[UPDATE] Audio-Roundup: 2.0- und 2.1-Soundsysteme im Vergleichstest

2.1: Speedlink Gravity Wave X

Kurzvorstellung und technische Daten

Das Speedlink Gravity Wave X ist ein alter Bekannter, der sich auch optisch sehr deutlich vom wesentlich kleineren Quaint abheben kann. Der Subwoofer ist beim Wave X der dominanteste Part, dem sich die Satelliten brav unterzuordnen haben.

Dieser Evergreen steht auch in der technischen Umsetzung voll in der Philosophie der Gravity-Produktlinie. Die Bedienelemente sind wie immer recht einfach erreichbar an der rechten Seite des Subwoofers angebracht und die Kabelfernbedienung wird seit Generationen an den PC angeschlossen und dient quasi als Audio-Verbindungskabel zwischen Subwoofer und Computer.

Das kann man schön finden oder nicht, zumindest ist es nach wie vor praktisch. Lautsrecherabdeckungen für die Satelliten gibt es allerdings keine, so dass die glänzende Front in der üblichen Klavierlackoptik erstrahlt. Der eigentliche Korpus der Satelliten ist jedoch mattschwarz, was dem fingerabdrucksfreien Aufstellen sehr entgegenkommt.

Der Lieferumfang beschränkt sich auf die Lautsprecher, das Verbindungskabel zwischen Subwoofer und Kabelfernbedienung sowie das kleine Handbuch.

Konnektivität und Usability

Der Subwoofer ist im Vergleich zum Speedlink Quaint groß genug, dass man ihn gefahrlos unter dem Tisch platzieren kann - und dies sogar tun muss. Die Inbetriebnahme ist denkbar einfach, denn man muss nur den Netzstecker einstecken, die Satellitenkabel in die richtigen Buchsen an der Seite einklinken und die Kabelfernbedienung zwischen PC und Lautsprecherset richtig anschließen

Der Anschluss aller Kabel erfolgt über das Seiten-Panel rechts, jedoch sind die Cinch-Buchsen für den Audio-Eingang und die Lautsprecherausgänge optisch identisch und die Verwechslungsgefahr somit durchaus real. Man findet hier noch die Regler für die Lautsärke und den Pegel des Subwoofers (Tiefen) sowie einen physikalischen Netzschalter zu kompletten Netztrennung. Dazu gibt es noch einen Standby-Schalter, dessen Sinn reichlich fragwürdig ist, denn bücken muss man sich zum Ausschalten ja in jedem Fall. Dann doch lieber gleich das Original nutzen und das Teil komplett vom Netz nehmen.

Der einzige leichte Kritikpunkt ist die mager ausgefallene Konnektivität, denn es existiert nur ein einziger Audio-Eingang. Damit eignet sich das System maximal für den festen Anschluss am PC (oder TV), nicht jedoch für mehrere (umschaltbare) Audioquellen im Wohnbereich.

Die Kabelfernbedienung ist ein Thema für sich. Einerseits wird sowohl der Audio-Ausgang als auch der Mikrofoneingang bzw. der Line-In direkt bis zum Knubbel durchgeschleift. Das ist praktisch, wenn man ein Headset anschließen möchte, das dann den Lautsprecher zum Abschalten bringt.

Die eigentliche Lautsärkeregelung erfolgt jedoch in diesem Fall noch vor dem Verstärkereingang, was durchaus zu hörbaren Klangverfälschungen führen kann. Gerade bei nur wenig aufgeregeltem Potenziometer kommt es zu hörbaren Fehlanpassungen (Impedanzunterschiede), die sich in einem leicht dumpfer werdenden Klang äußern (Höhenabfall).

Deshalb empfehlen wir eher die Pegeleinstellung am Subwoofer als zusätzliches Korrektiv. Man kann mit dem beigelegten Klinken-Cinch-Kabel den PC übrigens auch ohne diese Fernbedienung direkt anschließen.

Das Grundrauschen des Systems ist leicht hörbar, jedoch nicht so laut, dass man es in dieser Preisklasse extra kritisieren müsste. Fremdeinstreuungen bei offenem Eingang werden auch dadurch unterdrückt, dass die Fernbedienung permanent angeschlossen ist.

Messung und Sound-Check

Wie die nachfolgenden Messungen zeigen, besitzt dieses System bei der Übergangsfrequenz von den Satelliten zum Subwoofer den typischen Knick einer nicht ausbalancierten Frequenzweiche (150 bis 170 Hz).

Mittelstellung des Tieftonreglers (Default)Mittelstellung des Tieftonreglers (Default)

Hebt man den Bass an, erzielt man rund 12 Dezibel mehr Pegel. Leider verstärkt sich damit aber überwiegend der Oberbass, so dass die Kluft zwischen Subwoofer und Satelliten deutlich größer und hörbarer wird.

Maximalstellung des TieftonreglersMaximalstellung des Tieftonreglers

Beim kompletten Zuregeln der Tiefen findet der Subwoofer dann gar nicht mehr statt, was erneut beweist, dass der Pegelregler nur die Intensität des Subwoofers separat reguliert, jedoch keine echte Klangeinstellung für das Gesamtsystem ist.

