Netzteile: Kaufberatung und Grundlagen, Stand April 2016

Über das Netzteil ihres PCs denken viele erst nach, wenn es kaputt geht. Dabei übernimmt das Netzteil essenzielle Aufgaben, kann zur Ressourcenschonung beitragen und für eine ruhige Arbeitsumgebung sorgen - so es denn mit Bedacht gewählt wird.

Das Netzteil – ein Wegwerf-Artikel? Auf keinen Fall!

UPDATE 27. April 2016:

Mit dem heutigen Update haben wir den im Original vom 7. Dezember 2015 datierenden Artikel überarbeitet, weitere hilfreiche Verlinkungen eingefügt und vor allem die Übersichtstabellen der getesteten Netzteile um 12 weitere Gold- und Platin-Netzteile erweitert.

Viel Spaß beim Lesen!

Es gibt kaum ein Bauteil in einem PC-System, dem beim Kauf so wenig Beachtung geschenkt wird wie dem Netzteil. Klar - es muss alle Komponenten zuverlässig mit Strom versorgen und ja - es muss ausreichend Leistung für den individuellen Einsatzzweck bereitstellen.

Ihr wollt mehr Netzteil-Artikel lesen? Dann seid ihr hier richtig:

>>>   Vergleichstest 4x 750 Watt Gold
>>>  
Vergleichstest 4x 450 bis 550 Watt Gold/Platinum lüfterlos
>>>   Vergleichstest 4x 750 bis 850 Watt Gold/Platinum
>>>   Vergleichstest 4x 450 Watt Bronze
>>>   Vergleichstest 3x 650 bis 760 Watt Platinum
>>>   Vergleichstest 2x 520 Watt Platinum lüfterlos

Aber da werden sich die PC-Integratoren schon ihre Gedanken gemacht haben - viel wichtiger sind doch Prozessor, Grafikkarte und Speicherausbau, richtig? Außerdem noch die Entscheidung "SSD oder konventionelle Festplatte"... Wer schaut da schon auf das Netzteil, solange die Leistung reicht...?


Das tut sie für gewöhnlich auch. Denn ein Netzteil mit hoher Wattzahl muss nicht unbedingt teuer sein, macht sich im Datenblatt aber vielleicht ganz gut. Nur sagt die Power eines Netzteils überhaupt nichts über dessen Qualität aus. Wir haben schon Netzteile mit 700 Watt für rund 20 Euro beim bekannten Online-Auktionshaus erstanden. Nach 10 Minuten unter Volllast verabschiedeten sich diese Chinaböller mit einem lauten Knall und ordentlich Rauch ins Netzteil-Nirvana.

Obacht, Gefahr!Obacht, Gefahr!

So schlimm wird es bei seriösen PC-Bauern sicher nicht zu erwarten sein. Doch schlummert gerade beim Netzteil – ebenso wie beim Gehäuse – ein nicht zu unterschätzendes Sparpotenzial. Zwischen einem ordentlich dimensionierten Netzteil mit hohem Wirkungsgrad und einem No-Name-Blender können schnell mal 50 Euro liegen.

Wie wichtig es ist, auf Qualitätsnetzteile zu setzen, sollte das folgende Video mit Nachdruck verdeutlichen können:

>>>   Big Bang - Wir lassen es im Safety-Lab eines großen OEM mal knallen (Video)

Bilder des Grauens #1: Aufgeplatze KondensatorenBilder des Grauens #1: Aufgeplatze Kondensatoren

Das macht sich bei der Kalkulation schnell bemerkbar. Viele Kunden erkennen den "Etikettenschwindel" indes nicht. Dabei kann der durchaus Folgen haben: Im einfachsten Fall verschwendet das Netzteil mehr Energie als nötig und trägt im Winter zu einer wohligen Raumtemperatur bei. Deutlich schlimmer bzw. teurer wird es, wenn das Netzteil nach wenigen Jahren der Nutzung einfach den Geist aufgibt. Der Worst Case tritt ein, wenn das Netzteil aufgrund mangelnder Qualität sogar zu Schädigungen an Komponenten des PC-Systems führt.

