Preisbrecher mit USB-Reißleine: Sharkoon Skiller SGH2 Stereo-Headset

Messungen, Sound-Check und Fazit

Mikrofon

Das in einem Schwanenhals verbaute, omni-direktionale Mikrofon tut was es soll und wird zumindest von einem Pop- und Tiefpass-Filter unterstützt. Die Empfindlichkeit geht in Ordnung, die Pegelfestigkeit bei Peaks auch.

Allerdings ist es etwas arg basslastig, was der Stimme zwar mehr glänzendes Volumen verleiht, aber schnell auch brummelnd nachfettet, wenn Klaus-Kevin den Stimmbruch schon hinter sich hat. Chantal-Cheyenne hat es da beim aufreizenden Aufsprechen deutlich einfacher, weil sie mit Ihrer Stimme stets oberhalb dieses akustischen Speckgürtels posiert. Bei 3,5 bis vier KHz fallen allerdings alle Stimmen in ein kleines Loch, was der Verständlichkeit zwar keinen wirklich größeren Schaden zufügt, allerdings auch den Wiedererkennungseffekt der Stimme etwas trübt. Hier könnte man durchaus etwas nachbessern.

Der Pegel reicht völlig aus und auf ein fieses Rauschen kann man auch nicht schimpfen, weil es keins gibt. Das wäre dann die gute Seite eines total durchschnittlichen Mikrofons, das aber auch nichts so richtig falsch macht. Man wird zumindest gut verstanden, was ja eigentlich auch ausreicht.

Kopfhörer-Messung

Wie wir testen, haben wir im Grundlagenartikel "Gaming-Headsets: Mythos, Wahrheit und wie wir testen" bereits sehr ausführlich und transparent dargelegt, denn mit dem üblichen Audio-Geschwurbel von Bassgewittern und Hochtonpeitschen kommt man nicht wirklich weiter. Man muss schon subjektiv gut zuhören können und parallel dazu auch messen. Beginnen wir zunächst mit Letzterem, wobei uns ja nur die eingebaute USB-Lösung bleibt.

Für 25 Euro nehmen wir erst einmal das übliche Wannenbad, na klar doch. Allerdings fällt die Rutschpartie noch recht dezent aus und wir staunen nicht schlecht, da man im Toleranzbereich von 6dB zumindest zwischen 25 Hz und 17 KHz in recht stabiler Seitenlage gediegen zuhören kann. So schlecht sind die 50mm-Treiber also offenbar gar nicht.

Gröbere Knetversuche am Ohrpolster lassen die Kurve zwar gehörig in den sich verschiebenden Fettpolstern mutieren, aber die Bauchnabelmulde der vergessenen Mitten bleibt, wo sie ist. Wir vermuten hier somit eher einen nicht ganz idealen Impedanzverlauf der Treiber, der zum leichten Pegelabfall führt. Meist ist dieser Effekt sogar gewollt und eingeplant, um die Badewannenabstimmung kostenfrei gleich mitzugestalten.

Das alles sieht aber, auch zusammen mit den erreichten Pegeln, einer durchaus ansprechenden Auflösung, einem noch akzeptablen Einschwingverhalten und der fast schon neutralen Soundlösung gar nicht so sehr nach schlappen 25 Euro aus. Das haben doppelt oder dreimal so teure Headsets ohne großen Anlauf schon ganz anders versemmelt. Testen wir nun auch subjektiv, was am Ohr so eintrifft, wenn man den für sich perfekten Sitz des Headsets erst einmal für sich herausgefunden hat.

Basswiedergabe

Den Tiefstbass in der Subkontraoktave (16,4 Hz bis 32,7 Hz) testen mit einer Aufnahme von Bachs Toccata und Fuge D-Moll (19 und 25 Hz) sowie der Festival-Ouvertüre 1812 von Tschaikowsky (10 Hz und 12,5 Hz). Das gleiche gilt auch für die unteren Bereiche der Kontraoktave (32,7 bis 65,4 Hz). Die große Basstrommel (Kick Drum), die in der U-Musik ein gern gesehener Begleiter und meist auf ca. 55 bis 60 Hz abgestimmt ist, wird diese Beurteilung dann abrunden.

Der sehr warme Tief(st)bass besitzt, trotz eines leichten Pegelabfalls unterhalb von ca. 35 Hz, stets Präsenz und eine für diese Preisklasse sehr gute Auflösung. Die Subkontraoktave ist hörbar anwesend, was nicht selbstverständlich ist. Ab ca. 50 Hz wirkt der Bass ein wenig lauter und dominanter, was der Zielgruppe sicher auch nicht gerade ungelegen kommen dürfte. Diese recht bassbetonte Abstimmung ist zwar Geschmackssache, aber man kann zumindest damit (über)leben, weil sie im Gegenzug eben auch nicht übertrieben wurde.

