Mythos Gaming-Headset: Reines Marketing-Blabla oder echter Vorteil beim Spielen?

Analysiert: Transportmittel und örtliche Situationen

Vorbeifahrender Truck

Die Motor- und Abrollgeräusche der Reifen verschmelzen zu einem relativ breitbandigen Gesamtkunstwerk, das ziemlich basslastig ist. Allerdings sind für die Abrollgeräusche auch die oberen Bereiche des Spektrums wichtig, sonst wird aus jedem Fahrbahnbelag schnell eine muffige Sanddüne.

Vorbeifahrendes Kettenfahrzeug (Panzer)

Im Gegensatz zum dumpfen Truck passiert hier noch richtig was! Neben dem Motorgeräusch sind es vor allem die Ketten, deren typisches und sehr komplexes Geräusch die Wiedergabegeräte fordern. Hierbei werden auch verschiedene Frequenzbereiche stärker genutzt, so dass es vor allem auf deren detailgetreue Wiedergabe ankommt.

Vorbeifliegender Düsenjet

Schön anzusehen: der sogenannte Dopplereffekt beim Vorbeifliegen! Hier vereinen sich zudem Triebwerks- und Luftgeräusche zu einem interessanten Potpourri.

Stationär schwebender Helikopter

Einen vorbeifliegenden Hübschrauber hatten wir ja eingangs schon einmal, hier nun die über unserem Kopf schwebende Variante. Am prägnantesten sind hier wieder die breitbandigen bzw. hochfrequenten Rotor- und Abrissgeräusche der Luft, der Motor gibt dazu dann die sehr basslastige Grunduntermalung.

Komplexe Situation: Urwaldgeräusche mit schreienden Tieren

Die menschliche Stimme hatten wir ja schon analysiert, hier nun eine Urwald-Situation mit schreienden vierbeinigen Zeitgenossen, die sich (sehr komplex) vor allem im Mittel- und Hochtonbereich breit machen.

Komplexe Situation: Schlachtfeld mit MG-Feuer, Detonationen und Kettenfahrzeugen

Das ist einfach nur noch Lärm - oder doch nicht? Spielt man dieses Material in minder- oder höherwertige Headsets ein, dann wird man bei den wirklich guten Exemplaren die Augen aufreißen, wenn man nur billigen Akustikmatsch gewohnt ist. Genau an dieser Stelle greift nämlich das, was ich bereits auf der zweiten Seite zur Auflösung und detaillierten Wiedergabe geschrieben habe.

Nur die besten (und vor allem auch pegelfesten) Treiber kommen mit einer solch komplexen Anhäufung von akustischen Ereignissen noch gut zurecht. Das Heraushören einzelner Schallquellen und deren räumliche Ortung sind die hohe Schule der Kopfhörerwiedergabe und einzig und allein der Qualität der Treiber geschuldet. Der ganze Dolby-Kram hilft hier ohne den passenden Unterbau kaum weiter, ganz im Gegenteil.

Komplexe Situation: Schachtfeld mit überfliegender Flugzeugstaffel

Nicht nur ein Düsenjet, sondern gleich mehrere machen das Schlachtfeld komplett. Ansonsten gilt das bereits eben Geschriebene: Der beste Kopfhörer ist dafür gerade gut genug!

Zwischenfazit

Vor allem bei komplexen Situationen stehen perfekte Auflösung, detailgetreue Abbildung des Frequenzspektrums und eine hohe Pegelfestigkeit im Vordergrund. Das nachträgliche Beeinflussen einzelner Frequenzbereiche durch das Headset erschwert zudem die räumliche Ortung solch vieler eher breitbandinger Schallquellen.

Ergebnis: Neutral siegt erneut über Sounding.

