Praxis: Kleine Lade-Odyssee - Auf Reisen mit dem Elektroauto

Elektroautos haben ein Problem: Die mangelnde Reichweite - zumindest glauben das die meisten. Fakt ist: Wer größere Strecken elektrisch zurücklegen will, muss unterwegs laden. Wir schauen uns die aktuelle Lage an und wagen einen Selbstversuch.

Wenn ich erzähle, dass ich ein Elektroauto fahre, lautet die erste Frage nahezu immer: "Wie weit kommst Du damit?" Meine Antwort: "So weit, wie ich muss."

UPDATE 5.10.16, 12:30 Uhr: Neue Seite 7 - UPDATE/NACHTRAG: Der Ausbau der (Schnell-)Ladeinfrastruktur - hinzugefügt; ist uns beim Einpflegen durchgerutscht.

Tatsächlich ist die begrenzte Reichweite neben dem hohen Preis immer noch der größte Hemmschuh, der viele davon abhält, sich ein Elektroauto zuzulegen. Derzeit sind realistisch mit keinem Auto - außer denen von Tesla - mehr als 200 Kilometer ohne Nachladen möglich. Und das auch nur unter idealen Bedingungen, also bei trockenem und warmem Wetter, kaum Wind und moderaten Geschwindigkeiten.

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Im Winter halbiert die sich reale Reichweite auch mal ganz schnell. Ich selbst fahre einen Kia Soul EV, den der Hersteller mit einer Reichweite von 212 Kilometern bewirbt. Das kann man schaffen und das habe ich auch schon geschafft - die Regel ist es aber nicht.

Nach knapp 10.000 elektrischen Kilometern kann ich sagen: Im Sommerhalbjahr ist alles zwischen 150 und 200 Kilometern möglich, im Winter sind es 120 bis 150. Im Vergleich zu einem Verbrennerfahrzeug klingt das natürlich nach sehr wenig. 400 Kilometer schafft eigentlich jedes Auto mit Benzin- oder Dieselmotor, meist sogar deutlich mehr.

Doch was bedeutet das für den überwiegenden Teil der Autofahrer? Dass sie vielleicht ein Mal pro Woche tanken müssen – oder gar noch seltener. Denn der Großteil aller in Deutschland gefahrenen Strecken liegt weit unterhalb von 100 Kilometern. Für diese Wege reicht also ein Elektrofahrzeug locker aus. Und wenn man zuhause eine Lademöglichkeit besitzt, lässt sich der Akku stets nachladen, wenn das Fahrzeug nicht bewegt wird.

Jetzt werden viele sagen: "Klar, aber wir fahren eben auch öfter mal weitere Strecken. Also taugt das E-Auto doch nur zum überteuerten Zweitwagen." Dieses Argument sollte man auch als Elektroauto-Verfechter gelten lassen. Dennoch lässt es sich zumindest teilweise entkräften. Der einfachste Weg wäre die Anschaffung eines Plug-in-Hybrids, also eines Fahrzeugs mit Elektro- und Verbrennermotor, dessen kleiner Akku auch an der Steckdose aufgeladen werden kann.

Damit lassen sich realistisch zwischen 25 und 50 Kilometer elektrisch bewältigen, was immer noch für den Löwenanteil aller "Normalfahrer" ausreichen sollte. Man denke nur an die täglich wiederkehrenden Fahrten zum Kindergarten, zur Schule, zum Einkaufen und auch die eher kürzeren Pendlerstrecken. Wenn der Arbeitgeber dann noch den Strom spendiert, kommt man auch vollelektrisch wieder nach Hause. Für längere Strecken wie Verwandtenbesuch oder Urlaub muss dann eben der Verbrennungsmotor herhalten, wenn der Akku leergefahren ist. Vor Ort kann man dann meist wieder laden und regional stromern.


Der Weisheit letzter Schluss sind Hybride aber nicht, auch wenn uns das der ein oder andere Autohersteller glauben machen will. Denn letztlich fährt man zwei vollwertige Motoren mit allen Zusatzaggregaten durch die Gegend. Das treibt das Gewicht und damit den Verbrauch in die Höhe. Zudem fallen höhere Wartungskosten an. Und bezahlen muss man die beiden Motoren beim Kauf natürlich auch – Elektroprämie hin oder her.

