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High End 2006 München: Plattenspieler für 100.000 Euro

High End 2006 München: Plattenspieler für 100.000 Euro
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Im zweiten Stock von Halle 3 gab es separate Bereiche, wo einzelne Firmen ihre Produkte in aller Ruhe präsentieren konnte. Gegenüber anderen Publikumsmessen gab es Zeit und Raum für Fachgespräche.

Es wird sie immer geben, die Nischenbereiche, in denen richtig viel Geld verdient wird. So ist es beispielsweise möglich, allein für einen Plattenspieler über 100.000 Euro auszugeben. Und dabei handelt es sich um eine Technologie, die für die meisten Anwender längst Geschichte ist: Das mechanische Abspielen von Vinyl-Platten - allerdings auf dem Level höchster Perfektion - die nur eine ausgesuchte kleine aber feine Klientel erfahren kann. Der unbedarfte Einsteiger mit "Geiz-ist-Geil"-Prämisse bleibt hier außen vor und unternimmt lieber einen Gang zum nächsten Elektronik-Discounter. Ebenso ist es durchaus möglich, für einen Meter Spezialkabel, das als Verbindung zwischen zwei Komponenten dient, einmal locker 800 Euro auszugeben.

Die High End 2006 fand zum 25. Mal statt und wurde von insgesamt 12.090 interessierten Fach- und Heimanwendern besucht. Auf einer Fläche von 14.000 Quadratmetern waren 210 Aussteller anzutreffen, der am stärksten frequentierte Tag, war der erste Messedonnerstag. THG unternahm einen Rundgang durch die Hallen und versuchte Trends und Visionen in diesem Nischensegment auszumachen. Eine regelrechte Renaissance erleben die klassischen Kofferradios, die jetzt allerdings für DAB-Empfang ausgelegt sind. Allen Geräten gemeinsam ist die auf den ersten Blick wahrnehmbare gute Verarbeitungsqualität, zumindest der Hersteller, die auf der High End präsent waren. Recht interessante Designs zeigte die Firma Pure, deren Radios ab 109 Euro zu haben sind. Die klare Gestaltung und Farbgebung unterscheidet sich deutlich von den Offerten im Discount-Handel, wenn auch die Funktionalität kaum besser ausfällt.

Nach wie vor gibt es Röhrenverstärker, die optisch immer besser in Szene gesetzt werden. Da stellt sich gleichzeitig wieder die Frage: Klangwunder oder Relikt aus einer längst vergangenen Zeit?

Die Firma Transrotor ist in jedem Fall einen Besuch wert. Das Unternehmen ist in Fachkreisen durch seine außergewöhnlichen Plattenspieler bekannt, sowohl was das Design angeht als auch die verwendeten Materialien. Zum Preis einer Luxuslimousine oder eines gebrauchten Reihenmittelhauses in Norddeutschland präsentiert Transrotor den Artus. Dabei handelt es sich lediglich um einen Plattenspieler, für den 118.000 Euro aufgerufen werden - den Spielraum bei der Verhandlung noch nicht eingerechnet. Wesentlich günstiger kommt dagegen des Tourbillon 07 - ebenfalls ein ansehnlicher Plattenspieler, ohne Verstärker und Zubehör für 25.000 Euro. Es geht aber noch günstiger. Für den Highend-Einsteiger hat Transrotor den Cellino 25/40 oder New Classic 20/40 im Angebot. Dann werden mindestens 1800 Euro fällig. Wenn man sich überlegt, wie wenige Titel noch auf Schallplatten (Vinyl) verfügbar sind, dann stellt sich die Frage, ob in Zukunft ausschließlich die alten Werke abgehört werden?

Die High End 2006 steht nach wie vor für perfekten Audio- und Videogenuss. Sämtliche Produkte und Exponate sind später weder in Kaufhäusern noch beim Elektronik-Discounter zu finden. Und wenn doch, dann nur auf Anfrage oder Bestellung. Eine interessante Vorführung gab es bei Pioneer: Kurze Sequenzen aus bekannten Kino-Filmen wurden in echten 1920x1080 Bildpunkten (progressiv) auf einem Plasma-Fernseher (mindestens 8000 Euro) gezeigt. THG fragte sofort nach, woher denn das Material stammt, denn die Filmgesellschaften geben bekannterweise noch kein Material - auch nicht zu Demonstrationszwecken - in höchster Auflösung heraus. Die Erklärung: Ein Mitarbeiter hatte hier selbst Hand angelegt und eine Zusammenstellung am PC in 5.1 Audio erzeugt. Da muss wohl erst noch die Funkausstellung in Berlin kommen, bis ansprechendes HD-Material für die Presse verfügbar ist. Jedenfalls will Pioneer Ende November diesen Jahres einen Blue-Ray-DVD-Player auf den Markt bringen - auf der High End war er bereits zu sehen.

Die Röhre lebt!

Röhre und Holz passen gut zusammen.

Transformator ist nicht gleich Transformator/Übertrager - das weis doch jedes Kind.

Zusammenfassend können wir sagen, dass die High End in jedem Fall einen Besuch wert war. Vor allem für Leute mit besonderem Geschmack und dem Hang zu Design und Ästhetik. Ob der exorbitant hohe Preis im einzelnen immer gerechtfertigt ist oder nicht, dass muss der Kunde selbst entscheiden. An einigen Ständen spürten wir jedenfalls den Hauch von Arroganz und Dekadenz, der besonders bei genauer Nachfrage nach der Technik entgegen trat. Nicht selten nimmt die Klangoptimierung philosophische Züge an, die mit den allgemeinen Grundlagen der Elektrotechnik nichts mehr gemein hat. Von einigen Kollegen war sogar zu hören, dass im Hifi-Bereich längst nicht so umfangreiche und vor allem kritische Tests zum guten Ton gehören, wie es beispielsweise im PC-Hardware-Bereich der Fall ist. Unter diesen Vorzeichen lässt sich natürlich viel einfacher verkaufen und bei Qualitätsfragen leicht auf eine 30-jährige Tradition verweisen. Jetzt folgen noch Bilder von interessanten Produkten.

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