Bilder des Grauens #2: Geschmorte PlatineBilder des Grauens #2: Geschmorte Platine

Wie gesagt: Das muss alles nicht passieren - aber undenkbar ist keines dieser Szenarios. Daher: Egal, ob die Anschaffung eines Komplettsystems geplant ist, ein neuer Rechner in Eigenbau entstehen oder einfach nur ein neues Netzteil her soll – die Wahl desselben sollte gut überlegt sein.

Bilder des Grauens #3Bilder des Grauens #3

Die Leistung muss passend dimensioniert sein

Viel hilft viel – das stimmt nicht immer. Ein Computer-Netzteil, das deutlich mehr Leistung bietet, als das PC-System überhaupt abrufen kann, kostet nicht nur in der Anschaffung mehr als nötig - auch im Betrieb verschwendet es mehr Energie als ein passend dimensioniertes Netzteil. Grund dafür ist der Wirkungsgrad eines Schaltnetzteils, der beschreibt, welcher Anteil der zugeführten Leistung letztlich beim Verbraucher ankommt.

Typischerweise ist die Effizienz eines Netzteils bei etwa 50 Prozent Last am höchsten; darunter und darüber fällt sie ab. Vor allem bei sehr geringem Leistungsabruf bricht der Wirkungsgrad überproportional ein, während er bei Volllast meist noch vergleichsweise hoch ist. Moderne Netzteile erreichen Wirkungsgrade von teils über 90 Prozent. Echte Billigheimer kommen dagegen oft nur auf einen Effizienz-Wert von um die 50 Prozent.

Das bedeutet also: Etwa die Hälfte der aus dem öffentlichen Stromnetz entnommenen Energie wird nicht für den Betrieb des PC-Systems und seiner Komponenten genutzt, sondern verpufft als Abwärme. Und die muss unter Umständen auch noch mit zusätzlichen Lüftern abgeführt werden, was noch mehr Energie verschwendet (und weiteres Geld kostet).


Wie viel Leistung sollte ein Netzteil also haben? Das hängt von den verbauten Komponenten und vom geplanten Einsatzbereich ab. Ein normaler Office-PC mit aktueller Prozessortechnik, Onboard-Grafik und "normaler" Laufwerksausstattung (DVD- oder BD-Brenner, ein oder zwei Festplatten oder SSDs) beansprucht naturgemäß erheblich weniger Leistung als ein Vollblut-Gamer mit einer 8oder mehreren) starken Grafikkarte(n) und einer übertakteten CPU.

Multimedia-PCs, die als Allrounder einen möglichst breiten Einsatzbereich abdecken sollen, liegen irgendwo dazwischen. Maximale Leistung beanspruchen beispielsweise auch Workstations und Spezial-Systeme - etwa für das immer noch recht populäre Bitcoin-Mining, das oft die Rechenleistung vieler Grafikkarten nutzt, um maximalen Output zu generieren.

Immer noch lesenswert: Weiterführende Informationen zu den Themenbereichen Wirkungsgrad, Powerfaktor und Effizienz können Interessierte im folgenden Praxis-Artikel nachlesen, auch wenn die Netzteilempfehlungen natürlich nicht mehr auf der Höhe der Zeit sind:

>>>   Netzteilpraxis: Wie viel Netzteil braucht der Mensch wirklich? Und vor allem: Welches?

Zur einfacheren Einordnung haben wir exemplarisch verschiedene Szenarios skizziert und entsprechenden Leistungsklassen zugeordnet:

Office-PC: Ein Rechner, der nur für Office-Aufgaben wie Textverarbeitung, Mailen und Surfen benutzt wird, benötigt nur wenig Leistung. Mit 40 bis 60 Watt sollte das System die meiste Zeit auskommen. Da das Gesamtsystem selbst unter Volllast nicht mehr als 200 Watt beanspruchen sollte, reicht ein 250-Watt-Netzteil völlig aus.