Die große Basstrommel kommt trotz der sehr soften Bassinterpretation des Systems noch ausreichend knackig rüber und die Pegelfestigkeit bei kurzen, aber dominanten Impulsen stimmt ebenfalls. Toneffektspuren bei Erdbeben-Katastrophen-Videos oder anderen cineastischen Heldentaten können durchaus zum akustischen Vergnügen werden, ohne das die Membranen der Treiber ständig scheppernd an der Abdeckung anschlagen.

Der Oberbass bis 150 Hz, in dem auch die Große Oktave (65,4 bis 130,8 Hz) liegt, beherbergt die Sprachgrundfrequenz der männlichen Stimme und entscheidet sehr stark über die naturgetreue Wiedergabe männlicher Vocals.

Dieser Bereich klingt etwas angefettet. Die männlichen Vocals werden sehr satt und warm wiedergegeben, die Instrumente werden nur leicht verfälscht. Insgesamt ist auch in diesem Bereich die Auflösung noch akzeptabel und lässt auch nicht zu dominant aufspielende Quellen ganz gut performen. Ortung von kriegerischem Peng, Plopp und Krawumm klappt auch, Test bis hier also bestanden.

Mitteltonbereich

Die unteren Mitten (auch Grundtonbereich) liegen bei ca. 150 bis 400 Hz. Zusammen mit dem bereits erwähnten Oberbass spielt dieser Bereich eine sehr wichtige Rolle für die subjektiv empfundene Wärme bzw. Fülle des Klangbildes. Die Sprachgrundfrequenz weiblicher Stimmen ist in diesem Bereich zu finden.

Weibliche Vocals kommen erstaunlich sauber auf den Punkt. Die Klangfarbe der Vocals und eingespielten Instrumente bleibt stets eher warm und schön füllig, untenherum fast schon etwas zu barock. Hier hört man allerdings nach oben hin auch schon die abfallenden Flanken des Mittenlöchleins. Bei 25 Euro Ticketpreis fürs Konzert ist das aber noch nicht einmal bei Klassik ein Drama, denn man bekommt halt auch im wahren Leben nur den Sitzplatz, für den man auch bezahlt. Aber man sitzt zumindest nicht hinter einer Säule, versprochen.

Die oberen Mitten zwischen 400 Hz bis etwa zwei KHz beinhalten bei einem KHz eine Marke, die immer noch als Referenz für viele Messungen gilt. Das merkt man leider auch oft bei günstigeren Geräten, da die Hersteller oft versuchen, gerade diese Frequenz etwas überzubetonen. Auch beim Gaming spielt dieser Bereich keine unbedeutende Rolle und eine ausgewogene Wiedergabe trägt nicht unwesentlich zu einer guten räumlichen Auflösung bei.

Das Drama liegt bei ca. 550 Hz. Bei vielen Instrumenten schwächeln gewissen Nuancen und auch die Auflösung leidet für geübte Ohren ein wenig. Einige Details verschwimmen bzw. gehen sogar ein wenig unter. Die Bühne und die subjektiv empfundene Qualität der räumlichen Auflösung sind hingegen brauchbar und mindestens auf einem 50-Euro-Niveau.

Ein großes Orchester wirkt ebenfalls noch weit genug aufgestellt, auch wenn einzelne, eher leisere Quellen nicht immer wirklich zielsicher geortet werden können. Dessen muss man sich bei diesem Preis auch bewusst sein. Aber für Otto Durchschnittshörer und vor allem für Kevin-Klaus Gamer reicht das Gebotene locker aus.

Hochtonbereich

Zwischen zwei bis etwa 3,5 KHz ist das menschliche Gehör am empfindlichsten, zumal dieser Bereich der unteren Höhen für die gute Oberton-Wiedergabe der menschlichen Stimme zuständig ist. Dieser Frequenzbereich ist nämlich entscheidend für die Wiedererkennung einer Stimme oder eines Instrumentes; man spricht in diesem Zusammenhang auch von der jeweiligen Klangfarbe.

Die Ortung im Spiel ist nunmehr zu jeder Zeit auf der Höhe des Geschehens, ohne dass uns jetzt noch irgendein unerwünschter Pegelabfall stört. Das ist stellenweise sogar schon Wiedergabe auf einem preislich deutlich höheren Niveau. Räumlichkeit geht nämlich auch ohne den zusätzlichen 7.1-Kleister, wenn man nichts mechanisch übertüncht oder DSP-verschlimmbessert. Das muss man dem Headset an dieser Stelle fairerweise zugestehen. Auch die Musikwiedergabe schwächelt nur ein klein wenig und wir haben vieles davon schon deutlich schlimmer gehört.