Auch rein elektrisch sind größere Strecken zu bewältigen. Voraussetzung dafür ist allerdings eine ordentliche Ladeinfrastruktur. Daran arbeitet unser Verkehrsminister gerade, sagt er. Wir schauen uns einmal an, was sich da bis dato getan hat und wo wir stehen.

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33 Kommentare
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  • Tesetilaro
    interessanter artikel - erfahrungsberichte wie diese - abseits einschlägiger elektorcar communities, sind der richtige weg elektro noch mehr in die köpfe der leute zu bekommen ;)

    Halt mal die Augen offen nach brauchbaren 125 cm³ equivalenten auf 2 rädern ;)
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  • gst
    Yop, fand den auch sehr interessant. Ist halt leider immer noch keine "Fire&Forget"-Technik á la Benziner (im Sinne von: Einfach einsteigen und losfahren ist halt nicht), wie Patrick ja auch schreibt, und die Preise sind wahrscheinlich auch abschreckend für viele potenzielle Interessenten. Aber das Ganze wächst und wird interessanter.

    Bzgl. Zweirädern: Wir haben ja jetzt ein, zwei Sachen zu den E-Bikes/E-Motorbikes veröffentlicht und ich wäre da auch sehr interessiert. Aber hier finde ich die Kombination aus Preisen (für die interessanteren Produkte) und verkehrsrechtlichen Einschränkungen recht hinderlich.

    Aber letztlich ist das Ganze halt ein "Wachstumsmarkt" - mal schauen, wie sich das weiter entwickelt. :) Denn PAtrick hat schon recht: Wenn man es realistisch betrachtet reichen 10-150 km Reichweite der großen Masse für den täglichen bedarf völlig aus. Ist halt nicht jeder Berufskraftfahrer... ;)
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  • alterSack66
    Na ja, eine Firma mit Z bietet ja recht brauchbare Mopeds an. Vom Preis mal abgesehen.
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  • Netsrak
    Grundsätzlich halte ich Elektroautos bereits für viele Menschen für praxistauglich. Auf jeden Fall auch für viele, die dies bislang selbst noch nicht so sehen.

    Ein gern vergessenes Problem jedoch ist, dass wenn ich in einem Hochhaus im 13. Stock wohne, ich mein Auto meist nicht einfach so über Nacht zu Hause aufladen kann. Und eine öffentliche Säule hat auch nicht jeder um die Ecke.

    Die Gründe, dass ich mich gerade erst doch gegen ein E-Auto und wieder für einen Diesel entschieden habe, waren aber rein wirtschaftlicher Natur:

    - Der viel zu hohe Anschaffungspreis, den ich nicht wieder "hereinfahren" kann. Auch nicht, wenn ich einen Teil der Aufladungen kostenfrei an entsprechenden Säulen absolviere und Steuerfreiheit, günstigere Inspektionen etc. mit einberechne.

    - Die Aussage eines Verkaufsberaters eines großen Wolfsburger Autoherstellers, sollte nach 9 Jahren (also nach Ablauf der Garantiezeit) der Akku den Geist aufgeben, lohne sich kein Austausch und man müsse das dann wohl als wirtschaftlichen Totalschaden sehen.

    - Die ungewisse Restwertentwicklung, die bei einem Fahrzeug mit Verbrennungsmotor ziemlich vorhersehbar ist, bei einem aktuellen E-Auto aber wohl eher trübe aussieht, da es vermutlich in 4 bis 5 Jahren technisch "veraltet" ist (Weiterentwicklung der Ladekapazitäten/Reichweite und Ladegeschwindigkeit).

