[UPDATE] 10x E-Book-Reader im Vergleichstest, Februar 2017

E-Reader liegen dank optimaler Darstellung elektronischer Büchern im Trend. Wir haben die Modelle verschiedener Hersteller und Preisklassen getestet: Auch ein Blick über den Amazon-Tellerrand lohnt sich.

E-Books haben sich innerhalb eines Jahrzehnts am Buchmarkt fest etabliert, inzwischen liest jeder Vierte digitale Bücher - und das aus guten Gründen. E-Reader sind handlich, leicht und günstig. Zudem steht die Darstellungsqualität derer gedruckter Bücher kaum nach und übertreffen diese durch die integrierte Hintergrundbeleuchtung bisweilen.

UPDATE: 2. Februar 2017

Mit dem heutigen Update erweitern wir unseren Vergleichstest von E-Book-Readern um zwei weitere Modelle: Inkbook Classic 2 und Inkbook Prime.

Die ursprüngliche Version dieses Tests erschien am 31. Oktober 2016 und wurde mit dem Update vom 21. November 2016 um die Modelle Kindle Oasis, Kobo Aura One, Pocketbook Inkpad 2 und Tolino Vision 3 HD erweitert.

Technisch unterscheiden sich die Displays erheblich von denen anderer Geräte (z.B. Smartphones) und basieren auf der sogenannten Elektrophorese. Unter Spannung bewegen sich unterschiedlich geladene weiße und schwarze Partikel und bleiben bei Wegnahme der Spannungsquelle in ihrer jeweiligen Position, bis wieder Spannung angelegt wird. Deshalb benötigen E-Ink-Displays bei deaktivierter Hintergrundbeleuchtung lediglich beim Seitenwechsel elektrische Energie, können im Gegenzug aber nur mit einer geringere Bildfrequenz agieren.

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Nach dem Seitenwechsel bleiben - in Abhängigkeit von der verwendeten Displaytechnologie - mehr oder weniger sichtbare Rückstände der vorherigen Seite bestehen, weshalb die meisten Reader in festen Seitenabständen das komplette Bild invertieren. Diese Rückstände sind bei aktuellen Readern jedoch kein größeres Problem mehr, was das störende Invertieren inzwischen auf ein Minimum reduziert.

Faktisch alle auf dem Markt befindlichen E-Reader nutzten Panels von E Ink. Dabei gibt es zwischen den einzelnen Generationen teils drastische Unterschiede - insbesondere beim Kontrastverhältnis. Die aktuellste und beste Inkarnation stellt E Ink Carta dar; die Vorgängergeneration namens Pearl kommt auch aktuell noch zum Einsatz.

Ein weiteres Unterscheidungsmerkmal ist die planare oder eingelassene Ausgestaltung des Displays: Erstere benötigt zwingend eine zwischen dem eigentlichem Panel und Deckglas eingelassene, berührungssensitiven Schicht, was in einer geringeren, mit bloßen Augen nicht zu identifizierenden Unschärfe resultiert.

Viel schwerer wiegt dabei die Kratzempfindlichkeit eines planaren Bildschirms. Auf der Habenseite steht lediglich eine hochwertigere Anmutung - unser Einschätzung nach ein schlechter Deal. Zwar könnte man einwenden, dass zusätzlich auch die störende Beleuchtungsschatten an den Seiten entfallen, doch diese sind für das Leseerlebnis schlicht irrelevant. 

Auch wenn E-Reader inzwischen deutlich mehr können als nur E-Books darzustellen, bleiben sie in erster Linie dennoch ein hochspezialisierter und dadurch kaum universell nutzbarer Gerätetyp. Während das Betrachten von PDFs inzwischen auch aufgrund der stärkeren Prozessoren und RAM-Ausstattung gut gelingt, macht das Surfen im Internet lediglich auf mobilen Seiten Spaß. Längere Nachrichten oder Reportagen bekannter Nachrichtenseiten lassen sich gleichwohl komfortabel lesen.

Was (und wie teuer) darfs sein?

