HP Elite X3: Business-Smartphone, das auch Mini-PC sein will

HP Elite X3 im Detail

Verarbeitung und Design

Mit dem ersten Griff aus der Packung ist klar: Das HP Elite X3 ist eine Wuchtbrumme. Dies beginnt schon mit den Ausmaßen: Die Grundfläche misst stattliche 16,3 x 8,4 Zentimeter. Die Bauhöhe von knapp 0,8 Zentimetern ist zwar kein Gardemaß, aber auch noch nicht dick auftragend - zumal kabelloses Laden nach Qi-Standard unterstützt wird. Das Kampfgewicht von 195 Gramm ist dagegen nicht gerade eine Kleinigkeit.

Abgesehen davon, dass die schiere Größe vor allem Männerhände ansprechen und die der Geschäftsdamen eher überfordern wird, ist auch im gut sitzenden Business-Kleidchen nur begrenzter Platz in den Taschen. Und ob Mann zum Anzug noch ein schniekes Handtäschchen fürs Smartphone tragen möchte, darf bezweifelt werden.

Auch optisch hätte dem Gehäuse noch etwas mehr Detailliebe gutgetan. Die Hardware sitzt in einem Unibody-Kunststoffgehäuse, das mit seiner vollständig matt gehaltenen Oberfläche im Vergleich zur schicken Konkurrenz wenig Glanz versprüht. An der Front ist die verchromte Kunstoffblende unterhalb des Displays als wesentlicher visulle Aufheller dagegen fast schon ein bisschen übertrieben.

Allerdings verspricht der Hersteller eine besondere Robustheit durch die Zertifierung nach den Standards IP67 und MIL-STD-810G. Das gilt jedoch nur begrenzt für die Front, denn die große Glasfläche, die die Front bedeckt, ist entsprechend kratzanfällig - da hilft auch ein robusteres Gorilla-Glas-4 nur begrenzt. Die Verarbeitung ist jedoch über jeden Zweifel erhaben.

Display

Aufgrund des großen Gehäuses integriert das HP Elite X3 natürlich auch einen entsprechend großen Bildschirm mit 5,96 Zoll Bildschirmdiagonale, der die Erwartungen an die Preisklasse erfüllt: Dank einer Auflösung von 2560 x 1440 Pixeln bietet das Panel trotz seiner wuchtigen Abmessungen eine hohe Pixeldichte von 489 ppi. Zudem wird auf AMOLED-Technologie gesetzt, die den knackigen Bildschirmeindruck noch einmal unterstreicht. 

Nicht ganz optimal ist die Helligkeit des Bildschirms. Gerade bei solch großen Panels ist eine kräftige Hintergrundleuchte wünschenswert, um auch in sehr hellen Lichtsituationen den Bildschirminhalt noch in allen Details erkennen zu können. Hier könnte das Display noch etwas leistungsfähiger sein: Die durchschnittliche Leuchtdichte des HP-Panels liegt bei lediglich 308 cd/m²; der hellste Punkt leuchtet mit 337 cd/m² und beim dunkelsten von zehn Messpunkten sind es noch 287 cd/m².

Zwar kommt die Gestaltung der Windows-Oberfläche weniger leuchtstarken Bildschirmen entgegen und auch die AMOLED-Technologie sorgt dank der aktiv leuchtenden Pixel für bessere Sichtbarkeit in hellem Licht, von einem Premium-Smartphone kann man aber etwas mehr erwarten. Der Schwarzwert ist mit 0,24 cd/m² dafür sehr niedrig, sodass sich ein ordentliches Kontrastverhältnis 1283:1 ergibt.

Sound

Bei der Tonwiedergabe erfüllt das Elite X3 die Pflicht - nicht mehr, nicht weniger. Die zusammen mit Bang & Olufson entwickelten und ober- bzw. unterhalb des Displays positionionierten Lautsprecher liefern einen - bei Bedarf sehr lauten - Stereo-Sound, der zwar ohne ungewünschtes Rauschen und Kratzen auskommt, jedoch verhältnismäßig höhenlastig ist. Tieftöne lassen sich nur erahnen.

