Eine leise Pumpe für Gigabytes GTX 980 Ti Xtreme Gaming Waterforce

Wer erinnert sich nicht an die R9 Fury X und den Pumpen-Tinnitus zum Launch? Bei einem ersten Modell der Gigabyte GTX 980 Ti Xtreme Gaming Waterforce hatten wir ein Déjà-vu allererster Güte und haben sofort nachgehakt. Das Ergebnis überrascht (nicht).

Eigentlich hat Gigabyte mit der GTX 980 Ti Xtreme Gaming Waterforce fast alles richtig gemacht, denn die Performance und die Übertaktbarkeit haben uns - wie schon anderen Kollegen internationaler Medien, die ebenfalls ein Exemplar ergattern konnten - wirklich überzeugt. Wäre da nicht die surrende und pfeifende Begleitmusik gewesen, die einem das Pixel-Festival glatt verderben konnte.

Wir hatten den Test der Karte eigentlich zeitgleich zu den anderen Medien fest eingeplant und werden ihn doch erst in Kürze veröffentlichen können. Der Grund liegt im Produkt - oder besser einem Teil des Ganzen - verborgen, denn auch Gigabyte hat sich - wie zuvor schon AMD - von Cooler Master beraten und beliefern lassen.

Sicher hätte man das Produkt negativ bewerten und wie die anderen die Sache einfach als gegeben abhaken können, aber da wir auf Nachfrage bestätigt bekamen, dass die eigentliche Massenproduktion erst noch gestartet wird, haben wir versucht, das Qualitätsproblem mit Gigabyte gemeinsam anzugehen.

Wir bitten um Verständnis, dass wir einige durchaus pikante Details aus der internen Kommunikation zwischen uns, Gigabyte und Cooler Master als Zulieferer der Kühleinheit nicht veröffentlichen können, aber der aufmerksame Leser wird sicher auch so aus dem Kontext seine Schlüsse ziehen. Betrachten wir also zunächst den Teil der Karte, der die Ursache des Problems ist.

Nachdem wir Gigabyte unsere Messergebnisse samt  internem "Videobeweis" geschickt hatten, stießen wir zunächst auf überraschte Gesichter der Mitarbeiter des Gigabyte-Entwicklerteams (R&D). Ähnlich wie bei AMDs frühen R9 Fury X-Modellen neigten nicht alle Karten zum extremen Fiepen und auch bei den hörbar fiependen Karten gab es noch deutlichere Unterschiede untereinander.

Gigabyte konfrontierte darauf in einem ersten Schritt Cooler Master mit den Ergebnissen, wobei man dort der bemerkenswerten Meinung war, es ließe sich alles ganz einfach durch den bloßen Austausch des Controller-Chips lösen; man müsse die Kühleinheit ansonsten nicht ändern. Wirklich?

Da wir aufgrund der Erfahrungen mit der Pumpe auf der Fury X (und den aufgedeckten, wahren Gründen für das Pfeifen), bereits sehr misstrauisch geworden waren, haben wir uns das endgültige Modell aus der nun auf Gigabytes Drängen hin nochmals abgeänderten Massenproduktion besorgt und erneut zerlegt.

Die Unterschiede sind gravierend und beziehen sich auch nicht nur auf den Chip, so dass wir diesen Vorgang nach längerem Überlegen doch öffentlich dokumentieren wollen. Das geschieht auch, um Gigabyte vor einem möglichen Image-Schaden zu bewahren, der durch die ersten Reviews mit den vorigen Modellen durchaus hätte entstehen können.

Allein der Vergleich der auf der Pumpe aufgedruckten Label lässt dann ahnen, was hier eigentlich verbaut wurde. Betrachtet man nämlich die Seriennummern, dann erkennt man, dass zwischen der ersten und der neuen Pumpe über 1,1 Millionen produzierte Einheiten liegen! Da die Pumpen auf der R9 Fury X und der Waterforce absolut baugleich (und somit ein Modell) sind, lässt der große Unterschied der Seriennummer den möglichen Umkehrschluss zu, dass hier womöglich Reste verbaut wurden, die man eigentlich nach dem Desater mit der Fury X wohl besser entsorgt hätte.

Mal abgesehen davon, dass beide Label aus einem unterschiedlichen Drucker stammen, dürfte auch die Produktionslinie mittlerweile eine andere sein.