Betrachtet man den Markt, fällt schnell eine deutliche Gliederung auf: Die günstigsten E-Reader sind ab rund 60 Euro erhältlich und bieten inzwischen eine beachtliche Darstellungsqualität und flüssiges Lesevergnügen. Für den doppelten Preis sind die Geräte mit einer Hintergrundbeleuchtung ausgestattet, was nachts die Leselampe erspart und am Tag den Kontrast verbessert.

Für besondere Features - etwa ein besonders für die PFD-Darstellung vorteilhaftes größeres Display, Hardware-Tasten zum Umblättern oder Wasserdichtigkeit - verlangen die Hersteller einen teils erheblichen Aufpreis.

Neueinsteiger, welche keine konkreten Vorstellungen über die eigenen Bedürfnisse haben, würden wir tendenziell eher zur 120-Euro-Klasse raten - mehr E-Reader braucht Otto-Normalbenutzer nicht.

System von Amazons Kindle-Readern

Amazon bietet bereits seit einem knappen Jahrzehnt E-Book-Reader an, was sich auch in der Software, Benutzerführung und Angebot zeigt.

Gleich vorneweg sei der größte Kritikpunkt diskutiert werden, nämlich das geschlossene Ökosystem.

Grundsätzlich ist es möglich, die Kindle-Reader komplett ohne Verknüpfung mit dem eigenen Amazon-Konto zu betreiben, wobei dann allerdings nur der Datentransfer via USB möglich ist.

Zudem forciert Amazon die Verknüpfung (nicht ganz ohne Grund) recht stark, die wir an dieser Stelle auch dringend empfehlen.

Die Verbindung ermöglicht etwa das sehr einfache Senden von kompatiblen Dateiformaten (ePub zählt nicht dazu) an eine für jeden einzelnen E-Book-Reader spezifische Adresse.

Die Dokumente lassen sich zudem auch in der Kindle Cloud zentral und auch in der Familien-Cloud speichern.

Der durchaus brauchbare PDF-Reflow funktioniert ebenfalls einfach über eine E-Mail-Adresse, auch wenn die Möglichkeit nicht allzu präsent beschrieben wird.

ePub-Dokumente unterstützt Amazon wie bereits erwähnt nicht; diese lassen sich aber vergleichsweise einfach - beispielsweise mithilfe von Calibre - umwandeln.

Das Angebot an elektronischen Büchern ist bei Amazon über jeden Zweifel erhaben. Ausdrücklich lobend erwähnt sei hier auch die große und insbesondere kostenlose Auswahl an gut aufbereiteten historischen Romanen und Schriften.

Diese lassen sich zwar auch bei Auslaufen des Urheberrecht (70 Jahre nach dem Tod des Autors) kostenfrei aus dem Internet herunterladen und dann manuell auf einen E-Reader ziehen, die direkte Shop-Anbindung ist aber wesentlich komfortabler.

Das Schriftbild ist geräteunabhängig - nicht zuletzt dank der Amazon-eigenen Schriftart Bookerly inklusive Ligaturen und bei kompatiblen E-Books der Silbentrennung - sehr gut.

Insbesondere letztere sorgt für ein deutlich harmonischeres Schriftbild, da somit auch die Abstände zwischen den einzelnen Worten gleichmäßiger werden.

Die eigentliche Software läuft flüssig, Abstürze gibt es keine. Die Benutzeroberfläche ist übersichtlich, wobei sich wichtige Funktionen wie beispielsweise das Wörterbuch oder die spezifische Suche nach Romanfiguren oder Handlungsorten ("X-Ray") deutlich intuitiver als bei der Tolino-Konkurrenz bedienen lassen – letztere Funktion fehlt der Tolino-Konkurrenz zudem komplett.

Amazon-Prime-Mitgleider können monatlich ein E-Book kostenlos ausleihen - und wer für 10 Euro im Monat die Kindle-Unlimited-Mitgliedschaft bucht, kann alle E-Books und Hörbücher in Amazons Angebot kostenlos nutzen.

System der Geräte der Tolino-Allianz

Die Tolino-Reader stellen es den Nutzer frei, von welchem Buchhändler der Tolino-Allianz entsprechende E-Books letztlich bezogen werden.

