HTC One M9: Ein Schmuckstück mit Handschmeichler-Qualitäten

Im Testlabor

Das erst kürzlich getestete Samsung-Topmodell Galaxy S6 kommt ja mit einem hauseigenen SoC aus der Exynos-Serie daher – und feierte gleich einen fulminanten Einstand. Beim HTC One M9 stammt das Herzstück allerdings wie schon bei den Vorgängern von Qualcomm. Deren Snapdragon-Chips sind für ihre hohe Leistung hinreichend bekannt, kamen sie ja bereits in zahllosen Ober- und Spitzenklasse-Modellen zum Einsatz.

In seinem aktuellen Flaggschiff verbaut HTC den Snapdragon 810, seines Zeichens der modernste Chip aus dem Qualcomm-Regal. Die Architektur ähnelt dem Exynos-Achtkerner allerdings sehr: 64-Bit-Architektur sowie je vier Cortex-A57- und -A53-Kerne. Bei der GPU handelt es sich indes um eine Adreno 430, die mit bis zu 650 MHz getaktet ist.

Das SoC ist im 20-Nm-Verfahren hergestellt, dennoch gab es im Vorfeld schon einige Berichte über deutlich erhöhte Temperaturen unter Last. Unser Testgerät war allerdings bereits mit einer neuen Firmware ausgerüstet; thermische Probleme konnten wir keine feststellen.

Synthetische Benchmarks

Schon bei den ersten Tests, dem Geekbench 3 und dem AnTuTu v5, zeigt das Galaxy S6 dem One M9 die Grenzen auf. Beide Benchmarks attestieren dem Exynos-SoC in Samsungs High-End-Smartphone eine um zehn bis 20 Prozent höhere Leistung als dem Snapdragon 810 im HTC One M9. In nackten Zahlen heißt das: 1146 bzw. 5073 Punkte in der Single-/Multicore-Wertung des Geekbench für das S6, 1082 bzw. 4011 für das One M9. Letzteres erreicht im AnTuTu v5 sehr gute 53.647 Punkte, wird aber erneut vom Galaxy abgehängt. Hier stehen 60.804 Punkte im Messprotokoll.

Auch beim 3D Mark 2013 Ice Storm Unlimited springt zwar ein kleiner Vorsprung für die Südkoreaner heraus, aber bei 22.002 zu 21.450 Punkten (HTC) agieren die beiden Flaggschiffe komplett auf Augenhöhe.

Nicht so beim GFX Benchmark - wobei hier stets zu unterscheiden ist, ob die Tests mit der nativen Auflösung (onscreen) oder offscreen mit einer definierten Auflösung von 1920 x 1080 Pixel ablaufen. Letzteres bietet die bessere Vergleichbarkeit, spiegelt aber nicht das Empfinden des Nutzers wieder, da dieser ja für gewöhnlich die native Auflösung seines Smartphones nutzt. Über die Leistungsfähigkeit der GPU sagt der offscreen-Test mehr aus.

Hier liegt das Galaxy S6 mit der ARM Mali T760 (2.7: 46 zu 38 fps/3.0: 22 zu 21 fps) erneut klar vor dem HTC One M9 mit der Adreno 430. Bei nativer Auflösung sieht das Samsung-Smartphone dann allerdings keinen Stich mehr - 2560 x 1440 Bildpunkte wollen erst einmal berechnet werden. 40 fps des One M9 beim T-Rex-Test stehen 30 fps des S6 gegenüber. Beim Manhattan-Test steht es am Ende 24 zu 16 für Taiwan.

  HTC One M9 Samsung Galaxy S6 OnePlus One
Geekbench 3 single/multicore:1082/40111146/5073919/2072
AnTuTu v5:53.64760.80447.831
3DMark - Ice Storm Unlimited:21.45022.00216.551
GFXBenchmark 2.7 (T-Rex HD, Fixed Timestep, Offscreen:38 fps46 fps28 fps
GFXBenchmark 2.7 (T-Rex HD, Fixed Timestep, Onscreen:40 fps30 fps28 fps
GFXBenchmark 3.0 (Manhattan, Offscreen:21 fps22 fps12 fps
GFXBenchmark 3.0 (Manhattan, Onscreen:24 fps16 fps12 fps

Browser- und Storage-Benchmarks

Bis hierhin hat das Samsung Galaxy S6 also rein von der CPU- und GPU-Power die Nase deutlich vorn. Allein die hohe Auflösung führt letztlich dazu, dass das HTC One M9 bei intensiven Grafikanwendungen die vorhandene Leistung in höhere Frameraten umsetzen kann.

Werfen wir als nächstes einen Blick auf die Browser-Performance. Auch hier hat das Samsung S6 bereits ordentlich vorgelegt und liegt etwa auf Augenhöhe mit Apples iPhones 6 und iPhone 6 Plus. Damit ist das Samsung Galaxy S6 das bisher einzige Smartphone, das die Dominanz von Apple in diesem Bereich brechen konnte.