    Mal sehen, wie der Stand so in zwei bis drei Jahren ist...
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  • alterSack66
    Der Restwert ist ein großes Problem. Was glaubst was z.B. der i3, also nicht die CPU :D noch wert ist seit es das Modell mit größerem Akku gibt? Falls überhaupt jemand ein gebrauchtes Elektroauto kauft. Beim VW Diesel könntest allerdings auch Pech haben.
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  • Tesetilaro
    deswegen wäre ja ein bike so interessant - möglichst standardisierte akkugröße - vergleichsweise leicht zu tauschen... man kann wirklich darauf abzielen nach 5-6 jahren den akku für teuer geld zu tauschen - wenn man sauber kalkuliert...

    wenn ich jetzt an eine stadt wi hamburg denke - 200 km reichweite sind vollkommen okay, 100-120 km/h max - reicht um auch auf ner umgehungsstrasse bei 80-90 km/h im verkehr noch mitzuschwimmen, etc.

    und bei nem e-bike - wesentlich weniger verschleißteile als beim benziner... aber aben nicht für 15 k € aufwärts - wenn das richtung 10 k geht, dann wirds spannend ;)

    edit: aber ich seh grad Z hat wirklich inzwischen mit der FX 3.3 / FX 6.5 was in der richtung - nur 2 k € zu teuer...
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  • quixx
    Ich schildere mal, wie das aussehen muss:

    Ich steig in mein Auto, dreh den Schlüssel und nach einem Drittel der Elektro-Zeit bin ich da und kann auch noch zurück fahren. Sollte es draußen kalt sein, geht die Heizung an. Sollte es draußen heiß sein, geht die Klima an.

    Sollte der Strom für E-Auto bezahlt werden müssen, so ist Benzin wieder billiger.

    Sollte die Menschheit mal auf die Idee kommen, Wüsten zu Rapsöl-Erzeugern umzuwandeln, ist die E-Auto-Idee gestorben.
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  • Netsrak
    Zitat: "Ich steig in mein Auto, dreh den Schlüssel und nach einem Drittel der Elektro-Zeit bin ich da und kann auch noch zurück fahren."

    Genauso muss es sein. Ist halt nur vom Verhältnis zurückzulegende Strecke zu Akkukapazität abhängig. Immer ausgehend vom Worst-Case Szenario (kalt, Regen, Heizung läuft). Für den Alltag vieler Menschen passt das aber heute schon. Mit steigenden Akkukapazitäten werden es mehr.

    Zitat: "Sollte der Strom für E-Auto bezahlt werden müssen, so ist Benzin wieder billiger."

    Stimmt so definitiv nicht!
    E-Auto: Verbrauch 18 kWh/100km * 0,26 €/kWh = 4,68 €/100km
    Diesel: Verbrauch 5 l/100km * 1,05 €/l = 5,25 €/100km
    Benziner: Verbrauch 6 l/100km * 1,25 €/l = 7,50 €/100km
    Auf mittlere Strecken im Mix Stadt/Land/Autobahn gerechnet. Je kürzer die Strecken und je mehr Stadtanteil desto weiter wird sich das zu Gunsten des E-Auto verschieben.
    Teuer sind beim E-Auto nur Anschaffung und Wertverlust.

    Zitat: "Sollte die Menschheit mal auf die Idee kommen, Wüsten zu Rapsöl-Erzeugern umzuwandeln, ist die E-Auto-Idee gestorben."

    Auf die Idee sind bestimmt schon viele gekommen, dass es bisher keiner gemacht hat ist ein Indiz dafür, dass es sich wirtschaftlich nicht lohnt.
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  • alterSack66
    Mein Strom kostet mehr :(
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  • buschmann
    Interessanter Erfahrungsbericht, vielen Dank dafür! Ich hätte mir noch gewünscht, etwas mehr über die laufenden Wartungskosten zu erfahren, die Wartungsintervalle etc. Eventuell kann hier ein Elektroauto doch noch richtig gut Punkten und den Kostennachteil bei der Anschaffung schneller wettmachen.
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  • quixx
    Anonymous sagte:


    Zitat: "Sollte der Strom für E-Auto bezahlt werden müssen, so ist Benzin wieder billiger."

    Stimmt so definitiv nicht!


    Ich vergas explizit zu erwähnen: mit 200km/h.

    ich sagte: in einem Drittel der Zeit.