Allround-PC: Ein Allrounder, der etwas anspruchsvollere Aufgaben zu bewältigen hat als der Office-PC und auf dem auch das ein oder andere 3D-Spiel laufen soll, wird insgesamt einen etwas höheren Energiebedarf haben als ein Office-PC. Sind die Komponenten jedoch weitgehend identisch, reicht auch hier ein 250-Watt-Netzteil. Sind stärkere Komponenten verbaut, sollte man eher zur 350-Watt-Klasse tendieren oder zur Sicherheit auch ein Netzteil mit 400 Watt in Erwägung ziehen – erst recht, wenn eine diskrete Grafikkarte verbaut ist.

Auch einige einfache und günstige Netzteile sind durhaus brauchbarAuch einige einfache und günstige Netzteile sind durhaus brauchbar
Gaming-System: Ein leistungsstarker Prozessor und ein oder mehrere Grafikkarten treiben den Energiekonsum nach oben. Doch selbst extrem auf 3D-Games hin optimierte Systeme mit Overclocking-Maßnahmen benötigen selten mehr als 450 Watt. Und das ist schon recht hoch gegriffen. Mit ein wenig eingerechneter Reserve wäre hier ein Netzteil mit einer Nennleistung von rund 500 Watt völlig ausreichend.

Nur extreme Gaming-Systeme benötigen wirklich mehr als 500 Watt. Selbst zwei AMD Radeon R9 295X2, von denen jede über zwei GPUs verfügt, reicht ein 1000-Watt-Netzteil aus. Die wenigsten unserer Leser dürften ein solches System privat betreiben:

>>>   Aus dem Lab: Zwei Radeon R9 295X2 an einem 1000W-Netzteil (Video)

2000-Watt-Riese von  Super Flower2000-Watt-Riese von Super Flower
Spezialsysteme etwa für Bitcoin-Mining: Bei diesen Systemen geht es um kompromisslose Rechenleistung. Dafür werden teils acht oder noch mehr hochleistungsfähige Grafikkarten zu einem Verbund zusammengeschaltet. Leistungsabrufe bis weit über 1000 Watt sind hier keine Seltenheit. Für diese Systeme kommen nur die Top-Modelle der Netzteilhersteller infrage. Manche Hersteller bieten sogar die Möglichkeit, mehrere ihrer Top-Netzteile zusammenzuschalten, um Nennleistungen im 2000-Watt-Bereich bereitzustellen.

Eine Frage der Effizienz

Neben der reinen Leistung sollte bei der Wahl eines Netzteils auch dessen Wirkungsgrad berücksichtigt werden. Denn eine höhere Effizienz bedeutet nicht nur einen geringeren Stromverbrauch (die Ersparnis wird meist nicht kaufentscheidend sein), es entsteht auch weniger Abwärme - und Abwärme, die gar nicht erst auftritt, muss auch nicht mit Lüftern abtransportiert werden. Daher arbeiten viele hoch-effiziente Netzteile sehr leise, teilweise sogar geräuschlos - gerade im Office- und Wohnbereich ein unbestrittener Vorteil.

Wer sich für die Herstellung von Netzteilen sowie den Aufwand interessiert, den seriöse Hersteller dabei betreiben, dem seien die folgenden Artikel ans Herz gelegt:

>>>   Auf Entdeckung: Wie sichere, haltbare und leise Netzteile entstehen
>>>   Blick hinter die (Fabrik-)Kulissen: Wir begleiten die Herstellung eines Be Quiet!-Netzteils

Auf der anderen Seite lassen sich die Hersteller ihre Gold- und Platin-zertifizierten Netzteile mit einem ordentlichen Preisaufschlag bezahlen. Hinzu kommt, dass Netzteile der höchsten Effizienzklassen – wie diese eingeteilt werden, erklären wir am Ende dieses Kapitels – oft nicht mit Leistungen um 500 Watt oder weniger zu bekommen sind. Für kleinere Systeme lohnt daher eher der Blick zu Netzteilen mit Bronze-Einstufung. Auf der anderen Seite tragen Netzteile der oberen Leistungsstufen fast immer mindestens das Gold-Logo.

