein 5er für die Wortspielkasse fällig, da geht wohl Dein Jahresgehalt drauf.
    Dieses Mal ein Bisschen zuviel des Guten.
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  • FormatC
    Du überschätzt die Einkommen der Redakteure :D
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  • kleinstblauwal
    Schönschön.

    Kleine Anmwerkung: Der leere Strand muss nicht zwangsläufig an den Temperaturen liegen. Asiaten haben einfach Angst vor der Sonne, weil sie ungern gebräumt werden wollen und baden lieber im UV-armen Flutlicht.
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  • FormatC
    Ich habe den Strand aber auch schon rappelvoll gesehen. Nachmittags war dort echt Flaute. Der dunkle "Sand" dürfte fast 50°C heiß gewesen sein, ich hatte ein Stück weiter nach dem Testlaufen total weiche Schuhsohlen :P
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  • Myrkvidr
    Nach 1x Nachtmarkt bräuchte ich wahrscheinlich einen ganzen Zusatzkoffer für die skurrilsten Entenprodukte, die dort aufzutreiben sind ;)
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  • diem_
    Schade, dass YouTube die Videos mit scheinbar musikalischem Hintergrund erstmal geblockt hat. :-/
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  • Diluvian
    @diem_ ja ist traurig aber du kannst mit diversen Erweiterungen für deinen Browser diesen Schmarn fast immer umgehen: ProxTube gibts zumindest für Firefox und Chrome. Viel Spass.

    Danke für die Einblicke in die Lian Li Produktion!! Hätte mir gerne etwas mehr "Info" von deinem ASUS-Trip erhofft. :-)
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  • Diluvian
    Sorry für Doppelpost. @diem_ du musst dann aber die Videos direkt in Youtube öffnen.
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  • diem_
    Danke für die Tipps.

    @Artikel: Bin jetzt durch. Klasse, danke und willkommen zurück.
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  • FormatC
    Gern geschehen. :)

    BTW: Diese GEMA-Sch...e nervt langsam. Da lief eine taiwanesische Mucke einer Band, deren Titel sogar lagal kostenlos runtergeladen werden können. reine Freizeitmusiker. Und: was kann ich dafür, was dort im Auto lief? Die Fahrtgeräusche sind nun mal GEMA-frei. Youtube ist paranoid und die GEMA ein Saftladen.
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  • Tesetilaro
    jup, man hat immermehr das Gefühl, die GEMA verhält sich wie eine quasi mafiöse Organisation...
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  • FormatC
    Streiche "quasi" :D
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  • Tesetilaro
    drum würd ich sagen, oh schöner augenblick...

    konjunktiv ftw. ;)
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  • Myrkvidr
    Deshalb bin ich froh, jede bislang veröffentliche CD unter Creative Commons rausgebracht zu haben. Für die GEMA hab ich nur einen sehr gewaltigen Mittelfinger übrig - und vor jedem Auftrittt einen Zettel voller angeblicher Songs von uns, die alle GEMA-beleidigende Titel tragen ;)
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  • FormatC
    Die GEMA kann man nicht beleidigen, denn es ist bereits eine Beleidigung. Dieser Verein ist so überholt und überflüssig wie ein Kropf.
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  • derGhostrider
    Mir geht "die GEMA-Vermutung" auf den Senkel. Es gab ja schon Konzerte mit Musik, die unter CC stand, bei denen die GEMA dann trotzdem kassieren bzw verbieten wollte, da von irgendwelchen Songs nicht nachgewiesen werden konnte, dass die wirklich unter CC standen, da der "Produzent" anonym bleiben wollte.

    Da bekommt man schon vom Lesen Agressionen. Anstatt, dass die mal nachweisen müssen, dass sie überhaupt die gespielten Künstler vertreten...
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