Intel Kaby Lake: Core i7-7700K, i7-7700, i5-7600K und i5-7600 im Test

Unterschiedliche Chipqualität und ihre Folgen

Golden Sample oder Potato-Chip?

Wie bereits geschrieben haben wir diesmal mit reinen Retail-CPUs getestet - also genau mit dem Material, was auch der normale Käufer erwarten kann, wenn er als "Early Adaptor" zeitnah aufrüsten möchte. Allerdings müssen wir an dieser Stelle wirklich zu Vorsicht und Besonnenheit raten, denn gerade am Anfang der Produktion gibt es im Hinblick auf Fertigungs- und somit auch Chipqualität noch große Schwankungen. Das mussten wir beim Core i7-7700K am eigenen Leib erfahren.

Nachfragen beim Mainboard-Hersteller haben ergeben, dass MSI eine hausintere Untersuchung mit insgesamt 30 solcher Retail-CPUs gemacht hat, um die für einen bestimmten Takt notwendigen Spannungseinstellungen im BIOS zu ermitteln, bei denen ein stabiler Betrieb eines bestimmten Benchmarks noch möglich war. Nun sind zwar 30 CPUs immer noch keine wirklich große oder statistisch relevante Menge, aber bereits diese Auswahl zeigt anhand der folgenden Grafik, wie groß das Qualitätsgefälle beim Core i7-7700K jetzt anfangs ist.

Wie erkennen anhand dieser Kurve,  dass der in unserem deutschen Testsystem steckende Chip an der untersten Kurve der Erhebung klebt, denn die Spannungen und auch der Maximaltakt von "nur" fünf GHz sind absolut deckungsgleich. Das erklärt dann auch, warum dieser Core i7-7700K bereits beim Werkstakt im PTU-Durchlauf die Flügel spreizen musste: Er ist einfach zu schlecht und die Spannung notwendigerweise dann zu hoch angesetzt, um noch ausreichend kühl bleiben zu können!

Untervolten als Notpflaster?

Gerade das in Deutschland auftretende Phänomen an massenweisen Rücksendungen "schlechter" CPUs oder Grafikkarten - wobei man hierzulande ein spezielles Widerrufsrecht bei Online-Käufen ausnutzen kann - dürfte bald wieder so manchen Händler in den Wahnsinn treiben. Nun gibt Intel ja seit Generationen jeder CPU eine Art Kennung mit (VID-Vorgabe), anhand der das Mainboard die Spannungen so einstellt, dass ein stabiler Betrieb im Rahmen der Spezifikationen möglich ist.

Allerdings sind die Spannungsschritte meist recht grob gefasst, so dass es durchaus auch Spielraum für eine mögliche Spannungsabsenkung geben könnte. Genau dies wollen wir nun als nächstes testen. Lassen sich unserem Core i7-7700K durch gutes Zureden vielleicht doch noch gemäßigtere Trinkgewohnheiten beibringen oder ist er doch nur ein hoffnungsloser Fall für eine Entziehungskur in der Betty-Ford-Klinik?

Unsere Drosselung lässt die Werte der Leistungsaufnahme zwar sinken, jeodch nur leicht. Erst beim PTU-Stresstest sind es dann acht Watt, wobei bei allen Tests die Temperaturen leicht niedriger ausfielen und damit in Folge auch die Leckströme leicht zurückgingen. Dass dies so gering ausfiel, lag auch daran, dass eine Spannungsabsenkung im BIOS nur um eine Stufe möglich war, um den stabilen Betrieb überhaupt noch zu garantieren. Alle weiteren Versuche endeten als Bluescreen.

Die Spannungen konnten leicht reduziert werden, aber große Sprünge sehen dann doch irgendwie anders aus.

Hat man so einen Kartoffel-Chip erwischt, dann bleiben eigentlich nur zwei Möglichkeiten: Entweder man kühlt so gut wie möglich und hofft auf kühlere Tage oder man wohnt in Deutschland und versucht das Teil per Widerruf zurück in die Lostrommel zu befördern und auszutauschen. Ob dann aber das nächste Los keine erneute Niete, sondern der Hauptgewinn wird, steht auch in den Sternen. Garantien gibt es keine und die Aktien von DHL, UPS & Co. bleiben eine sichere Geldanlage.

Ein Engineering-Sample in einer Retail-Box?

Wir staunten jedenfalls nicht schlecht, als wir die zu guter Letzt von Intel doch noch direkt gelieferte CPU erhielten, denn es sah zunächst alles nach einer originalen Retail-Box aus, wie man sie auch im Laden erhalten kann, wenn man eine Tray-CPU ohne Kühler erwirbt.