Eine Investition in Netzteile mit Platinum- oder gar Titanium-Standard lohnt monetär sicherlich in den wenigsten Fällen. Interessant wird es aber, wenn es darum geht, ein besonders leises System aufzubauen. Denn manche Hersteller verzichten bei ihren Netzteilen mit besonders hohem Wirkungsgrad ganz auf einen Lüfter oder verbauen eine hybride Lüftersteuerung.

Dabei arbeitet das Netzteil in bestimmten Last- und Temperaturzuständen völlig geräuschfrei, da der Lüfter nicht zur Kühlung genutzt wird. Erst ab einem Temperatur-Schwellenwert oder bei hohem Lastabruf springt der Lüfter an, um Schäden durch Überhitzung zu vermeiden.

Der Vorteil: Im normalen Alltagseinsatz mit Büroarbeiten oder beim Surfen und Mailen verursacht das Netzteil kein störendes Betriebsgeräusch. Wird das System aber dann doch einmal von einem anspruchsvollen 3D-Spiel gefordert, lässt sich auch die maximale Nennlast des Netzteils ohne Bedenken abrufen.

Aktuelle Netzteile werden zur einfacheren Einordnung hinsichtlich ihres Wirkungsgrades meist mit einem Logo der 80-PLUS-Organisation versehen. Dabei handelt es um eine Initiative aus den USA, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, Netzteile zu favorisieren, die – vereinfacht gesagt – einen Wirkungsgrad von mindestens 80 Prozent aufweisen.

Genauer gesagt, müssen die 80 Prozent bei 10, 50 und 100 Prozent Lastabruf erreicht werden, wobei der höchste Effizienzwert stets im mittleren Lastbereich gefordert wird, was aber auch dem Wesen eines Schaltnetzteils entspricht. Da es sich um eine nordamerikanische Initiative handelt, werden den Grenzwerten für den Wirkungsgrad stets 115 Volt Spannung zugrunde gelegt. Es gibt aktuell sechs Effizienzklassen im 80-PLUS-Schema:

Effizienz-klasseMindest-
wirkungsgrad bei 0 % Last
Mindest-
wirkungsgrad bei 20 % Last
Mindest-
wirkungsgrad bei 50 % Last
Mindest-
wirkungsgrad bei 100 % Last
80 PLUS80%80%80%
80 PLUS Bronze82%85%82%
80 PLUS Silver85%88%85%
80 PLUS Gold87%90%87%
80 PLUS Platinum90%92%89%
80 PLUS Titanium90%92%94%90%


Aktuell sind die meisten Netzteile mit Bronze- oder Gold-Logo versehen, nur sehr günstige Modelle tragen das 80-PLUS-Logo. Silber kommt sehr selten vor, häufiger ist Platinum. Diese sehr effizienten Netzteile liegen preislich aber oft deutlich über den Gold-Versionen. Netzteile mit Titanium-Einstufung sind nach wie vor sehr selten anzutreffen.

Die Ausstattung steigt oft mit der Leistung

Letztlich kann man mit jedem ATX-Netzteil einen Standard-PC betreiben – vom Office-Rechner bis zur Gaming-Maschine. Dennoch kann es sein, dass die benötigte Ausstattung nicht in der angestrebten Leistungsklasse zu bekommen ist. Der Begriff Ausstattung umschreibt in diesem Fall vor allem die Zahl der Stecker und die Länge der Kabel.

Doch hier kann man nicht wie aus einem Baukasten wählen, sondern ist den Herstellern ausgeliefert. Netzteile mit geringer Wattzahl bieten fast immer weniger Anschlussmöglichkeiten als solche mit einer hohen Nennleistung.

Monster-Systeme mit zwei Radeon R9 295X2 erforden ein 1000-W-Netzteil und vier PCIe-SteckerMonster-Systeme mit zwei Radeon R9 295X2 erforden ein 1000-W-Netzteil und vier PCIe-Stecker

Prinzipiell ist diese Vorgehensweise auch sinnvoll. Denn überflüssige Ausstattungsmerkmale würden den Preis eines niedrig-wattigen Netzteils nur unnötig in die Höhe treiben. Auf der anderen Seite wird es schon sehr schwierig, etwa ein Netzteil der 400-Watt-Klasse zu finden, das zwei PCIe-Stecker mitbringt.

