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Kindle Fire: Tablets für Amazons Hauptgeschäft

Testbericht Amazon Kindle Fire HD: Bücher-Tablet trifft auf starke Konkurrenz
Von , Andrew Ku

Das Kindle Fire HD bringt eine bessere Ergonomie, eine leicht gesteigerte Leistungsfähigkeit, eine verbesserte Tonqualität, eine größere Lebendigkeit der Farben, beständiger funkende Netzwerkchips und die Verbesserungen, die Google mit Android 4.0 eingeführt hat, mit. Kurz, das Kindle Fire HD ist das erste Tablet, das den Ansprüchen Amazons gerecht wird.

Diese Schlussfolgerung mag auf den ersten Blick etwas rückwärts gewandt wirken, aber das Tablet ist so geworden, wie das der ersten Generation hätte werden sollen. Zudem lässt es die zweite Kindle-Fire-Generation als überflüssig erscheinen. Amazon mag diesem vielleicht einen schnelleren SoC und dem Gerät die Vorzüge von Ice Cream Sandwich spendiert haben, dennoch ist das HD-lose Kindle veraltet. Für gerade einmal 40 Dollar weniger muss man sich mit der halben Speichergröße wie bei HD oder Nexus 7 zufriedengeben, das darüber hinaus deutlich schneller ist.

Amazon setzt bei seinen beiden neuen Tablets auf die durch und durch etablierte, vierte Generation von Texas Instruments OMAP-Generation. Echte Hardware-Fans lassen sich damit jedoch kaum noch hinterm Ofen hervorlocken, bleibt die Leistung der TI-SoCs doch schon deutlich hinter der des Nvidia Tegra 3 zurück. Und selbst der steht schon kurz vor seiner Ablösung - mit dem Tegra 4 wird bereits zu Beginn des kommenden Jahres auf der CES in Las Vegas gerechnet.

Dabei reicht die Kritik über die CPU oder GPU hinaus. Zwar verbessert Amazon die Qualität der WLAN-Verbindungen deutlich, allerdings nur beim Kindle Fire HD. Die zweite Generation des Kindle Fire ist nach wie vor etwas langsamer als das Nexus-7-Tablet. Dabei reicht die Kritik über CPU und GPU hinaus. Die WLAN-Verbindungen zeigen sich nur beim Kindle Fire HD verbessert, das Kindle Fire der zweiten Generation ist dagegen etwas langsamer als das Nexus 7.

Zudem wurden die Fähigkeiten des Amazon-Browsers Silk kaum weiterentwickelt. Der Browser kann Webseiten teilweise auf einem Server rendern lassen und die Inhalte dann vorgefertigt aufrufen und auf dem mobilen Gerät darstellen, was in der Praxis zu einer höheren Geschwindigkeit soll. Tatsächlich ist es aber besser, die Funktion des beschleunigten Seitenladens in den Einstellungen abzuschalten.

Warum also nicht einfach ein Nexus 7 kaufen, immerhin das erste Tablet dem wir einen Tom's Award verliehen haben?

Das Schlachtfeld ist nach wie vor die Versorgung mit Inhalten. Mit einem Google Nexus 7 ist der Nutzer an den Google Play Store mit seinen Filmen, Zeitungen und Zeitschriften und der dort verfügbaren Musik gebunden. Amazon macht es mit seinem Kindle Fire und Kindle Fire HD nicht anders, allerdings ist wenig streitbar, dass die Bereitstellung von Inhalten eine der Stärken des Herstellers ist. Um das Angebot von Amazon Prime auf dem Nexus 7 nutzen zu können, müssen Flash und der Browser Firefox nachinstalliert werden. Für den Zugriff auf Googles Play Store müssen die beiden Kindle-Tablets schon gerooted und die fehlenden Google-Erweiterungen nachgeladen werden.

Immer stärker versuchen die Anbieter Hard- und Software so miteinander zu verknüpfen, sodass die Nutzer mit ihren Geräten immer mehr von einem Ökosystem abhängen. Vorreiter war (und ist) hier einmal mehr Apple; Google versucht diesen Weg auch bei den Android-basierten Smartphones und Tablets zu gehen. Da ist es kein Wunder, dass die Anbieter von Inhalten versuchen nachzuziehen, verdienen diese ihr Geld doch in erster Linie durch den Verkauf der Inhalte und können ihr Flachrechner nur wenig über dem Herstellungspreis anbieten. Der Nutzer muss sich damit entscheiden, auf welche Plattform er setzen will.

In Deutschland ist dabei das recht magere Angebot für Prime-Kunden eines der größten Hindernisse, denn Amazon kann seinen Nutzern hier - abgesehen von Leihbüchern - nur wenig bieten.

Der US-amerikanische Bücher-Gigant versucht mit seinen Kindle-Tablets zwar endlich in Europa Fuß zu fassen, hierzulande scheitert die Mischung aus schwacher Technik jedoch, weil kein attraktives Angebot für den einfachen Erwerb von Inhalten gemacht wird. Wer auf der Suche nach einem schlanken Media-Tablet ist, ist bei der Konkurrenz besser aufgehoben.

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