Es lassen sich auch Bücher mehrerer Händler zentral in der Tolino-Cloud verwalten, die mit 25 Gigabyte auch genügend Speicherplatz für eigene Dokumente bietet.

E-Books kommen wahlweise über die Tolino-Cloud oder klassisch via USB auf den Reader. Der Upload in die Cloud geht dabei völlig unkompliziert und komfortabel via Drag & Drop vonstatten.

Die Cloud synchronisiert zudem den Lesefortschritt über Gerätegrenzen hinweg; ein Web-Reader und Apps für iOS und Android stehen ebenfalls bereit.  

Die eigentliche Gerätesoftware läuft insgesamt flüssig.

Kritikwürdig ist nach wie vor insbesondere die Wörterbuchfunktion, die mehrere Klicks und Seitenaktualisierungen erfordert.

Der PDF-Reflow ist faktisch unbrauchbar, da er einfach nur den Text extrahiert – was die Seitenzahlen komplett durcheinanderwürfelt.

Positiv ist hingegen die intelligente Silbentrennung zu erwähnen, welche allerdings nur bei E-Pub-Dateien generell und erst nach der Konfiguration einer Systemdatei gut funktioniert.

Durch die Adobe-DRM-Unterstützung lässt sich auch die sogenannte Onleihe direkt nutzen – Bücher lassen sich also kostenfrei bei öffentlichen Büchereien ausleihen, was insbesondere bei wissenschaftlicher und moderner, aber nicht topaktueller Literatur bares Geld sparen kann.

Unterm Strich ist die Bedienoberfläche gut, allerdings längst nicht so ausgereift wie die der Amazon-Konkurrenz. Die direkte Onleihe-Integration ist löblich, das kleine Angebot kostenloser Bücher weniger.

Das offene System sehen wir eher als moralischen denn als tatsächlichen Vorteil. Ein handfester Vorteil hingegen ist der kostenlose Zugriff auf alle über 11.000 Hotspots der deutschen Telekom.

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3 Kommentare
    Dein Kommentar
  • derLordselbst
    Kindle ist natürlich nur für Menschen interessant, die bei so etwas Persönlichem wie Leseverhalten und Buchauswahl unbedingt wollen, dass Amazon genau mitliest und bei Bedarf auch Bücher aus der Ferne löscht.

    Die Tolinos lassen sich auch sehr gut per PC befüllen, haben aber eine schreckliche Einschränkung: Man kann nicht in Ordnern navigieren, sondern muss sich eigene Listeen anlegen - dabei lassen sich noch nichtmal Suchergebnisse direkt in Listen übernehmen.

    Dazu vermisse ich jeden Tag Hardware-Tasten zu Blättern - habe mir schon die Finger wund geklopft an der Tapping-Funktion.

    Also bleibt für mich wohl nur die Rückkehr zum Pocketbook, trotz langsameren Start als bei Tolino.
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  • gst
    Deine Datenschutzbedenken kann ich im Facebook-Zeitalter angesichts der Sammelwut gerade der großen Firmen an sich gut nachvollziehen.

    Allerdings ist das halt immer eine Fall-zu-Fall-Abwägung persönlicher Vorlieben - und für mich zählt als Kindle-/Audible-Nutzer hier primär der Komfort. Natürlich erweitert das mein Datenprofil bei Amazon um eine weitere Facette - aber angesichts all der getätigten Einkäufe über viele Jahre hinweg ist das in der Tat nur noch eine Facette. ;) Aber wie gesagt: Das ist nur meine persönlich Einstellung und auch nur für Amazon gültig; hier ist mir Ease-of-Use wichtiger. Bei FB & Co. bin ich da wesentlich "schmallippiger".

    Bezüglich der fehlenden Hardware-Tasten bei den allermeisten modernen E-Book-Readern bin ich allerdings voll bei Dir - das nervt.
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  • McHunter
    Was mich wundert ist, das von PocketBook nur das InkPad 2 im Vergleich auftaucht, aber der Touch Lux 3, Ultra und Touch HD (welche nichtmehr das Pearl Display sondern das Carta Display haben) unterschlagen werden...
    Mann Könnte den eindruck gewinnen das hier die Kindel und Tolino bevorzugt wird...
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