So testet THDE: Infrarot-Technik richtig und sinnvoll eingesetzt

Testsystem und Zusammenfassung

Der passende Unterbau für Grafikkarten

Natürlich darf sich nichts Störendes im Weg befinden und auch nicht aktiv oder passiv auf unser Testobjekt strahlen. Deshalb nutzen wir für die CPU weder einen Luftkühler noch eine einfache AIO-Kompaktwasserkühlung mit schwarzen Gummischläuchen, sondern eine vollwertige Wasserkühlung mit transparenten Schläuchen sowie einen sehr flachen CPU-Kühler mit 90°-Winkeln für die Schlauchanschlüsse.

Die zu testenden Karten stecken zudem noch in einer etwa vier Zentimeter hohen Riser-Card, um die Mainboard-Aufbauten (RAM, Kühlung usw.) aus dem Messbereich herauszuhalten und lotrechte Messungen zu ermöglichen.

Wir benutzen für die Kamera ein sehr großes und sicheres Stativ mit Galgen, so dass sich nahezu alle Positionen sicher einstellen und fixieren lassen, um bei Messungen vergleichbare Kamerapositionen zu garantieren.

Messverfahren:
Infrarotüberwachung in Echtzeit
Messgeräte:
1x Optris PI640, Infrarotkamera + PI Connect
Testsystem:
Intel Core i7-5930K @4,2 GHz, wassergekühlt
Crucial Ballistix Sport, 4x 4 GByte DDR4-2400
MSI X99S XPower AC
1x Crucial MX200, 500-GByte-SSD (System)
1x Corsair Force LS, 960-GByte-SSD (Anwendungen, Daten)
Be Quiet Dark Power Pro, 850W-Netzteil
Windows 10 Pro (alle Updates)
Wasserkühlung:
Alphacool VPP655 Pumpe (abgeregelt)
Alphacool Nexxxos-CPU-Kühler
Phobya Balancer
Alphacool 24-cm-Radiator
2x Noiseblocker eLoop 12-cm-Lüfter @400 U/min

Zusammenfassung

Eigentlich kann man ambitionierten und exakt arbeitenden Anwendern nur zuraten, sich der Infrarottechnik nicht zu verschließen, auch wenn es wirklich konstenintensive Dinge sind, die man für ein exaktes und optimales Arbeiten aber zwingend benötigt. Die Ergebnisse der berührungslosen Messung können bei richtiger Anwendung der Messtechnik nämlich sehr aufschlussreich sein und oftmals vieles erklären, für das man sonst umsonst nach Ursachen sucht.

Allerdings setzt so eine Entscheidung auch voraus, dass man sich nicht nur autodidaktisch mit der Materie beschäftigt, sondern wenigstens Lehrgänge und Workshops besucht (und das dort Gelernte auch verinnerlicht sowie in die Praxis überträgt), wenn man nicht von Berufs wegen solche Messungen und die verbundenen Umstände bereits bestens kennt.

Ohne wichtige Materialien wie ausgemessenen Lack zum Abdecken unbekannter Oberflächen (Emissionsgrad) und professionelles Tape werden die meisten Messungen zudem schnell zur Schätzung, denn wenn bereits die Voraussetzungen nicht stimmen, werden es die angezeigten Temperaturwerte später erst recht nicht tun.

Die Nutzung minderwertiger Baumarkt-Ware (IR-Thermometer) oder einfachen Handhelds bzw. Smartphone-Erweiterungen ohne definierbare Emissions- und Transmissionsgrade oder das nicht hinterfragte Verwenden der Werksvorgaben bei teureren Geräten ist nicht nur Selbstbetrug, sondern auch eine (meist unbewusste) Irreführung der Leser, die solche Ergebnisse präsentiert bekommen und für bare Münze nehmen.

Ein wenig Mühe muss man schon selbst geben, denn einfach mal eben so auspacken und gleich blind loslegen funktioniert nun mal nicht.

