Herr der RGB-Ringe - Tt eSPORTS CRONOS Riing RGB 7.1 im Test

Mit 80 Euro bietet Tt eSPORTS mit dem CRONOS Riing RGB 7.1 ein Headset an, welches Dank integrierter Soundkarte auch ohne OnBoard-Sound klarkommen möchte. Außerdem gibt es virtuellen Surround auf Knopfdruck und bunte Beleuchtung, passend zur Jahreszeit.

Für ca. 80 Euro Straßenpreis bewegt man sich auf glattem Eis, denn man wagt sich damit bereits in Bereiche, in denen man bereits richtig gute Mittelklasse-Headsets zu kaufen bekommt. Doch rechtfertigen USB, RGB und ein paar technische Gimmicks diesen Straßenpreis? Im unlängst veröffentlichten Artikel "Cougar Immersa Pro im Test - Headset mit Surround und USB-Soundkarte" hatten wir ein sehr ähnlich positioniertes Headset im Test, dessen Software sehr interessante parallelen zum heute getesteten Produkt aufweist. Aber auch die Software stammt ja am Ende nur aus dem Baukastensystem der OEM und Hardwareanbieter.

Wie wir testen, haben wir im Grundlagenartikel "Gaming-Headsets: Mythos, Wahrheit und wie wir testen" bereits sehr ausführlich und transparent dargelegt, denn mit dem üblichen Audio-Geschwurbel von Bassgewittern und Hochtonpeitschen kommt man nicht wirklich weiter. Man muss schon subjektiv gut zuhören können und parallel dazu auch messen.

Der Lieferumfang gibt sich übersichtlich: das Headset, ein Handbuch und die fest eingebaute USB-Audiolösung als kleine Kontrolleinheit mit Tastern und dem Mute-Schalter. Das war's. Das ca. 2 Meter lange Kabel ist immerhin flach, gummiert und nicht einmal im Ansatz starr.

Optik und Haptik

Die gesamte Ausführung wird von mattschwarzem Kunststoff dominiert, wobei zumindest die roten Polster des Kopfbandes, der Ring am Mikrofon und die glänzenden Oberflächen an der Hörmuschelrückseite einen gewissen Kontrapunkt setzen können. Fulminant und auffällig ist da nicht viel und das ist wohl auch besser so. Optisch kann man damit leben, keine Frage.

Die Haptik ist Mittelmaß, denn der Kunststoff sieht zwar nicht allzu billig aus, aber er fasst sich immer noch wie ein solcher an. Echte Wertigkeit verstrahlt das alles nicht wirklich, auch wenn die Gesamtkonstruktion dann schon einigermaßen solide wirkt. Biegen lässt sich nur, was sich auch biegen lassen soll, womit der zweite Griff besser wirkt als der erste. Es ist kein Handschmeichler, aber eben auch keine Klapperbüchse.

Das Kabel ist gummiert und flach. Die ganzen Kabeldurchführungen samt Zugentlastung sind klassenüblich gelöst und scheinen auch erst einmal ausreichend bemessen.

Tragekomfort

Die Verstellbarkeit ist im Großen und Ganzen gut. Länge, sowie horizontale und vertikale Drehmöglichkeiten bringen die Ohrpolster in die richtige Position. Dies ist erst einmal recht gut gelöst und sogar überdurchschnittlich komfortabel.

Das Kopfband lässt sich weit genug ausziehen und auch die Polsterung ist angenehm weich und drückt nie. Allerdings wird der Druck bei sehr großen Köpfen dann schon ein wenig zu groß und ab Hutgröße 60 muss man, je nach Kopfform, dann wirklich testen, ob man noch damit klarkommt.

Die sehr weit abstehenden Ohrpolster des komplett geschlossenen Systems passen über normalgroße Ohren, aber bei Segel- und Elefantenohren in Jumbo-Größe wird es dann doch zusätzlich eng und drückt sogar. Das werden Brillenträger leidvoll erfahren, wenn zusätzlich noch ein großer Kopf ins Spiel kommt.

Der verwendete Schaum in der Polsterung ist oft Rettung in der Not, denn er lässt sich auch kraftvoll zurechtformen, um Druckstellen manuell zu beseitigen. Damit stünde es dann 1:1, obwohl es sicher so nicht beabsichtig war. Endlich mal etwas, was man als Memory-Foam auch guten Gewissens beschreiben könnte. Meist wird bei sowas ja nur eine undefinierbare Kaltschaummasse angeboten. Die Polster sind mit einem Ring aus Kunststoff nur eingeclipst, was beim Herausnehmen große Vorsicht erfordert, um die kleinen Nasen nicht abzubrechen.

Am Ende bleibt der Eindruck, dass das 340 Gramm (netto ohne Kabel) schwere Headset wuchtiger aussieht, als es sich am Ende trägt. Leicht ist es damit zwar nicht wirklich, aber zumindest am Gewicht sollte es am Ende nicht scheitern, denn es gibt noch ganz andere Schwergewichte, die nicht nur optisch fett auftragen.

