Exklusivtest: Core i7-3960X (Sandy Bridge-E) und die X79-Plattform im Preview

Vorserienmuster können so spannend sein! Heute tritt Intels kommender Core i7-3960X (alias Sandy Bridge-E) gegen Core i7-990X, Core i7-2600K und AMDs Phenom II X6 an. Und: Bekommt die X58-Plattform mit X79 einen würdigen Nachfolger?

Man muss schon sagen, dass Intel der Launch der Sandy-Bridge-Prozessoren wirklich gut geglückt ist. Die Single-Thread-Performance liegt deutlich höher als beim Vorgänger, und mit Quick Sync legte Intel ein Überraschungs-Feature vor, das in der Disziplin Video-Konvertierung selbst den GPGPU-Veteranen AMD und Nvidia die Show stahl. Wir waren zwar nicht besonders davon angetan, einen Aufpreis für die offenen CPU-Multiplikatoren der K-Modelle zahlen zu müssen um übertakten zu können,  doch dank eines sehr ausgereiften 32-nm-Fertigungsprozesses sind mit diesen K-CPUs Taktraten von annähernd 5 GHz zu erreichen – und zwar nur mit Luftkühlung.

Zusammen genommen stahlen all diese Verbesserungen Intels LGA-1366-Plattform, die nach wie vor das Flaggschiff für den Desktop-Bereich darstellt, das Rampenlicht. Selbst der Refresh in Form des Core i7-990X, der mit zwei zusätzlichen Kernen und einer höheren Taktrate antrat, konnte in zahlreichen Disziplinen nicht viel gegen einen Core i7-2600K ausrichten und sah ob seines Preisschildes von offiziell 1000 US-Dollar nicht gerade attraktiv aus. Anders ausgedrückt konnte der schnellste (und teuerste) Sandy-Bridge-Prozessor etwa 95 Prozent der Enthusiasten zufrieden stellen – und das zum nicht einmal halben Preis.

Der eigentliche Vorteil des Gulftown-Chips lag auch eher in seiner Kern-Zahl, und so konnte die CPU gerade in Workstation-Szenarien mit vielen Threads besonders glänzen. Immerhin verhilft Hyper-Threading den sechs Kernen zu insgesamt 12 Threads. Das war es dann aber auch. Im Rahmen eines Dreiteilers zur Performance-Skalierung von Grafiklösungen mit mehreren Karten (Teil 1, Teil 2, Teil 3) haben wir anschließend ausführlich untersucht, ob die 36 PCIe-2.0-Lanes des X58-Chipsatzes den 16 Lanes einer Sandy-Bridge-CPU bei Multi-GPU-Konfigurationen überlegen sein könnten – und konnten keinen wirklichen Vorteil erkennen.

So fragen wir uns, wie viele Käufer es selbst unter den Enthusiasten gibt, die für aktuell ab 840 Euro zu einem Core  i7-990X greifen würden, wenn der Core i7-2600K für runde 600 Euro weniger in den meisten Fällen schneller ist.

Doch was wäre, wenn man das, was den Gulftown ursprünglich einmal so spannend machte, mit dem Sandy-Bridge-Ansatz verschmelzen könnte? Genau diese Idee liegt dem Sandy Bridge-E zugrunde, der bald Intels neue Enthusiast-Plattform werden und damit Gulftown und die LGA-1366-Plattform ablösen soll.

Der interne Codename lautete ''Gesher'' (hebräisch: Brücke), bevor der endgültige Name vergeben wurde.Der interne Codename lautete ''Gesher'' (hebräisch: Brücke), bevor der endgültige Name vergeben wurde.

Spannender als die Einordnung auf dem Desktop ist am Ende aber die Frage, wo es mit Sandy Bridge-E im Workstation- und Server-Bereich hingehen wird. Immerhin wird diese CPU-Reihe das Rückgrat von Intels Xeon-E5-Familie bilden, die in Ein-, Zwei- und Vier-Sockel-Systemen zum Einsatz kommen.

Ein Namensschema, leicht angepasst

Vorerst wird Sandy Bridge-E in drei Varianten die Intel-Fans mit größerem Geldbeutel beglücken. Diese heißen Core i7-3960X, Core i7-3930K und Core i7-3820.