Erstelle einen neuen Thread im Artikel-Forum über dieses Thema
Dieser Thread ist für Kommentare geschlossen
14 Kommentare
Im Forum kommentieren
    Dein Kommentar
  • Tesetilaro
    vielen Dank, sehr aufschlußreich :D
    0
  • FormatC
    Ich habe alles probiert - iPhone-Vorsatzgeräte, kleine Handhelds, China Export... vergesst es. Kommt nur Grütze raus. Das iPhone-Dingens von Flir taugt wenigstens noch zum Suchen von Katzen im Garten, wenn es draußen kalt ist und dem Checken der Fenster. Messen kann man damit nicht, nur gaaanz grob schätzen. Schade um jeden Euro. :D
    0
  • DerVengeance
    @Igor toller Artikel. Leider es andere größere deutsche Seiten ja noch nicht einmal gebacken, die Leistung von GPUs und nicht die des ganzen Systems anzugeben.

    OT:
    Wie genau sind denn die Temperaturfühler z.B. vom Aquaero, wenn man sie an den VRMs vom Mainboard oder der Grafikkarte befestigt? Ich komme bei der 980 TI mit EK:WB auf knappe 60 Grad.
    0
  • FormatC
    Solche Sensoren funktionieren durchaus, wenn der Kontakt gut und die Fläche groß genug ist.
    Man bekommt meist leicht zu niedrige Werte, aber das ist so im Toleranbereich um die 5 Prozent.

    Infrarot-Technik kann man zum Bespaßen oder zum Messen nehmen - je nach eigenem Anspruch und den Möglichkeiten des Equipments. Aber es ist egal, ob man nun preiswertes oder teures Equipment nutzt, denn wenn die Basics nicht stimmen, sollte man es besser gleich lassen. Ein geübter Anwender kann mit einem 150-Euro-IR-Thermometer durchaus sinnvollere Ergebnisse erzielen, als einer mit dem IR-Kamera-Mercedes und mangelnden Kenntnissen. Out-of-the-box geht immer schief, nur muss sich das erst mal rumsprechen. :D

    Zitat:
    @Igor toller Artikel. Leider es andere größere deutsche Seiten ja noch nicht einmal gebacken, die Leistung von GPUs und nicht die des ganzen Systems anzugeben.


    Man muss messen und nicht schätzen. Es ist immer auch eine Frage der Achtung gegenüber den Lesern, ob man sich "in sein Schicksal ergibt" und z.B. die Steckdose präferenziert, weil man Investitionen scheut (und da geht es nicht nur um Geld, sondern vor allem um Zeit) oder ob man gewillt ist, beides zu investieren, um den Lesern auch etwas Exaktes und Belastbares zurückzugeben. Steckdose geht schon als Behelf, das kann man ja auch relativ professionell aufziehen, nur selbst diese Mühe sieht man selten.

    Ich habe über die Jahre, bis wirklich alles so lief, wie es muss, viel Lehrgeld gezahlt und vor allem sehr viel Zeit investiert und dabei ordentlich Prügel kassiert. Leser und Kollegen können nämlich auch extrem schadenfroh sein. Aber: man kann locker zu seinen Fehlern stehen und daraus lernen.
    0
  • Anonymous
    Anonymous sagte:
    und dabei ordentlich Prügel kassiert. Leser und Kollegen können nämlich auch extrem schadenfroh sein. Aber: man kann locker zu seinen Fehlern stehen und daraus lernen.


    Wo hast du denn auf den Deckel bekommen?

    Was du leistest ist absolut überdurchschnittlich, davon können sich die anderen eine dicke Scheibe von abschneiden. Du hast ja vor ein paar Jahren im selben Umfang getestet wie der Rest, du hast das nicht in die Wiege gelegt bekommen. Du hast dir den Allerwertesten aufgerissen, dein Wissen erweitert, Messequipment aufgetrieben und damit die Messlatte sehr hoch gelegt. Die ganzen Anderen machen gar nichts und gehen auf Verbesserungsvorschläge in diese Richtung überhaupt nicht ein. Es sind immer die selben Ausreden: Keine Zeit, kein Geld. Nein, die wollen einfach nicht. Und da fühle ich mich als Konsument von diesen selbsternannt hochkarätigen Medien ziemlich verhöhnt.