Hardware

"Zeit ist Geld" ist eine der grundlegendsten Devisen im Geschäftsleben. Das weiß auch HP und verbaut in seinem Elite X3 mit dem Snapdragon 820 eines der schnellsten SoCs, das aktuell zur Verfügung steht. Der Chip besteht aus vier Kernen, die auf der Qualcomm-eigenen Kryo-Architektur basieren. Sie sind in zwei Clustern zusammengesetzt, die sich hinsichtlich der Taktfrequenz unterscheiden und mit 2,15 bzw. 1,6 GHz zu Werke gehen. Als GPU vertraut der Hersteller auf die ebenfalls aus der eigenen Entwicklung stammende Adreno 530. Der Arbeitsspeicher ist vier Gigabyte groß.

Damit bietet das Smartphone reichlich Leistung, die sogar mit der von Chips in einfachen Desktop-Systemen mithalten kann. Intels Atom x5-Z8350 bietet in etwa die Hälfte der Leistung des Snapdragon 820, auch wenn die für das Microsoft-Betriebssystem zur Verfügung stehenden Benchmarks in ihrer Anzahl begrenzt sind.

Selbst ein Acer v3-371 mit einem Core i5-4210U (Haswell) ist hinsichtlich der Performance unterm Strich gar nicht mehr so weit entfernt. Dies gilt insbesondere hinsichtlich der GPU-Leistung im GFX Benchmark - vor allem wenn man bedenkt, dass aufgrund der höheren Displayauflösung des Elite X3 nur die Offscreen-Ergebnisse relevant sind.

Wenn sich die im Raum stehenden Verbesserungen beim kommenden Snapdragon 835 bewahrheiten sollten, kann dieser Vergleich schon eine Vorahnung geben, welche Möglichkeiten sich - rein von der Hardware-Leistung her betrachtet - bei einer kommenden Generation des Elite X3 ergeben könnten. Dazu kommt noch, dass Microsoft anscheinend bereits an einer x86-Emulation für den ARM-Prozessor arbeitet.

  HP Elite X3
Trekstor Surftab Duo W3
Acer Aspire v3-371
AnTuTu v6117.316 Punkte-
194.310 Punkte
GFXBenchmark T-Rex (Offscreen)46,97 fps
22,16 fps60,41 fps
GFXBenchmark T-Rex (Onscreen)26,98 fps
17,01 fps30,48 fps
GFXBenchmark Manhattan 3.0 (Offscreen)33,28 fps
11,81 fps33,01 fps
GFXBenchmark Manhattan 3.0 ( Onscreen)16,31 fps
10,22 fps26,83 fps

Die Hardware-Benchmarks mögen einen guten Überblick über die Leistungsfähigkeit der Hardware geben, die Testläufe im Browser umgibt jedoch die Aura der etwas größeren Praxisnähe, da sie mittels eines Standardprogramms (in diesem Fall Googles Chrome) ausgeführt werden. Am Gesamteindruck dieser drei Tablets ändern sie jedoch nichts.

  HP Elite X3
Trekstor Surftab Duo W3Acer Aspire v3-371
Google Octane v29381 Punkte
6488 Punkte19.694 Punkte
jetstream 1.1
56.594 Punkte
39,669 Punkte134,250 Punkte
WebXPRT 2015-
113 Punkte275 Punkte

Datenspeicher

Wenn das Smartphone zum universellen Rechner werden soll, ist neben einer leistungsstarken Hardware auch ein großer Datenspeicher von einer nicht zu unterschätzenden Bedeutung. Schließlich muss genügend Platz vorhanden sein, um die nötigen Programme installieren und die zahlreichen Geschäftsunterlagen mit sich führen zu können sowie beim Abspeichern von Dokumenten nicht an Grenzen zu stoßen.

