Intels Core i7-7700K übertaktet: Kaby Lake für den Desktop

Intels neue Kaby-Lake-CPU liefert den versprochenen Takt, aber Leistungsaufnahme und thermische Charakteristika sind enttäuschend – zumindest bei dem geleakten Exemplar des neuen Prozessors, das wir Wochen vor dem offiziellen Launch in die Hände bekamen.

Unerwartet eintrudelnde Hardware ist das größte Geschenk für einen Testredakteur – vor allem dann, wenn es sich bei dieser Hardware um eine heiß ersehnte kommende CPU handelt. Was würdet ihr mit einem frühen Exemplar von Intels Flaggschiff der nächsten Desktop-CPU-Generation machen? Übertakten, richtig? Genau das haben wir getan.

Anmerkung des Autors: Intel hat eine Stellungnahme zu unseren generellen Erkenntnissen abgelehnt. Obwohl die CPU, die wir bekommen haben, nicht als Engineering-Sample markiert ist, können wir nicht mit Bestimmtheit sagen, dass es sich um ein Retail-Modell handelt.

Bevor wir mit dem Benchmarks starteten haben wir die aktuellste Kaby-Lake-Firmware für ein kürzlich getestetes Z170-Mainboard heruntergeladen. Richtig gelesen: Da steht Z170.

Die nächste Mainboard-Generation bringt im Vergleich zur aktuellen Generation zwar marginale Feature-Verbesserungen mit, aber beide sind zu den neuen Prozessoren kompatibel. Das dürfte eine große Erleichterung für Übertakter sein, die vielleicht erst kürzlich ihre Skylake-Prozessoren gehimmelt haben.

Außerdem macht es auch hinsichtlich Intels Abkehr von der Tick-Tock-Strategie und hin zu PAO Sinn: Auf eine neue Prozesstechnik (Broadwell) folgt eine neue Architektur (Skylake), der wiederum anstelle einer komplett neuen Prozesstechnik eine Optimierung bzw. Prozessverbesserung folgt. Um es auf den Punkt zu bringen: Kaby Lake ist eine Überarbeitung bzw. Optimierung von Skylake.

Laut Intel seine 14nm+-Prozesstechnik dank höherer Transistorfinnen und breiteres Gates zusätzliche 300 bis 400 MHz Taktfrequenz ermöglichen. Wenn sich das bewahrheitet, wäre das enorm.

Kaby Lake

ModellKerne/ThreadsCacheBasis-TaktMax. Turbo-
Boost-Takt
TDPIGP

Core i7-7700K

4/8

8 MByte

4,2 GHz

4,5 GHz

95 Watt

630

Core i5-7600K

4/4

6 MByte

3,8 GHz

4,0 GHz

95 Watt

630

Core i7-7700

4/8

8 MByte

3,6 GHz

4,2 GHz*

65 Watt

630*

Core i5-7600

4/4

6 MByte

3,5 GHz

4,0 GHz*

65 Watt

630*

Core i5-7500

4/4

6 MByte

3,4 GHz

3,8 GHz*

65 Watt

630*

Skylake

Core i7-6700K

4/8

8 MByte

4,0 GHz

4,2 GHz

91 Watt

530

Core i5-6600K

4/4

6 MByte

3,5 GHz

3,9 GHz

91 Watt

530

Core i7-6700

4/8

8 MByte

3,4 GHz

4,0 GHz

65 Watt

530

Core i5-6600

4/4

6 MByte

3,3 GHz

3,9 GHz

65 Watt

530

Core i5-6500

4/4

6 MByte

3,2 GHz

3,6 GHz

65 Watt

530

Intel leakte zufällig ein paar Infos über seine Kaby-Lake-Desktop-CPUs in einem Dokument, das andere Variationen des Prozessors betraf. Über die integrierte Grafik oder die Turbo-Boost-Taktfrequenzen verlor Intel jedoch kein Wort. Die letzteren Daten können wir nur liefern, weil wir den Core i7-7700K und den Core i5-7600K in Aktion gesehen haben. Die Sternchen in den obigen Tabellen zu den technischen Daten markieren Annahmen, die wir anhand von Intels früheren Modellen ableiten.

Zu Intel HD Graphics 630 können wir ohne Zugriff auf Intels Dokumentation nicht viel sagen. Letztere sollten wir im Rahmen des üblichen Informationsaustausches bekommen, wenn der offizielle Launch-Termin näher rückt. Stand jetzt liefert jedoch auch keines der sonst genutzten Programme sachdienliche Infos.

Uns wurde auch gesagt, dass die angekündigten Prozessoptimierungen auch die Effizienz verbessern werden – aber so etwas gibt es nicht für lau. Intel hat die zugrunde liegen Mikroarchitektur zwischen Skylake und Kaby Lake nicht verändert – unser Mainboard las im Vergleich zum i7-6700K beim i7-7700K nicht mal eine reduzierte Kernspannung aus. Unser Motherboard setzte den Core i7-7700K bei seinem maximalen Turbo-Takt auf 1,30 Volt und verhielt sich dann exakt so, wie wir es auch bei unserem Core i7-6700K erwarten würden, wenn er bei 1,30 Volt auf 4,50 GHz übertaktet würde.

Dieses spezielle Mainboard senkte die Volllast-CPU-Versorgungsspannung um etwa 20 mV und den maximalen Volllast-Multiplikator auf 42x, nachdem wir die Firmware-Defaults auf manuelle Konfiguration und dann zurück auf automatische Einstellungen gestellt hatten. Das Board machte dieses Spielchen zweimal, jedes Mal nachdem wir initial den CLR-CMOS-Jumper genutzt hatten. Die maximale Energieaufnahme sank dann bei deaktiviertem Turbo Boost (was uns auf die standardmäßigen 4,20 GHz brachte, siehe Tabellen) auf 141 Watt. Nach etlichen Stunden im Idle-Betrieb sank die Idle-Energieaufnahme auf 24 Watt, aber ein derart langer Zeitraum überschreitet jedes normale Testprocedere.