Auch die Kabellänge fällt in den unteren Preis- und Leistungsregionen meist geringer aus als bei stärkeren und meist deutlich teureren Netzteilen. Logisch: Mehr Material kostet mehr Geld. Aber: Muss ein Bürorechner denn immer in einem kompakten Gehäuse stecken? So kann es also sein, dass man zu einem stärkeren und teureren Netzteil als eigentlich benötigt greifen muss.

Ein weiterer Punkt, der bei der Anschaffung überdacht werden muss, ist das Thema Kabelmanagement. Bei einer fixen Verdrahtung müssen stets alle Kabel und Stecker im PC untergebracht werde - auch solche, die man gar nicht benötigt.

Vollmodular: Angeschlossen werden nur die Kabel, die auch benötigt werdenVollmodular: Angeschlossen werden nur die Kabel, die auch benötigt werden

Abgesehen davon, dass die Kabel verstaut werden müssen, behindern sie unter Umständen auch den Luftstrom innerhalb des Gehäuses. Es gibt zwar auch Netzteile mit flachen Kabeln, die hier weniger störend sein sollen. Die meisten Hersteller setzen aber auf recht voluminöse Rundkabel. Ein Case-Modder würde wohl mit fixen Kabeln nicht glücklich werden - also greift man zum Kabelmanagement.

FlachbandkabelFlachbandkabel

Im Prinzip richtig, aber da taucht schon das nächste Problem auf: Modulare Kabel wirken sich auf den Wirkungsgrad eines Netzteils aus. Der ist auf jeden Fall ein wenig geringer als beim identischen Modell mit fester Verdrahtung. Ein weiterer Nachteil: Beim Verkabeln des PCs muss der Anwender ein wenig darauf achten, welche Verbraucher er an welches Kabel hängt – zumindest, wenn das Netzteil mehr als eine 12-Volt-Schiene besitzt. Und: Das Kabelmanagement gibt es nicht ohne Aufpreis.

gesleevte Rundkabelgesleevte Rundkabel

Der Mythos von der 12-Volt-Schiene

Gerade bei leistungsstärkeren Netzteilen setzen die Hersteller gerne auf so genannte Multi-Rail-Architekturen. Dabei geht es darum, dass die Leistung mit einer Spannung von 12 Volt auf mehrere Schienen verteilt wird. Das beginnt bei Netzteilen mit zwei 12-Volt-Rails bis hin zu solchen, die ganze acht Rails aufweisen können.

In den einschlägigen Foren wird immer wieder hitzig diskutiert, was besser ist ein - Single- oder ein Multi-Rail-Design. Overclocker führen oft die höhere Stromstärke ins Feld, die ein Netzteil mit nur einer einzelnen 12-Volt-Schiene erreichen kann. Befürworter mehrerer 12-Volt-Schienen kontern mit der höheren Sicherheit und geringeren Störungen zwischen den einzelnen Strängen aufgrund der kleineren Ströme.

Innenansicht: Netzteil basierend auf Seaconsics KM3-PlattformInnenansicht: Netzteil basierend auf Seaconsics KM3-Plattform

Um es klar und deutlich zu sagen: Die meisten Argumente für oder gegen Multi-Rail-Systeme sind Legenden – meist nicht belegbar, oft einfach nur falsch. Bei der Kaufentscheidung für oder gegen ein bestimmtes Netzteil sollte die Frage nach der Anzahl der 12-Volt-Schienen jedenfalls nur eine untergeordnete Rolle spielen. Denn der Unterschied zwischen einem Single-Rail- und einem Multi-Rail-Netzteil ist tatsächlich nur sehr gering und macht sich vor allem erst bei höheren Wattzahlen "bemerkbar".

