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Intel 750 Series 1.2TB: Schnelle NVMe-PCIe-SSD für Enthusiasten

Intel 750 Series 1.2TB: Schnelle NVMe-PCIe-SSD für Enthusiasten
Von , Bodo Thevissen

Intel setzt die Strategie von 2014 fort und führt Datacenter-Technologien in den Desktop- und Budget-Bereich ein. Dieses Mal nutzt der Hersteller seine qualitativ hochwertige Controller-Technik, um im SSD-Markt richtig Wellen zu machen.

Trotz Samsungs enthusiastischem Anspruch, die erste Consumer-SSD mit NVMe anzubieten, heimst doch Intel diese Ehre ein. Auf PCIe basierende SSDs stellen derzeit den Leistungsgipfel dar. Aber in den sieben Jahren seit Fusio-io das ioDrive herausgebracht hat, erschienen nur wenige PCIe-basierende SSDs auf dem Markt. Im professionellen Umfeld ist Leistung im Zweifel zwar wichtiger als der Preis, aber der Rest von uns lebt in einer Welt, in der 5000-Euro-PCs (und erst recht einzelne Komponenten) eine Seltenheit sind. 

Der Geschäftskundenbereich treibt die Storage-Entwickung durch große Forschungsbudgets voran und davon abgeleitete Desktop-Derivate folgen meist mit weniger aggressiven Spezifikationen. Intel und seine Konkurrenten nutzen NVMe-Produkte bereits in Datenzentren. Sie sind so schnell, dass sie oft in Cache-Systemen als Tier 0 zu finden sind.

Intels SSD 750 ist eine Client-orientierte Hochleistungs-SSD, die auf dem gleichen Controller basiert, der in der DC 3700/3600/3500-Familie seine Arbeit verrichtet. Deren letzte Generation wurde für die Nutzung in Workstations und PCs von Enthusiasten entworfen, die die schnellsten, besten Laufwerke haben wollen. Die 750er Serie verwendet NVMe (Non-Volatile Memory Express), um außergewöhnliche Leistung bei minimalem Ressourcenverbrauch zu ermöglichen. Unter diesen Voraussetzungen und in Anbetracht des Funktionsreichtums stellt sich gar nicht erst die Frage, ob die SSD 750 schnell ist. Oder muss man einen Lamborghini-Besitzer fragen, ob sein Auto schnell ist?

Die Karte in halber und voller Bauhöhe bieten mehr für Bauteile verfügbare Oberfläche als das PCB einer 2,5-Zoll-SSD. Und das ist auch gut so, da Intels Controller der dritten Generation mit NVMe-Optimierung mehr Kanäle zum Flash-Speicher nutzt als die üblichen 8-Kanal-Prozessoren. Die Geschwindigkeit des hier getesteten 1,2 TeraByte-Modells kommt daher, dass gleichzeitig 18 Flash-Pakete gelesen und beschrieben werden. Intel schafft es sogar, alle Komponenten in eine 2,5-Zoll-Version mit mehrlagiger Platine zu stecken. Allerdings braucht die Steckkarte wegen ihrer größeren Oberfläche weniger Luftdurchsatz, um bei Laune zu bleiben.

Technische Daten

Intel hat die SSD 750-Serie in zwei Bauweisen und zwei Kapazitäten - und damit insgesamt vier Ausstattungsvarianten - auf den Markt gebracht. Die meisten werden das Laufwerk in der traditionellen PCIe-Bauweise als Erweiterungskarte halber-Länge und halber Höhe (HHHL, half-height half-lenght) erwerben. Wie schon erwähnt bietet Intel auch eine 2,5-zöllige Variante mit 15 Millimeter Bauhöhe und SFF-8639-Anschluss für kleinere Gehäuse an.

Die beiden verschiedenen Kapazitätsgrößen von 400 Gigabyte und 1,2 Terabyte lassen Raum zur Kritik: Zwischen den Preisen des 400-GByte- (ca. 400 Euro) und des 1,2-TByte-Modells (ca. 1100 Euro) klafft eine große Lücke. Wir sähen gerne noch eine 800-GByte-Variante, um die Lücke mit einem Preis von etwa 800 Euro zu füllen. Der 750er Serie liegt neben einem USB-Stick mit Treibern und Intels 'SSD Toolbox'-Software auch eine Slot-Blende für halbe und volle Bauhöhe bei. Beide Kapazitäten sollten spätestens Ende April 2015 lieferbar sein.