Minimalstellung des TieftonreglersMinimalstellung des Tieftonreglers

Kommen wir nun zum subjektiven Hörerlebnis. Auf einen echten, präzisen Tiefbass muss man verzichten, denn nur ab etwa 100 Hz entwichkelt das System eine wahrnehmbare Performance. Alles darunter wirkt uninspiriert und kraftlos. Das mag auch mit der relativ geringen Ausgangsleistung zu tun haben, wegen der man den Tieftonbereich genau so abgestimmt hat, wie wir ihn hier vorfinden.

Der Übergang zwischen Subwoofer und Satelliten ist hörbar. Vieles fällt zudem in das gern kolportierte Mittenloch, welches eigentlich ein Oberbassloch ist und die unteren Mitten nur ankratzt. Das aber reicht, um tiefe männliche Vocals wegsacken und weibliche Stimmen deutlich kälter wirken zu lassen als sie es in natura sind.

Im Bereich um 300 Hz finden wir eine unangenehme Spitze, die die Satelliten zusätzlich unnötig hohl klingen lässt. Das wirkt sich Genre-übergreifend auf so ziemliche alle Titel aus und lässt einen ein wenig an den üblichen "Plastik-Sound" denken. Der Mittenbereich ist im weiteren Verlauf unaufgeregt, was das Soundsystem durchaus fürs Gaming tauglich macht, denn die räumliche Ortung ist ausreichend bis gut. Die Spitze bei rund 8,5 kHz markiert das etwas zu forsche gemeinsame Auftreten des Mittel- und Hochtöners und mag eine Marketing-konforme Abstimmung sein, die die vorhandene Badewannenabstimmung dann abrundet.

Die Präzision der Satelliten ist für den aufgerufenen Preis akzeptabel. Für einen ambitionierten Musikgenuss ist das System aber eher nichts, denn fast alle Instrumente leiden unter der etwas eigenwilligen Abstimmung. Geclippte Disko-Mucke geht hingegen recht laut, weil selbst die Kick Drums bereits in den absteigenden Bereich fallen und das System in keinem Frequenzbereich überfordert wird. Der (gewünschte?) Papp-Sound mit der Anhebung im Bereich der unteren Mitten täuscht zudem eine gewisse Fülle vor, die so eigentlich gar nicht vorhanden ist. Ergo: Alles wirkt lauter, als es eigentlich ist.

Fazit

Das Speedlink Gravity Wave X leistet sich in seinem Preissegment keine nennenswerten Schwächen und ist damit so unauffällig wie ein Sandkorn auf Rügen. Die Qualität geht in Ordnung und auch der Klang ist für diese Preisklasse noch akzeptabel.

Wir würden lediglich die etwas zu geringe Pegelfestigkeit im Bassbereich bemängeln, die auf die wirklich unterdimensionierte Subwoofer-Endstufe mit nur 13 Watt RMS und die Abstimmung zurückzuführen ist.

Es ist in der Summe kein schlechtes Angebot, sieht aber fast schon nach mehr aus, als es dann am Ende wirklich ist.

Es ist damit allerdings auch ein Geheimtipp für all jene Eltern, die den Wunsch der Kinder nach einem knallig aussehenden Basswürfelsystem befriedigen müssen, jedoch auch an ihre eigenen Ohren (und auch die der Nachbarn) denken wollen (oder müssen).

Dann wird aus einem vermeintlichen Nachteil sogar noch ein echtes Feature, denn die Nachbarschaft wird friedlich bleiben.

Pro
Kontra
- einfach anzuschließen
- Headset-Betrieb mit Mikrofon möglich
- Steuerelemente an der Seite zugänglich
- geringe Ausgangsleistung des Subwoofers
- kein echter Tiefbass, Badewannenabstimmung
- hörbarer Übergang zwischen Subwoofer und Satelliten
- leichtes Eigenrauschen
- Verwechslungsgefahr beim Anschließen
- etwas zu teuer im Vergleich zu den Mitbewerbern
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148 Kommentare
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    Dein Kommentar
  • ShieTar
    Schön mal wieder ein paar moderne (und verfügbare) Boxen im Test zu sehen, aber für einen Vergleichstest wird da bisher recht wenig verglichen. Schreibst du da noch ein Kapitel dazu?
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  • FormatC
    Zitat:
    Dieser Querschnitt kann natürlich nur dann einigermaßen repräsentativ sein, wenn wir nach und nach weitere neue, am Markt präsente und nachgefragte Produkte testen. Deshalb halten wir das Ende auch offen und werden - je nach Verfügbarkeit und Leserinteresse - auch alle folgenden Neuerscheinungen, sowie die Klassiker in dieses Roundup aufnehmen.