Um es vorwegzunehmen: Das HTC One M9 ist meilenweit von der Klasse eines Galaxy S6 oder iPhone 6 entfernt. Der Google Octane v2 weist einen Score von 3065 aus – ein Ergebnis, an das so manches deutlich günstigere Mittelklasse-Modell heranreicht. Nicht anders sieht es beim Browsermark 2 aus: 1175 Punkte sind ebenfalls sehr ordentlich - aber das schaffen gute Mittelklasse-Smartphones auch. Und dieser Trend setzt sich fort: 1235 Millisekunden beim Sunspider und 732 Punkte beim Peacekeeper sind alles andere als High-End-würdig.

Das gilt nicht für den internen Speicher. Auch wenn das Samsung Galaxy S6 hier in einer eignen Liga spielt, sind die Ergebnisse des HTC One M9 aller Ehren wert. 236 MByte/s beim sequenziellen Lesen und 123 MByte/s schreibend sind schon eine echte Hausnummer. Ebenso wie die Leistung bei 4K-Blöcken mit 20,4 MByte/s lesend und 13,1 MByte/s beim Schreiben.

  HTC One M9 Samsung Galaxy S6 OnePlus One
AndroBench 3 (sequential read/write)236/123 MByte/s319/139,9 MByte/s150/38,4 MByte/s
AndroBench 3 (random read/write 4K)20,4/13,1 MByte/s80,8/19,9 MByte/s17,5/1,7 MByte/s
Google Octane v2306585184272
Browsermark 2.1117524721131
SunSpider 1.0.212355441182
Peacekeeper7321292727
WebXPRT 2013DNF599263

Display

In diesem Kapitel können wir uns recht kurz fassen und auf den Test des Vorgängers HTC One M8 verweisen. Denn sowohl bei der Größe als auch bei der Auflösung hat sich ebenso wenig getan wie bei der Technik. Der Bildschirm misst weiterhin fünf Zoll, die Auflösung beträgt weiterhin 1920 x 1080 Pixel und die Technik heißt Super LCD 3.

Die Messwerte des aktuellen Testgerätes unterscheiden sich nur geringfügig von denen des Vorgängers. Lediglich der Kontrast ist nochmal deutlich verbessert worden und beträgt jetzt hervorragende 1183:1. Verantwortlich dafür sind der optimierte Schwarzwert von 0,41 cd/m² und die hohe Leuchtkraft von 485 cd/m². Absolutes Schwarz wie bei einem AMOLED-Bildschirm schafft das HTC One M9 zwar nicht, bei praxisnaher Helligkeit kann man aber ohne Übertreibung von sattem Schwarz reden. Auch die Farben wirken sehr lebendig, einen Blaustich kann das Panel aber nicht verbergen.

Kameras

Neben dem SoC bringen die Kameramodule die größten Veränderungen beim neuen HTC One mit sich. Beim One M9 musste die 5-MP-Linse des One M8 an der Front einer Ultrapixel-Optik mit vier Megapixeln Auflösung weichen. Diese war nahezu unverändert beim M8 an der Rückseite zu finden und konnte uns seinerzeit trotz der größeren Pixel nicht überzeugen. Als Selfie-Knipse macht die Frontkamera ihre Sache aber recht ordentlich, die Ultrapixel bringen im Zweilicht leichte Vorteile.

Am Heck hat HTC richtig aufgerüstet: 20 Megapixel bringt der Sensor jetzt mit. So dringen die Taiwaner zumindest zahlenmäßig zur Eliteklasse vor. Dass aber viele Pixel nicht gleichzeitig hohe Qualität bedeuten, sieht man an den Fotos des HTC One M9. Sicher - die Bilder zählen im Smartphone-Bereich zu den besseren. Dem Anspruch eines High-End-Gerätes werden sie dennoch nicht ganz gerecht.

So fehlt es den Aufnahmen an der letzten Detailtiefe, zudem sind die Farben etwas blass – vor allem bei Landschaftsmotiven. Abgesehen davon können sich die Bilder aber sehen lassen und die Digitalkamera kann auf den meisten Ausflügen zuhause bleiben. Bei Videoaufnahmen wird nochmals deutlich, dass viel nicht immer viel hilft. Denn hier vermissen wir durchgehend mehr Schärfe, die Aufnahmen wirken durch die Bank etwas "matschig".

Selfie mit der FrontkameraSelfie mit der Frontkamera

Draußen #1Draußen #1

Draußen #2Draußen #2

DrinnenDrinnen

Videoaufnahmefunktion des HTC One M9

Akkulaufzeit

Mit 2850 mAh elektrischer Arbeit erscheint uns der Akku des HTC One M9 auf den ersten Blick als recht leistungsstark. Beim Samsung Galaxy S6 sind es immer 300 mAh weniger – bei weit höherer Auflösung.

Am Ende des Tages herrscht aber in dieser Disziplin nahezu Gleichstand. Beim Surfen im WLAN mit auf 160 cd/m² angepasster Helligkeit kommt das One M9 auf eine Laufzeit von 8:48 Stunden - also gerade einmal elf Minuten mehr als beim kürzlich getesteten Samsung-Flaggschiff. Das Fazit ist dasselbe: Gute Leistung ja, herausragend nein.

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1 Kommentar
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  • Patrick Wetzig
    Fantastisches Teil und ich bin froh dass ich mich diesmal für HTC und nicht für Samsung entschieden habe
    0