Exklusiv: VR-Kunstprojekt Cosmotic ausprobiert

Es ist dunkel. Anderthalb Meter unter der Erde, in einem der angesagtesten Clubs des Dresdner Szeneviertels stehen zwei Leinwände.

Ein Beamer zeigt den in der Realität zurückgeblieben, was die Spielerin in der virtuellen Realität sieht. Mit einem speziellen Handschuh und einer Vielzahl an Sensoren - und ohne wirklichen Plan - steht sie im All, sozusagen dem Hub von Cosmotic.

Cosmotic ist kein Spiel und auch kein Produkt. Es wird keine kommerzielle Vermarktung geben, die Monetarisierung würde bereits an der nötigen Hardware-Ausstattung scheitern - neben einer HTC Vive ist eine Herzfrequenz-Messung, ein Leap-Motion-Sensor und ein Leitfähigkeitsmessgerät für die Messung des Stresslevels und ein Temperatursensor für die Atemmessung nötig.

Die Sensoren sind eine elementare Notwendigkeit für die Rückkopplung zwischen Spieler und Spielgeschehen. Vom Hub aus sind in der aktuellen Versionen verschiedene Demos oder Räume ansteuerbar, die später aktiv auf die Vitaldaten des Nutzers reagieren sollen. So werden etwa Wellen höher, wenn das Herz des Spielers rast.

Wer bereits in den Genuss der virtuellen Realität gekommen ist, kennt die starke Immersion, die allein aus der 360°-Sicht erwächst. Der Einfluss des eigenes Körpers auf Bild, Grafik, Licht und Sound soll diese noch verstärken und dazu anregen, auch in der echten Welt auf sich selbst zu achten. Der Gedanke an Meditation oder Therapie ist naheliegend und erwünscht.

Das 14-köpfige Team setzt sich Künstlern, DJs, Programmieren und Geisteswissenschaftlern zusammen, was trotz dem gerade mal knapp fünfstelligen Budget sowohl die zwar pragmatische, aber gelungene technische Umsetzung als auch die hohe ästhetische Qualität erklärt.

Zudem will das Projekt etwa mit einer KI, die "empathisch" auf die Stimmung des Spielers reagieren soll, auch philosophische Fragen nach unserer Beziehung zur Technik und uns selbst anstoßen.

Was sich akademisch anhört, ist letztlich nichts anderes als Grundlagenforschung in der VR: Wie reagieren Spieler, wenn ihr Puls, Hautwiderstand und Atem vom Spiel berücksichtigt werden? Zusätzlich muss das richtige Abhängigkeitsverhältnis gefunden werden, damit die Kausalität auch ohne große Erklärung klar wird, aber gleichzeitig eine gezielte Steuerung möglich bleibt.

Die Leitfähigkeitsmessung gibt Rückschluss auf die Schweißproduktion und damit den Stresslevel.Die Leitfähigkeitsmessung gibt Rückschluss auf die Schweißproduktion und damit den Stresslevel.Spätere Version von Cosmotic sollen zudem eine Art Mehrspielermodus beinhalten: Frühere Nutzer des Projektes bleiben als Sound-Skulptur in Universum erhalten. Energie, die in den einzelnen Räumen respektive Minispielen gewonnen wird, kann man diesen Nutzern übertragen oder abziehen - mit unterschiedlichen Konsequenzen.

Ein Wehrmutstropfen bleibt: Cosmotic wird nur einem vergleichsweise kleinem Publikum offenstehen, nämlich auf mehr oder wenigen einschlägigen Veranstaltungen.

Eine Möglichkeit zum Ausprobieren bietet sich etwa beim Cynetart-Festival in Dresden-Hellerau (15.-16.11.2016) und dem WIPS-Festival in Leipzig (18.-20.11.2016). Über eine in Kürze startende Crowdfunding-Kampagne wollen die Entwickler das Projekt zudem weiter finanzieren und erweitern.

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  • neue raeume
    An Alle, die unsere Forschung und die Weiterentwicklung von COSMOTIC unterstützen möchten, ist hier der Link zur Crowdfunding-Kampange auf startnext.com: https://www.startnext.com/cosmotic Vielen Dank und Grüße!
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