HP Elite X3: Business-Smartphone, das auch Mini-PC sein will

Peripherie und Fazit

Docking-Station

Wie eingangs bereits angedeutet setzt HP auf zusätzliche Peripherie, die den Mehrwert des Elite X3 erhöhen solle. Dies beginnt mit einer Docking-Station, die zum serienmäßigen Lieferumfang gehört und nicht nur schick aussehen, sondern auch mit zusätzlicher Funktionalität begeistern soll.

Neben einer Ladefunktion sind auf der Rückseite zahlreiche Anschlüsse untergebracht. Neben zwei klassischen USB-Ports steht ein weiterer im Typ-C-Format zur Verfügung. Außerdem kann das Smartphone mit dem Dock auch per LAN-Kabel in ein Netzwerk eingebunden werden.

Das klingt erstmal viel, tatsächlich ist der Bedarf aber genau berechnet: Angeschlossen werden können - neben dem Smartphone und dem Netzwerkkabel - Tastatur, Maus und Bildschirm. Dann sind die Optionen ausgeschöpft. Weiterer Peripherie werden damit enge Grenzen gesetzt.

Bei der hochwertig verarbeiteten Smartphone-Aufnahme wird auf einen DisplayPort gesetzt, was ein durchaus gängiger Anschluss ist - jedoch nicht unbedingt im Business-Bereich. Hier sind DisplayPorts eher selten. Sie finden sich sehr selten an Business-Notebooks und sind auch bei Business-PCs, die über keine dezidierte Grafikkarte verfügen, eher ungebräuchlich. Das zwingt viele Nutzer zum Kauf eines entsprechenden Adapters. Eine HDMI-Buchse wäre an dieser Stelle sicherlich die sinnvollere Wahl gewesen.

Lapdock

Mit dem Lapdock soll sich das Elite X3 in ein kompaktes, aber dennoch vollwertiges Notebook verwandeln. Dies legt schon die Haptik nahe, die nicht den Eindruck vermittelt, dass es sich hier um eine mobile Verlegenheitslösung handelt. Das Gehäuse ist aus Kunststoff gefertigt, wobei der Deckel des Displays mit dem gleichen robusten Bezug versehen wurde wie die Rückseite des Phablets.

Auch der Chrom-schwangere Silberstreif taucht - hier in Form des Ständers - wieder auf. Auf einer Grundfläche von 28,9 x 20,1 Zentimetern wird ein 12,5 Zoll großes Full-HD-Display untergebracht; die Bauhöhe beträgt an dicksten Stelle zwei Zentimeter. Das Gewicht von 1082 Gramm könnte für eine quasi Hardware-lose Erweiterung etwas niedriger ausfallen, aber anscheinend wollte der Hersteller keine Kompromisse hinsichtlich der Haltbarkeit eingehen. An der hochwertigen Verarbeitung gibt es jedenfalls nichts zu bemängeln.

Die Leuchtdichte des Display-Panels könnte mit durchschnittlich 239 cd/m² allerdings etwas höher sein: Im Sommer auf der Terasse zu arbeiten ist nur dann möglich, wenn zumindest ein paar Wölkchen oder ein Baum etwas Schatten spenden. Der durchschnittliche Schwarzwert beträgt 0,12 cd/m², sodass sich ein Kontrastverhältnis von 1992:1 ergibt.

Der durchdachte Auftritt setzt sich auch bei der Tastatur fort. Die einzelnen Tasten könnten mit einer Kantenlänge von 1,5 x 1,5 Zentimetern noch einen Tick größer ausfallen, gefallen aber hinsichtlich Druckpunkt und Anschlag und vermitteln auch bei längeren Texten ein gutes Schreibgefühl. Zudem dürfte sich der mobile Arbeiter über die Hintergrundbeleuchtung freuen, die auch in Situationen mit mäßigem Umgebungslicht ein sicheres Tippen ermöglicht. Auch das Touchpad ist mit einer Größe von 9,6 x 5,6 Zentimetern für diese Größenverhältnisse ordentlich dimensioniert.

