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Testbericht GeForce GTX 650 Ti - Der kleine Kepler für Zwischendurch?

Testbericht GeForce GTX 650 Ti - Der kleine Kepler für Zwischendurch?
Von , Don, Woligroski, Igor Wallossek

Nvidias neue GeForce GTX 650 Ti soll die Lücke zwischen der GeForce GTX 650 und 660 schließen. Ist das GK106-Board schnell genug, um Klassiker wie die GeForce GTX 460 und die Radeon HD 6850 auszustechen? Oder ist eine Radeon HD 7850 1GB die bessere Wahl?

In den letzten zwei Monaten hat Nvidia nicht weniger als drei neue Grafikkarten auf den Markt gebracht, die allesamt auf der Kepler-Architektur aufsetzen. Heute folgt nun Desktop-Karte Nummer vier, und damit laut Nvidia das letzte Modell, das für 2012 auf dem Plan steht.

Zwischen den beiden kürzlich vorgestellten GeForce-Modellen GTX 650 (UVP: rund 115 Euro) und GTX 660 (UVP: rund 225 Euro) klafft eine riesige Preislücke. Insofern überrascht es nicht, dass Nvidia nun noch eine weitere Karte nachschiebt. Immerhin fehlte bislang auch noch der passende Gegner zu AMDs Radeon HD 7770 und HD 7850, und auch die GeForce GTX 560 will so langsam abgelöst werden. Abgesehen davon findet man auch immer noch die Radeon HD 6850 und 6870 im Markt, die nach wie vor viel fürs Geld bieten. Die GeForce GTX 650 Ti wird also mit ihrer angepeilten Preisempfehlung von rund 140 Euro auf einige Gegner treffen.

Angetrieben wird das neueste Modell in Nvidias Portfolio von der gleichen GK106-GPU, die wir bereits im Artikel Nvidia Geforce GTX 650 und 660 im Test: Kepler in neuen Preisregionen kennen gelernt haben. Dieses Mal hat Nvidia aber einige Teile des Chips deaktiviert, um eine GPU zu schaffen, deren Performance sich zwischen der GeForce GTX 650 und der GTX 660 einordnet.

Die dritte und ungewohnt asymmetrische GPC-Einheit des GK106-Chips ist bei dieser Ausführung deaktiviert, ebenso wie eines der 64-Bit-Speicherinterfaces. Es bleiben also vier Streaming Multiprocessors mit insgesamt 768 CUDA-Kernen und 64 Textureinheiten. Die verbleibenden beiden ROP-Cluster können pro Takt 16 Rasteroperationen pro Takt durchführen, und der Speicher ist mit insgesamt 128 Bit angebunden.


GeForce GTX 650GeForce GTX 650 Ti
GeForce GTX 660GeForce GTX 560GeForce GTX 460
Shader Cores
384
768960
336336
Textureinheiten
32
64
80
5656
Color ROPs
16
1624
3232
Strukturbreite
28 nm
28 nm28 nm40 nm40 nm
Core/Boost-Takt
1058 MHz
925 MHz980/1033 MHz
810 MHz675 MHz
Speichertakt
1250 MHz GDDR5
1350 MHz GDDR51502 MHz GDDR5
1002 MHz GDDR5900 MHz GDDR5
Speicherbus
128-bit
128-bit192-bit
256-bit256-bit
Speicherdurchsatz
80 GB/s
86,4 GB/s144,2 GB/s128,2 GB/s
115,2 GB/s
Video-RAM
1 oder 2 GB GDDR5
 1 oder 2 GB GDDR5
2 GB GDDR5
2 GB GDDR51 GB GDDR5
Stromanschlüsse
1 x 6-Pin1 x 6-Pin
1 x 6-Pin2 x 6-Pin2 x 6-Pin
TDP (maximal)
64 W
110 W
140 W
160 W
160 W
Preis~100 Euro*
~140 Euro (UVP)~200 Euro*
~160 Euro*
End Of Life

*Alle Preise laut Preisvergleich Geizhals am 9.10.2012

Wie man es von einem Chip, der zwischen zwei existierenden Modellen positioniert wird, erwarten darf, fallen die restlichen Spezifikationen zwischen die der GeForce GTX 650 und GTX 660. Die einzige Ausnahme stellt das Speichersubsystem dar, das sich stark an der GTX 650 orientiert. Auch dort findet man einen 128-Bit-Speicherbus, und die von 80 auf 86,4 GB/s leicht gestiegene Speicherbandbreite geht allein auf einen etwas höheren Speichertakt zurück. Gegenüber dem 256 Bit breiten Speicherinterface einer GeForce GTX 460 ist das ein riesiger Schritt zurück, und selbst AMDs ältere Radeon HD 6850 und 6870 erreichen 128 bzw. 134 GB/s an Speicherdurchsatz

Wenn es für Interessenten, die mit Nvidias neuer Budget-Gamingkarte bei hohen Auflösungen und aktivierter Kantenglättung spielen wollen, also ein Kontra-Argument gibt, dann ist es sicher der Mangel an Speicherbandbreite – denn der zeigte sich bereits bei der GeForce GTX 650 und 660. Hier ließe sich mit gezielter Speicherübertaktung je nach Spiel noch ein wenig Performance gewinnen.

Nvidias GeForce GTX 650 Ti

Mit ihren zierlichen Abmessungen von nur 14,6 x 10,16 cm erinnert die GeForce GTX 650 Ti auf den ersten Blick eher an eine Low-End-Karte vom Schlage einer GeForce GT 430. Trotz ihrer kompakten Größe ist sie aber eine erstaunlich schnelle Karte.

Nvidias Referenzdesign sieht 1 GB GDDR5-Speicher vor. Die Rückseite der Karte bleibt dementsprechend leer, es sei denn man greift zur teureren Variante mit 2 GB, die auch auf der Rückseite Speicherchips trägt. Standardmäßig läuft der Speicher mit 1350 MHz, was einer effektiven Datenrate von 5400 MT/s entspricht. Die GK106-GPU taktet derweil mit 925 MHz, und wie schon bei der GeForce GTX 660 gibt es auch bei diesem Modell keinen GPU Boost.

Unser Testexemplar war mit einer Mini-HDMI-Buchse sowie zwei Dual-Link DVI-Ports ausgestattet, doch wie wir wissen, können aktuelle Kepler-GPUs bis zu vier Displays parallel antreiben. Es steht den Boardpartnern also frei, welche und wie viele Anschlüsse sie auf ihren Karten realisieren wollen, und wir werden uns auf den folgenden Seiten drei Modelle genauer anschauen, bevor wir zu den Benchmarks kommen.

Mit einer TDP von 110 Watt wird nur ein einziger zusätzlicher 6-Pin-Stromstecker fällig, da bereits der PCIe-x16-Slot bis zu 75 Watt bereitstellen kann.

Einen SLI-Konnektor trägt die GeForce GTX 650 Ti hingegen nicht. Obwohl es durchaus auch preiswerte Boards gibt, die allein per PCIe ohne zusätzliche Direktverbindung in Mehrkarten-Konfigurationen eingesetzt werden können, hat sich Nvidia hier bewusst dagegen entschieden preisbewussten Gamern zu erlauben, erst eine Karte zu kaufen und später eine zweite zu ergänzen. AMD sieht das offenbar lockerer, denn die Radeon HD 7770 und HD 7750 sind CrossFire-tauglich.

Auf der Referenzkarte kommt ein 75 mm großer Axiallüfter zum Einsatz, und laut unseren Messungen reicht er völlig aus, Nvidias 28-nm-GPUs ohne großen Lärm ausreichend zu kühlen.