Die mittleren Höhen (3,5 bis sechs KHz) entscheiden über das Ge- oder Misslingen der Sprachwiedergabe als Gesamtbild, denn die S- und Zischlaute (Sibilanten) fallen in diesen Bereich. Die oberen Höhen reichen dann bis ca. zehn KHz, um in den Superhochton überzugehen.

Hoch- und Superhochton sind sehr ausgeprägt, ohne direkt zu überfordern. Es driftet nichts ins Metallische und Spitze ab, überbetone Sibilanten und Ausblasgeräuschen sind allerdings ein kleines Thema am Rande. Nicht sonderlich dramatisch, aber schon etwas zu vordergründig. Wer miese und vom Kompressor totgebratene MP3-Dateien abspielt, wird mit etwas Pech kleine Nadelstiche ins Trommelfell bekommen, aber sonst ist alles gut. Die Auflösung ist wirklich akzeptabel und dem Endpreis mehr angemessen.

Zusammenfassung und Fazit

Klammern wir ein gewisses, mitgebuchtes Mindeshaltbarkeitsdatum durch die buchhalterisch notwendig gewordene Materialauswahl einmal aus, dann liegt hier auf dem Tisch eine Art Preis-Leistungssieger, dem man das Ergebnis der Messungen und des Probehörens in dieser Form wohl gar nicht zugetraut hätte. Sharkoon hat beim Skiller SGH2 recht klug genau dort gespart, wo man es erst einmal weniger sieht und erst recht auch nicht hört. Man hat nicht am Treiber gespart, wohl aber an Überflüssigkeiten wie Full-RGB, Software und teurerem USB-Controller.

Zubehör? Braucht man ja eh nicht. Software und Treiber? Gott sei Dank geht es auch ohne, nur per Plug-and-Play. Rauschen? Vernachlässigbar. Mängel? Nun ja, bei 25 Euro wird man auch als Tester milde. Trotzdem sollte man dann die recht wabbeligen Ohrpolster aufführen, die kunststofflastige Mechanik, die garantiert nicht das ewige Leben haben kann und die fehlende optische Auffälligkeit, die manche als Skill-Verstärker so gern hätten. Immerhin kann man damit Blau machen und sitzt nicht ganz im Dunkeln.

Die eingesetzte USB-Soundlösung von C-Media ist zwar zusammen mit den 50mm-Neodym-Treibern kein akustisches Highlight, aber eben auch kein musikalischer Sturzkampfbomber der Chinesischen Volksarmee. Solide, ohne echte Ecken und Kanten und stets dienstbeflissen genug, auch nur das zu tun, was er soll. Das aber dann wenigstens richtig.

Für den Klang, der nie so billig ist, wie es einem der Preis eigentlich impliziert, gibt es dann auch den Kauftipp, denn in dieser Preisklasse ist das Skiller SGH2 fast schon unschlagbar. Es ist somit der akustische Rettungsanker des kleinen Mannes, dem viel mehr Geld fürs Audio zu schade ist und der trotzdem keinen Hörsturz erleiden möchte.

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4 Kommentare
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    Dein Kommentar
  • Derfnam
    Da fragt sich der Kopfhörerallergiker (aka ich) doch: was kann denn dann wohl Sharkoons Spitzenmodell? Du weißt ja selber, wie viel teils deutlich teureren Murks du schon getestet hast, steht ja auch im Text, aber auch als unaffiner Leser juckt es mich schon: was kann der B1?
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  • FormatC
    Kann ich Dir sagen, denn ich habe die Prototypen mit mehr und weniger Bass auf der Computex behind closed doors bewerten dürfen. Es ist nicht die Variante geworden, die ich bevorzugt hätte (weniger Bass), aber es ist ein Mittelweg, der durchaus passt. Die ziemlich flinken 40mm Treiber sind nämlich ganz gut.
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  • quasistereo87
    Ich bin dabei mir ein Headset anzuschaffen und es wird ein Sharkoon Skiller. Aber SHG1 oder SGH2? Ich konnte im Bericht keinen Vergleich zwischen SGH2 und seinem Vorgänger finden. Es ist ja nicht immer so, dass neu immer besser bedeutet. Würde mich interessieren, bevor ich mich dann schlussendlich entscheide :)
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  • FormatC
    SGH1 ist 3,5mm Klinke, SGH2 ist USB mit eingebauter Soundlösung. Der Rest ist fast gleich.
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