Um so größer war das Erstaunen nach dem Entfernen der aufgeklebten Siegel beim Auspacken, denn wir hielten am Ende ein waschechtes Engineering-Sample in den Händen!

Sollte es sich vielleicht gar um eine vorseletierte CPU handeln, die um einiges besser lief als unser eigenes, ladentaugliches Testmuster?

Doch schon die ersten Tests resultierten schnell in einer Ernüchterung, denn sowohl Leistungsaufnahme als auch Temperaturen lagen auf fast dem gleichen Nivea wie unser Sample im deutschen Labor, das wir zuvor tagelang durch die ganzen Bechmarks gejagt hatten. Auch wenn es nur marginale Änderungen waren, haben wir natürlich auch dieses Ergebnis dokumentiert.

Die Leistungsaufnahme ist interessanterweise bei fehlenden bis mittleren Lasten ungefähr ein Watt niedriger, bei Intels PTU jedoch um zwei Watt höher. Die Spannungen sind im Verlauf sehr ähnlich, so dass beide CPUs am Ende erst einmal identisch agieren. Auch die Übertaktung endete bei den beiden im deutschen Labor verfügbaren Exemplaren leider bei fünf GHz und 1,35 bzw. 1,36 Volt.

Die für diese Tests nötigen drei Stunden hätten wir uns eigentlich sparen können, denn auch die Temperaturen sehen im Verlauf nahezu identisch aus. Wir haben deshalb mit Absicht Balkendiagramme gewählt, weil sonst alle Kurven einfach übereinander liegen würden.

Es geht doch besser - und wie!

Während wir hier in Deutschland für den Part mit den Benchmarks und Detailmessungen nun mittlerweile auf zwei weniger guten Testmustern sitzen, liegt im US-Labor ein deutlich sparsameres Exemplar. Uns ist die vor allem deutlich niedrigere Leistungsaufnahme aufgefallen, die diese CPU deutlich kühler agieren lässt; auch die notwendigen Spannungen fürs stabile Übertakten dürften niedriger ausfallen.

Da wir jedoch nicht alle Messungen mit identischen Luftkühlern absolvieren konnten, haben wir für unsere Tests auf Kompaktwasserkühler gesetzt, die am Ende aber leider nicht identisch performen, weil die verwendete Corsair H100i v2 im US-Labor sporadische Defekte aufweist und auch sonst definitv schlechter kühlte als unser deutsches Exemplar. Deshalb vergleichen wir an dieser Stelle nur die Werte für die Leistungsaufnahme, da aber als solche bereits aussagefähig genug sein dürften.

Denn die Ersparnis bei der Leistungsaufnahme könnte eindrucksvoller nicht ausfallen! Egal ob Idle oder PTU-Stresstest: Zwischen beiden CPUs liegen nicht nur Welten, sondern ganze Galaxien! Wohlgemerkt handelt es sich um Verkaufsversionen und keine handselektierten Pressemuster von Intel. Wie diese zu bewerten sind, konnten wir ja weiter oben bereits sehen.

Was enorm auffiel, war der deutlich niedrigere Wert für Uncore, sodass auch die Differenz zwischen CPU Package und IA Cores nur noch etwa zwei Watt betrug. Die Leckströme bei voller Erwärmung der CPU stiegen um maximal ein Watt. Vergleicht man dies mit den vier anderen gestesten CPUs, dann können wir schon davon ausgehen, dass diese eine CPU etwas Besonderes zu sein scheint.

Da wir uns innerhalb einer CPU-Generation befinden, muss man den Vergleich mit der anliegenden Spannung etwas anders bewerten als beim reinen Generationenvergleich. Hier bedeuten höhere Spannungen bei insgesamt niedrigerer Leistungsaufnahme nämlich auch deutlich geringere Ströme - die CPU bleibt somit auch deutlich kühler!

Die CPU-Lotterie geht weiter

Auch bei Kaby Lake wird es also wieder richtig gute, eher mittelprächige und richtig "schlechte" CPUs geben, die es noch irgendwie durchs Raster geschafft haben. Damit wird man wohl vorerst leben müssen, denn der Fertigungsprozess scheint noch nicht ausgereift genug zu sein, um permanent wirklich hohe Qualitäten abzuliefern. Solch extreme Unterschiede haben wir jedenfalls seit dem ersten Quad-Core - Intels Q-6600K - nicht mehr gesehen.

