Googles I/O-Konferenz: Feuerwerk rund um Android, aber keine neue Version

Mit der Eröffnung seiner diesjährigen Entwicklerkonferenz, der I/O, hat Google einmal mehr ein regelrechtes Feuerwerk rund um sein mobiles Betriebssystem abgebrannt, das in immer weiteren Anwendungsbereichen genutzt wird und längst nicht mehr nur auf Smartphones sowie Tablets installiert wird. Mittlerweile steckt das OS mit dem grünen Roboter in Uhren, TV-Lösungen und Autos. Zum Auftakt wurden - wie in jedem Jahr - stolz die Zahlen der derzeit aktiven Nutzer präsentiert. Mittlerweile ist das Betriebssystem auf rund einer Milliarde Geräte verwendet, was einer Verdopplung im Vergleich zum letzten Jahr entspricht. Das Angebot an Apps hat sich im Jahresverlauf um 236 Prozent gesteigert.

Android One

Nicht zuletzt um solche Erfolgszahlen auch im kommenden Jahr wieder verkünden zu können, präsentierte sich der Hersteller zum Auftakt als Entwicklungshelfer. Mit Android One startet Google eine Initiative, bei der in Zusammenarbeit mit Smartphone-Herstellern einfache, aber trotzdem leistungsfähige Geräte entstehen sollen, die die mobile Kommunikation in Entwicklungsländern, wie etwa Indien, für die Mehrheit der Bevölkerung öffnen soll. Dabei werden Referenzstandards hinsichtlich der Hardware gesetzt, die eine schnellere Entwicklung eines Smartphones ermöglichen soll, die bisher gern noch bis zu neun Monate dauern kann - und sich dementsprechend im Gerätepreis widerspiegelt. Als einer der ersten Partner wurde Micromaxx genannt. Ein erstes Smartphone, das dieser Kooperation entspringen wird, besitzt einen 4,5" großen Bildschirm, zwei SIM-Karten-Einschübe und einem microSD-Kartenschacht#. Der Preis für diese Modelle, die im Herbst auf den Markt kommen sollen, soll weniger als 100 Dollar betragen

Dieses Baukastenprinzip gilt auch beim Betriebssystem. Installiert wird eine Stock-ROM von Android, die auch bei den Nexus- oder Play-Edition-Geräten zum Einsatz kommt und von den Providern nur noch um einzelne Zusatzangebote erweitert werden soll. Umfangreiche und damit zeitintensive Anpassungen fallen damit weg. Dabei profitieren die Smartphones ebenfalls von den automtischen Android-Updates der Softwareschmiede - was nicht zuletzt den Druck auf Premiumhersteller erhöhen dürfte, die sich nach wie vor für Aktualisierungen reichlich Zeit lassen.

Android L Developer Preview

Beim eigentlichen Betriebssystem konnte der Hersteller die Erwartungen jedoch nicht vollends erfüllen. Denn anstatt einer neuen Version bot Google lediglich einen Ausblick auf Kommendes, das allerdings als "L Developer Preview" bereits auf Entwicklergeräten installiert werden kann. Der Grund für den Preview sind umfassende Änderungen, die an dem OS vorgenommen wurden. 

Dabei setzt der Hersteller schon auf optische Veränderungen. Im Vergleich zu den bisherigen Version wird die neue Variante deutlich stärker auf dreidimensionale Effekte setzen. Flächen gewinnen an Tiefe und heben sich sinnbildlich voneinander ab. Bei der Berührung können sie erneut die Form verändern, sodass die Bedienung noch intuitiver werden soll als bisher. Das neue Design bezeichnet Google als Material Design und zeichnet sich darüber hinaus durch kräftige Farben sowie weiter vereinfachte Schriften aus, sodass der Fokus des Nutzer noch stärker als bisher auf den jeweiligen Inhalt gerichtet werden soll. Unterstrichen werden kann das ganze durch neue Animationsmöglichkeiten. Mit Hilfe der Design-Richtlinie sollen Apps so gestaltet werden können, dass sich ihre Funktionsweise über die einzelnen Gerätegrenzen hinweg - von der Uhr übers Smartphone bis zum Laptop und Fernseher - für den Nutzer leichter erschließen lässt.

Neben der optischen Erscheinung wurde auch an den Funktionen gearbeitet. So werden eingehende Nachrichten künftig direkt auf dem Sperrbildschirm angezeigt. Eingehende Anrufe werden direkt in der jeweiligen Anwendung eingeblendet

Auch die Entsperrfunktion hat eine umfassssende Überarbeitung erfahren. Neben klassischen Methoden wie einem PIN-Code gibt es nun eine Vielzahl neuer Möglichkeiten. So erkennt das Smartphone seinen Besitzer beispielsweise an der Smart Watch oder Stimme, kann aber auch zwischen den einzelnen Entsperrmechanismen automatisch wechseln, wenn beispielsweise die Bluetooth-Uhr nicht mehr am Handgelenk ist.