Wie werden Netzteile überhaupt getestet und worauf achten die Redakteure? Die Antwort auf diese Fragen gibt es hier:

>>>    Überblick zu Testkriterien, Testaufbau und Messungen

Enermax verteilt 1200 Watt auf ganze fünf 12-Volt-SchienenEnermax verteilt 1200 Watt auf ganze fünf 12-Volt-Schienen

Bei einem Netzteil mit nur einer einzelnen 12-Volt-Schiene stellt diese die gesamte kombinierte Leistung zur Verfügung und versorgt alle Komponenten, die eben diese Spannung benötigen - beispielsweise Mainboard, CPU, GPU, Festplatten oder optische Laufwerke.

Bei einem Multi-Rail-System lässt sich die gesamte kombinierte Leistung auf bis zu acht 12-Volt-Schienen verteilen. Leistungshungrige Verbraucher wie Prozessor und Grafikkarte werden dabei oft von etwas "stärkeren" Rails versorgt, für die übrigen Komponenten tun es auch die "schwächeren" Rails. Wo aber liegt der Unterschied zwischen einer und mehreren Schienen?

Im Prinzip handelt es sich dabei lediglich um getrennt abgesicherte Stromkreise, also Leiterbahnen auf der Netzteil-Platine, die eben statt nur einer OCP-Sicherung (OCP: Over Current Protection) mehrere besitzen, deren Auslöseschwelle deutlich niedriger angesiedelt ist.

Daraus ergibt sich auch der Hauptvorteil eines Multi-Rail-Netzteils: Tritt tatsächlich einmal auf einer 12-Volt-Schiene ein Kurzschluss auf, greift die Sicherung schon bei einer verhältnismäßig geringen Stromstärke und verhindert wahrscheinlich größere Schäden am Netzteil oder den PC-Komponenten.

Bei nur einer 12-Volt-Schiene – erst recht bei sehr leistungsfähigen Netzteilen – kann die Sicherung auf bis zu 100 Ampere und mehr ausgelegt sein. Bis die auslöst, ist wahrscheinlich schon etwas im Netzteil oder PC abgeraucht. Dass ein solcher Kurzschluss auftritt, ist allerdings bei hochwertigen Netzteilen sehr unwahrscheinlich.

Beim Seasonic läuft die gesamte Leistung von 1200 Watt über eine einzige LeitungBeim Seasonic läuft die gesamte Leistung von 1200 Watt über eine einzige Leitung

Einen Nachteil haben Netzteile mit mehreren 12-Volt-Schienen allerdings auch. Der Nutzer muss sich zumindest ein paar Gedanken darüber machen, wie er die einzelnen Rails verkabelt, um die Lasten optimal zu verteilen – vor allem bei modularen Kabeln. Bei älteren Netzteilen konnte es sogar passieren, dass die starken Verbraucher alle über dieselbe Schiene versorgt wurden. Kam es dann auf dieser Schiene zu einer Überlast, löste die OCP-Sicherung aus – obwohl das Netzteil eigentlich mehr als genug Reserven gehabt hätte. Mittlerweile haben die Hersteller ihre Netzteile aber so ausgelegt, dass dieses Phänomen nicht mehr auftritt.

Was bleibt also unterm Strich? Bei Netzteilen bis etwa 600 Watt muss man sich keinerlei Gedanken darüber machen, wie viele 12-Volt-Schienen denn die beste Lösung darstellen. Bei höheren Leistungen allerdings minimieren mehrere 12-Volt-Schienen das – generell unwahrscheinliche – Risiko eines kapitalen Kurzschlusses und dessen Folgen.

Nicht jeder Anbieter von Netzteilen ist auch im engeren Sinne ein Hersteller - das kann nur eine sehr kleine Anzahl von Marken von sich behaupten.

Von welchem echten Hersteller ein Netzteil stammt, ist aber für sich allein genommen noch kein in Stein gemeißelter Hinweis auf die Produktqualität. Natürlich gibt es Unterschiede hinsichtlich des Aufwands, den der eine oder andere tatsächliche Produzent von Stromspendern zu betreiben in der Lage ist.

