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In der Theorie: Tessellation & Bitstreaming

GeForce GTX 460: Fermi, richtig gemacht
Von , Chris Angelini

Wir haben schon angedeutet, dass ein GF104-Chip mit 336 CUDA-Kernen bei 675 MHz oft schneller ist als ein GF100-Board mit 352 Cores bei 607 MHz. Wenn die GF104 also preiswerter ist, durch ihre geringere Transistorzahl weniger Strom verbraucht und dadurch kühler bleibt – was in aller Welt spricht denn da noch für eine GeForce GTX 465?

Der einzige Grund, der uns plausibel erscheint, wäre ihre Zukunftssicherheit. Indem Nvidia nämlich bei der GF104 mehr Cores pro SM unterbringt, kann man diese GPU mit weniger SMs herstellen. Das ist zwar wie gezeigt prinzipiell von Vorteil, hat aber auch einen Haken: Weniger SMs bedeuten auch weniger PolyMorph Engines. Die GF104-GPU besitzt also weniger Ausführungseinheiten, die sich auf die Geometrie-Performance auswirken und den Fermi-Karten gegenüber ihren ATI-Evergreen-Rivalen bei der Tessellation à la DirectX 11 einen Vorsprung bescherten.

Die zurechtgestutzte GF100-GPU der GTX 465 besitzt 11 aktive und fünf abgeschaltete PolyMorph-Engines. Beide GTX-460-Varianten verfügen hingegen über eine GF104-GPU mit je sieben aktiven PolyMorph-Engines. Wie stark sich das Streichkonzert auswirkt, zeigt ein Extreme-Tessellation-Durchlauf mit dem Unigine-Benchmark in Version 2.1 bei 1680 x 1050.

Wie man unschwer erkennen kann, skaliert das Ergebnis mit der Anzahl verfügbarer SMs. Allerdings weist sogar noch die „gestutzte“ GF104-GPU AMDs Radeon HD 5850 deutlich in die Schranken, die ihrerseits offenbar mit einem Flaschenhals zu kämpfen hat.

Möglicherweise werden zukünftige Spiele irgendwann tatsächlich Tesselation in diesem Umfang einsetzen. In diesem Fall wird die GTX 465 sich gegen die GTX 460 behaupten können. Bedenkt man aber den geringeren Einstiegspreis der neuen Karten, der offiziell bei 199 Dollar liegt, können wir davon ausgehen, dass die meisten Käufer ihr Augenmerk auf die Performance in aktuellen Spielen richten werden, was die Tessellation-Diskussion relativiert.

Wer sich einen Eindruck von einem Spiel machen möchte, bei dem Tessellation schon heute zum Einsatz kommt, kann sich die Benchmark-Ergebnisse in Alien vs. Predator anschauen. Dort liegt die GeForce GTX 465 gleichauf mit der GTX 460 (1 GB), wobei die GTX 460 die Nase vorn hat, wenn Anti-Aliasing (AA) aktiviert wird.

GF104 im HTPC: Endlich auch Bitstreaming bei Nvidia

Einer der Vorteile, die ATIs Radeon-HD-5000-Fmailie bislang für sich verbuchen konnte, war, dass man mit ihnen Dolby TrueHD- und DTS-HD Master Audio-Signale, wie man sie auf Blu-rays findet, unkomprimiert per HDMI zum Receiver weiterleiten konnte, um sie erst dort zu dekodieren. Diese Ausgabeart nennt sich Bitstreaming. Um sie zu ermöglichen, benötigt man geschützte Audio- und Video-Pfade (PAVP, Protected Audio Video Path), also eine gesicherte Übermittlungsstrecke, die aus DRM-Gründen nicht angezapft bzw. abgehört werden kann.

Nachdem AMD einen PAVP implementierte, folgte Intel mit seinen Clarkdale- und Arrandale-CPUs der Core i3- und i5-Serien.

Nvidia zieht nun also mit einiger Verspätung nach. Als der GF100-Chip ohne einen PAVP in den Markt startete, hatten wir die Hoffnung auf eine Nvidia-Grafikkarte dieser Generation mit Bitstreaming ehrlich gesagt schon fast aufgegeben. Mit dem GF104-Chip gibt es jetzt aber doch ein solches Modell. In dieser GPU steckt ein überarbeiteter Video-Prozessor, der zwar immer noch VP4 genannt wird, nun aber Bitstreaming sowie HD-Audio beherrscht.

Leider hat die Sache derzeit noch einen Haken, denn der aktuelle Treiber unterstützt das Feature noch nicht. Wir konnten zwar Dolby Digital/DTS per HDMI ebenso ausgeben wie Multi-Kanal-LPCM. Dolby TrueHD und DTS-HD funktionierten im Test aber nicht. Doch selbst wenn diese Funktion im Treiber aktiviert wird, muss man wohl auf CyberLinks Player-Software PowerDVD 10 umsteigen, um es nutzen zu können. Für alle, die wegen der Bitstreaming-Funktionalität bei Intels und ATIs Grafiklösungen auf PowerDVD 9 umgestiegen sind und nun mit einem Fermi-Upgrade liebäugeln, dürfte das eine herbe Enttäuschung sein. Es würde unserer Meinung nach allen beteiligten Firmen gut zu Gesicht stehen, wenn man zusammen einen Patch für PowerDVD 9 herausbrächte.

Da auch ATI mehrere Treiber-Revisionen benötigte, bis Bitstreaming problemlos funktioniert, werden wir Nvidia aus den Startschwierigkeiten keinen Strick drehen. Auf jeden Fall sehen wir es als positiv, dass ein Mainstream-Derivat der Fermi-Architektur sich ab sofort auch für den Einsatz in einem HTPC qualifiziert, der auch Gaming- und Blu-ray-3D-Ambitionen hegt.

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