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63 Kommentare
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    Dein Kommentar
  • fffcmad
    AKG K701. Dazu ein einfacher Kopfhoererverstaerker und man hoert die Floehe auf der Map husten.
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  • FormatC
    Meine Rede. Aber dann sieht ja keiner Deine tollen Skills. :D

    Je mehr Werbefläche so ein Gamer-Headset bietet, um so cooler für Events.
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  • Myrkvidr
    Irgendwo muss diese "Tradition" der Überbetonung von Höhen und Tiefen herkommen - das war schon in Zeiten so, als man noch Stereo -Kompaktanlagen gekauft hat. Ich hab als Antwort schon extrem oft gehört, dass das der europäische Geschmack sei und im asiatischen Raum angeblich ganz anders und mittenbetonter abgestimmt würde (wobei ich heute kaum davon ausgehe, dass die Hersteller sich noch so eine Mühe machen). Bleibt nur die Frage, woher diese angebliche Hörtradition des Europäers kommt? Es ist ja hier nicht jeder Gitarrist in einer True Black Metal Band (Treble 10, Bass 10, Mid auf 0 xD). Wobei ich zum Musikkonsum abhängig vom Stil exzessiven Gebrauch vom Equalizer mache, aber das ist ein persönlicher Spleen, ich steh auf seltsamen Sound und sehr rohe Produktionen ;)
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  • quixx
    Flat, wenn es Flat echt klingt, ist`s am teuersten.

    Die Betonung von Bässen und Höhen nennt man Loudness. So fing der kleine Metalfan mehr Bässe und Höhen rein zu schieben als Papi seine Anlage immer leiser drehte.

    Dem kann man mit Bildung entgegenwirken. Bloss sind die relevanten Fächer keine Punktebringer weil zu schwer und daher von "zielstrebenden" Studenten vernachlässigt.
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  • Tesetilaro
    zum thema "den sound gibt es nicht" - schon der schießstand und die Auswahl des Gehörschutzes beeinflussen den Klang einer Waffe nachhaltig...

    Alleine schon die Auswahl der Porengröße in den ohrstöpseln bestimmt ob ich eine Schußabgabe als störend laut oder als "gerade noch angenehm" empfinde...

    und im gegensatz zu vielen anderen spreche ich aus erfahrung, weil ich das halbe nato repartoire an handfeuerwaffen schon selber in benutzung hatte... sobald das kaliber größer 9 mm wird empfehle ich die guten grünen stöpsel - für anhaltende sessions gerne auch um eine mickey maus ergänzt, für alles zwischen 5,56 und 9 mm eher die klassischen gelben, auch hier, doppelter gehörschutz hat nix mit weichei zu tun, sondern mit dem Wunsch in ein paar jahren noch was zu hören *g*
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  • FormatC
    Ich hatte übrigens im Vorfeld so manch anregendes Gespräch mit einem HNO-Arzt und einem Hörgeräteakustiker. Was da so an Anektdoten nebenbei anfiel ist leider nicht ganz druckreif :D

    Einbildung vs. Bildung :D

    @Tesetilaro
    Wir durften noch frei in der Wildbahn schießen (ohne Mauern oder Lärmschutzwänden drumherum), mit einem Kradmelder und einem Frischling samt Spaten und Feuerlöscher zum Retten des Unterholzes :D Die AK47 waren schön laut und jede dritte Mumpel war Panzerbrand oder Leuchtspur, damit man nicht ja auf den Gedanken kam, schlechteren Schützen unter die Arme zu helfen und querbahn zu schießen. Ohrpolster gab es nur für Offiziere. Pistolenschießen (Makarov 9mm) war auch im Freien, damit sich der Schütze auch mit Windeinflüssen auseinander zu setzten lernte. Schützenschnur mit 2 Eicheln in drei Jahren. Mehr ging nicht. :D

    Ansonsten hatten wir nur noch LMGs auf AK47-Basis, Tokarev T-33 und einige wenige Dragunovs (SVD). Alle sehr gut auseinander zu halten. Ich bezweifle, dass im Gefecht jemand mit Ohrstöpseln rumläuft. Der wäre das ideale Dosenfutter fürs Bajonett gewesen. :D Letzteres war übrigens der beste Dosenöffner, den ich je hatte (Atombrot, Suppendosen)
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  • Tesetilaro
    sagen wir so, ja nach schießstand und dessen akustischen charakterisitka behaupte ich ganz frech - es gibt praktisch keinen Schützen der eine 9mm Pistole von einer anderen unterschieden kann - es mag hier ganz spezielle Modelle geben die auffallen - aber mit Hörschutz und im Blindtest klingnt eine Makarov nicht anders als eine P8... und selbst bei verschiedenen Kalibern kann man sich sehr leicht täuschen ;)
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  • FormatC
    Schießstände sind Kinderkram. Typisch Bundeswehr-Schönwetterschützen ;)

