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Core i7-3970X im Test: Intels hausgemachter Xeon-Killer?

Core i7-3970X im Test: Intels hausgemachter Xeon-Killer?
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Ein Jahr lang war der Core i7-3960X Intels Desktop-Flaggschiff, jetzt wurde der Nachfolger Core i7-3970X mit mehr Takt und höherer TDP von 150W vorgestellt. Kann der Desktop-Bolide mit Workstation-TDP dem Xeon E5-2687W gefährlich werden?

Intels Core i7-3770K dürfte für die große Masse der Desktop-Nutzer und die Enthusiasten mehr als ausreichende Rechenleistung liefern, und dank der TDP von 77 Watt lässt sich damit bei cleverer Gehäuse- und Komponentenwahl sogar ein Power-Zwerg im mini-ITX-Format bauen. Für alle, denen selbst die vier Kerne und acht Threads jenseits der 4-GHz-Marke nicht reichen, hat Intel die Sandy-Bridge-E-CPUs im Portfolio, die mit bis zu sechs Kernen, 12 Threads und 15 MB Cache antreten. Rund ein Jahr nach Einführung des bisherigen Spitzenmodells Core i7-3960X kommt nun der Nachfolger mit moderater Takterhöhung aber höherer TDP und heißt folgerichtig Core i7-3970X.

Wie das Vorgängermodell passt der neue Sandy Bridge-E-Prozessor in einen LGA 2011-Sockel und hat einen Listenpreis von 1000 Dollar, bzw. in Europa einen Online-Preis von rund 940€ inklusive Mehrwertsteuer. Aber wo beim Vorgänger Core i7-3960X die maximale Verlustleistung noch bei 130W lag, beträgt dieselbe beim Core i7-3970X stolze 150W.

In der Geschichte der Desktop-CPUs haben wir bislang nur einmal einen 150W-Prozessor gesehen – den Core 2 Extreme QX9775. Im Jahr 2008 brachte Intel den QX9775 heraus, ein Xeon-Derivat mit LGA 771-Pinout, der speziell für das Doppel-Sockel-Board Skulltrail  positioniert wurde und primär für Videobearbeitungs- und Renderanwendungen gedacht war.

Der Core i7-3970X hingegen ist nur für Boards mit einem einzigen Sockel gedacht. Die höhere Verlustleistung resultiert klarerweise aus der höheren Taktrate. Der i7-3960X weist einen Basistak von 3,3 GHz auf und kann per Turbo Boost in Einzelthreadanwendungen bis auf 3,9 GHz hochtakten, sofern die Die-Temperatur das auch zulässt. Der i7-3790X startet hingegen bei 3,5 GHz und kann per Turbo Boost auf 4 GHz hochtakten.

Beide Prozessoren verfügen über sechs Cores und Hyper-Threading – somit können sie 12 Threads gleichzeitig bearbeiten. Beiden Prozessoren gemein ist auch der 15MB große L3 Cache und die 32nm-Chiptechnologie, sowie (als Extreme Edition-CPUs) ein nicht gesperrter, frei wählbarer Taktmultiplikator.

Erwarten wir vom Core i7-3970X neue Übertaktungsrekorde? Eigentlich nicht, denn die Prozesstechnologie ist ja gleichgeblieben. Als wir den Core i7-3960X vor einem Jahr unter die Lupe nahmen, erzielten wir stabile 4,6 GHz unter Volllast; es waren also alle sechs Cores unter Last. Der neue Core i7-3970X erzielt mit dem gleichen Wasserkühler 4,7 GHz, also nur unwesentlich mehr.

Wahrscheinlich sind mit aggressiveren Spannungseinstellungen noch höhere Taktraten möglich – wir wollten aber bei unseren Experimenten nicht über 1,4V hinausgehen. Allerdings muss man sich dann über die interne Die-Temperatur schon ernsthafte Sorgen machen, denn die Chiptemperatur ist ja zwangsläufig immer höher als die Außentemperatur der CPU. Der Core i7-3970X muss unter 91 Grad Celsius bleiben, um Throttling (zwangsweise Taktreduzierung) zu vermeiden, was umso schwerer fällt, je höher die Kernspannung ist.

Insofern ist gute Kühlung bei diesem Prozessor unverzichtbar, will man für den hohen Preis auch das volle Potenzial ausschöpfen. Intel rät von der Verwendung des preiswerten, hauseigenen RTS2011AC Luftkühlers, der online ab 14€ erhältlich ist, ab und schlägt stattdessen den ebenfalls mit dem Intel-Logo versehenen (und von Asetek gefertigten) RTS2011LC vor – einen vormontierten Wasserkühler, der für 150W-CPUs geeignet ist.Zieht man einen anderen Kühler in Erwägung, so sollte man sich vor dem Kauf genau informieren, ob dessen Kühlleistung für den i7-3970X ausreicht. Die meisten Kühlerhersteller halten sich ja bezüglich der Kühlleistung ihrer Produkte eher bedeckt. Auf jeden Fall sollte man rund 50 bis 70 Euro für einen guten Kühler budgetieren.