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40 Kommentare
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    Dein Kommentar
  • MyRunner
    Laesst sich das nochmal irgendwie uebersetzen? "Wie erkennen anhand dieser Kurve, dass der Chip, derhier in Deutschland im Testsystem steckt, an der untersten Kurve dier Ergebnung klebt, ..." (unter dem Spannungsdiagramm auf der Qualitaetsseite)


    Google Translate hat da nicht geholfen. ;)

    BTW.: Die Seite kann nochmal einen guten Schwung Korrektur vertragen. Wenn wieder Ruhe ist. Sicher alles unter Druck zusammengesetzt.
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  • gst
    Yop, kann es. Ich bügele gerade nochmal drüber.
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  • Derfnam
    Oh, bitte. Nimm reichlich Dampf. Erhöh das Nivea :D
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  • FormatC
    Den Klops oben hatte ich bereits extrahiert und geplättet :)
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  • Ge0815
    Ist da aber nicht die obere Kurve die schlechtere?
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  • alterSack66
    Sehr aufwendiger Test :) Aber ich denk da muss meine Sandy :love: noch länger halten.
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  • doofeOhren
    Auch bei Kay Lake wird es also wieder richtig gute, héher mittelprächige und richtig "schlechte" CPUs geben, die es norch irgendwie durchs Raster geschafft haben.

    Ich lese den Text besser morgen nochmal.
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  • alterSack66
    Héher ist was ungarisches oder so. Aber was :D
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  • Uranus
    Danke für den ausführlichen Test. Auf eine CPU-Lotterie habe ich aber echt keine Lust. Da muss mein i5 3450 wohl doch noch etwas länger ackern.
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  • FormatC
    Der tut es doch noch ganz gut :)
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  • moeppel
    Damit heißt es wohl Zen or Bust.

    Mein armer 3570K.

    Würd ich den guten noch köpfen, wären womöglich ohne weiteres 4.6 drin ;)
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  • drno
    Danke Igor! Besonders für die Hinweise zur OS/IGP Kompatibiltät vom "Shabby Lake".
    Der alteSack liebt seine Sandy sicher zu Recht. Also liefert in Intel zunächst - wieder mal - Bananaware an seine Kunden ab. Zumindest sieht es derzeit so aus. Es ist an der Zeit, daß aus Dresden künftig noch mehr gutes Zeugs kommt, als der aromatische und schmackhafte Christstollen, für den ich mich als User gern verwende. http://www.dresdnerstollen.de
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  • FormatC
    Nichts gegen Dresden, aber ich mag diesen Pseudo-Handwerks-Stollen einfach nicht. Der Schlimmste kommt von Dr. Quendt, die Manufaktur ist aber auch nicht wirklich besser. Ich hatte das Vergnügen mal im Café Radebeul, die Zuckerschicht war maschinell hingeschludert und fiel sofort ab. Außerdem war der Stollen viel zu feucht. Entweder welcher von einem echten Bäcker aus dem Erzgebirge oder besser nichts. Meine Oma hat alleine fürs Buttern und Bezuckern Stunden gebraucht. Das sind dann zwar echte Kalorienbomben, aber dafür lecker ;)

    Das ist mit Kaby nicht anders. Die Einzigen, die was von dem Ding haben, ist Intel, die damit die Kosten optimieren können. Der Kunde hat hingegen kaum einen echten Mehrwert.
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  • Zero11s
    funktioniert auch mit Windows 7 somit werden Bristol Ridge und Ryzen auch mit Windows 7 laufen
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  • Ge0815
    So ist also das Optimize in der PAO-Strategie gemeint. :D Okay.
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  • Uranus
    Ja der 3450 schlägt sich noch erstaunlich gut. Hätte ich das damals geahnt hätte ich zu einer übertaktbaren CPU gegriffen. In manchen Fällen würde ein wenig mehr Takt ganz gut tun. Zb BF1 im Multiplayer kommt die CPU doch schon ins Schwitzen (obwohl die Grafikkarte bei mir da noch limitiert)
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  • alterSack66
    War grad auf der Seite vom Käsekönig, die bieten i7 die auf 5,1 GHz getestet wurden an. Für schlappe 599,90. Na ja wers braucht.
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  • FormatC
    Ich nicht. Meiner geht auch nur bis 5 GHz. Aber das ist doch keine echte Männer-CPU :D
    Wir wollen Kerne! ;)
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  • alterSack66
    479,90 :lol:
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  • FormatC
    Und? Kauft eh keiner. Ganze 4 Kerne, zu wenig Lanes und dafür viel zu teuer....
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