Solide Kost für Gamer: Corsair HS50 im Headset-Test

Messungen, Sound-Check und Fazit

Mikrofon-Messung und Sound-Check

Zunächst messen wir auf Wunsch auch den Frequenzbereich des Mikrofons, um dem Feedback der Leser entgegenzukommen. Dafür nutzen wir erneut unseren Messraum, kehren den Vorgang aber quasi um. Natürlich übersteigt eine echte Reziprozitätskalibrierung als Ausgangsbasis unsere aktuellen Möglichkeiten und der Aufwand überstiege den Nutzen bei Weitem. Deshalb haben ir einen Kompromiss gesucht.

Da wir aber über ein kalibriertes Messmikrofon verfügen, lässt sich durch eine Vergleichsmessung und das Herausrechnen der Unterschiede zumindest eine für unseren Zweck gut verwertbare Kurve erzeugen. Somit ist es also nicht der exakte Frequenzgang des Mikrofons, das würden wir uns gar nicht anmaßen, jedoch eine aussagekräftige Annäherung, die unseren subjektiven Eindruck zudem untermauert.

Mess- und hörbar kann man feststellen, dass es unter ca. 100 Hz einen Low-Cut gibt, zumal das Mikrofon von Haus aus schon nicht basslastig ist. Ein Rumpeln kann somit schon recht gut vermieden werden. Die Sprachverständlichkeit ist gut bis sehr gut, allerdings fällt der Pegel nicht sonderlich hoch aus. Hier sollte man in den Systemeinstellungen (der Soundkarte) bei Bedarf eine leichte Pegelanhebung vornehmen. Ein leichtes Rauschen dürfte dann aber nicht ganz zu vermeiden sein.

Was etwas übertrieben klingt, sind alle Sibilanten bzw. Zischlaute, denn der Hochton ist bei fünf bis sechs KHz um fast 12 dB angehoben. Das provoziert fast schon einen metallischen und kalten Klang, beeinträchtigt aber die Verständlichkeit nicht. Nur Ausblas- und andere Windgeräusche sind überdurchschnittlich deutlich wahrzunehmen.

Kopfhörer-Messung

Wie wir testen, haben wir im Grundlagenartikel "Gaming-Headsets: Mythos, Wahrheit und wie wir testen" bereits sehr ausführlich und transparent dargelegt, denn mit dem üblichen Audio-Geschwurbel von Bassgewittern und Hochtonpeitschen kommt man nicht wirklich weiter. Man muss schon subjektiv gut zuhören können und parallel dazu auch messen. Beginnen wir zunächst mit Letzterem.

Wenn man die originale Kurve betrachtet, dann sieht es bis auf die übliche Badewannen-Delle nicht schlecht aus und man stellt sich die berechtigte Frage, warum das wirklich sein musste. Bassanhebungen um ca. fünf dB und ein mit fast neun dB überzuckerter Hochton lassen keinen Zweifel daran, für wenn man dieses Headset glaubt abgestimmt zu haben. Doch auch die Generation Clearasil sollte man nicht unterschätzen, denn wir stellen vermehrt ein gestärktes Klangbewusstsein fest, was uns natürlich freut.

Hebt man den vernachlässigten Bereich bei ca. 500 Hz um acht bis neun dB an, verringert den Pegel bei ca. 8 KHz um ca. fünf dB, sowie bei zwei KHz um ein bis zwei dB, dann erhält man zwischen 45 Hz und ca. 16 KHz einen fast schon linearen Verlauf (+/- 3dB). Dass das um Welten besser (und auch wärmer klingt), werden wir gleich noch sehen.

Subjektives Hörerlebnis - Original gegen Optimierung

Testen wir nun auch subjektiv, was man im Original (ohne Verschlimmbesserung mit wirklich albernen Profilen) und nach der manuellen EQ-Anpassung am Ohr anliegen hat.

Basswiedergabe

Den Tiefstbass in der Subkontraoktave (16,4 Hz bis 32,7 Hz) testen mit einer Aufnahme von Bachs Toccata und Fuge D-Moll (19 und 25 Hz) sowie der Festival-Ouvertüre 1812 von Tschaikowsky (10 Hz und 12,5 Hz). Das gleiche gilt auch für die unteren Bereiche der Kontraoktave (32,7 bis 65,4 Hz). Die große Basstrommel (Kick Drum), die in der U-Musik ein gern gesehener Begleiter und meist auf ca. 55 bis 60 Hz abgestimmt ist, wird diese Beurteilung dann abrunden.

