ADATA XPG Emix H30 und Solox F30 - Headset, Verstärker und Ständer im Test

Messungen, Sound-Check und Fazit

Kopfhörer-Messung

Wie wir testen, haben wir im Grundlagenartikel "Gaming-Headsets: Mythos, Wahrheit und wie wir testen" bereits sehr ausführlich und transparent dargelegt, denn mit dem üblichen Audio-Geschwurbel von Bassgewittern und Hochtonpeitschen kommt man nicht wirklich weiter. Man muss schon subjektiv gut zuhören können und parallel dazu auch messen. Beginnen wir zunächst mit Letzterem, wobei wir das Headset zunächst am Referenzverstärker betreiben.

Wenn man die originale Kurve betrachtet, dann sieht es bis auf eine Delle bei ca. 520 Hz nicht schlecht aus. Diese Delle würden wir, wie schon beim Corsair HS50, dem Treiber und einem nicht stabilen Impedanzverlauf anlasten, denn je höher der Ausgangswiderstand der Source lag, umso krasser wurde auch die Delle. Hier sollte die Impedanz des Treibers dann schon deutlich über den 32 Ohm liegen, was zu einem hörbaren, partiellen Pegelabfall führt. Allerdings lässt sich dieser Pegel mit dem Equalizer (EQ) wieder einigermaßen kompensieren.

Die vier festen Soundprofile des Solox F30

Kommen wir nun zum mitgelieferten Kopfhörer-Verstärker. Bedauerlicherweise ist immer eines der vier festen Soundprofile aktiv. Selbst die softwareseitige Aktivierung des Equalizers kann diese Profile NICHT außer Kraft setzen, sondern nur als eine Art Offset zusätzlich verändern! Das halten wir für einen Konstruktionsfehler, denn es ergibt so einfach keinen Sinn. Um das Ganze zu belegen, schalten wir den Equalizer ein- bzw. aus und messen dann jeweils die vier hinterlegten Profile.

Die Ergebnisse mit und ohne Flachstellung der Regler waren jedoch immer dieselben! Wer den EQ selbst nutzen möchte, dem bieten die nachfolgenden vier Kurven einen guten Überblick über die akustische Ausgangslage. Wir würden rein subjektiv für eigene Klangexperimente die Einstellungen "Voice" oder notfalls auch noch "Music" nutzen, während "Gaming" zu basslastig und "Cinema" viel zu höhenbetont sind.

Amp-Preset: GamingAmp-Preset: GamingAmp-Preset: VoiceAmp-Preset: Voice

Bei "Voice" ließe sich die 520-Hz-Delle noch gut wegbügeln und notfalls könnte man auch Tiefbass und Hochton noch etwas anheben, um einen ausgewogeneren Klang hinzubekommen. Zu viel sollte man dem System aber nicht zumuten, zumal die Software zwar echte 10 Kanäle vortäuscht, obwohl der C-Media-Chip eigentlich nur fünf Kanäle beherrscht, das Ganze jedoch nur durch Interpolation der Reglerstellung zu erreichen ist.

Amp-Preset: CinemaAmp-Preset: CinemaAmp-Preset: MusicAmp-Preset: Music

Wie abstrus die vorgegebenen EQ-Settings dann sind, haben wir schon öfters geschildert. Hier soll stellvertretend kurz gezeigt werden, was Asiaten bei "Classic" assoziieren: eine Bass- und Höhen-lastige Achterbahnfahrt ohne doppelte Sicherung und Airbag. Das klingt nicht nur nicht, es verursacht Taubheitsgefühle und Schwindel. Bitte nicht nachmachen.

Subjektives Hörerlebnis - Original gegen Optimierung

Testen wir nun auch subjektiv, was man im Original (ohne Verschlimmbesserung mit wirklich albernen Profilen) und nach der manuellen EQ-Anpassung am Ohr anliegen hat.