    PS.: und wenn alle elektrisch fahren, verdoppelt sich der Strompreis für Autos. Irgendwo müssen die Gelder im Staat dann wieder her kommen. Einschränken ist nur etwas fürs Stimmvieh.
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  • KalleWirsch
    200km sind im worst case gerade mal 100km?

    2014 waren knapp 38% der Beschäftigten in DE Tagesfernpendler, Mehrtages-Fernpender oder gar Wochenpendler. Nach Definition alles >50km.

    Ob dann für den "Löwenanteil" der Pendler ein E-Auto uneingeschränkt nutzbar ist, das ist doch sehr fragwürdig und hört sich so an als ob Du in einer Großstadt lebst.
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  • quixx
    Anonymous sagte:

    Zitat: "Sollte der Strom für E-Auto bezahlt werden müssen, so ist Benzin wieder billiger."

    Stimmt so definitiv nicht!
    E-Auto: Verbrauch 18 kWh/100km * 0,26 €/kWh = 4,68 €/100km
    Diesel: Verbrauch 5 l/100km * 1,05 €/l = 5,25 €/100km
    Benziner: Verbrauch 6 l/100km * 1,25 €/l = 7,50 €/100km


    So viel verbraucht mein Benziner, wenn ich ein E-Auto eines Aktivisten nicht überholen kann.

    Die Fahrtkosten dieses E-Autos sind vermutlich über denen eines 3L Lupos.
    Die Gesamtkosten so wie so.

    Anonymous sagte:


    Zitat: "Sollte die Menschheit mal auf die Idee kommen, Wüsten zu Rapsöl-Erzeugern umzuwandeln, ist die E-Auto-Idee gestorben."

    Auf die Idee sind bestimmt schon viele gekommen, dass es bisher keiner gemacht hat ist ein Indiz dafür, dass es sich wirtschaftlich nicht lohnt.


    Würde ich ungeprüft glauben, hätte die Öl-Lobby nicht so eine immense Portokasse.
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  • Netsrak
    @ Buschmann:

    Elektromotor, Getriebe und Batterie sind laut Händler der Wolfsburger Autos wartungsfrei. Inspektion einmal im Jahr, soll angeblich 100 € kosten.
    Damit sparste schon was, aber lange nicht genug.

    @ quixx:
    sorry, die "-Zeit" hatte ich überlesen. Hab mich auf Strecke bezogen.
    200 km/h ? Wo? Ich fahre ein Viertel meiner Strecke Schrittgeschwindigkeit (bzw. stop & Go). Da wäre ein Elektroauto im Verbrauch unschlagbar ;-)

    @ KalleWirsch:
    Ich denke, Du beziehst Dich auf mich? Von "Löwenanteil" hab ich nichts geschrieben. Nur "viele".
    38% > 50 km heißt 62 % <= 50 km. Da wären Hin- und Rückfahrt also für fast zwei Drittel der Pendler, selbst bei widrigsten Verhältnissen, mit einer Ladung machbar.
    Das statistische Bundesamt nennt zudem andere Zahlen: https://www.destatis.de/DE/ZahlenFakten/GesamtwirtschaftUmwelt/Arbeitsmarkt/Erwerbstaetigkeit/TabellenArbeitskraefteerhebung/Berufspendler.html;jsessionid=DFD9707F31CF875B52B7B821FCD9B877.cae2
    Demnach hatten 2012 nur 4,4% der Pendler 50km oder mehr einfache Strecke zur Arbeitsstelle.

    Davon ab hast du Recht, ich lebe im Ruhrgebiet, hab damit gleich ein ganze Reihe von Großstädten im E-Auto-Radius.

    Hab mich aber eben trotzdem dagegen entschieden. Wie oben geschrieben: Selbst unter optimalen Bedingungen sparen die günstigen Verbrauchskosten nicht genug ein, um auch insgesamt wirtschaftlich zu fahren. Zumindest aktuell.
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  • quixx
    Anonymous sagte:

    @ quixx:
    sorry, die "-Zeit" hatte ich überlesen. Hab mich auf Strecke bezogen.
    200 km/h ? Wo? Ich fahre ein Viertel meiner Strecke Schrittgeschwindigkeit (bzw. stop & Go). Da wäre ein Elektroauto im Verbrauch unschlagbar ;-)
    .