Unter dem großen Kühlkörper befindet sich der gleiche für NVMe optimierte Intel-Controller der dritten Generation. Er nutzt 18 Kanäle, um den Flash-Speicher auszulesen und zu beschreiben. Der Low-Overhead-Befehlssatz in Kombination mit der großen Anzahl Kanäle und Intels 20-nm-Speicher (MLC ONFi NAND-Flash) ermöglicht sequenzielle Lesegeschwindigkeiten von bis zu 2400 MByte/s. Auch beim sequenziellen Schreiben schwächelt die SSD 750-Serie nicht - zumindest das 1,2 TByte-Modell: Intel verspricht eine sequenzielle Schreibgeschwindigkeit von 1200 MBytes/s.

Das 400-GByte-Modell soll angeblich 2200 MByte/s beim sequenziellen Lesen und 900 MByte/s beim sequenziellen Schreiben schaffen. Diese Zahlen sind immer noch sehr hoch, obwohl das 400-GByte-Modell nur über die Hälfte der Kanäle zum Speicher verfügt.

laut Intel liegt die 4K-Random-Leseleistung bei knapp einer halben Million IOPS (genau genommen 440.000 - aber wer will bei diesen Niveau schon knauserig sein). Die 4K-Random-Schreibleistung sollen bis zu 290.000 IOPS erreichen. Das 400-GByte-Modell ist bei zufälligen Daten beinahe ebenso schnell; hier sind es laut Intel 430.000 bzw. 230.000 IOPS.

Wenn Enterprise-Komponenten in den Desktop-Bereich überführt werden, kommt es normalerweise zu Problemen mit der Abwärme und der Energieaufnahme. Die Intel SSD 750-Serie offenbarte während unserer Tests keinerlei Probleme dieser Art. Wir haben bei Intel angefragt, welcher Fertigungsprozess beim Controller verwendet wurde, aber Intel hält sich diesbezüglich bedeckt. Wir haben dennoch nachgehakt, weil der SSD 750-Controller der kühlste NVMe-taugliche Prozessor ist, der uns bislang untergekommen ist. Schon bei einem moderaten Luftstrom im Gehäuse blieb das Laufwerl selbst unter schwerer Last kühl. Das 2,5-zöllige Modell benötigt wegen seiner kleineren Bauweise und dem kompakteren Design die dreifache Kühlkapazität.

Im Leerlauf verbrauchen die Modelle der 750er Serie nur vier Watt. Unter schwerer Last steigt der Verbrauch auf 25 Watt. Die Energieaufnahme liegt damit zwar über typischen SATA-SSD-Werten, allerdings ist der Wert angesichts der IOPS-Werte immer noch sehr gut. Denn die Spitzenwerte der SSD 750 sind im Vergleich zu SATA-basierten Produkten rund viermal so hoch.

Die Intels 750er Serie hat eine Garantie von fünf Jahren und ist mit 70 Gigabyte Schreibzugriffen pro Tag eingestuft.

Intels 1,2 TByte PCIe SSD 750 im Detail

Obwohl die 750er Serie in zwei Bauformen ausgeliefert wird, glauben wir doch, dass sich die meisten Leser für die HHHL-Steckkarte entscheiden würden. Sie benötigt weniger Kühlung und passt in jeden PCIe x4-Steplatz der dritten Generation.

Der große Kühlkörper führt die Abwärme von Controller und Flash-Speicher auf einer Seite der Platine ab.

Intels in 20-nm-Prozesstechnik gefertigter MLC-NAND-Flash und Microns DRAM ist auf beiden Seiten der Platine zu finden. Die 750er Serie passt in jeden PCIe x4-Steckplatz (oder länger). Die meiste Leistung erhält man allerdings, wenn eine direkte Verbindung zur CPU existiert (und kein Umweg über einen Plattform Controller Hub genommen werden muss). Um diesbezüglich den besten freien PCIe-Steckplatz zu wählen, hilft ein Blick ins Handbuch des Mainboards.