Basswiedergabe

Den Tiefstbass in der Subkontraoktave (16,4 Hz bis 32,7 Hz) testen mit einer Aufnahme von Bachs Toccata und Fuge D-Moll (19 und 25 Hz) sowie der Festival-Ouvertüre 1812 von Tschaikowsky (10 Hz und 12,5 Hz). Das gleiche gilt auch für die unteren Bereiche der Kontraoktave (32,7 bis 65,4 Hz). Die große Basstrommel (Kick Drum), die in der U-Musik ein gern gesehener Begleiter und meist auf ca. 55 bis 60 Hz abgestimmt ist, wird diese Beurteilung dann abrunden.

Der Tief(st)bass besitzt, trotz leichtem Pegelabfall unterhalb von ca. 40 Hz, immer noch Präsenz und sogar eine ganz gute Auflösung. Das Einschwingverhalten ist ganz gut, sogar am Solox F30. Die Subkontraoktave ist hörbar anwesend, was nicht selbstverständlich ist. Doch auch oberhalb ist die Gefechtslage nicht wirklich betrüblich.

Die große Basstrommel kommt trotz der eher weichen Auslegung des Systems noch recht knackig rüber und die Pegelfestigkeit bei kurzen, aber dominanten Impulsen stimmt. Sehr tief abgestimmte Bassgitarren können durchaus zum akustischen Vergnügen werden, wenn man die generelle Bassanhebung nicht übertreibt. Lästige Resonanzen konnten wir zumindest weder messen, noch hören.

Der Oberbass bis 150 Hz, in dem auch die Große Oktave (65,4 bis 130,8 Hz) liegt, beherbergt die Sprachgrundfrequenz der männlichen Stimme und entscheidet sehr stark über die naturgetreue Wiedergabe männlicher Vocals.

Dieser Bereich klingt ausgewogen und natürlich, wenn auch etwas angefettet. Die männlichen Vocals werden sehr satt und warm wiedergegeben, die Instrumente werden kaum verfälscht. Insgesamt ist die Auflösung akzeptabel und lässt auch nicht zu dominant aufspielende Quellen noch gut performen und sogar orten. Das ist alles natürlich noch meilenweit von einem analytischen Klang entfernt, wärmt im Winter aber wenigstens Ohren und Herz.

Mitteltonbereich

Die unteren Mitten (auch Grundtonbereich) liegen bei ca. 150 bis 400 Hz. Zusammen mit dem bereits erwähnten Oberbass spielt dieser Bereich eine sehr wichtige Rolle für die subjektiv empfundene Wärme bzw. Fülle des Klangbildes. Die Sprachgrundfrequenz weiblicher Stimmen ist in diesem Bereich zu finden.

Weibliche Vocals kommen noch akzeptabel auf den Punkt. Die Klangfarbe der Vocals und eingespielten Instrumente bleibt anfangs schön warm und füllig, geht jedoch nach oben hin bereits etwas unter. Hier hört man langsam auch die abfallenden Flanken der Impedanz-Cellulitis samt ihrer hässlichen Delle am akustischen Oberschenkel.

Die oberen Mitten zwischen 400 Hz bis etwa zwei KHz beinhalten bei einem KHz eine Marke, die immer noch als Referenz für viele Messungen gilt. Das merkt man leider auch oft bei günstigeren Geräten, da die Hersteller oft versuchen, gerade diese Frequenz etwas überzubetonen. Auch beim Gaming spielt dieser Bereich keine unbedeutende Rolle und eine ausgewogene Wiedergabe trägt nicht unwesentlich zu einer guten räumlichen Auflösung bei.

Das Drama liegt bei ca. 500 Hz. Ohne Nachhilfe am Equalizer fehlen vielen Instrumenten wichtige Nuancen und auch die Auflösung leidet hörbar. Viele Details verschwimmen bzw. gehen ein wenig unter. Die Bühne und die subjektiv empfundene Qualität der räumlichen Auflösung sind brauchbar, aber erst nach unserem kleinen Eingriff auf einem recht guten Niveau. Es lohnt also auf jeden Fall, hier ein klein wenig bei 500 Hz anzufetten.