    Ich fahre 100% der Strecken zur Stoßzeit nie unter 15km/h. Das Auto bewege ich nicht vor 10:00h und nach 16:00h. ich bin doch keine Umweltsau und fahre Auto, wenn es nicht geht.

    Auch muss der Job so viel abwerfen, dass eine Wohnung in Fussweite drin ist.

    Eigenheim? netter Traum aus der Adenauer-Zeit

    Wir leben in der Dink-Zeit. Da reicht es für Miete und Urlaub .
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  • Netsrak
    Tja, ich lebe halt wohl noch in der Adenauerzeit :-)
    Nix Dink... dafür 1.5 incomes, 2 kids.
    Und das Eigenheim ist immer 20 bis 50 km von den wechselnden Einsatzorten entfernt.
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  • quixx
    Anonymous sagte:
    Tja, ich lebe halt wohl noch in der Adenauerzeit :-)
    Nix Dink... dafür 1.5 incomes, 2 kids.
    Und das Eigenheim ist immer 20 bis 50 km von den wechselnden Einsatzorten entfernt.


    Und oft 200km von aktuellen DSL?
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  • Netsrak
    Anonymous sagte:

    Und oft 200km von aktuellen DSL?



    Das ist der Vorteil der Großstadt (auch in den Randbezirken): wenn ich wollte, könnte ich 400 Mbit/s haben...
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  • derGhostrider
    Meine Situation, um mich mal einzureihen:
    Eigentum im Randbezirk der Stadt. (400 Mbit/s wären möglich, habe 200 - reicht mir zur Zeit)
    Ich fahre beruflich > 1000 km pro Woche (Mo - Fr). Also gerne 1200 auch mal 1500 km.
    Wenn ich im Artikel lese, dass 140 km bei Regen nicht schaffbar sind, dann ist das E-Auto noch Jahrzehnte von der Marktreife entfernt. Selbst bei meiner Fahrweise reicht es in der Regel für 800 bis 900 km am Stück. Bei weiten Fahrten auf der Bahn 750 km, in den Niederlanden und Belgien bis 1200 km bis zum Tankstopp.

    Die Zeitabschätzung im Artikel für die Fahrt mit dem E-Auto auf einer 500 km Strecke halte ich für nicht realistisch.
    Ohne die ganzen Zwischenstopps (nämlich mit exakt 0) kann es sein, dass man trotz Höchstgeschwindigkeiten von deutlich über 200 km/h für 500 km 5 Stunden benötigt. Das hängt halt immer von der Strecke, den Baustellen und dem Verkehr ab.
    Ebenso kann man eine solche Strecke in 3 Stunden schaffen (z.B. Nachts bei annehmbarem Wetter - das heißt: Kein Weltuntergang, kein Glatteis). Alles dazwischen ist Grauzone.

    Ich möchte in Zukunft gerne ein E-Auto fahren.

    Jetzt fahren viele Eigenheimbesitzer ihre E-Autos als Luxusobjekt: Steckdose in der Garage, für die Kurzstrecken 0 Probleme, für die weiteren Fahrten kommt der 3-Tonnen schwere SUV dran.
    Klar, da hat man keine Probleme.

    Abgesehen von all den nicht-Eigenheimbewohnern, die nicht nur keine Garage haben, sondern auch keinen eigenen Parkplatz oder zumindest keine Ladesäule: Was ist da los?
    NOCH kann man Strom schnorren. Das ist zwar reichlich assozial, aber jeder möchte nun erstmal auf der Ökowelle mitreiten (teilweise aus PR-Gründen, teilweise um ein bestimmtes System in den Markt zu drücken), daher klappt das noch.
    Es ist absehbar, dass die Stromverschenker zu Bezahlmodellen wechseln werden, da niemand etwas verschenkt.
    Strom ist bares Geld. Und das ist auch nicht gerade wenig Strom, was so ein Autochen verbrät.


