HERCULES: Die europäische Antwort auf Google und Tesla

HERCULES ist ein sehr ambitioniertes Projekt, das hochperformante, Linux-basierte Echtzeitplattformen für Embedded- und Low-Power-Systeme entwickeln will. Das Ganze zielt auf selbstfahrende Autos und ihren Bedarf an Plattformen ab, die jede Aktion in Echtzeit bewältigen können. Sie müssen also leistungsstark sein, dürfen aber keine Strom- oder Platzfresser sein. Das Gleiche gilt für Passagierflugzeuge und die Nachfrage an Videoüberwachungssystemen, die gefährliche Personen am Boden entdecken können - ebenfalls in Echtzeit.

So etwas braucht eine Menge Sensoren, Datenverarbeitungskapazität und andere fundamentale Voraussetzungen, zu denen auch hohe Energieeffizienz gehört.

Alle an diesem Projekt beteiligten Personen und Firmen trafen sich am 10. Mai in Venaria, einer oberitalienischen Stadt nahe Turin, wo Magneti Marelli sein Hauptquartier hat. Die University of Modena and Reggio Emilia (UNIMORE) führt die Gruppierung an, zu der auch die Czech Technical University, ETH Zurich, Airbus, Evidence Srl (S.Giuliano Terme, Italy), pi.tom (Navacchio, Italy) und natürlich Magneti Marelli selbst gehört.

Tom's Hardware Italien war als Mitglied des Beirats dabei, zu dem wiederum BMW CAR IT, Porsche Engineering Service, VW, CODEPLAY, Yanmar, IMA, SACMI, TOPCON Positioning System, Continental Automotive, Autoliv, Honeywell, MBDA, Leonardo-Finmeccanica (Airborne and Space System Division), ARM und Nvidia gehören.

Die Idee ist, dass jedermann abhängig von seinem spezifischen Wissenbereich Beiträge und Vorschläge an die Projektmanager herantragen kann. Wenn HERCULES Erfolg hat, würde das für viele Teilnehmer eine Möglichkeit bedeuten, künftig schneller neue Ideen zu entwickeln.

"Wir haben diesen Workshop geschaffen, um Feedback zu unserem Projekt zu bekommen und künftige Partner zu identifizieren. sie würden damit natürlich Early Adoptors werden, also die ersten Anwender noch vor der Markteinführung", so Marko Bertogna, außerordentlicher Professor des Fachbereichs Physik, Computerwissenschaft und Mathematic an der UNIMORE und Leiter des Projekts HERCULES.

"Wir konnten großes Interesse verbuchen und der Markt ist bereit und im Wachsen begriffen. Man sieht das an der Übernahme von Cruise (ein Startup, das ein Nachrüst-Selbstfahr-Kit entwickelte) durch General Motors für eine Milliarde US-Dollar. Unsere Antwort ist für den Channel gedacht; wir haben sie so ausgerichtet, dass wir spezifische Produktanforderungen erfüllen."

HERCULES wurde innerhalb des Rahmenprogramms 'Horizon 2020' für Forschung und Innovation von der EU mit 2,1 Millionen Euro finanziert. Die Schweiz steuerte 700.000 Euro bei und andere Partner beteiligten sich mit einer halben Million.

HERCULES muss drei Stufen bewältigen: Zuerst muss bewiesen werden, dass es möglich ist - es muss das erste industrielle Framework entwickelt werden, das in Echtzeit auf den meisten fortschrittlichen und gebräuchlichen Embedded-Plattformen eingesetzt werden kann. Als nächstes müsen die Energieeffizienz massiv verbessert und gleichzeitig die Kosten gesenkt werden. Der dritte Schritt ist die Entwicklung einer Programmierschnittstelle, um eine einfache Anwendungsentwicklung auf jeglicher Hardware zu ermöglichen.

Ein weiterer Schlüsselfaktor dieses Projekts ist Open-Source-Software - namentlich Linux, ERIKA und OpenMP. Erika ist ein offener, lizenzfreier Kernel, der von Evidence (Pisa, Italien) entwickelt wurde und in Produkten von Magneti Marelli, Cobra, FAAM, Aprilia und anderen genutzt wird.

Eines der heißesten Themen ist paralleles Computing in Echtzeit auf Multi-Core-Hardware-Plattformen: Die fehlerfreie Verarbeitung paralleler Informationen mit dem korrekten Timing auf vielen Kernen ist die größte Herausforderung für Embedded-Plattformen, weil eine Menge Ressourcen - Speicher, Bus und I/O-Geräten - gemeinsam genutzt werden. Wenn dieses Hinderniss überwunden wird, dürfte das dem ganzen Sektor zugute kommen. 

Also wird es künftig vielleicht selbstfahrende Autos ohne sperrige Hardware geben, ohne Kabel, Platinen und andere Elektronika im Kofferraum. Das wäre echt klasse.

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