Dennoch gilt als übergeordnete Faustregel: Es gibt letztlich das, wofür auch bezahlt wird – das gilt sowohl für jene Firmen, die bestehende Netzteildesigns der eigentlichen Hersteller vor der Produktion an die eigenen Vorstellungen anpassen, als auch für jene, die lediglich komplette Geräte kaufen und mit ihrem Aufkleber versehen.

Einen Überblick, wer hier was anbietet, gibt es in diesem Artikel:

>>>   Netzteil: Echte Marke oder Label?

Übersicht aller zuletzt getesteten Netzteile

Netzteile der Effizientklasse 80 PLUS Bronze im Test

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Netzteile der Effizientklasse 80 PLUS Gold im Test

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Netzteile der Effizienzklassen 80 PLUS Platinum und Titanium im Test

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15 Kommentare
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    Dein Kommentar
  • fffcmad
    Und gerade heut4e musste ich ein neues Netzteil bestellen. Vielen Dank, sehr praktisch :D
    0
  • gst
    Nur für Dich, fffcmad, nur für Dich... ;) :D
    1
  • alterSack66
    Dann musst für den Office-PC nur noch ein 250 W Netzteil finden. Schaut bei ATX schonmal schlecht aus.
    0
  • mareike
    Test Gut, die Produkte naja. Ich weis nicht ob das nur mir so geht, aber ich finde das Preisniveau zu hoch. Die Teile die preislich halbwegs noch im Rahmen liegen, und wohl meist verbaut werden, sind alle Bronze. Die Modelle die mehr als das Minimum liefern, haben Phantasie Preise, so das sie kaum in mehr als 0,1 % der Rechner eingesetzt werden. Was bringt also die ganze Scheineffizienze. Führen die wenigen Produzenten zu einem überteuerten abgesprochenen Markt ? Mir schein das so zu sein.
    0
  • Derfnam
    Stimmt so nicht, mareike.
    Es kommt drauf an, was du (aus)suchst, Beispiele:
    http://geizhals.de/enermax-triathlor-eco-450w-atx-2-4-etl450awt-m-a1015668.html?hloc=de
    Grob ab 60.-
    http://geizhals.de/cooler-master-g450m-450w-atx-2-31-rs-450-amaab1-a1010337.html?hloc=de
    Ab 55.-
    Beides Bronze und mit Kabelmanagement (wozu auch immer).
    http://geizhals.de/super-flower-golden-green-hx-450w-atx-2-3-sf-450p14xe-hx-a1039307.html
    Ab 63.-, aber Gold und mit fixen Kabeln.
    Das Enermax ist n CWT-Teil, ebenso das CM. SF ist Hersteller, was auch den recht günstigen Preis erklärt. Die können, weil sie wollen. Enermax könnte, aber will nicht, Premium und so, schätze ich.

    Je mehr Watt die Dinger aber bieten, desto weiter öffnet sich die Preisschere. Nur: für die allermeisten Leute sind 450 (goldige) Watt, die auch fast komplett an 12 V abgerufen werden können, allemal genug.
    0
  • mareike
    Das super-flower-golden-green ist da wohl eine löbliche Ausnahme. Ich bezog mich mehr auf die oben aufgeführten Netzteile.
    0
  • Derfnam
    Die Amazonwerbegeräte sind halt das, was sie sind^^.
    0
  • KalleWirsch
    Es werden halt heute viele Fertig-Systeme verkauft, die verbauten Netzteile sind je nach Anbieter verschieden gut. Im Gaming bereich meist "OK". Im Einsteiger-Billig Bereich sind sie aber auch oft genug "Schlecht". Selbst bei Business Notebooks kriegt man oft regelrechten Ramsch. Ein guter Prozentsatz überlebt die Garantiezeit nicht.

    Wenn der Rechner selbst halt gerade mal die Garantiezeit überleben soll, dann ist es klar, dass die Hersteller nur das Billigste einbauen, denn dann ist auch das Netzteil ein Wegwerfartikel.