Die Konkurrenz

Konkurrenzprodukte? Der Vorgängerchip Core i7-3960X stand ein Jahr lang konkurrenzlos an der Spitze des Desktop-CPU-Performancecharts. Der schnellste Prozessor von AMD, der FX-8350, liegt performancemäßig im Mittelfeld der Ivy Bridge-Prozessoren. Der Core i7-3770K ist und bleibt eine gute Wahl für einen High-End Gaming-PC. Aber wenn es darum geht, multithreadfähige Anwendungen zu beschleunigen oder ein Gaming-System mit mehr als zwei Grafikkarten zu bauen, stehen die Core i7-CPUs auf Basis der Sandy Bridge-E-Architektur einfach konkurrenzlos da.

Für diesen Artikel haben wir neben dem neuen Flaggschiff Core i7-3970X auch den Vorgänger Core i7-3960X und den preiswerteren Core i7-3930K getestet. Aber, wie eingangs erwähnt, wollten wir den anderen 150W-Prozessor aus dem Hause Intel nicht einfach links liegen lassen. Es handelt dabei sich um den Xeon E5-2687W, wobei das ‘W’ für ‘Workstation’ steht.

Mit seinen acht Cores und 20MB L3-Cache demonstriert dieser Xeon, was ein Sandy Bridge-E-Desktopprozessor wirklich leisten könnte, wenn Intel nicht zwei der acht Cores abschalten würde. Da aber acht aktive Cores mehr Abwärme produzieren als sechs, muss Intel die Xeon-CPUs langsamer takten als die Desktop-CPUs. Daher weist der E5-2687W nur 3,1 GHz Basistakt auf, der aber bei Auslastung nur eines Cores per Turbo Boost auf 3,8 GHz angehoben werden kann. Die Gretchenfrage ist: Sind für massiv parallele Anwendungen acht Cores mit je 3,1 GHz besser als sechs Cores mit je 3,5 GHz?

Aber irgendwie hinkt der Vergleich dieser beiden Prozessoren. Zum einen ist der Xeon-Chip teurer, weil er für Motherboards mit zwei Sockeln entworfen wurde. Wenn wir von ‘teurer’ sprechen, meinen wir ‘deutlich teurer’ – beinahe doppelt so teuer. Sein Taktmultiplikator ist gesperrt, also kann er nicht übertaktet werden. Andererseits kann man – das nötige Kleingeld vorausgesetzt – auch zwei Xeons in ein Board stecken und die Performance noch weiter steigern. Zu Hause sinnvoll? Eher nicht. Aber wenn (Rechen-)Zeit bares Geld ist, weil man mit dem Rechner sein Einkommen bestreitet, dann lohnt sich selbst eine solche Investition bald.

4 Kommentare anzeigen.
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  • wiemi , 4. Dezember 2012 10:41
    Apropos Prozessorvergleich Xeon, es wäre ein Workstationvergleich auch wieder mal interessant insbesondere ein Prozessor vs zwei Prozessor mir a' 6 - 8 Kernen.

    Zahlt sich ein Zweiter Prozessor überhaupt in einer Workstation noch aus?
  • numerobis , 4. Dezember 2012 16:23
    Also den Sinn dieses Tests versteh ich jetzt ehrlich gesagt nicht... Warum bitte "Xeon-Killer" durch eine überflüssige Takterhöhung um lächerliche 200MHz?!?
    Und übertaktungsmäßig geht ja auch nicht mehr als mit nem "billigen" 3930K (meiner macht die 4,7 auch mit 1,34v - und da gibt's deutlich bessere). Ob nun 130W oder 150W ist eh egal. Warum also bitte so eine Welle? Am Verhältnis zum Xeon hat sich doch mal original gar nichts geändert...
    - Vorteile auf der einen Seite 2CPU+max. 8 Kerne+ECC
    - Vorteile auf der anderen Seite freier Multi+"günstiger" Preis
  • derGhostrider , 8. Dezember 2012 14:13
    Haswell - das werden die nächsten "interessanten" CPUs. Zumindest aus meiner Sicht:
    Im Leerlauf (also beim sinnfreien Schreiben in Foren, dem Surfen auf Seiten wie dieser hier, etc) verbrauchen die dann so gut wie nix mehr, aber es steht noch mehr Leistung auf Abruf bereit.

    Bis dahin wird von Intel nur noch etwas Fein-tuning betrieben, damit die ganz verrückten sich noch etwas "Neues" unter den Baum legen können.
    Nötig hat es Intel ja offenbar nicht, wie die Benchmarks belegen. Die tollsten AMDs sind ja schon relativ bescheiden. Vor allem mit ihren "Marketing-8-Kernen"... Also Quadcores, die in Ausnahmesituationen auch mal 2 Operationen pro Takt können.
    Da ist es schon regelrecht peinlich, wenn der 8-Kern Xeon mit 3,1 GHz mal eben doppelt so schnell rechnet wie der angebliche 8-Kern AMD mit 4 GHz Taktfrequenz.

    Klar: Gamern ist das relativ egal. Solange die Graka der Flaschenhals ist, interessiert die CPU nur sekundär. Ist halt alles relativ.
  • Skulldice , 8. Dezember 2012 21:31
    Hallo THG Team,
    ein Tippfehler:
    Der i7-3790X startet hingegen bei 3,5 GHz und kann per Turbo Boost auf 4 GHz hochtakten.
    richtig ist doch
    Der i7-3 97 0X startet hingegen bei 3,5 GHz und kann per Turbo Boost auf 4 GHz hochtakten.
    Gruß
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