Mivoc Hype 10 G2 im Subwoofer-Test: Tiefton trifft Tiefpreis

Innenaufbau und Technik-Check

Innenleben und Lautsprecher-Chassis

Entfernt man die komplette Aktiveinheit, kann man einen ersten Blick in den Korpus werfen. Die angeleimten Klötzchen sollen sicherlich die Streifigkeit des an sich bereits recht starren Korpuses verbessern, aber man merkt sofort, dass hier etwas gespart werden musste, denn auf innere Verstrebungen muss man verzichten. Funktionieren wird der Subwoofer natürlich trotzdem, aber komplett versteift ist er somit nicht.

Darüber hinaus nehmen etwas zu weiche Wände dem Bassreflex ein wenig Kraft, wobei dieses Problem beim Hype 10 G2 noch zu verkraften ist. Denn eines ist auch wichtig: Immer schön den Preis im Hinterkopf behalten...

Das angeleimte Bassreflexrohr aus Kunststoff zeigt dankenswerterweise zur Front, hätte aber durchaus etwas länger ausfallen dürfen. Die für den Subwoofer gewählte Abstimmung geht leicht an den Herstellerempfehlungen des Chassis vorbei.

So ergibt sich als Endkonsequenz eine Performance-Spitze bei 50 bis 55 Hz, die uns auch schnell offenbart, dass man hier massenkonform in Richtung große Basstrommel optimiert hat. Das ist schade, denn so wird einiges an Potential nach unten hin verschenkt - doch dazu bei den Messungen gleich mehr.

Die Box an sich ist kaum bedämpft. Das mit leichter Dämmung verkleidete Tiefton-Chassis (Mivoc SWW1) ist deutlich einfacher gehalten als das AW104 aus Mivocs Selbstbau-Angebot. Es hat einen Einbaudurchmesser von 23,5 cm, einen Außendurchmesser von 26,3 cm und eine Einbautiefe von 11,4 cm. Das Gewicht liegt immer noch bei stattlichen 3,4 Kg. Der Herstellers gibt 180 Watt (R.M.S.) als Nenn- und 350 Watt als Maximalleistung an.

Die Membran besteht aus Polypropylen und wird mittels Gummisicke im Korb gehalten. Die Schwingspule hat einen Durchmesser von fünf Zentimetern und eine Impedanz von vier Ohm; der lineare Hub von +/- 4,0 mm geht so auch in Ordnung. Fakt ist aber auch, dass der SWW11 eher auf größere Gehäuse abzielt, bei denen das Nettovolumen 40 Liter und mehr betragen sollte - beim Hype 10 G2 wird dieses empfohlene Minimalvolumen mit 40,8 Litern nur knapp überschritten.

Als Abstimmfrequenz (fb) empfielt man eine Frequenz zwischen 36 bis 38 Hz und Mivoc gibt zumindest in den Specs eine Bassanhebung von drei Dezibel bei 37 Hz an.

Das Chassis selbst bietet einem Schalldruckpegel (SPL) von bis zu 90 dB, was in Ordnung ist. Die obere Frequenz von 600 Hz ist hier eher nebensächlich, da man diesen Bereich sowieso nie brauchen wird.

Verstärkertechnik

Auf der Montageplatte der Aktiveinheit befindet sich eine analoge Vorverstärker-Platine mit Eingängen und Regelmöglichkeiten, wobei der Regler für die Crossover-Frequenz als einfaches RC-Glied (Tiefpass) zweiter Ordnung ausgeführt ist.

Der Regelbereich liegt stets bei bzw. über 50 Hertz und senkt je nach Stellung alle Frequenzen oberhalb mehr oder weniger stark ab. Es ist somit keine echte Verschiebung der Übergangsfrequenz möglich, sondern lediglich eine frequenzabhängige Pegelanpassung (Tiefpass). Wir haben dies später auch noch im Detail nachgemessen.

Mivoc nutzt zudem einen einfachen Subsonic-Filter (HPF), der bereits etwas unterhalb von 30 Hz greift, um den Subwoofer und vor allem die Endstufe zu entlasten sowie einen etwas "trockeneren" Sound zu erzielen. Damit ist jedoch auch die Angabe der unteren Grenzfrequenz von 20 Hz im Dateblatt Makulatur, wie wir später noch sehen werden.