Zu hoffen bleibt jedoch, dass es sich beim Testgerät noch um ein Vorserienmodell handelte, denn das Tastatur-Layout selbst passte nicht: Software-seitig wurde zwar das deutsche Format unterstützt, die physischen Tasten entsprachen jedoch dem amerikanischen QWERTY-Format. Ein weiterer Kritikpunkt ist die Schnittstellenbestückung: Es finden sich im Gehäuse zwar drei USB-3.0-Schnittstellen, die allerdings allesamt im Typ-C-Format gehalten sind. Zumindest ein klassischer Anschluss hätte es ruhig sein dürfen. So bleibt nur der Griff zu einem Adapter, der aber immerhin beigelegt wird.

Per Kabel oder auch Bluetooth lässt sich das X3 mit dem Hardware-losen Klapprechner-Imitat verbinden. Dank Microsofts Continuum-Funktion öffnet sich ein vollwertiger Windows-10-Desktop, dennoch ist das Smartphone in diesem Modus (mal abgesehen von der bereitgestellten Rechenleistung) nicht ganz überflüssig. Es kann als zusätzliches Touchpad zur Bedienung der Desktop-Oberfläche genutzt werden.

Fazit

Das Konzept, die Hardware des Smartphones auch für einen Klapprechner zu nutzen, ist zwar kein neues, hat aber nach wie vor seinen Reiz. Wer einen ganzen Gerätepark verwendet, kennt das leidige Lied vom Synchronisieren der Daten. Dafür gibt es zwar Möglichkeiten und Tools wie Sand am Meer, die aber in der Praxis immer wieder mit Schwächen im Detail auffallen - und sei es nur deshalb, weil der Nutzer die angedachten Abgleichzyklen nicht ausführt oder unterbricht.

Cloud-Speicher und -Apps sind zwar eine schöne Sache - erst recht dann, wenn sie auch Möglichkeiten zur Bearbeitung von Dokumenten bieten. Allerdings sind die Arbeitsgeschwindigkeiten in einem solchen Modus nach wie vor nicht sonderlich hoch. Ein Gerät für alles - die legendäre "Eier legende Wollmilchsau" - ist daher ein lang gehegter Traum, den auch HP nicht erfüllen kann.

HPs Exlite X3 ist sicherlich das fortgeschrittenste Konzept, was bisher unter dieser Prämisse auf den Markt gebracht wurde - aber gänzlich überzeugen kann auch es noch nicht.

Die Möglichkeiten, auf benötigte Programme zugreifen zu können, dürften für eine ganze Reihe von Business-Nutzern immer noch zu begrenzt sein. Das Lapdock bietet für den aufgerufenen Verkaufspreis einen zu geringen Mehrwert und nicht wenige Einkäufer dürften sich die Frage stellen, warum sie stattdessen nicht gleich zu einem vollwertigen Notebook greifen sollten.

Zu guter Letzt kann das Smartphone selbst keine echten Begeisterungsstürme auslösen: Es ist im Alltag schlicht zu groß. Ansonsten wäre ein Windows-Smartphone im Unternehmen sicherlich eine sehr gute Alternative insbesondere zu den Android-Geräten, die immer wieder durch eklatante Sicherheitslücken auffallen, denn hier muss dem Nutzer kein reichhaltiges Angebot seiner Lieblingsspiele und -dienste zur Verfügung stehen.

Wer unbedingt auf Windows-Smartphone setzen will, der kann aktuell noch zum Lumia 950 (XL) oder dem Acer Liquid Jade Primo greifen. Die haben zwar nicht ganz so leistungsstarke Hardware, aber es bleibt noch genügend Geld übrig, um sich zusätzlich das kleinste Surface Pro 4 als potentes Business-Tablet kaufen zu können.

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