    Mich nervt das allgemein an der Branche extrem, denn ohne diese aufwändigen Messungen kann ein absolut falsches Fazit entstehen. Wenn du nicht wärst, würde man munter Karten wie die Inno3D GTX 980 Ti iChill empfehlen, obwohl die Wandler sich ziemlich an der thermischen Kotzgrenze befinden. Oder eine Asus GTX 750 Ti, die die PCIe-Specs mit ihren Spikes jenseits der 75W verletzt. In Anbetracht der Tatsache, dass viele noch den Takt hochschrauben und die Lüfter sogar langsamer drehen lassen, ist das besonders gefährlich.

    Für mich ist der branchenübliche Usus in gewisser Hinsicht (natürlich nicht immer) nur kostenlose Werbung für die Hersteller. Das Ergebnis wird oft unfreiwillig geschönt.
    0
  • Chemidemi
    Erstmal vorweg, ein sehr schöner und interessanter Artikel.

    Ich hätte allerdings eine Frage zu dem Speziallack und der Auftragung. Ich gehe mal davon aus das das Messobjekt nicht großflächig mit diesem überzogen wird. Daraus folgt, dass der Emissionsgrad der restlichen Platine bekannt ist oder? Ansonsten sollte es ja vorallem da Abweichungen geben, zumindest laut Artikel, da hier der unbekannte Emissionsgrad für einen falschen Wert sorgen würde.
    0
  • FormatC
    Die Stellen, die gemessen werden, sind alle vorher von mir lackiert worden, das mache ich generell. Fast alle Grafikkarten sind zudem beispielsweise auf der Leiterbahnseite finalisiert, so dass auch hier erst einmal plausible Werte vorliegen. Trotzdem wird mit Lack drauf nochmal nachgemessen, sicher ist sicher ;)
    0
  • doofeOhren
    Wenn das kein Wink mit dem Zaunpfahl ist... Bester Mann unser Igor, danke

    Ich hätte mal einen Auftrag für deine cam teste doch mal in einem “geschlossenen“ Case wie sich bei einem low budget / Mittelklasse Z Mainboard bei OC einer ivy, skylake cpu die wenigen phasen bze Spannungswandlern erwärmen, wenn ein topblower oder tower kühler montiert sind. Ich habe mir da mal sehr heftig die Finger dran verbrannt.
    Danke für alle deinen genialen Artikel. Hut ab
    0
  • Chemidemi
    Existiert da ein bestimmtes Raster für Leiterbahnseite oder wird erstmal nur an einem bestimmten Punkt gemessen? Damit möchte ich Fragen ob die Prüfung der Tropokalisierung und damit die Prüfung des angenommenen Emissionsgrades von der Leiterbahnseite über eine Einfach- oder Mehrfachbestimmung erfolgt? Ich bedanke mich schonmal für die Geduld mit mir. ^^
    0
  • alterSack66
    Der Aufwand ist ja echt der Wahnsinn. Ich geh mal davon aus, dass sonst fast überall die Werte die z.B. GPU-Z ausspuckt angegeben werden und das wars.
    0
  • FormatC
    @Chemidemi:
    Als Erstes erfolgt eine Analyse das Schaltungslayouts, damit man die möglichen Hotspots schon mal weiß, was natürlich gewisse Grundkenntnisse der Elektronik im Allgemeinen und von Grafikkarten bzw. Mainboards im Besonderern voraussetzt. Da die Leiterbahnen alle ab Werk bereits irgendwie mit irgendetwas lackiert sind, lässt es sich gut herausfinden, wie hoch der aktuelle Emissiongrad ist, wenn man zunächst zunächst an voraussichtlich kühleren und vermeintlich heißeren Stellen den Messlack aufträgt und Vergleichsmessungen macht. Das geht sogar in Superprojektion mit Vorher-Nachher-Anylse.