Überblick: Die Core i7 Prozessoren der zweiten Generation
Prozessor
Basistakt
Max. Turbo-TaktKerne / Threads
L3-Cache
SpeicherInterfaceTDP
Core i7-3960X
*offener Multi
3,3 GHz
3,9 GHz
6/12
15 MB
4-Kanal
DDR3-1600
LGA 2011
130 W
Core i7-3930K
*offener Multi
3,2 GHz
3,8 GHz
6/12
12 MB
4-Kanal
DDR3-1600
LGA 2011
130 W
Core i7-3820
3,6 GHz
3,9 GHz
4/8
10 MB
4-Kanal
DDR3-1600
LGA 2011
130 W
Core i7-2600K
*offener Multi
3,4 GHz
3,8 GHz
4/88 MB
2-Kanal
DDR3-1333
LGA 1155
95 W
Core i7-2600
3,4 GHz
3,8 GHz
4/88 MB
2-Kanal
DDR3-1333
LGA 115595 W
Core i7-2600S
2,8 GHz
3,8 GHz
4/88 MB
2-Kanal
DDR3-1333
LGA 115595 W

Diese Modellnummern sind ein wenig merkwürdig, denn sie legen nahe, dass Intel diese CPUs der dritten Core-i-Generation zuordnet. In allen Presseinfos, die uns bislang vorlagen, werden die Sandy Bridge-E CPUs aber als „second-generation Core i7“ CPUs geführt.

Inzwischen haben wir es aber schon mit so vielen wirklich undurchsichtigen Namensschemata verschiedenster Firmen zu tun gehabt, dass uns die unglückliche Bezeichnung „Core i7-3960X“ gerade mal ein müdes Stirnrunzeln entlocken konnte. Aber gehen wir den Namen noch einmal Stück für Stück durch. Intel Core i7 – so weit, so klar. Die „3“ im Namen steht wie gesagt für die Core-i-Generation, und die „960“ ist die eigentliche Modellnummer. Übrigens sieht die 960 im Vergleich zum 990 der Gulftown-Variante nicht wirklich sehr beeindruckend aus, aber das Bein hat sich Intel selbst gestellt.

Auch die Buchstaben am Ende der Bezeichnung sind inzwischen gute Bekannte. Das „X“ am Ende des -3960X steht für Intels „Extreme Edition“ Serie und bezieht sich normalerweise immer nur auf genau eine CPU, nämlich das aktuelle Desktop-Spitzenmodell. Das „K“, das Intel an den -3930K angehängt hat, beschreibt ein kleineres Modell, das aber immerhin noch über einen offenen, also frei wählbaren CPU-Multiplikator fürs Übertakten verfügt und sich damit ebenfalls an Enthusiasten richtet. Da der -3820 ganz ohne Anhängsel auskommt, gehen wir davon aus, dass er in die Fußstapfen des Core i7-2600 und des i5-2500 treten wird und eingeschränkt übertaktbar ist, also per BIOS einige 100-MHz-Stufen über dem maximalen Turbo-Boost-Takt erreichen kann.

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9 Kommentare
    Dein Kommentar
  • Hehe, das hab ich gestern auch schon auf der englischen THG Seite gelesen ^^ *duckundweg*
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  • Das explains auch the Überschrift des final Teils :D
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  • *Derfnam - Arghs. Danke, gechanged. So was happens mal.
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  • Kein QuickSync - na und? Wer benutzt es überhaupt? Ist doch wie bei AMDs AVIVO Technologie.
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  • Irgendwie schon sehr enttäuschend was Intel da abliefert. Aber mir solls recht sein. Die Frage ist nur wieso? Keine Konkurrenz und trotzdem bringen sie etwas unfertiges auf den Markt wie es scheint. Oder wird Bulldozer etwa doch noch ein heißes Eisen?
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  • Daumen runter? Artikel gelesen? Ich sag nur: Face the Wahrheit.
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  • Der Test zeigt einige Baustellen:
    - Manche Benchmarks sind offensichtlich stur Hardcoded auf maximal 4 Kerne, die sollten zukünftig nicht mehr verwendet werden. Auch die Wave->MP3 Kodierungen zeigen ein Bottleneck auf, entweder die Platte ist zu lahm, oder sie verwenden ebenfalls nur 4 Kerne.

    - AMD stinkt nun vollends ab mit bis zu 50% langsameren CPUs, obwohl gleich schneller Takt und gleich viele Kerne.

    - Intel sollte sich sputen und Ihre Boardstrategie überdenken. Ein HighEnd Board/PCH das/der deutlich weniger kann als der Vorgänger? WZF?

    Was mir noch fehlt ist die tatsächliche Leistungsaufnahme.
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  • Interesieren würde mich wie der 4 Kanal Speicherkontroller auf eine Ramdisk reagiert ?
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  • Sehr blöd das hier workstation/Server layouts mit Win7 und einigen Endkunden Applikationen getestet werden... tomshardware.de hats ja auch nicht wirklich drauf.

    Bin zufriedener Gulftown user - aber ich muss auch hauptsächlich wirklich mit dem Gerät arbeiten.
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