Ein großes Orchester wirkt weit genug aufgestellt, auch wenn einzelne, eher leisere Quellen nicht immer wirklich zielsicher geortet werden können. Es sind und werden auch durch manuelle Nachbesserungen am EQ natürlich keine echten Hi-Fi-Kopfhörer. Dessen muss man sich bewusst sein. Aber für den Durchschnittshörer und vor allem für Gamer reicht das Gebotene locker aus.

Hochtonbereich

Zwischen zwei bis etwa 3,5 KHz ist das menschliche Gehör am empfindlichsten, zumal dieser Bereich der unteren Höhen für die gute Oberton-Wiedergabe der menschlichen Stimme zuständig ist. Dieser Frequenzbereich ist nämlich entscheidend für die Wiedererkennung einer Stimme oder eines Instrumentes; man spricht in diesem Zusammenhang auch von der jeweiligen Klangfarbe.

Die Ortung im Spiel ist nunmehr zu jeder Zeit auf der Höhe des Geschehens, da kann man nicht meckern, auch wenn uns erneut ein kleiner Pegelabfall stört. Aber das ist Meckern auf höherem Niveau. Räumlichkeit geht nämlich auch ohne den zusätzlichen 7.1-Kleister, das muss man dem Headset an dieser Stelle durchaus zugestehen. Auch die Musikwiedergabe schwächelt nur ein klein wenig und wir haben das alles schon deutlich schlimmer gehört. Hier sieht der Kurvenverlauf sogar optisch etwas dramatischer aus, als es sich in Wirklichkeit später anhört.

Die mittleren Höhen (3,5 bis sechs KHz) entscheiden über das Ge- oder Misslingen der Sprachwiedergabe als Gesamtbild, denn die S- und Zischlaute (Sibilanten) fallen in diesen Bereich. Die oberen Höhen reichen dann bis ca. zehn KHz, um in den Superhochton überzugehen.

Hoch- und Superhochton sind sehr ausgeprägt, ohne zu überfordern. Es driftet nichts ins Metallische und Spitze ab, überbetone Sibilanten und Ausblasgeräuschen sind kein Thema. Die Auflösung ist gut bis sehr gut und dem Endpreis auch angemessen. Der einsetzende, leichte Pegelabfall ab ca. 12 KHz ist den Sofa-artigen Ohrpolstern samt Positionierung geschuldet, da könnte sicher noch etwas optimiert werden.

Zusammenfassung

Nun ja, wir sind etwas zwiegespalten. Einerseits bekommt man eine ganze Kiste voller Features, wobei man das Meiste davon eigentlich gar nicht braucht. Die weit verbreitete Soundlösung von C-Media als solche ist nämlich nichts, was das Headset einzigartig machen würde. Das klappt dann schon eher über die Grundkonzeption mit dem stabilen Ständer und dem separaten Kopfhörerverstärker, der sogar den Line-Out des C-Media-Chips nutzt und ein echte Um- bzw. Abschaltung eines optional anschließbaren Lautsprechersystems ermöglicht.

Unsere Meinung zum virtuellen Surround haben wir im Grundlagenartikel bereits ausführlich geschildert. Insofern unterscheidet sich diese Lösung nicht von dem, was wir dort besprochen hatten. Wer daran glaubt und sich einbildet, räumlicher hören zu können, der darf dieses Feature gern nutzen. Klangverbessernd ist es jedoch nicht, im Gegenteil. Damit wird man dann aber leben müssen.

Klanglich geht das XPG Emix H30 in Ordnung, auch wenn es keinen Hi-Fi-Genuss bietet. Fürs gaming gut geeignet und für die Musik zwischendurch eigentlich auch. Wer es dann mit dem EQ nicht übertreibt, sondern brav das akustische Löchlein bei 520 Hz flickt, der darf sich auch schon einmal entspannt zurücklehnen. Denn dann spielen die beiden Treiber recht ordentlich auf. Sogar laut, was ja so manchem potentiellen Käufer auch nicht ganz unwichtig sein dürfte.

Erstelle einen neuen Thread im Artikel-Forum über dieses Thema
Noch keine Kommentare
Im Forum kommentieren
    Dein Kommentar