Funktionalität und Anschluss

Die im Kabel integrierte Soundlösung dient mit ihren beiden Tastern für die Laustärke und den Umschaltern für den Klang (EQ-Modi, Surround an/aus) der Steuerung des Ganzen.

Man kann die Kontrolleinheit mittels eines Clips auch am Hemd befestigen, was jedoch reichlich fummelig gerät, wenn man z.B. dann die seitlich angebrachte Mute-Taste sucht.

Innerer Aufbau, Treiber und Sounding

Der 50-mm-Neodym-Treiber sitzt in der leicht schräg angestellten Oberschale der Muschel und wurde vom Hersteller an der Innenseite eingepresst und verklebt. Da man diese Schale abschrauben kann, haben wir unsere Expedition natürlich fortgesetzt und auch noch einige kleine Klangexperimente unternommen.

Zusätzlich wurde der Treiber von hinten nämlich im Original mit einer weiteren Schale abgedeckt, so dass sich das Innenvolumen deutlich reduziert. Diese Innenschale senkt dann auch den Basspegel deutlich ab, wie unsere Messungen noch zeigen werden. Ohne diese Schale ist der Bass jedoch viel zu dominant und matschig, sodass wir sie nach weiteren Tests dann doch wieder angeschraubt haben.

Trotzdem gilt: wer auch ohne Software etwas mehr Bass möchte, könnte alternativ diese Innenschale entfernen, müsste dann aber im Gegenzug die Geschichte mit geeignetem Material extrem dämpfen. Das wird in der linken Muschel mit dem einschiebbaren Mikrofon jedoch nicht ganz einfach.

Die verwendeten Treiber produzieren zudem eine extreme Anhebung ab den oberen Mitten (sehen wir gleich noch), so dass man sich beim Hochton nur abhelfen könnte, indem man dünnen Filz auf die Öffnung über den Treibern klebt. Auch diese Bastelei lässt sich durch den zielgerichteten Einsatz der Software sparen, wie wir gleich noch sehen werden.

Wir möchten jedoch explizit darauf hinweisen, dass all diese manuellen Änderungen am Objekt NICHT von der Garantie bzw. Gewährleistung abgedeckt sind, auch wenn die Schrauben keinerlei Siegel tragen.

Mikrofon

Das Mikrofon mit Kugelcharakteristik sitzt in einem Mikrofonarm in Schwanenhalsform, den man sehr einfach einschieben bzw. herausziehen kann. Dieses Element ist fast identisch mit denen der älteren Kingston- und Steelseries-Modelle und auch das verbaute Mikrofon tut, was es soll. Das Noise-Cancelling ist passiv und nicht immer absolut souverän.

Der Klang und die Sprachverständlichkeit gehen für ein Headset dieser Preisklasse gerade noch in Ordnung, mehr aber auch nicht. Ob die Mikrofonspitze nun bei aktiviertem Mikrofon leuchtet oder nicht, bringt für die eigentliche Funktionalität zwar keinen Mehrwert, aber man hat es schlicht vergessen zu implementieren. Eine aktivierte Mute-Funktion erkennt man also nur an der Schalterstellung an der Kontrolleinheit.

Der Frequenzverlauf ist nicht frei von Resonanzen und Einbrüchen, sowie ziemlich basslastig. Gemessen wurde mit rosa Rauschen im Anstand von 1 Meter vor einem Breitband-Referenzlautsprecher. Vor allem die Spitze bei 100 Hz lässt den Oberbass anschwellen und vor allem tiefere Stimmen zu voluminös erscheinen. Im Gegenzug geraten die Höhen zum Tiefflieger und -12 dB Abfall bei 10 KHz sind auch nicht wirklich der Brecher. Nimmt man bei der Messung das Nahfeld in sprecherüblicher Entfernung, ergibt sich kein abweichendes Bild.

Software und Treibereinstellungen

Die Software ist die typische Klon-Schaf-Dolly-Variante der marktüblichen USB-Soundlösungen. Wer an den Equalizer & Co. gelangen möchte: Untermenüs erreicht man nur durch Doppelklicken auf das Symbol (z.B. den Lautsprecher). Das sollte man zumindest wissen.

VolumeVolume

Neben der RGB-Effektsteuerung und den Mikrofonpegeln gibt es viele Dinge zu entdecken und nutzen, die man brauchen könnte oder nicht, je nach Hörerfahrung und Vorlieben. Über den Equalizer werden wir gleich noch ausführlicher schreiben, denn ganz ohne ging es am Ende dann doch nicht.

Microphone LevelMicrophone LevelRGBRGB

Bevor wir jetzt jedoch zum Sound-Check und den Messungen kommen, schnell noch einmal die technischen Daten in Tabellenform:

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