GeForce GTX 480 und 470: Nvidias schnelles heißes Eisen

Es liegt in der Natur von Hardware-Enthusiasten wie uns, sich so früh wie möglich über anstehende Hardware zu informieren und wie News-Junkies jeden Bericht zu lesen. Sobald die ersten technischen Daten die Runde machen, fangen wir an, uns ein Bild zu machen – egal, ob es sich dabei noch um Gerüchte, Hörensagen oder offizielle White Papers handelt.

Nvidias GeForce GTX 480 und 470 sind aber ein Sonderfall, denn die Firma ließ wenig Raum für Spekulationen. Schon vergangenen September begann der Grafikspezialist, die Vorzüge seiner neuen Compute-Architektur ausführlich darzulegen. Wir müssen zugeben, uns gefiel, was wir hörten. Im Januar ging Nvidia dann sogar sehr detailliert auf den Aufbau des GF100 ein, jener GPU, die auf dem Fermi-Design basiert. Das Fazit aus Nvidias Sicht: In DirectX-11-Titeln mit viel Geometrie-Berechnung würden die neuen Karten die Konkurrenz auf die Ränge verweisen. So langsam kribbelte es uns dann schon gewaltig in den Fingern.

GeForce GTX 480: Kühlfläche, wohin das Auge blicktGeForce GTX 480: Kühlfläche, wohin das Auge blickt

Man könnte also sagen, dass sich Nvidia selbst ins Knie geschossen hat, weil man zu früh zu viel preisgab. Immerhin haben wir jetzt Ende März, und seitdem Nvidia die ersten Informationen zu Fermi herausgab, sind sechs Monate vergangen. Erst vor einer Woche landeten endlich die ersten Desktop-Karten, die auf die neue Architektur setzen, bei uns im Testlabor.

Zu kaufen gibt es die beiden Neulinge noch nicht. Die ersten Karten mit Referenzdesign werden noch von Nvidia selbst produziert und sind in diesem Moment auf dem Weg zu den Distributoren. Sie sollten in weniger als zwei Wochen in den Händlerregalen stehen. Spätere Boards werden dann von den Partnern gefertigt und sollen im Laufe des kommenden Monats auftauchen. Wie steht es aber um die Verfügbarkeit? Laut Nvidia sind rechtzeitig zur Vorstellung zehntausende GF100-Grafikkarten auf dem Weg in den Handel, und bis Mitte April soll jeder, der über das nötige finanzielle Polster verfügt, eine GeForce GTX 480 (offizieller Preis: 500 US-Dollar) oder eine GeForce GTX 470 (350 US-Dollar) kaufen können.

Inwiefern diese Vorhersage zutrifft, wird sich allerdings noch zeigen müssen. Immerhin war AMD bei der Vorstellung der HD-5800-Serie nicht minder optimistisch, was die Verfügbarkeit anbelangte. Letztlich sah die Realität allerdings anders aus, und nach wie vor sorgt die geringe Ausbeute bei TSMCs 40-nm-Fertigung dafür, dass die Stückzahlen bei DX11-Karten eher niedrig sind.

Die Vergangenheit ist Geschichte

Gut, Nvidia betritt den Windows 7/DirectX 11 Markt also sechs Monate nach seinem Konkurrenten. Was aber zählt ist, dass man jetzt auch angekommen ist. Allerdings ist eine weitere Auswirkung der Verzögerungen, dass heute nur zwei Nvidia-Karten neun Radeon-HD-5000-Modellen gegenüberstehen. AMD hat seinen zeitlichen Vorsprung genutzt und alle Bereiche fleißig besetzt. Aufgrund der Kartenpreise von 350 und 500 Dollar können wir das Testfeld aber weiter eingrenzen, womit auf ATI-Seite nur noch die Radeon HD 5850, HD5870 und HD 5970 im High-End übrig bleiben. An diesen drei DX11-Karten müssen sich Nvidias Neuzugänge messen lassen. Das bedeutet aber auch, dass Nvidia zwei Drittel von ATIs DX11-Sortiment vorerst nichts entgegenzusetzen hat. Das setzt natürlich voraus, dass der Käufer überhaupt eine DX11-Karte sucht…

Um einen Vergleich mit den Flaggschiffen der letzten Generation zu ermöglichen, nehmen wir noch drei DX10-Karten ins Testfeld auf. Für AMD steigt hier die Radeon HD 4870 X2 mit zwei GPUs in den Ring. Nvidias Gegenstück dazu ist die ebenfalls mit zwei Grafikchips ausgestattete GeForce GTX 295. Als schnellste Nvidia-Karte mit einer GPU kommt auch die GTX 285 zum Einsatz.

GeForce GTX 470: Eleganter, auch schnell und ebenfalls heiß.GeForce GTX 470: Eleganter, auch schnell und ebenfalls heiß.

Anfangs sorgte Nvidias Ankündigung, die Fermi-Architekur werde vor allem auf wissenschaftliche Berechnungen (Compute Performance) hin optimiert, unter Spielern für einige Besorgnis, drohte doch die klassische Rolle der GPU Spiele zu beschleunigen in den Hintergrund zu rücken. Ohne Frage zielt die Architektur (und damit auch der GF100-Chip) durch die Nutzung von ECC-Speicher und verbesserte Performance bei doppelter Genauigkeit  darauf, den Einzug von Nvidias Tesla-Karten zunehmend auch in anspruchsvollen Supercomputern zu sichern. Das wird Nvidia auch gelingen. Die Performance-Zuwächse, die durch die massive Parallelisierung bestimmter Aufgaben möglich sind, sind enorm. Da Nvidia bereits in die Software-Entwicklung investiert, hat die Firma in diesem wachsenden Markt einen beträchtlichen Vorsprung gegenüber AMD/ATI und Intel. Es bleibt aber abzuwarten, wie die GF100-GPU mit „dem ganzen Rest“ klarkommt.

Kann Nvidias GF100 auch in Spielen überzeugen? Genau darum soll es hier gehen. Alles ist vorbereitet, die Testplattform aufgewärmt und einige neue Spiele in unseren Benchmark-Parcours aufgenommen. Bevor wir uns aber auf die Benchmarks stürzen, sollten wir uns noch die GeForce GTX 480 und die GTX 470 genauer anschauen.