Einmal misstrauisch geworden, haben wir beide Kühleinheiten genauer miteinander verglichen, um noch mehr mögliche Unterschiede zu finden. Beginnen wir beim Heatsink, den Cooler Master - bei der R9 Fury X schlau geworden - nunmehr mit vier Einweg-Schrauben versieht, die eine Demontage (ohne Spezialwerkzeug) unmöglich macht.

Die Veränderung in der Pumpe haben wir uns von Gigabytes R&D mittlerweile auch bestätigen lassen, bei der wirklich der andere Controller-Chip zum Einsatz kommt, den Coolermaster seit geraumer Zeit auch auf der R9 Fury X zu nutzen scheint. Betrachten wir nun den freigelegten Heatsink:

Heatsink der alten PumpeHeatsink der alten PumpeHeatsink der neuen PumpeHeatsink der neuen Pumpe

Im Heatsink der neuen Pumpe findet sich nunmehr eine eingravierte Beschriftung, die früher (auch bei der Fury X) noch fehlte, was auf eine deutlich abgeänderte Produktion hinweisen sollte. Doch auch der Aufbau der Kühlereinheit hat sich verändert, wie wir leicht erkennen können:

Alte KühlereinheitAlte Kühlereinheit

So rutscht die eine Verbindungsbrücke zwischen Heatsink und VRM-Kühler weiter nach unten und die Verarbeitungsqualität der Kanten und Oberflächen ist gestiegen. Die Heatpipe besteht zudem möglicherweise aus einem leicht modifizierten Kompositmaterial.

Neue KühlereinheitNeue Kühlereinheit

Fazit

Mal wieder ertappt - anders kann man es leider nicht umschreiben. Wobei in diesem Fall der Schwarze Peter, wie schon dei AMDs R9 Fury X, eindeutig an Cooler Master gehen muss, die es ganz augenscheinlich einfach erneut probiert haben, Reste buchhalterisch vorteilhaft wiederzuverwerten.

Der einzige Vorwurf, den man an Gigabyte richten kann, ist der, dass das Qualitätsmanagement nicht gegriffen hat, weil man sich auf die Überprüfung von nur einer Karte verlassen hat und ansonsten wohl auch viele ältere Mitarbeiter beschäftigt, die den hohen Pfeifton in ihrer gewohnten, recht lauten Arbeitsumgebung gar nicht erst wahrnehmen konnten.

Unser Verdienst beschränkt sich am Ende darauf, Gigabyte so lange hartnäckig drangsaliert zu haben, bis sie ihrerseits Cooler Master in die Pflicht genommen und zudem gleich noch einen neuen Arbeitsplatz geschaffen haben, der nun mit jungen und motivierten Ohren für (noch) leisere Produkte sorgen soll (und wohl auch wird). Wir haben zudem die Aussage aus der Distribution bekommen, dass keine Karten mit der alten Kühleinheit in Deutschland auf den Markt gelangt sind und dass alles, was sich aktuell in Auslieferung befindet, bereits die neue Pumpeneinheit trägt.

Das ist natürlich gut für den Kunden, jedoch auch etwas ärgerlich für uns, denn wir haben unser Review in weiten Teilen noch einmal schreiben müssen, so dass es nun endlich auch in wenigen Tagen veröffentlicht werden kann. Allerdings hält sich der Ärger in Grenzen, denn spannend war das Ganze allemal.

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5 Kommentare
    Dein Kommentar
  • CSI Tomshardware - vielen Dank Igor, für diese Beispiel kritischer Journalje ;)
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  • Ich säg mal kurz Nerven: es heißt Tinnitus.
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  • Ich hoffe das sich bei dem Produkt auch Designtechnisch einiges tut... Plexiglas schön und gut, aber will ich wirklich so ein unsauber verarbeitets Kupferblättchen sehen? Da sind mir 3 Lüfter um einiges lieber.
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  • Interpunktion ist überbewertet, dafür sind Kettensätze wieder in?

    [...] Wobei in diesem Fall der Schwarze Peter, wie schon dei AMDs R9 Fury X, eindeutig an Cooler Master gehen muss. Diese haben es ganz augenscheinlich einfach erneut probiert Reste buchhalterisch vorteilhaft wiederzuverwerten.
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  • Sich extra anzumelden, um einen Satz umzustellen, finde ich wirklich cool :)
    Im Übrigen bin ich mir sehr sicher, dass die Kommata vor der Korrektur drin waren. Und ja, Kettensätze sind die Krönung der Satzschöpfung - frag Goethe. :D
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