Der Bass ist ab etwa 45 Hz abwärts zwar bereits hörbar zurückhaltender, besitzt aber immer noch genügend Präsenz und sogar eine ganz passable Auflösung. Mit dem neuen Setting wirkt alles noch etwas differenzierter und klarer, ohne jedoch an Druck zu verlieren. Ab ca. 30 Hz wird es dann nach unten hin etwas arg dünn, aber das macht eigentlich nichts. Die Kontraoktave ist noch vollständig anwesend, das beruhigt dann auch den letzten Tiefgänger ein wenig.

Die große Basstrommel kommt ausreichend knackig und die Pegelfestigkeit stimmt für diese Preisklasse auch. Das Einschwingverhalten geht ebenfalls in Ordnung und insgesamt kann man festhalten, dass der Bass nicht zu den Schattenseiten des Corsair-Universums zählt.

Der Oberbass bis 150 Hz, in dem auch die Große Oktave (65,4 bis 130,8 Hz) liegt, beherbergt die Sprachgrundfrequenz der männlichen Stimme und entscheidet sehr stark über die naturgetreue Wiedergabe männlicher Vocals.

Dieser Bereich klingt bereits im Original einigermaßen ausgewogen und natürlich, wenn auch etwas angefettet. Die männlichen Vocals werden (fast schon zu) satt und warm wiedergegeben, die Instrumente werden kaum verfälscht. Insgesamt ist die Auflösung akzeptabel und lässt auch nicht zu dominant aufspielende Quellen noch gut performen und sogar orten.

Mitteltonbereich

Die unteren Mitten (auch Grundtonbereich) liegen bei ca. 150 bis 400 Hz. Zusammen mit dem bereits erwähnten Oberbass spielt dieser Bereich eine sehr wichtige Rolle für die subjektiv empfundene Wärme bzw. Fülle des Klangbildes. Die Sprachgrundfrequenz weiblicher Stimmen ist in diesem Bereich zu finden.

Weibliche Vocals kommen noch recht ordentlich auf den Punkt. Die Klangfarbe der Vocals und eingespielten Instrumente geht im Original eher in Richtung warm, auf keinen Fall ist es analytisch. Der weitere Verlauf nach oben hin ist beim optimierten Profil aber bereits deutlich besser, weil man so die beginnende Badewanne komplett neutralisiert. Das manuell erstellte Setting lässt die Abstimmung weiter in Richtung warm und angenehm gleiten - eigentlich ein Muss für Musikliebhaber, obwohl es dem reinen Gamer fast schon egal sein dürfte.

Die oberen Mitten zwischen 400 Hz bis etwa zwei KHz beinhalten bei einem KHz eine Marke, die immer noch als Referenz für viele Messungen gilt. Das merkt man leider auch oft bei günstigeren Geräten, da die Hersteller oft versuchen, gerade diese Frequenz etwas überzubetonen. Auch beim Gaming spielt dieser Bereich keine unbedeutende Rolle und eine ausgewogene Wiedergabe trägt nicht unwesentlich zu einer guten räumlichen Auflösung bei.

Das Drama und akustische Tal der großen Tränen liegt bei ca. 500 Hz. Ohne unsere Nachhilfe am Equalizer fehlen vielen Instrumenten wichtige Nuancen und auch die Auflösung leidet enorm. Viele Details verschwimmen bzw. gehen hilfeschreiend gleich ganz unter. Die Bühne und die subjektiv empfundene Qualität der räumlichen Auflösung sind nur nach unserem Eingriff auf einem recht gutem Niveau.

Für Musikliebhaber: Ein Orchester wirkt (rein subjektiv betrachtet) weit genug aufgestellt, auch wenn einzelne, eher leisere Quellen nicht immer wirklich zielsicher geortet werden können. Hier merkt man die preislichen Limitierungen noch am ehesten. Für Gamer: dem Spiel tut das Ganze keinen Abbruch, nur auf eine gediegene Pausenmucke müsste man verzichten. Aber da gibt ja immer noch unseren besten Freund, den Equalizer. Der richtet dann brav wieder gerade, was die Techniker in Asien im Auftrag versemmelt haben.

Hochtonbereich

Zwischen zwei bis etwa 3,5 KHz ist das menschliche Gehör am empfindlichsten, zumal dieser Bereich der unteren Höhen für die gute Oberton-Wiedergabe der menschlichen Stimme zuständig ist. Dieser Frequenzbereich ist nämlich entscheidend für die Wiedererkennung einer Stimme oder eines Instrumentes; man spricht in diesem Zusammenhang auch von der jeweiligen Klangfarbe.

Das neue Profil kommt der originalen Klangfarbe viel eher entgegen und alles klingt um Welten natürlicher, auch wenn schon die originale Auslegung erträglich ist. Besser geht immer und vor allem die Ortung im Spiel ist in beiden Interpretationen zu jeder Zeit auf der Höhe des Geschehens. Sicher ginge es auch (noch) besser, aber es gibt deutlich schlechtere Headsets. So fair muss man bleiben.