    Als Zweites lasse ich die Karte einmal hochlaufen und checke mit dem temporär ermittelten Annäherungswert die kritischen Stellen. Und zwar rein optisch, denn die Werte sind trotzdem noch zu ungenau. Dabei spielt einem ja die Wärmedurchdringung/-verteilung in die Hände, so dass die Hotspots mit verstreichender Zeit immer größer werden.

    Zu guter Letzt werden genau diese Bereiche noch einmal lackiert, bei ganz kniffligen Dingen habe ich dann sogar einen Airbrush zur Hand. Und erst dann wird final gemessen. Die Kamera befindet sich immer im Messraum und ist somit gut temperiert.

    Ich weiß, dass es Krümelkackerei ist, weil sich die Werte zwischen der Vorabmessung mit dem angenäherten Emissiongrad und der finalen mit dem Lack nur maximal um 2-3K unterscheiden, falls überhaupt, aber für eine objektive Beurteilung eines Produktes reicht mir der Zwischenwert dann eben doch nicht. Es wäre einfach nur unfair.

    Zitat:
    Wo hast du denn auf den Deckel bekommen?

    Es war z.B. mal bei der Leistungsaufnahme, wo es gilt, so viele variable Faktoren wie möglich auszuschließen. Bei der Fury X haben viele (zu Recht) kritisiert, dass wir nur einen (viel zu unterfordernden) Benchmark genommen hätten. Den hatte ich allerdings deshalb immer auf dem Menü, weil er keinen der Hersteller bis dahin bevorzugt hatte und zudem auch bei kleinen Karten noch brauchbare FPS rausgelassen hat. Bei Launches mache ich mir mittlerweile den Aufwand, und messe den Gaming Loop mit bis zu 8 verschiedenen Spielen. Dass die Fury X so eine FHD-Schwäche hat, wusste ich nicht, denn die Gaming-Benchmarks hat damals Chris gemacht. Und zwar erst Tage nach meinen Messungen, da ich die Karte nur für einen Tag hier hatte. Mein Fehler lag vor allem darin, vorab keinen Plausibilitätstest gemacht zu haben. Manchmal rächt es sich eben, Zeit sparen zu wollen.

    Ansonsten messe ich den Gaming-Loop nun "repräsentativ" mit Metro LL in UHD beim High-End und in FHD bei den Fußhupen, die die 4K nicht mal ansatzweise packen. Dabei verwende ich eine lange Messung über eine Minute mit verschiedenen Lasten, also einen ordentlichen Ablauf, und nicht so wie andere eine extrem fordernde Stelle, an der man dann wie festgenagelt stehen bleibt, um lediglich eine kurze Momentmessung des Worst Case zu erfassen. Das ist albern und zudem nichtssagend, weil im Durchschnitt nicht repräsentativ. Für die Spitzenwerte gibt es immer noch Furmark, dessen Binary ich so gepatcht habe, dass sie von Treibern als Furmark-App nicht mehr erkannt wird. ;)
    0
  • Chemidemi
    Ich würde es nicht alls Krümelkackerei bezeichnen sondern als ordentliche Versuchsplanung unter Beachtung möglicher Fehler. Solche Messdaten sind viel Wert und alleine die Versuchsplanung dürfte sehr viel Zeit in anspruch genommen haben. Vielen Dank für die ausführliche Antwort und mach bitte weiter so. :)
    0
  • MotU235
    @FormatC: Danke für den ausführlichen Test. Kannst du Aussagen darüber treffen, inwiefern die Kamera "langzeitstabile" Messwerte liefert? Da es sich um einen ungekühlten Chip handelt, ist zumindest bei längeren Messungen eine Erwämung des Chips und damit einhergehend eine Veränderung der Messwerte naheliegend.
    0
  • FormatC
    Die Kamera nutzt alle paar Sekunden (Interval kann man festlegen) ein Kalibrierungs-Flag. Dadurch bleiben die Messwerte im Rahmen der üblichen Temperaturschwankungen durchaus langzeitstabil. Kühlung gibts nur für Stahlwerke & Co :)
    0