Man könnte sich schnell zur Annahme verleiten lassen, dass sich Ivy Bridge aufgrund ihrer kleineren 22-nm-Fertigung einfacher übertakten ließen. Immerhin bringt Intel mehr Schaltkreise auf kleinerem Raum unter, und dennoch ist die TDP auf 77 Watt gesunken, was eine geringere Wärmeentwicklung nahe legt. Da mag der eine oder andere Overclocker schon Taktspielraum wittern.
Gleichzeitig ist die 22-nm-Fertigung aber auch brandneu, und Intel gibt freimütig zu, dass man dieses Mal mehr am Chipdesign geändert hat, als man das bei einem Die-Shrink normalerweise tun würde. Das könnte Overclocking-Vorhaben also auch einen Strich durch die Rechnung machen.


Glaubt man den ersten Berichten, die im Netz herumgeistern, sollen sich Ivy-Bridge-CPUs nicht sonderlich gut übertakten lassen. Unsere Ergebnisse fielen jedenfalls sehr gemischt aus. Von den drei Tom’s-Redakteuren, die derzeit mit einem Core i7-3770K herumexperimentieren können, konnten zwei ihr Exemplar auf 4,7 GHz bringen, während die dritte CPU sogar 4,9 GHz erreichte. In allen Fällen kamen ein normaler Luftkühler und BIOs-Spannungen zwischen 1,3 und 1,35 Volt zum Einsatz. Merkwürdig: Obwohl sie alle stundenlang ohne Murren Prime95 und auch LinPack ausführten, brachten bestimmte Anwendungen aus unserem Testparcours wie 3ds Max sie binnen Sekunden zum Abschmieren. Um volle Stabilität zu gewährleisten, mussten wir die Taktraten auf 4,5, bzw. 4,77 GHz zurücknehmen.


Am Ende sieht es also nicht besser aus, als bei unserem Core i7-2700K. Der bootet Windows mit 4,8 GHz und lässt bei einer Spannung von 1,35 Volt mit 4,7 GHz unbeeindruckt alle Torturen und Benchmarks über sich ergehen.
Abgesehen davon, dass Ivy Bridge sich wohl bei etwas niedrigeren Taktraten wohler fühlt, scheint beim Thema Overclocking der größte Unterschied zwischen diesen beiden Generationen zu sein, dass Intels 22-nm-Chips auch merklich wärmer werden, als ihre Vorgänger. Unsere Exemplare waren bei ihrem jeweiligen stabilen Maximaltakt etwa 10 Kelvin wärmer. Gerade Übertakter, die mit einem großen Luftkühler arbeiten, werden also wohl die größten Schwierigkeiten dabei haben, eine Taktrate zu finden, die einerseits ein ausreichendes Performance-Plus bietet und andererseits die Lebenserwartung der CPU nicht unnötig verkürzt.
| Ivy Bridge | Sandy Bridge-E | Sandy Bridge | |
|---|---|---|---|
| Kerntakt-Multiplikatoren | Bis 63x | Bis 57x | Bis 59 x |
| Anpassung des Multiplikators in Echtzeit | Ja | Alle Kerne gleichzeitig | Nein |
| Multiplikatoren der iGPU | Bis 60x | N/A | Bis 57x |
| Anpassung des Grafik-Multiplikators in Echtzeit | Ja | N/A | Nein |
| Speichertakt | Bis DDR3-2667 | Bis DDR3-2400 | Bis DDR3-2133 |
| DDR-Taktschritte | 200/266 MT/s | 266 MT/s | 266 MT/s |
| XMP Reference Code | v.1.3 | v.1.2 or 1.3 | v.1.2 |
| BCLK Overclocking | eingeschränkt | 1.0/1.25/1.67x Straps | eingeschränkt |
Wer mit Phasenkühlung, Trockeneis oder flüssigem Stickstoff kühlt, hat bessere Karten. Einige Enthusiasten, die Ivy Bridge ausreichend weit herunter kühlen konnten, haben inzwischen sogar schon mehr als 6,9 GHz mit vier aktiven Kernen erreicht. Das liegt zum Teil daran, dass Intel den maximalen Multiplikator von ehemals 59x (Sandy Bridge) auf 63x (Ivy Bridge) erhöht hat. Da der Z77-Chipsatz aber mit den gleichen BCLK-Beschränkungen wie der Z68 oder P67 zu kämpfen hat, scheint das Limit in den meisten Fällen bei 107 oder 108 MHz zu liegen. Boards, die aber bis zu 110 oder sogar 111 MHz schaffen, harmonieren natürlich gut mit hohen Multiplikatoren und extremen Kühllösungen.
Und was leistet nun ein Core i7-3770K bei 4,5 GHz verglichen mit einem Core i7-2700K bei 4,7 GHz? Wie sich herausstellt, liefern die Chips dann praktisch die gleiche Performance. Es stellt sich zwar die Frage, wie lange man einen Core i7-3770K mit nur einem Kern bei 88° laufen lassen wollte, aber immerhin war das System stabil.


In 3ds Max, das seine Arbeit auf viele Threads aufteilen kann, ist der übertaktete Ivy Bridge nur zwei Sekunden schneller - ohne Mehrtakt lagen zwischen den beiden Generationen noch fünf Sekunden. In iTunes schrumpft der Abstand sogar auf nur eine Sekunde zusammen, wo es bei identischem Takt von 3,5 GHz noch drei Sekunden waren.
Das soll aber nur als erster Eindruck und Vorgeschmack gelten. Wir arbeiten aktuell an einem eigenen Artikel zum Thema Overclocking, in dem wir die Möglichkeiten und den Performance-Gewinn in weiteren Anwendungen genauer untersuchen.
- Ivy Bridge: Hat sich das Warten gelohnt?
- Der Ivy-Bridge-Kern Core: Kennen wir uns nicht?
- HD Graphics 4000: Das Plus in Intels Tick+
- HD Graphics 4000: Performance in 3DMark 11 und Batman
- HD Graphics 4000: Performance in Skyrim und WoW
- HD Graphics 4000: Jetzt auch mit OpenCL und DirectCompute
- Quick Sync: Intels überarbeitete Geheimwaffe
- Plattform-Kompatibilität: Sind die Mainboardhersteller bereit?
- Übertakten mit Ivy Bridge: Core i7-3770K mit gemischten Ergebnissen
- Speicherskalierung bei Ivy Bridge
- Test-Setup und Benchmarks
- Benchmark-Ergebnisse: PCMark 7
- Benchmark-Ergebnisse: 3DMark 11
- Benchmark-Ergebnisse: Sandra 2012 SP3
- Benchmark-Ergebnisse: Adobe CS 5.5
- Benchmark-Ergebnisse: Content Creation
- Benchmark-Ergebnisse: Produktivität
- Benchmark-Ergebnisse: Dateikompression
- Benchmark-Ergebnisse: Media-Encoding
- Benchmark-Ergebnisse: Batman: Arkham City
- Benchmark-Ergebnisse: The Elder Scrolls V: Skyrim
- Benchmark-Ergebnisse: World Of Warcraft: Cataclysm
- Leistungsaufnahme und Effizienz
- Wie viel schneller als i7-2700K und i5-2550K ist der Core i7-3770K wirklich?
- Ivy Bridge: Sinvolle Evolution, keine Performance-Revolution