    Wir hatten einen Feldwebel, der hat sogar gehört, wenn so ein Idiot die Mündungsmutter komplett festgeschraubt hatte. Das war selbst für mich ein komplettes Rätsel :D
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  • Tesetilaro
    Bundeswehr und Makarov? das war privat, genau wie die Desert Eagle und Baretta.. anyway - die mp5 k ist ganz witzig,
    uzi ohnehin ein fall für sich... am interessantesten fand ich die Steyr Aug, Ak 74 und M16...

    wobei sich die aktuellen 5,56er Gasdrucklader alle ziemlich gleich schießen vom Rückstoßverhalten und der Streuung bei kurzen Feuerstößen...
    Wobei ein gut eingestelltes MG-3 auf Feldlafette immer noch ein Garant für gezielte Feuerwirkung auf 400+ Meter ist, vor dem Ding habe ich einen riesen Respekt... optisch mit entsprechenden Mengen Leuchtspur im Nachtschießen ein echtes Highlight ;)
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  • FormatC
    Die gut gepflegte AK47 geht bis 300 m auf Einzelschuss recht ordentlich, bis 600 m wird es zur Chefsache und alles andere ist Voodoo. Als LMG mit Lafette und Holzkolben zwar ein schwerer Eumel, aber ziemlich effektiv. Makarov ist irgendwie Müll, da kannst Du auch gleich werfen. Meine hatte eine Streuung wie so ein Akne-Gesicht. Wir hatten die mal beim Waffenmeister fest eingespannt und dann ein Magazin leer geschossen - unmöglich das Ding. Ich habe mir mein Lametta immer mit AK47 geschossen, das war sicherer. Die Makarov habe ich meist in der Waffenkammer gelassen und mir statt dessen eine Meldertaschenlampe mit Band in die Pistolentasche der Jacke geschoben und außen befestigt. Beim Kontrollabklopfen ist das nie aufgefallen :D
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  • Derfnam
    Nichts für ungut, aber wenn man euch so liest, dann könnte man glatt meinen, dass ihr schlicht den Schuß nicht gehört habt.
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  • quixx
    Was mir nach solch Analyser-Analyse immer wieder einfällt ist die Funktion unseres Sinnesorganes.

    Nachdem der Schall den Impedanzwandler zur Flüssigkeit passiert hat, befindet er sich in der Schnecke. Dort löst er, je nach Frequenz, an unterschiedlichen Flimmerhärchen elektrochemische Reize aus.

    Genau wie beim Auge wird die Chemie im Ohr gerne dort knapp, wo eine Zone "überreizt" wird. Gemäss den Gesetzen der Redoxreaktion, werden dann einfach weniger Reize weitergeleitet. Von daher werden überbetonte Bereiche nach ein paar Sekunden in der Wahrnehmung linearisiert.

    Paar Sekunden? Wenn wir einmal zu Beginn eine Färbung wahrgenommen haben, bleibt der Eindruck in höheren Layern geflaggt, egal was die Reize liefern. Akustische Wahrnehmung ist eine stark mit dem Rechner (Gehirn) erarbeitete Reizauswertung.

    Als Beispiel wieder die Oberwellenrückrechnung:

    Der Bass ist über ein Miniradio sehr wohl in allen Tiefen musikalisch bestimmbar (er spielt das tiefe F) obwohl der Lautsprecher in diesen Bereichen nichts abstrahlen kann. Das Ohr hört die Oberwellen 3.,4.,5.... die nur von einer Saite stammen können, die ein F spielt. Das wird unterbewusst ausgerechnet, das kostet Rechenpower, das nervt.
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  • quixx
    PS.: Ein dickes Lob an Igor, der das übelste Segment der Fanboys mit grossem Aufwand abarbeitet.

    Ich finde da immer Parallelen zur Homöopathie.
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  • FormatC
    Zitat:
    dann könnte man glatt meinen, dass ihr schlicht den Schuß nicht gehört habt.
    Oder zu oft... :D

    Das Hauptproblem bei der ganzen Geschichte ist m.E. das gleichzeitige Auftreten vieler verschiedener, sehr unterschiedlicher Quellen. Klar, man wird den Bass oder ein Dauerpfeifen z.B. auch im Gehirn ausblenden, nur liegt das Problem bei der Wiedergabe fast immer am Headset, also den verwendeten Treibern. Je nach Membran matscht der überstrapazierte Bass alles weg, was nicht bei drei auf dem Baum ist. Was dann gar nicht erst nicht im Ohr ankommt, ist auch nicht mehr wahrnehmbar.

