Für alle, die vom letztjährigen Ivy-Bridge-E-Launch enttäuscht waren, scheint es mit Intels Core i7-5960X, i7-5930K und i7-5820K spannender zu werden: Bis zu acht Kerne, DDR4-RAM, der neue X99-Chipsatz und der Sockel LGA 2011-3. Aber lohnt ein Upgrade?
Vor etwas mehr als 10 Jahren präsentierte Intel den Pentium 4 Extreme Edition mit einem einzigen, mit 3,4 GHz taktenden Rechenkern einschließlich Hyper-Threading, der 512 KByte L2-Cache sowie zwei MByte L3-Cache bot und auf einen Front-Side-Bus (Quad-Pumped) mit 800 MHz setzte – allein die Verwendung dieser Begriffe weckt schon Erinnerungen!
Dieser Prozessor wurde durchweg im 130-nm-Prozess gefertigt und verfügte über 178 Millionen Transistoren. Intel verlangte dafür zum Release knapp 1000 US-Dollar und brachte die CPU zunächst für den aus heutiger Sicht antiken Sockel 478 heraus. Die TDP des Chips wurde mit über 100 Watt angegeben.
Niemand hätte damals erwartet, dass Intels High-End-CPUs eine ganze Dekade später über einen geringeren Basistak verfügen und nur unter günstigen thermischen Situationen bis zu einem Maximum von 3,5 GHz hochtakten würden. Aber genau das sind die Eigenschaften, die der neue Core i7-5960X aufweist.
Dabei muss man sich natürlich vergegenwärtigen, dass es sich hierbei um ein deutlich anspruchsvolleres Stück Technik handelt: Heutzutage ist man sich im Allgemeinen der Tatsache bewusst, dass eine höhere Taktfrequenz nicht die einzige Möglichkeit ist, um zu höherer Rechenleistung zu gelangen.
Der Core i7-5960X beherbergt acht Rechenkerne, die dank Hyperthreading gleichzeitig bis zu 16 Threads verarbeiten können. Multi-Core-optimierte Programme, die eine Aufteilung der zu verarbeitenden Daten in mehrere Threads erlauben, laufen auf einer derartigen CPU deutlicher schneller. Jeder Rechenkern kann auf einen eigenen L1-Cache von 32 KByte sowie 256 KByte L2-Cache zurückgreifen. Hierzu gesellen sich fette 20 MByte L3-Cache. Den müssen sich zwar alle acht Rechenkerne teilen, aber das resultiert letztlich in den magischen 2,5 MByte pro Kern, auf die Intels Architektur abzielt.
Während die Extreme Edition von 2004 ausschließlich Host-Processing-Aufgaben bewältigen konnte, bietet die aktuellere 2014er CPU eine viel weitreichendere Funktionalität. So bringt der Core i7-5960X einen integrierten PCI-Express-Controller mit, der insgesamt 40 Lanes und eine Datentransferrate von 8 GT/s bereitstellt (das bedeutet, dass PCI Express 3.0 offiziell unterstützt wird!). Darüber hinaus bietet er den ersten Quad-Channel Speichercontroller für DDR4, der aus dem Stand heraus 2133 MT/s erlaubt.
Zum Nachlesen
Wer sich für einen tieferen Einblick in die Haswell-Architektur interessiert, die letztlich die Basis jeder Haswell-E-basiertenm CPU darstellt, kann sich die diesbezüglichen Details in unserem Artikel "Intels Core i7-4770K im Test: Haswell ist schneller, aber spannend geht anders" zu Gemüte führen.
Im Prinzip basiert der i7-5960X auf Intels aktueller Haswell-Architektur. Da es sich hierbei jedoch um eine CPU für den Server- und Workstation-Bereich handelt, wird sie dementsprechend als Haswell-E bezeichnet.
Im Gegensatz zu den normalen Desktop-Varianten der Haswell-Prozessoren, die mit 16 eigenen PCI-Express-Lanes und DDR3 auskommen müssen, gibt es hier eine deutlich höhere Anzahl an Lanes sowie den zuvor erwähnten Speichercontroller.
Dafür wurde bei den Haswell-E CPUs allerdings auf die integrierte HD-Grafik-Engine verzichtet, die zum Launch der Core-CPUs der vierten Generation noch ausgesprochen prominent beworben worden war.
Intel geht richtigerweise davon aus, dass der Käufer einer besonders leistungsstarken Workstation- oder Gaming-CPU in der Regel auch eine zusätzliche, diskrete Grafiklösung einsetzen wird. Statt also die effektiv nutzbare Transistormenge durch die Implementierung einer integrierten Grafikeinheit zu schmälern, wurden alle nutzbaren Ressourcen mit dem Ziel eingesetzt, einen maximal leistungsfähigen Host-Prozessor zu realisieren.