HP bietet beim Elite X3 einen Speicherplatz von 64 Gigabyte. An und für sich ist das keine schlechte Größe - aber für ein Smartphone, das im Einzelhandel nicht mehr weit von der 800-Euro-Marke entfernt ist und sich explizit an Geschäftskunden richtet, ist das jedoch fast schon etwas wenig. Hier wäre eine Speichergröße von 128 oder sogar 256 Gigabyte sicherlich angemessener gewesen.

Akku

Das Snapdragon-820-SoC gehört zwar aktuell zu den schnellsten unter den Smartphone-Prozessoren, doch trotz seiner hohen Leistung und nicht zuletzt auch trotz des großen und recht hoch auflösenden Displays kann sich der reisende Geschäftsmann auf die Akkulaufzeit seines Elite X3 verlassen.

Gerade wenn keine anspruchsvollen Prozese ausgeführt werden und die beiden langsameren nur mit 1,6 GHz getakteten Kerne genügen, werden auch die zur Verfügung stehenden Reserven geschont. Dabei profiert der Nutzer aber auch von dem mit 4150 mAh üppig dimensionierten Akku, der damit eine größere Kapazität bietet als so manches Tablet.

Wird der Prozessor jedoch gefordert, geht auch der Verbrauch schnell in die Höhe: Nach einer Stunde im Browser wird noch eine energetische Restmenge von 76 Prozent angegeben. Auch das gelegentliche Pausenspiel sollte nicht zu lang werden: Nach einer Stunde auf den Rennstrecken von Asphalt 8: Airborne verblieben noch 73 Prozent der Kapazitäten.


HP Elite X3
Akku-Größe
4150 mAh
GFX Bench Akkutest (Leistung)1508 Frames
GFX Bench Akkutest (Geschätzte Zeit)225 min

Kamera

Die Kamera ist bei einem vorrangig für den Business-Einsatz gedachten Smartphone nicht unbedingt das Hauptaugenmerk bei der Konzeption - definitiv aber nicht beim Elite X3.

Der Hersteller verbaut an der Rückseite des Geräts eine Kamera, die mit 16 Megapixeln auflöst - das klingt ein bisschen nach der aktuellen Mittelklasse. Schon auf dem Papier kann die Kamera nicht mit den Möglichkeiten mithalten, die von einigen anderen High-End-Flaggschiffen geboten werden. Selbst ein bei leistungsstarken Mittelklasse-Smartphones nicht ganz unüblicher optischer Bildstabilisator fehlt.

Die Bilder sind zwar durchaus ordentlich und überzeugen mit einer guten Farben und Kontrasten, aber die Erwartungen, die man an ein High-End-Flaggschiff stellt, werden jedoch nicht unbedingt erfüllt. Dies zeigt sich spätestens bei der Zoom-Funktion, die maximal eine vierfache Vergrößerung erlaubt. Dann lassen sich bei den Aufnahmen bereits erste Unschärfen bei Bilddetails erkennen.

Auch bei den Bewegtbildaufnahmen zeigt sich schon der Blick auf die Spezifikationen, dass hier gar nicht erst versucht wird, mit der High-End-Konkurrenz mitzuhalten. Denn hier gehört die Aufnnahme hochaufgelöster 4K-Videos genauso zum Standard wie Full-HD-Aufnahmen mit 60 Bildern in der Sekunde. Beim Elite X3 können lediglich Full-HD-Videos aufgezeichnet werden - mit 30 Bildern in der Sekunde.


Ein Business-Smartphone muss natürlich auch für Videokonferenzen geeignet sein. Dementsprechend spart HP nicht beim Frontsensor, der mit einer Auflösung von acht Megapixeln arbeitet. Für diesen Einsatzzweck spricht auch das 16:9-Seitenverhältnis, mit dem die Bilder ausgegeben werden. Üblicherweise spucken die Selfie-Sensoren der aktuellen Smartphones klassische 4:3-Bilder aus, denn die Frontkamera wird in privaten Händen weitmehr für klassische Fotos als für Bewegtbildaufnahmen genutzt.

Die Bildqualität selbst ist ordentlich. Der Sensor liefert natürlich Farben und eine gute Helligkeit sowie Detailschärfe. Die Kontraste könnten noch einen Tick höher sein.

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