    Sorgen mache ich mir allerdings darum, was passiert, wenn nicht nur die Idealisten solche Fahrzeuge fahren, sondern die normalen Durchschnittsdeppen.

    Jetzt ist es fast ein Happening, wenn sich zwei, drei E-Fahrzeuge an der Stromtanke treffen.
    Wenn die Verbreitung der E-Fahrzeuge zunimmt, was dann? 3 Ladeplätze, 6 Autos.
    Und schon dauert der "Ladestopp" anstelle der genannten 25 Minuten für eine "nicht vollständige Ladung" schnell mal 90 Minuten oder mehr. Der Vordermann will unbedingt vollladen, da sein Ziel dann erreichbar ist, außerdem hat der an Säule 2 sich entschieden erstmal in Ruhe Mittagessen zu gehen... Bei mindestens 20, eher jedoch ~30 Minuten Ladedauer werden viele argumentieren, dass man solange ja nicht neben dem Auto stehen bleibt. Somit wird dann auch nicht mehr passend die Säule freigemacht...

    Die Probleme der Ladesäulen kommen also erst noch. Selbst jetzt kennt doch jeder die Spezialisten, die Zapfsäumen ewig blockieren, da sie noch einen Kaffe kaufen, auf der Toilette verschwinden, oder einfach nur tratschen.
    Bis jetzt ist es doch so, dass man die E-Säule mittels Navi ansteuert und die dann auch i.d.R. frei ist.

    Wie wird das im Urlaubsverkehr aussehen? Ich habe da jetzt schon Bilder vor Augen von langen Schlangen...
    DRK und THW verteilen Wasser und Decken, da die Wartezeiten auf 32 Stunden bis zur ersten freien Säule angestiegen sind... ;)
    (Ein kleines bisschen übertrieben.)

    Man bedenke auch, dass Arbeitgeber den Strom gar nicht ohne weiteres verschenken dürfen.
    Das ist dann nämlich ein geldwerter Vorteil, der versteuert werden muss!


    Was erfüllt sein müsste, damit ich beruhigt auf ein E-Auto umsteigen könnte:
    - Reichweite bei jedem Wetter ca 400 bis 500 km bei akzeptablen Geschwindigkeiten (Autobahn bis grob 200 km/h = 400 km Reichweite bei vollem Akku) - man muss ja keine 250 bis 300 km/h fahren können, aber dauernde 100 oder 120 ist extrem ermüdend.
    - Akzeptable Ladezeiten (ca 5 Minuten wären akzeptabel für die genannte Reichweite, 10 Minuten bereits lästig - 5 Minuten Ladezeit wäre bereits eine deutliche Verschlechterung zum klassischen Tanken - vor allem bei der genannten Reichweite)
    - Akkutausch müsste mit "überschaubaren Kosten" durchführbar sein oder die Haltbarkeit des Akkus mindestens 10 Jahre betragen. Wobei ich nicht meine, dass nach 10 Jahren nur noch 50 % der Kapazität zur Verfügung stünden.

    ... und es bleibt abzuwarten, wie die Strompreise explodieren werden, wenn die Zahl der E-PKW steigt.
    Die Unabhängigkeit von den OPEC-Staaten bei der Mobilität wird uns teuer zu stehen kommen.
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  • Tesetilaro
    alles gut und schön - aber leider nicht zu ändern -.- öl ist zumindest in der mineralischen variante endlich - egal wie schön doer schlecht man sich das rechnet... sonne und wind gibt es praktisch unbegrenzt... das diese Energie nicht einfach in den akku hüpft ist mir klar...

    aber spinnen wir doch mal den solardach ansatz weiter - die pendlerkarre steht 8 stunden rum und kann zumindest genug strom für den heimweg sammeln - alles sachen die aktuell noch an wirkungsgraden oder kosten scheitern...

    nur wenn wir weiterhin ewig gestrig am benziner / diesel hängen, wird sich nichts verändern...
    es geht letzlich um effiziente methoden das fahrzeug mit energie zu betanken für verschiedene nutzungsprofile - vollkommen egal ob das am ende strom, "öko-sprit" oder sonst was ist - hauptsache es ist bezahlbar und ökologisch vertretbar...
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