    Ich habe nicht ohne Hintergedanken auf der letzten Seite den Vergleich der zwei Headsets eingebaut. Das Mikrofon ist ja ziemlich immun gegen "Überstrapazierung", so dass man die inhaltlichen Verluste dessen, was am Ohr überhaupt ankommt, schon ganz gut sieht. :)

    Bei Musik funktioniert das mit dem Ausblenden z.B. der großen Basstrommel noch ganz gut, nur ist der typische Gaming-Sound-Flickenteppich eine eher spontane Aneinanderreihung von sehr breitbandigen Geräuschen. Da wird man maximal gegenüber der Gesamtlautstärke "immun" und es soll ja nicht wenige Leute geben, die beim Spielen die Headsets dann lauter und lauter drehen :D

    Was mir immer Brechreiz von den Füßen bis zur Glatze verursacht, sind ein abartig angefetteter Oberbass ("Papp-Sound") und die üblichen 50-60 Hz Peaks ("Dr.Dre-Influenza"). Das Geilste an den Beats-Schmalzkochern ist ja deren tolle Eigenschaft, vor allem den Netzbrumm so schön plastisch wiedergeben zu können :D

    Zitat:
    Ich finde da immer Parallelen zur Homöopathie.
    Ja, aber auch beim Preis... Bachblüten statt ehrlichem Schallwellenunkraut. [:formatc:2]
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  • Plitz
    Weil du am Ende so schön die Superniere erwähnst, wollte ich mal nachfragen um welches Gerät es sich hierbei handelt? Hatte mir zu Weihnachten aus den Blitzangeboten ein Auna MIC-900BG gegönnt, aber das war von der Aufnahmequalität nicht besser als mein 20€ Headset und eine Nierencharakteristik hatte es schon lange nicht.
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  • FormatC
    @Plitz
    Ich experimentiere gerade mit einem sehr preiswerten Rode M2 herum, welches allerdings eine Phantomspannung benötigt. Die bekomme ich vom Mischpult, aber Du brauchst schon mindestens 24V, damit das Teil funktioniert, bei 12V geht leider nichts. Das Sennheiser E 865 S ist deutlich besser bei sehr tiefen Stimmen, aber eben auch deutlich teurer.

    Das Mic auf dem Bild ist übrigens ein Samson mit USB. Nicht mal so schlecht, aber leider nur Niere. Wobei bei den Supernieren immer zu beachten ist, dass sie nach hinten meist relativ "offen" sind. Das Samson sollte so um die 100 Euro kosten und rauscht relativ wenig. Wenn es nicht allzu laut im Raum ist, reicht das völlig aus. Auna ist wirklich Schrott, die Dinger rauschen und gehen meist nach nur wenigen Wochen oder Tagen über den Jordan. T.Bone ist günstig und meist deutlich besser. Die gibts auch mit USB.

    Du solltest mal bei thomann.de vorbei schauen, das ist mit Sicherheit die bessere Adresse für Mikrofone (und andere Audio-Peripherie). Meist ist es dort sogar preiswerter als bei Amazon und Du kannst sicher sein, dass Du keinen völligen Müll bekommst.
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  • FormatC
    Bei Samson braucht man Angangs nur etwas Schnupfen, weil die Teile ausgasen. Meins jedenfalls tat das. Dauert aber nur ein paar Tage...
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  • fffcmad
    Oja, das kann ich bestaetigen. Das Teil hat bei mir gut eine Woche gestunken. Aber an Sonsten ist das Mikro fuer mich OK. Ich benutze es eh nur fuer Teamspeak.
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  • FormatC
    Ich denke, für TS sind Gesangsmikros besonders gut geeignet, denn die sind auch übersteuerungsfester als Großmembranen, wenn man mal mit Lautsprechern arbeitet.

    Was da stinkt, sind angeblich brandhemmende Beschichtungen.
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