Ungeachtet dieser Kalkulation misst der Die der Haswell-E CPU immer noch 355 mm² und beherbergt 2,6 Milliarden Transistoren – 15 Mal mehr Transistoren als der Pentium 4 Extreme Edition. Der Chip wurde im 22-nm-Verfahren gefertigt und die TDP mit mit 140 Watt angegeben. Wir erwarten, dass auch dieser Prozessor zum Zeitpunkt seiner Verfügbarkeit für den von Intel üblicherweise veranschlagten Preis von um 1000 US-Dollar angeboten werden wird.
Core i7-5930K und Core i7-5820K
Jedes Mal, wenn wir eins der 1000-US-Dollar-Flaggschiffe aus dem Hause Intel testen, würdigen wir dessen außergewöhnlichen Status. Trotzdem sind wir uns natürlich der Tatsache bewusst, dass viele Enthusiasten den Erwerb einer günstigeren Alternative bevorzugen und dann selbst Hand anlegen, um den Leistungsunterschied zum Top-Modell durch Übertaktung auszugleichen.
Im Hinblick auf die Haswell-E Generation bietet allerdings allein der Core i7-5960X den Vollausbau in Form von acht physischen Rechenkernen. Der Erwerb einer der beiden günstigeren Alternativen bedeutet je nach Modell wenigstens den Verzicht auf einige Kerne und etwas Cache.
Glücklicherweise wird der Anwender gerade im Gaming-Bereich nicht gleich durch einen Leistungseinbruch abgestraft, wenn hier "nur" sechs statt acht Kerne zum Einsatz kommen. Das gilt vor allem dann, wenn auf die ohnehin sehr effiziente CPU-Architektur von Intel gesetzt wird, und dann umso mehr, je höher deren Taktfrequenz ausfällt.
Unterm Strich ist Intels Core i7-5930K somit sogar die bessere Wahl für Spieler, selbst wenn diese bereit sind, in Ultra-High-End-Hardware zu investieren. Er basiert im Prinzip auf demselben Die wie der Core i7-5960X; Intel hat lediglich zwei Rechenkerne und 5 MByte L3-Cache deaktiviert. Was somit bleibt, sind sechs Kerne, 15 MByte L3-Cache, volle 40 PCIe-3.0-Lanes und der Quad-Channel DDR4-Speichercontroller. Der Basistakt liegt bei 3,5 GHz und wird mittels Turbo Boost bei Bedarf auf bis zu 3,7 GHz angehoben. Der Preis beläuft sich auf 583 US-Dollar, wodurch das mittlere Modell über 400 US-Dollar günstiger zu haben sein wird als der Core i7-5960X.
Wem das immer noch zu viel ist, der kann zum kleinsten Modell in Gestalt des Core i7-5820K greifen, der laut ersten Informationen für bezahlbare 389 US-Dollar zu haben sein wird. Auch diese CPU bietet sechs Rechenkerne, 15 MByte L3-Cache und einen Quad-Channel DDR4-Controller. Allerdings hat Intel hier den Rotstift bei den zur Verfügung stehenden PCI-Express-Lanes angesetzt: Der i7-5820K bietet nur 28 statt 40. Darin ist allerdings kein gravierender Nachteil zu sehen, da auch diese CPU noch genug Spielraum bietet, um Single-, Dual- oder Triple-GPU-Setups zu fahren – zumindest, solange AMD und Nvidia hier weiterhin eine x8/x8/x8-Anbindung erlauben. Laut offizieller Angaben von Intel wird diese x8-Aufsplittung der Lanes vom i7-5820K unterstützt; die tatsächliche Aufteilung wird aber ohnehin auf der Mainboard-Ebene umgesetzt.
Im Vergleich zum Core i7-5930K muss der kleinere i7-5820K auch bei der Taktfrequenz ein paar Federn lassen: Sein Grundtakt beträgt 3,3 GHz, per Turbo Boost sind 3,6 GHz möglich.
| Core i7-5000-Series Turbo Boost Clock Rates (GHz) | |||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Base Clock Rate | One Core Active | Two Cores Active | Three Cores Active | Four Cores Active | Five Cores Active | Six Cores Active | Seven Cores Active | Eight Cores Active | |
| Core i7-5960X | 3,0 | 3,5 | 3,5 | 3,3 | 3,3 | 3,3 | 3,3 | 3,3 | 3,3 |
| Core i7-5930K | 3,5 | 3,7 | 3,7 | 3,6 | 3,6 | 3,6 | 3,6 | x | x |
| Core i7-5820K | 3,3 | 3,6 | 3,6 | 3,4 | 3,4 | 3,4 | 3,4 | x | x |
Ein Enthusiasten-freundliches Trio
Bei allen drei von uns getesteten Prozessoren handelt es sich um Modelle aus der Extreme Edition oder K-Serie. Das bedeutet, dass sie alle einen offenen Multiplikator bieten und somit deutlich einfacher übertaktet werden können als die meisten Haswell-CPUs aus dem Mainstream-Bereich.