Die mittleren Höhen (3,5 bis sechs KHz) entscheiden über das Ge- oder Misslingen der Sprachwiedergabe als Gesamtbild, denn die S- und Zischlaute (Sibilanten) fallen in diesen Bereich. Die oberen Höhen reichen dann bis ca. zehn KHz, um in den Superhochton überzugehen.

Hoch- und Superhochton sind viel zu sehr angehoben worden, um im Original wirklich gefallen zu können. Es driftet hier deutlich ins Metallische und Spitze ab, was zu überbetonen Sibilanten und Ausblasgeräuschen führt. Mit dem geänderten Profil hingegen gewinnt das Headset hingegen auch hier insgesamt an Wärme und auch an Auflösung.

Der angegebene Frequenzverlauf von 20 Hz bis 20 KHz ist hingegen reine Utopie und zudem ohne Angabe jeglicher Toleranzgrenzen sowieso nur alberne PR-Makulatur. Mit den optimierten Einstellungen am EQ würden wir jedoch von ca. 45 Hz bis 16 KHz mit +/-3dB Abweichung ausgehen, je nach Ohrpolsteranpassung beim Hörenden. Das ist gut und dem Preis vollends angemessen.

Zusammenfassung und Fazit

Die 60 Euro Straßenpreis sind eine Ansage an die Mitbewerber, keine Frage. Trotzdem sind es Dinge wie die völlig übertriebene Badewanne und der etwas zu straffe Sitz, der sich zwar kleineren asiatischen Köpfen sklavisch andient, dem Rest der Welt aber nach längerem Tragen schon etwas Unbehagen bereitet. Das HS50 macht nichts wirklich falsch, weshalb wir es auch als "Geprüft" durchgehen lassen. Für den ganz großen Auftritt hat es aber dann, wenn auch ganz knapp, nicht mehr gereicht.

Wer als Nur-Gamer keinen großen Wert auf originalgetreue Musikwiedergabe legt, einen Kopf unter Hutgröße 62 hat und mehr laut als neutral hören möchte, wird sicher im HS50 sein bezahlbares Goldstück finden. Linear-Fanatiker mit übergroßen Köpfen und Brillenträger sollten sich hingegen besser das Creative SoundblasterX H5 ansehen, das sitzt deutlich luftiger und kostet auch kaum mehr. Wer allerdings auf Badewanne steht, dem sei der große Schaum von ganzem Herzen gegönnt. Dann kann er beim HS50 nämlich nichts falsch machen.

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3 Kommentare
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    Dein Kommentar
  • JottHaa
    "Doch auch die Generation Clearasil sollte man nicht unterschätzen, denn wir stellen vermehrt ein gestärktes Klangbewusstsein fest, was uns natürlich freut."
    Schon seltsam, gerade diese altersgruppe haben noch gesunde ohren und sollten eher auf hochtonabsenkung setzen. Aber ein grinsen konnte ich mir nicht verkneifen.
    Was die straff abgestimmten bügel anbetrifft: als brillenträger muß ich dir zustimmen und leider habe auch schon diverse zurückgeschickt wegen der schmerzenden bügelspannung.
    Fündig wurde ich letztendlich bei den hervorragenden B&W P5 BT und für dj-sessions nutze ich die Ultrasone hifi-580.
  • FormatC
    Nun ja... ich höre sogar mit meinen fast 54 noch bis 14 KHz ziemlich ordentlich. Ich lasse mich auch regelmäßig checken. Wer sich nicht ständig einer Dauerbeschallung aussetzt, sondern pfleglich mit den Lauschern umgeht, der wird eben auch belohnt. Im Umkehrschluss sind die Dauerpegel der üblichen Diskos nicht gerade förderlich und im Allgemeinen wird alles gefühlt immer lauter :D

    Die Kiddies setzen vor allem auf Bass. Mag sein, dass es so gerade mal hip ist, aber es klingt nun mal schei.e. ;)
  • JottHaa
    Ich bin zwar kein kiddie mehr, aber stehe auch auf bass. Allerdings eher tiefbass. Wie bei guten openairs in der magengegend :Wenn das nicht drückt,taugt das nichts.
    In clubs treibe ich mich auch nicht mehr rum, lege nur noch im privaten umfeld bis 100 hanseln auf. Alles darüber ist mir zu stressig und für mich nicht mehr überschaubar. Und kann mir dfür auch den pegel selbst einstellen. Was wiederum mein arzt letztens bestätigt: hörvermögen hervorragend für mein alter.