Warum noch GDI und GDI+?
Selbst heute noch werden viele Zeichenfunktionen über GDI und GDI+ genutzt - und sei es lediglich für das grafische Interface (GUI). Neben vielen immer noch verwendeten älteren Standardanwendungen sind es vor allem ganz spezielle Branchenlösungen, die noch auf diese Schnittstelle setzen. Die weitere Palette reicht zudem von einfachen Konstrutionsprogrammen und Viewern bis hin zu Dingen wie Druckvorschau und Dateiexport/-import (WMF, EMF).
Da alle Grafikkarten mit der Einführung der Unified-Shader-Architektur auf spezielle 2D-Funktionseinheiten verzichten müssen und die Treiber-Modelle ab Windows XP auch keine direkte Hardwareunterstützung mehr bieten, ist ein gute Umsetzung im Treiber ein unverzichtbarer Bestandteil für ein universell einsetzbares System mit ansprechend schnellem GUI und nötiger Abwärtskompatibilität.
Text
Da die Textausgabe unverzichtbar und allgegenwärtig ist, fallen die Abstände erwartungsgemäß nur sehr marginal aus, denn beide Hersteller können sich hier keine sicht- und spürbare Blöße geben:

Lines
Die Linien-Performance ist bei den Karten beider Hersteller gut, wobei die AMD-Karten mit bis zu 20 Prozent mehr Leistung aufwarten können. Das ist dann schon eine kleinere Hausnummer, die sich auch aufs Endresultat auswirken dürfte:

Splines / Bézier-Kurven
Die Splines sind im Gegensatz zu den Linien mit etwas mehr Rechenaufwand verbunden, was sich auch in der gerenderten Objektanzahl ausdrückt. Aber auch hierbei ist der Abstand analog zu den Linien mehr als deutlich und die FirePro W8100 und W9100 nehmen sich nicht viel, auch wenn sich die ältere W9100 noch hauchdünn dazwischen schieben kann.

Polygone
Hier zeigt AMD erneut, wo der Hammer hängt - und erneut trennt die FirePro-Modelle W9100, W8100 und W9000 nur ein Wimpernschlag. Extreme Einbrüche verzeichnet vor allem die Quadro K5000, die nur knapp halb so schnell wie eine ältere FirePro W9000 agieren kann. Die Polygone werden übrigens im Benchmark übereinander und abweichend gefüllt bzw. ungefüllt gerendert und besitzen alternierend drei bis acht Eckpunkte.

Rechtecke
Rechtecke sind eigentlich auch nur Polygone, allerdings stellt das GDI dafür eine eigene, vereinfachte Funktion zur Verfügung. In den heutigen Zeiten der Emulation älterer Hardware-Funktionen wäre es aber eigentlich zu erwarten gewesen, dass die Performance ungefähr identisch zu den Polygonen ausfallen sollte.
Doch während AMD die Rechtecke im Treiber ganz offensichtlich wirklich als Polygon abfertigt, nutzt Nvidia in seinen Treibern eine separate und vereinfachte Umsetzung, was sich an den Benchmark-Balken sehr gut ablesen lässt. Allerdings ist die Einsatzmöglichkeit reiner Rechtecke eher begrenzt, so dass dieser Punkt weniger ins Gewicht fällt - denn ungefüllte Objekte werden eh meist als Polylinie gezeichnet und Rechtecke lassen sich zudem über diese Funktion nicht rotiert ausgeben.

Kreise, Kreisausschnitte und Ellipsen
Hierbei liegen alle Bewerber wieder sehr eng beisammen, was auf eine ähnliche hohe Gewichtung dieser Funktion bei der vorgenommenen Treiberoptimierung hindeutet.

Blitting
Das Blitten bzw. direkte Kopieren und Einfügen von Bildschirminhalten an einem anderen Ort würde früher direkt über die Hardware und simple Speichermanipulationen realisiert. Selbst unter Windows 7 war dies noch die letzte, vom Treiber-Modell unterstützte direkte Ausgabemöglichkeit des GDI. Die Performance hat im Vergleich zu den noch vor Jahren möglichen Werten extrem abgenommen: Heutige High-End-Karten sind in dieser Disziplin kaum schneller als die letzten Onboard-Chipsätze von Nvidia mit noch voller 2D-Funktionalität (nForce 630i mit GeForce 7100).
Nvidia hat diese Umschichtung der Speicherinhalte noch am ehesten gelöst, wobei eigentlich alle Karten schwächeln. Abhilfe schafft wie immer eine DIB (Device Independend Bitmap), wenn man alle Zeichen- und Kopiervorgänge zunächst in eine mit dem Ausgabebereich gleich große, temporäre Bitmap im normalen Arbeitsspeicher rendert und diese erst am Schluss direkt auf die Grafikkarte schiebt. Zu Zeiten der echten Hardware-Beschleunigung waren diese Unterschiede eher marginaler Art.

Stretching
Noch schlimmer wird es beim Stretching, da hier die CPU kräftig mithelfen muss. Der Overhead, der entsteht, wenn der Treiber sich in Emulationen verliert und die Daten ständig über die CPU berechnen lässt, ist nicht von schlechten Eltern. Auch hier gilt das bereits zum Blitting Geschriebene bezüglich der Ansätze beider Hersteller.

Zusammenfassung
Im Endeffekt bekleckert sich hier niemand mit Ruhm und wir sind enttäuscht, dass sich auf diesem Gebiet seit unseren ersten Messungen von 2010 kaum etwas getan hat. AMD (damals noch ATI) hat wenigstens die größten Flaschenhälse von damals beseitigt - immerhin. Man kann den Verlust am ehesten nachvollziehen, wenn man direkte Bildschirmausgaben auf das Minimum reduziert, generell alle Einzelaktionen zuerst in der temporären DIB rendern lässt und erst am Schluss diese Bitmap im Stück als Endergebnis zurückblittet.
Je nach Programmstruktur und Bildschirmauflösung häufen sich dabei ganz erkleckliche Datenmengen an und es ist beschämend, dass das Arbeiten über den langsamen RAM immer noch im den Faktor zwei bis zehn schneller ist als das langsame Durchwursteln bis zur Grafikkarte.

Trotz aller Pauschalkritik ist die Performance der AMD-Karten vor allem wegen der guten Linien-, Splines- und Polygondurchsätze in der Praxis als deutlich besser zu bewerten als die der Nvidia-Modelle, was sicher auch auf unsere damalige Kritik zurückzuführen sein dürfte, weil diese Problematik geradezu nach Rettung schrie.
Das Rendern einer sehr komplexen Konstruktion inklusive der anteiligen Wichtung aller Einzelfunktionen erledigt eine FirePro W8100 über das GDI fast ein Drittel schneller als eine Quadro K5000. Oder besser gesagt (um unsere generelle Kritik wieder aufzunehmen): Sie ist nicht ganz so langsam. Je nach Betrachtungsweise. Aber der Einsatzweck der Karten wurde ja von vornherein völlig anders konzipiert, so ehrlich muss man dann wiederum natürlich auch sein.
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- Leistungsaufnahme: Messmethoden und Messsystem
- Leistungsaufnahme: Ergebnisse im Detail
- Temperatur und Lautstärke
- Zusammenfassung und Fazit
Kurze Frage zu eurem 2D-Test: Ist das ein anderer als http://www.tomshardware.de/download/Tom2D,0301-26150.html? (Im Test steht v2).
Und ist der Download down oder mache ich was falsch?
Gruß
Sweepi