Der Kühlkörper ist mit NAND-Flash, DRAM und Controller verbunden. Auf dem Flash und dem DRAM-Speicher befindet sich eine Epoxid-artige thermische Substanz, sodass wir den Kühlkörper nicht abnehmen konnten. Insgesamt befinden sich auf der Karte 28 NAND- und vier DRAM-Chips.

Kühlung sollte bei Enthusiasten-PCs oder Workstations kein Problem darstellen, wenn Luft in das Gerät hineingeblasen wird. Der Kühlkörper bedeckt die volle Länge der Steckkarte und erlaubt den Luftaustritt über die Öffnungen am Kartenende, was die Intel 750 kühlt hält.

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  • Rattenmann , 7. Mai 2015 15:45
    fast 2,5gbyte pro sec... Haltbarkeit: 70 gbyte / Tag.

    Mir ist bewusst wie viel 70gbyte sind und das man die selten braucht. Aber rechnerische Haltbarkeit von 28 Sekunden / Tag haben mich doch zum schmunzeln gebracht.

    "Kaufen Sie unsere neue Festplatte! Sie ist auf eine Nutzungsdauer von fast 30 Sekunden AM TAG ausgelegt und kostet weniger als 1200 Euro. Worauf warten Sie?!"
  • Derfnam , 7. Mai 2015 16:30
    Fazit, 2. Abschnitt, letzter Satz:
    (...) und wieder hat SSD die schnellste Consumer-SSD im Programm.

    Wer soll das bezahlen, wer hat soviel Geld?
  • Tesetilaro , 7. Mai 2015 16:41
    ich hätte auf dem papier, was man kontoauszug nennt (hin und wieder :-P ) - nur den nutzen sehe ich nicht... aber eben weil ich meine kohle für solche "must haves" eben nicht verschleudere habe ich die kohle...
    siehe mein profil - klar könnte ich locker schon x99 rein schrauben, irgend ne wilde octa core - aber warum preislich einen gebrauchten kleinwagen in den keller stellen - wo es ein 800 € modell auch tut???
  • lowmotion , 8. Mai 2015 15:12
    Ich sehe auf die Schnelle nicht das verwendete System, also CPU und Speicher. Mich würde mal interessieren was bei Spielen derzeit limitiert in Bezug auf die SSD Ladezeiten. Denn wenn ich dann meine CPU + Speicher übertakte, dann sollte die SSD mitskalieren?
  • Rattenmann , 8. Mai 2015 18:47
    Zitat :
    Ich sehe auf die Schnelle nicht das verwendete System, also CPU und Speicher. Mich würde mal interessieren was bei Spielen derzeit limitiert in Bezug auf die SSD Ladezeiten. Denn wenn ich dann meine CPU + Speicher übertakte, dann sollte die SSD mitskalieren?


    Wieso sollte die SSD da mitskalieren?
    Im Normalfall sind das total getrennte Systeme die nicht aufeinander aufbauen. Eine Festplatte wird dir in Spielen quasi keinen Vorteil bringen, außer beim erstmaligen Laden. Da aber auch unabhängig von CPU und (Arbeitsspeicher).

    Die Idee des "Bottlenecks" ist in der heutigen Zeit auch nahezu irrelevant geworden. Es braucht schon SEHR extreme Unterschiede in den Einzelteilen damit sowas überhaupt auffällt, geschweige den ernsthaft ins Gewicht fällt. Um einen I5, selbst die älteren Generationen, als Bottleneck zu sehen müsstest Du z.B. mind. 2 Titan X Karten einbauen. Die wären dann aber auch das 25 fache des Preises. Die Chance das jemand so viel Geld für Grafikkarten ausgibt, dann aber eine "billige" CPU einbaut sind doch eher gering ;-)
    Noch unwarscheinlicher ist dies bei Arbeitsspeicher. Solange es DDR3 ist, ist quasi kein bottleneck zu erwarten.

    Festplatten sind wie gesagt für den Leien als isoliertes System zu verstehen, ohne Abhängigkeiten.
  • Lamster , 17. Mai 2015 22:14
    Und bootbar ist das ding warscheinlich wieder nicht ?
    Da bleib ich doch lieber bei meinem fusion io drive2 😜😜,
    Wenn sandisk endlich vernünftige treiber für windows 8 bereitstellt