Und es kommt noch besser: Der Die der Haswell-E Prozessoren wurde bei der Core i7-5xxx-Serie mit dem großen Heatspreader verlötet. Im Gegensatz dazu kommt bei den Mainstream-Haswells für den Sockel 1150 nur eine weniger effektive Wärmeleitpaste zum Einsatz: Die Mainstream-CPUs heizten sich in unseren Tests aufgrund der schlechteren Wärmeabführung ziemlich schnell auf, so dass die VCore sowohl beim Einsatz von Luft- als auch Wasserkühlungen nur begrenzt zu Übertaktungszwecken heraufgesetzt werden konnte. Ein verlöteter Heatspreader verspricht demgegenüber eine schnellere Weiterleitung der am Die entstehenden Hitze und sollte dem Haswell-E somit einen potenziellen OC-Vorteil verschaffen.
Selbstverständlich sind gerade die Hersteller von High-End-Hardware angesichts des Core i7-5960X und der kleineren Derivate begeistert. Im Testlabor verfügen wir über riesige Dual-Tower Kühler wie Noctuas NH-D15 oder auch Kompaktwasserkühlungen mit geschlossenem Kühlkreislauf wie beispielsweise Intels eigene BXRTS2011LC.
G.Skill beschickten uns mit DDR4-3000-Speicherriegeln (CL 15). ASRock und MSI bewaffneten Chris Angelini von unseren US-Kollegen mit einer Hand voll beeindruckend aussehender Mainboards für den heutigen Launch-Artikel, während Thomas Soderstrom bereits am ersten Roundup für LGA 2011-3 Mainboards sitzt, bei dem alle wichtigen Hersteller vertreten sein werden.
Ah, Moment – LGA 2011-3! Da gibt es ja auch noch einiges neues zu berichten.
- Drei neue CPUs für Enthusiasten
- X99, LGA 2011-3 und DDR4: Bereit für ein großes Update?
- So testen wir Intels Core i7-5960X, i7-5930K und i7-5820K
- Benchmark-Ergebnisse: Synthetische Benchmarks
- Benchmark-Ergebnisse: Real-World-Benchmarks
- Benchmark-Ergebnisse: Battlefield 4, Grid 2 und Metro: Last Light
- Benchmark-Ergebnisse: Star Swarm, Thief, Tomb Raider und WoW
- Leistungsaufnahme: Equipment und Standardtakt
- Leistungsaufnahme: Übertaktung auf 3,5 GHz - 8 vs. 6 Kerne
- Leistungsaufnahme: Übertaktung auf 4,0 GHz - 8 vs. 6 Kerne
- Leistungsaufnahme: Übertaktung auf 4,5 GHz - 8 vs. 6 Kerne
- Leistungsaufnahme: Übertaktung auf 4,8 GHz
- Leistungsaufnahme: Arbeitspeicher
- Energieaufnahme während des Benchmark-Parcours
- Fazit: Intels Haswell-E - Modernste CPU-Architektur für Enthusiasten



125 reicht aber.
Bevor ich es vergesse: Die geballt emsige Journalisten Power hat wieder mal eine gute Arbeit abgeliefert! Ebenfalls Danke!
Der "Graph", also diese drei gepfuschten in einem, lassen mir bittere Tränen über die Wangen laufen.
Das hätte EINE 3D-Fläche sein müssen, nicht drei 2D-Graphen in einer Zeichnung, wobei die Darstellung der Taktrate, die bereits die Achsenbeschriftung stellt, haarsträubend ist.
Gibt es denn bei euch KEINEN klassischen Naturwissenschaftler oder gar Mathematiker?
Der Test ist ganz nett - für mich jedoch zu OC-lastig.
Unterschiedliche Einheiten hätte ich bestimmt nicht vermischt.
EBEN! Das hätte man auch in einen Graphen stecken können, so, wie es die Überschrift zum Graphen auch erwarten lässt.
Drei Werte, drei Koordinaten pro Punkt
x,y,z -> Das hätte das Ergebnis gebracht. Ihr müsst ja immer einzelne Messpunkte mit sinnfreien Linien verbinden (damit es hübscher aussieht), aber so hätte es dann eine krakelige Linie im 3D-Koordinatensystem gegeben.
Das ist eine 3D-Fläche. Soviele Messpunkt hättet ihr gar nicht gehabt, bei euch wäre es noch einfacher gewesen.
Das stimmt! Also möchte ich hiermit offiziell den ganzen Test in Frage stellen! Aber: Derfnam ist Schuld!
http://www.computerbase.de/2014-08/intel-core-i7-5820k-5960x-haswell-e-test/5/