Die "nicht für lau"-Anmerkung gilt dennoch, da 141 Watt mehr sind als 133 Watt. Aber wievielmehr Saft die 4,5 GHz Taktfrequenz benötigt werden wir erst wissen, wenn wir das Ganze mit mehr Boards vergleichen können. Die neue Mainboard-Generation, die zusammen mit den Kaby-Lake-Prozessoren vorgestellt werden wird, ist für diese Tests am besten geeignet – und unsere US-Kollegen werden etliche dieser Boards parat haben, wenn die NDAs auslaufen.

Wie man schon auf der Grafik zur Leistungsaufnahme sieht kann der Core i7-7700K auf diesem Board bei 1,30 Volt auf 4,8 GHz übertaktet werden – beim Core i7-6700K sind es 4,6 GHz. Wir haben Gigabytes GA-Z170X Ultra für diesen Test genutzt, da es das aktuellste Test-Sample war. Das verbleibende Infofitzelchen – dass wir den DDR4-Speicher mit 2933 MHz betrieben haben – ist der Tatsache geschuldet, dass dieses spezielle Mainboard Probleme mit dem Erreichen der DDR4-3200-Spezifikation hatte, wenn vier G.Skill-DDR4-3600-Module installiert waren.

Die exakten Übertaktungswerte von 4,78 bzw. 4,59 GHz sind durch den eigenartigen BCLK von 99,65 MHz des Z170X Ultra bedingt; die DRAM-Übertaktungen sind wegen der Mainboard-Limitierungen identisch. Unsere US-Kollegen gaben schließlich frustriert den Versuch auf, den CPU BCLK an den neuen Prozessor anzupassen – eine ähnliche Erfahrung werden Gigabyte-Fans sicherlich auch schon mal gemacht haben.

Die Einschränkungen des für diesen Test verwendeten Mainboards haben aber auch eine gute Seite. Denn das lässt viel Potenzial für künftige Reviews: Neue Boards und Speicher könnten durchaus noch Luft für weitere DRAM- und BCLK-Übertaktungen bieten! Aber Stand jetzt sind wir erstmal mit einer durchaus soliden Taktsteigerung zufrieden.

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7 Kommentare
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    Dein Kommentar
  • ybox720
    Ok, dann bleib ich beim 6700k. 1,37V für 4.8GHz sind dann wohl in Ordnung. Habt ihr auch getestet, wie weit das Teil bei höheren Spannungen geht?
    0
  • derGhostrider
    Zitat:
    Was würdet ihr mit einem frühen Exemplar von Intels Flaggschiff der nächsten Desktop-CPU-Generation machen? Übertakten, richtig?

    NEIN! Sicherlich nicht. Ich finde die Behauptung irgendwie total unpassend. Es sind doch nicht alle Leser Kiddies, die nichts besseres zu tun haben, als eine der schnellsten Desktop-CPUs zu braten.

    Was würde ich machen?
    Erstens sollte man einen Test mit Samthandschuhen anfassen, wenn die CPU aus dubiosen Quellen vor dem Release erscheint und dementsprechend die Ergebnisse in Frage stellen,
    zweitens sollte man auf ein Board warten, was die CPU richtig verkraftet, also nicht wie hier im Test geschrieben "irgendwie-nicht-so-richtig-mit-merkwürdigen-Spannungsveränderungen" und
    drittens ist das, was am besten beim OC skaliert, die Wärmeabgabe. Braucht man das?

    Ich hoffe mal, dass die finalen CPUs mit den richtigen Boards etwas besser abschneiden. Damit ist natürlich vor allem die Leistungsaufnahme gemeint.
    0
  • renedigitaltw
    Na wenn das so ist, dann lohnt sich ein Umstieg bei mir noch nicht.
    Ich fahre bereits 4.7GHz stabil
    und die interne Grafik benötige ich nicht
    ;-)
    0
  • WB_Stefan
    Jop habe auch den Intel 6700K @ 4x 0.8 to 4.7GHz @ 1.150 to 3.85V + 32GB DDR4 3000Mhz + 2x M.2 Samsung Pro 950 250GB SSD + Gainward GTX 1080 Phoenix GLH Edit. Das reicht erst mal :-)
    0
  • MyRunner
    Anonymous sagte:
    Jop habe auch den Intel 6700K @ 4x 0.8 to 4.7GHz @ 1.150 to 3.85V + 32GB DDR4 3000Mhz + 2x M.2 Samsung Pro 950 250GB SSD + Gainward GTX 1080 Phoenix GLH Edit. Das reicht erst mal :-)


    3.85V auf der CPU? Das ist hoffentlich ein Schreibfehler oder ein anderer Wert, als die CPU Spannung? Wenn der mal genutzt wird, glueht es kurz auf dem Mainboard auf und dann riecht es streng, aber der Rechner ist aus.

    Schau da nochmal nach, was Du da abgelesen hast.
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  • WB_Stefan
    sorry 1.385V ^^
    0
  • renedigitaltw
    Hi,
    ich habe fast die gleiche Konfiguration, aber mein 6700K läuft sogar auf 5GHz.
    Die HW-Abweichungen sind: 4x Corsair Vengeance 3000MHz 8GB (32GB), EVGA GF GTX1070 SC und Samsung M.2 950 Evo 250GB
    ;-)
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