    Wenn man sein System selber zusammenbaut, dann ist das Netzteil, die Komponente die am ehesten wiederverwendet wird und schon mal 10-15 Jahre oder länger seinen Dienst tut. Damit rechnet sich der Anschaffungspreis auch irgendwann.

    Tipp: Praktisch alle neuen Netzteile erfüllen die "EuP"-Richtlinien für niedrigen Energieverbrauch im Standby-Betrieb. Das muss aber oft noch im Bios aktiviert werden.
    Tipp2: Hab schon öfter Promotions-Aktionen von Netzteil-Herstellern gesehen. Warten und zuschlagen, wenn die gerade mal wieder im Angebot sind.
    0
  • altae
    Wenn es eine Komponente gibt, bei der ich nicht spare, ist es das Netzteil. Ich habe in meinem Bekanntenkreis einfach schon zu viele Netzteile aus Billigrechnern gesehen, die früher oder später "abgeraucht" sind. Hingegen laufen alle Netzteile, welche ich in selbst zusammengestellte PCs eingebaut habe, noch heute. Spätestens dann, wenn das Billigteil den Geist aufgibt, hätte sich der Kauf eines hochwertigeren Modells auch finanziell ausbezahlt.
    0
  • fffcmad
    Man kann auch mit tueren Netzteilen auf die Schnauze fallen. Ich hatte ein sehr teures Thermaltake oder so.Da starb die Standbyspannung weg. Auch beim Austauschnetzteil. Habe mir dann ein High End Corsair Netzteil fuer 180€ geholt, das laeuft dafuer jetzt schon Jahre.
    0
  • altae
    Natürlich kann man auch bei hochwertigen Netzteilen Pech haben. Ein Mercedes geht schliesslich auch mal kaputt. Und teuer muss bekanntlich auch nicht unbedingt gut sein. Aber was definitiv besser ist bei hochwertigen Produkten: Diese bringen auch konstant die beworbene Leistung. Billignetzteile in komplett PCs laufen hingegen meist schon mit den Originalkomponenten am Limit und wehe, man erlaubt sich den Einbau einer weiteren Karte oder den Ersatz der Grafikkarte. Dann rauchen die Dinger ganz schnell ab oder werden instabil, auch wenn der Energiebedarf des Gesamtsystems eigentlich noch innerhalb der Leistungsfähigkeit des Netzteiles liegen würde. Da trennt sich dann die Spreu vom Weizen.
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  • Cappucino
    Meiner Meinung nach hat man mit Enermax am wenigsten Stress. Mein letztes Enermax läuft huete noch nach verdammt langer Zeit und quasi Dauerbetieb von fast 5 Jahren. So langsam überlege ich allerdings mit mal ein neues zu kaufen wegen aufrüsten, da die Wattzahl mittlerweile zu niedrig geworden ist. Bei einem Quadcore und 550 Watt wird etwas eng. Ich hab hier ne Seite gefunden die einige PC Netzteile vorstellt. Wollte mal eure Meinung dazu hören, ob ihr da was bestellen würdet: http://www.netzteil-pc24.de
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  • Plitz
    Naja, 33% der "Tests" beschäftigen sich mit dem schönen Karton, 33% mit dem wundertollen Design (Es ist schwarz) ... und in 33% behauptet man es hätte sich im Test als sehr effektiv herausgestellt und man spart damit bares Geld.

    Man geht auf NICHTS ausschlaggebendes ein! Ich würde nicht nach deren Maßstab kaufen.
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  • Derfnam
    Lustige Seite. Ziemlich sehr wie der Einkauf bei Karstadt, wo du in die Herren-OB gehst und ganz egal, was du auch haben willst, das Ergebnis sieht aus, als hättest du gefragt: 'Guten Tag, ich würd gern richtig Scheiße aussehen, ham sie da was für mich?'
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  • alterSack66
    Die haben immerhin festgestellt, dass die Kabel dabei sind :sarcastic: Und eine hochwertige 80 + Bronze Zertifizierung. Warum das Thermaltake und das Sharkoon zu den Top 5 gehören sollte man mal den Tester fragen.
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