HP Elite X3: Business-Smartphone, das auch Mini-PC sein will

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HP geht beim Betriebssystem des Elite X3 einen aktuell nicht gerade üblichen Weg und setzt auf Windows 10 Mobile - auch wenn sich das mobile Microsoft-Betriebssystem derzeit keiner sonderlich großen Beliebtheit erfreut. So ganz nachvollziehen lässt sich die Abneigung der Nutzer an dieser Stelle allerdings nicht.

Anders als etwa Firefox OS oder Ubuntu Touch OS handelt es sich bei Windows 10 Mobile um ein ausgereiftes Betriebssystem, das nicht nur mit einer homogenen und eigenständigen Gestaltung glänzt, sondern hinsichtlich der Nutzerfreundlichkeit locker mit den übermächtigen Konkurrenten Android und iOS mithalten kann. Das mobile Microsoft-Betriebssystem zeichnet sich nach wie vor durch seine Kacheloberfläche aus, die schon auf der Startseite die wesentlichen Dienste und Anwendungen präsentiert.

Ob das Kästchen-Konglomerat als überladen oder übersichtlich empfunden wird, ist sicherlich Geschmackssache. Unter dem Aspekt der Benutzerfreundlichkeit bleibt aber festzuhalten, dass man schon an dieser Stelle weniger Hin- und Hergewische benötigt, um ans Ziel zu kommen.

Wird der Heimbildschirm mit einem Wisch nach rechts weggeschoben, wird nach wie vor eine Liste mit allen installierten Apps und Diensten in alphabetischer Reihenfolge präsentiert. Auch das ist ein Feature, das schon von früheren Windows-Phone-Versionen bekannt und ebenfalls mit seiner Übersichtlichkeit gefällt - was wohl auch Google erkannt hat: Der App Drawer bietet seit Android 6.0 gleichermaßen eine alphabetsiche Listung, die von ihrer Machart her stark an das Smartphone-Windows erinnert.

Der große Kritikpunkt vieler Nutzer an dem mobilen Microsoft-Betriebssystem war stets das mangelnde App-Angebot. An dieser Stelle hat sich in der jüngeren Vergangenheit wenig geändert, schließlich sind die Marktanteile nach einem kurzen "Höhenflug" gegen 2014 eher wieder rückläufig. Entspannung könnte eines der nächsten Groß-Updates bingen, mit dem eine x86-Emulation eingeführt werden soll, sodass auf künftigen Windows-Smartphones auch klassische PC-Programme genutzt werden könnten.

Sollte dies Realität werden, würden sich sich die Möglichkeiten mit einem Schlag enorm vergrößern. Doch es gilt abzuwarten, welche der Gerüchte sich am Ende tatsächlich bewahrheiten - schließlich haben die Redmonder schon des öfteren bewiesen, erfolgreich auch große Möglichkeiten gekonnt zu ignorieren.

Begrenztes App-Angebot für die Arbeitswelt

An dieser Stelle stößt man auch auf die größte Schwäche an dem HP-Elite-X3-Ökosystem, bei dem es sich letztlich mehr als um ein Smartphone handeln soll. Denn das Gerät dient am Bildschirm oder am Lapdock als kompaktes Rechnerchen, das hinsichtlich der Leistung durchaus genug Potenz für einfachere Aufgaben mitbringt, wie die Benchmarks bereits gezeigt haben.

Für ein effektives Arbeiten muss der Nutzer auf die für seinen Arbeitsalltag notwendigen Anwendungen zugreifen können. An dieser Stelle kann Microsoft mit seiner Office-Suite punkten, die in den Unternehmen und Institutionen dieser Welt zum Quasi-Standard geworden ist. Auf dem HP-Phablet sind davon Excel, Note, Powerpoint und Word installiert.

Unterm Strich stehen dem vielreisenden Geschäftsmensch damit "nur" eine Reihe von Standardanwendungen zur Verfügung. Die können reichen, müssen aber nicht. Im Arbeitsalltag ist zwar oftmals nicht viel mehr nötig als Excel, Powerpoint und Word - und auch im Business-Bereich wird ja immer öfter auf Web-Anwendungen gesetzt, die mittels eines Browsers ausgeführt werden können.

Zu speziell darf das Anforderungsprofil jedoch nicht werden, denn schon bei den Browsern werden keine großen Auswahlmöglichkeiten geboten. Im Prinzip muss Microsofts Edge ausreichen, Google bietet seinen Chrome-Browser genauso wenig für die Plattform an wie Mozilla seinen Firefox.

HP als Softwarehaus für Geschäftskunden

In Sachen Software will sich HP um den erhofften Mehrwert kümmern. Der einstige Drucker-Zar und weltgrößte PC-Fertiger versteht sich längst nicht mehr als schlichter Gerätelieferant. Mittlerweile ist die in ein eigenes Unternehmen ausgegliederte Enterprise-Sparte gewinnträchtiger - und somit sind das Smartphone und die dazu gehörige Peripherie eigentlich mehr als Schlüssel gedacht, der die Tür zu den Unternehmensangeboten öffnet.

Dementsprechend versucht der Hersteller auch eher Unternehmen anzusprechen, die leistungsfähige Tools für Sicherheit und Management aus einer Hand benötigen. Auch eine eigene Cloud gehört zu HPs Angebotsumfang.

Und was nicht aus eigener Hand geboten werden kann, wird von einem externen Anbieter zur Verfügung gestellt: Standarmäßig wird ERP Salesforce ein prominenter Platz mit einer großen Kachel auf dem Startbildschirm eingeräumt. Ob dieses Engagement an jeder Stelle auf große Gegenliebe stößt, darf - insbesondere hierzulande - jedoch bezweifelt werden.

Cloud-Anwendungen gehören zwar selbst bei vielen Unternehmen zum Standard, die diesen Möglichkeiten vor wenigen Jahren noch skeptisch beäugten, doch nicht wenige von ihnen setzen auf eine firmeninterne Lösung - etwa in Form einer Owncloud, die eine größere Kontrolle erlauben. Und im ERP-Bereich dürfte gerade in unseren Breitengraden SAP nach wie vor der große Platzhirsch sein.

Immerhin lassen sich sämtliche dieser Angebote auch wieder deinstallieren.

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