Da man letztendlich umso mehr Energie aufwenden muss, je tiefer eine wiederzugebende Frequenz ist, ist so ein Kniff nicht nur nützlich, sondern meist auch für den Anwender akustisch von Vorteil. Die 20 Hz sind am Ende ja eh nur noch eine Luftvertelung im Raum, die kaum oder gar nicht mehr hörbar ist, wenn man nicht gerade Elefant ist. Nur hätten wir uns den Filter etwas tiefer gewünscht.

Das Netzteil setzt auf einen Ringkerntransformator, der mit einer Nennleistung von 90 Watt angegeben ist. Und nachdem wir schon gemerkt haben, dass das Marketing beim Frequenzbereich schummelt, wurden wir gleich noch einmal hellhörig. Im Datenblatt gibt der Hersteller 120 Watt Sinus als Ausgangsleistung an, die das Netzteil definitiv nicht liefern kann. Auf der Homepage liest man dann auch von 120 Watt R.M.S., was alles und nichts heißen kann.

Deshalb waren wir neugierig und haben einfach einmal nachgemessen: Die Mono-Komplementärendstufe - bestehend aus einem Pärchen mit einem TIP36C (PNP) und einem TIP35C (NPN) im Gegentakt-Betrieb - schafft in dieser Beschaltung eine Sinusleistung von maximal 75 bis 78 Watt, wobei die Impulsleistung dank des recht "weichen" Netzteils (hohe Kapazitäten) durchaus auch schon einmal kurzzeitig über 80 Watt liegen kann.

Mehr geht jedoch nicht, solange man einen akzeptablen Klirrfaktor anstrebt, den wir als Grenzwert für uns noch subjektiv als gut befunden haben. Die beworbenen 120 Watt sind jedoch das Resultat einer etwas zu optimistischen PR und finden in der Realität definitiv nicht statt - zumal die beiden Transistoren auch nur für eine maximale Verlustleistung von 125 Watt zertifiziert sind und die Kühlung wohl auch keine größeren Leistungssprünge mehr hergibt.

Ähnliche gestaltete Verstärkermodule wie der hauseigene AV80, die man auch als Bausätze kaufen kann, entsprechen ebenfalls eher der 75- bis 80-Watt-Klasse.

Trotz dieser Kritik am Marketing-Gebahren des Anbieters muss man fairerweise zugeben, dass ein Eigenbau in dieser Preisklasse kaum billiger gekommen und besser geworden wäre, was sehr eindeutig für den Mivoc Hype 10 G2 als gutes Preis-Leistungs-Angebot spricht.

Aber genug der Vorbetrachtung - schauen wir uns nun an, was die Messungen in unserem Akustikraum offenbaren.

Erstelle einen neuen Thread im Artikel-Forum über dieses Thema
Dieser Thread ist für Kommentare geschlossen
3 Kommentare
Im Forum kommentieren
    Dein Kommentar
  • derGhostrider
    Igor, Igor... die Verkabelung kann man aber auch schön zusammenfassen... und das Netzteil hängt doch nicht wirklich an seinem Kabel?
    ;)
    0
  • Mysterion
    Was für eine Zeitverschwendung, nur weil Hifi heute nichts mehr kosten darf.

    Früher gab' es dafür eine Lösung: Sparen.
    0
  • FormatC
    Es ist immer eine Frage der Schwerpunkte, die man sich im Leben setzt :)

    Für diejenigen, deren Budget nicht den Gegenwert eines Kleinwagens im Zimmer ermöglicht, ist so eine 100-Euro-Lösung durchaus eine gern gesehene Alternative. Man muss es immer in die Relation zum Preis setzen. Eine Kombi aus zwei akzeptablen, aktiven Nahfeld-Monitoren für zusammen 100 bis 150 Euro mit dem Sub aus dem Review auf 50 Hz ist besser, als jede 2.1 Knallerbsen-Kombi unter 300 Euro. Immer noch besser, als so teuflische Angebote wir Consono & Co. :)
    0