50 Stunden drahtlos vorm TV: Noontec Hammo TV im Test

Sound-Test, Verbindung, Akku und Fazit

Sound-Check und Messung

Wie wir testen, haben wir im Grundlagenartikel "Gaming-Headsets: Mythos, Wahrheit und wie wir testen" bereits sehr ausführlich und transparent dargelegt, denn mit dem üblichen Audio-Geschwurbel von Bassgewittern und Hochtonpeitschen kommt man nicht wirklich weiter. Man muss schon subjektiv gut zuhören können und parallel dazu auch messen.

Wenn man die Kurve betrachtet, dann sieht es bis auf eine sehr ärgerliche Delle schon recht gut aus und man fragt sich schon, warum das wirklich sein musste. Die (hörbaren) Folgen finden sich gleich im subjektiven Höreindruck wieder. Trotzdem muss man den verbauten Treibern (Votrik HD500) eigentlich eine ordentliche Performance bescheinigen. Bis aufs Loch...

Testen wir nun auch subjektiv, was man am Ohr anliegen hat. Die Kopfhörer klingen zwar auf den ersten Eindruck hin etwas basslastig, aber man darf sich da nicht täuschen lassen. Die Ursache liegt nämlich etwas höher.

Basswiedergabe

Der Bass wird ab etwa 70 Hz abwärts bereits etwas zurückhaltender, besitzt aber immer noch genügend Präsenz und sogar eine ganz passable Auflösung.  Die große Basstrommel kommt ausreichend knackig, ohne dabei unangenehm zu klopfen oder wummern. Einschwingverhalten und Pegelfestigkeit sind akzeptabel bis gut, aber Hi-Fi ist es natürlich so nicht. Die Subkontraoktave ist hörbar und man kann auch die Effektspur guter Surround-Blockbuster noch ausreichend wahrnehmen. Das Gute daran: man bekommt wenigstens keinen Hörsturz.

Der Oberbass bis ca. 150 Hz klingt einigermaßen ausgewogen und natürlich. Die männlichen Vocals werden sehr satt und warm wiedergegeben, die Instrumente werden kaum verfälscht. Insgesamt ist die Auflösung akzeptabel und lässt auch nicht zu dominant aufspielende Quellen noch akzeptabel performen.

Mitteltonbereich

Die unteren Mitten (auch Grundtonbereich) liegen bei ca. 150 bis 400 Hz. Und exakt hier finden wir auch die Ursache, warum man zu viel pappigen Bass vermuten könnte, wenn man nicht genau hinhört. Nicht Bass und Oberbass sind zu kräftig, sondern man fällt bei ca. 340 Hz kurzzeitig in ein tiefes Loch. Dieses akustische Tal der Tränen ist es dann auch, welches das Klangbild verfälscht und einen etwas knödeligen Eindruck hinterlässt.

Weibliche Vocals kommen noch ganz ordentlich auf den Punkt. Die Klangfarbe der eingespielten Instrumente weicht in der Summe aber schon hörbar vom Original ab und es entsteht ein etwas härterer und kühlerer Eindruck. Die Bühne und die subjektiv empfundene Qualität der räumlichen Auflösung sind beide auf einem akzeptablen Niveau. Ein Orchester wirkt (rein subjektiv betrachtet) trotzdem weit genug aufgestellt, auch wenn einzelne, eher leisere Quellen nicht immer wirklich zielsicher geortet werden können.

Hochtonbereich

Zwischen zwei bis etwa 3,5 KHz ist das menschliche Gehör am empfindlichsten, aber die Kopfhörer leisten sich ab den oberen Mitten bereits keine Schwächen mehr. Die Wiedergabe ist sehr detailgetreu und ausgewogen, hier macht das Zuhören wirklich Spaß. Die mittleren Höhen (3,5 bis sechs KHz) lassen die Sprachwiedergabe als Gesamtbild gut gelingen, denn die S- und Zischlaute (Sibilanten) passen so, ohne wieder ins Metallische abzugleiten. Hoch- und Superhochton sind gut ausgebildet.

Akkulaufzeit und Ladezeiten

Die Kopfhörer kommen ungeladen zum Kunden. Wer also gleich mal eben so aufgeregt loslegen will: nein, nein - es heißt abzuwarten. Bis zu 5 Stunden braucht eine volle Ladung, die man sich schon beim ersten Mal wirklich gönnen sollte. Nachladen geht natürlich immer. Die angegebenen bis zu 50 Stunden sollte man nicht ganz so ernst nehmen, aber auch bei unserem Exemplar gingen erst nach 34 Stunden bei normaler Lautstärke die Lichter aus.

Die im Privatbesitz befindlichen Sony, die mit bis zu 20 Stunden angegeben sind, schaffen den gleichen von uns voreingestellten Pegel nur ca. 12 Stunden lang. Damit bieten die Hammo TV von Noontec fast die dreifache Laufzeit bei identischem Einspieler-Loop! Damit kann man leben, denn so lange wird die Teile kein Mensch am Stück tragen wollen bzw. können.

Zusammenfassung und Fazit

Die Noontec Hammo TV sind echte Langläufer mit partieller Cellulite in den Mitten, ohne jedoch eine ausgeprägte Badwannenabstimmung mitzubringen. Für Filme, Spiele und sogar Musik ist das Ganze recht gut geeignet, auch wenn der Preis von ca. 140 Euro schon irgendwie sehr selbstbewusst ausfällt. Andere Produkte in dieser Preisklasse klingen jedoch auch nicht deutlich besser, machen aber fast immer eher schlapp.

Warum wir ausgerechnet diese Kopfhörer getestet haben, lässt sich auch schnell erklären. Mal abgesehen davon, dass die PR eine gewisse Hartnäckigkeit an den Tag legte, hat uns der Vorab-Test nämlich überzeugt. Der Autor war vier Tage ohne die sperrige Ladestation unterwegs und hatte in der Zwischenzeit genügend Zeit für eine Nutzung in öffentlichen Verkehrsmitteln und entspannten Pausen. Nur ein aktives Noise-Cancelling wäre noch die gewisse Sahnehaube, aber man kann letztendlich auch nicht alles haben. Für einen Kauftipp waren uns der Preis zu hoch und die 340-Hz-Delle zu tief. Der Rest passt so.

Erstelle einen neuen Thread im Artikel-Forum über dieses Thema
Noch keine Kommentare
Im Forum kommentieren
    Dein Kommentar