Doch auch unter der Oberfläche soll sich bei Android L einiges ändern. Wie schon im Vorfeld vermutet, wird mit der kommenden Version die Dalvik-VM durch ART (Android Runtime) ersetzt, die sowohl ARM- als auch MIPS und x86-Prozessoren unterstützt und für erhebliche Leistungsgewinne sorgen soll, indem der Bytecode der virtuellen Maschine direkt vom Prozessor ausgeführt werden kann und nicht zuvor in "nativen" Code umgewandelt werden muss.

Die zweite große Neuerung ist ebenfalls keine wirkliche Überraschung: Android wird mit der nächsten großen Version 64-Bit-fähig. Damit können künftige neuere Befehlssätze und vor allem mehr Arbeitsspeicher genutzt werden.

Daneben wird die grafische Leistung des Betriebssystems verbessert. Mit dem Extention Pack unterstützt Android Technologien wie Tessllation-, Geometry und Compute-Shader. So kann beispielsweise die (Desktop-Version der) Unreal4-Engine auf einem Tablet ausgeführt werden. Android-Smartphones und -Tablets dürften damit für Spieleentwickler noch interessanter werden als bisher und Gamer auf komplexere Spiele hoffen. Gerade für klassische Konsolen dürfte Konkurrenz durch Mobilgeräte noch größer werden als bisher.

Zudem wird mit dem Project Volta der Energiebedarf eines Gerätes optimiert. Dazu wird der Bedarf der einzelnen Subsysteme, der verschiedenen Sensoren, Funkchips bishin zur CPU analysiert. Werden Funktionen nicht verwendet, sollen sie vom System künftig schlafen gelegt werden können, sodass es an dieser Stelle signifikante Energieeinsparungen erreicht werden und das jeweilige Mobilgerät deutlich an Laufzeit gewinnt.

Android Wear, Auto, TV

Auch die Bemühungen Googles weitere Nutzungsmöglichkeiten für sein Betriebssystem zu öffnen sind nichts wirklich Neues. Erwartungsgemäß wurde auf der I/O-Konferenz dem (derzeit) für Smart Watches bestimmten Android-Ableger Wear ein Platz auf der Bühne eingeräumt. Wear hat mit dem heutigen Tag seinen Entwicklerstatus abgelegt. Dabei wurden nicht nur die schon mit dem Developer Preview angekündigten Uhren LG G Watch und Motorola Moto 360 vorgestellt, sondern auch die Samsung Gear Live. 

Mit Android Auto steigt Google nun endgültig in den Kampf um die Unterhaltungs- und Infotainment-Systeme moderner Fahrzeuge ein. Dabei will der Hersteller künftig ein umfassendes Paket anbieten, mit dem sich die Kommunikation, die Unterhaltung und natürlich auch die Navigation steuern lassen. Die im Fahrzeug genutzten Apps werden dabei auf dem verbundenen Android-Gerät ausgeführt.

Der Fernseher ist dagegen schon länger einer der Bereiche den Google noch für sich erschließen will. Mit AndroidTV sollen nun größere Erfolge erzielt werden als bisher. Dazu versucht die Softwareschmiede zunächst Schranken für die Entwickler abzubauen, indem die selbe Android SDK nicht mehr nur für Smartphones und Tablets, sondern auch TV-Lösungen genutzt wird.

Ein wesentlicher Ansatz, den der Hersteller dabei verfolgt, ist die Trennung zwischen dem Mobilgerät und dem Fernseher aufzuheben. Smart-TVs und Set-Top-Boxen, auf denen das Betriebssystem installiert ist, sollen deutlich leichter mit verschiedenen Peripheriegeräten, etwa einem Gaming-Controler, aber naturlich auch einem Smartphone oder Tablet interagieren als bisher üblich, sodass sich die Nutzungsmöglichkeiten deutlich vergrößern und sich ein TV-Gerät leicht in eine Spielkonsole verwandeln lassen kann.

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4 Kommentare
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    Dein Kommentar
  • Tesetilaro
    bevor jetzt wieder alles wegen dateklau brüllt...

    der Gedanke ein günstiges Tablet auf der Couch rumliegen zu haben und damit ganz entspannt auf dem Fernseher rumzudaddeln hat schon was...

    passende apps vorausgesetzt UND natürlich die option den TV mit Kabel und das tablet mit waln zu betreiben - ohne daß ich verbindungsprobleme wie bei der standard panasonic app zum beispiel habe *g*
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  • matthias wellendorf
    Datenklau vielleicht nicht gleich, aber es ist schon etwas beängstigend, wenn Android das Betriebssystem für alles wird - Hacker, Cracker und Skript-Kiddies werden ihre helle Freude haben: Mit einer kleinen bösen App lässt sich dann alles tot legen.
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  • Ali Gee
    Es gibt doch schon jetzt zahlreiche gute Android TV Boxen auf dem Markt, wie z.B. den Orbsmart S82: http://www.amazon.de/gp/product/B00JUP12G2

    Inklusive 4K Support, XBMC etc.
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