    Seite Eins, erster Absatz ;)

    Das Urteil muss sich jeder nach seinen eigenen Prämissen selbst bilden, je nach Vorlieben. Bei einer Open-End-Geschichte kann man da relativ schwer Aussagen zu direkten Vergleichen von A und B machen. Das Thema ist viel zu komplex, um sich eigene Wertungen anzumaßen, die für Dritte viellig uninteressant sein könnten. Die Messungen und eine subjektive Bewertung sind ja da. Das kann jeder für sich verwerten, wie er gern möchte. :)
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  • Michalito
    Danke, eine Fortsetzung des Themas ist sehr sinnvoll, da gerade Tests des unteren Preisbereiches oft nicht sinnvoll gemacht werden sondern mehr advertisement sind. Verstehe ich das richtig das die T 20 bis auf das fehlende Bluetooth baugleich mit den T 30 sind? Und ein Köpfhörerausgang ist m.M. nacht Pflicht.. Und dann auf das Durchschleifen des Mic zu verzichten ist einfach doof.. Das ist nähmlich das einzige Manko meiner T 20.. Neben dem Klang natürlich, aber you get what you paid for..
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  • FormatC
    Sie sind fast identisch, ja. Nur dass Creative jetzt auf einige technische Daten in den Datenblättern verzichtet. ;)
    Die Teile sind insofern echt gut, weil sie sich fast überall aufstellen lassen, daher auch der Kauftipp.

    Ich setze es fort. keine Angst. Nur war das hier eine Arbeit von über 2 Wochen. Ab sofort kommen die Updates dann einzeln ;)
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  • Michalito
    1. Danke für die schnelle Antwort :-)
    2. Danke für das Fortsetzen der Serie an Tests, dan kommt dein Raum im Raum ja auch zu geltung ;-)
    3. Ich finde die Teile einfach zu Bassbetont, obwohl die Höhen ja da sind. Abstimmungsache vom Hersteller, zum Zockenu nd Youtuben o.k, Musik geht garnicht ausser Haftbefehl und Co, ist aber nicht mein Stil. Ist aber glaube ich auch eine Zeit/Trendfrage.. Laufen ja auch genug Depp..
    mit Beatskopfhören durch die Landschaft. Zum Musikhören müssen dan halt meine Elctra 920 ran
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  • FormatC
    Zum "Schleifen" solcher Unarten habe ich einen netten 32-Kanal EQ oder eben die Nuberts auf flat :D
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  • Michalito
    Jep, T 20 und 32 Kanal EQ sind immer noch nicht toll, aber ich darf nicht meckern, ist mein Geiz... 25€, Ich glaube, bis ca. 100Eur hat alles einen Pferdefuss. Und Nuberts sprengen meine Compiecke..( Und der Geiz..)
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  • capparezza
    Bei den beiden 2.0ern von Creative ist wohl ein Fehler unterlaufen:

    Zitat:
    Mittel-/Tiefton: 65 cm


    Das wär jetzt für das kleine Gehäuse gar arg groß :D
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  • FormatC
    Haha, da hat jemand das Komma gefressen :D
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  • carlos_s
    Halli Hallo,

    ich würde mich sehr freuen, wenn in der Betrachtung auch mal nicht-reine-PC-Alternativen getestet und verglichen würden. Ich bin von diesen Logitech / Creative /... oft nicht besonders angetan und schaue im Moment eher in Richtung aktiver Nahfeldmonitore oder alternativer 2.1-Lösungen, z.B.
    -M-Audio AV42
    -M-Audio AV 32.1
    -Samson MediaOne
    -Behringer MS20

    Das wäre sicher eine interessante Ergänzung zu dem Thema.
    Schönen Gruß
    Carlos
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  • FormatC
    Daran habe ich bereits seit Monaten gedacht, aber leider hat uns Thoman in einem Telefongespräch unumwunden mitgeteilt, dass wir und unsere Leser als Zielgruppe nicht relevant seien und man keine Samples zur Verfügung stellen möchte. Auf eine schriftliche Anfrage hat man ebenfalls leider nicht reagiert. Ich finde das etwas unverständlich, zumal ich dort privat ein ziemlich guter Kunde bin. Wer nicht will, der will eben nicht. Auch wenn es irgendwie schade ist. :(

    Vleiicht hat ja von den Lesern jemand einen besseren Kontakt - ich bin für jede Hilfe dankbar ;)
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  • carlos_s
    M-Audio ist ja auch in Deutschland vertreten, vielleicht klappt es über den Hersteller besser:
    inMusic GmbH
    Harkortstraße 12-32
    D-40880 Ratingen
    Deutschland

    Grundsätzlich hat Thomann wahrscheinlich recht, dass die PC-User NOCH nicht die Hauptzielgruppe sind, aber vielleicht ist es an der Zeit, das zu ändern...

    Ich bin privat leider nur C-Kunde bei Thomann, das wird kaum helfen.

    Gruß
    Carlos
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  • FormatC
    Ich habe genau unseren Standpunkt (also auch Deinen, den ich seit Langem teile) sehr ausführlich erklärt und dass mir vieles des sogenannten Gaming-Zeugs einfach zum Halse raushängt - man rennt gegen eine Mauer des eisigen Schweigens, leider. Sogar Firmen wie Nubert sind da deutlich flexibler, denn sie haben den Markt längst erkannt und graben da richtig gut ab. Ich habe es leider dieses Jahr nicht auf die einschlägigen Messen geschafft, vielleicht ein Fehler :)

    M-Audio werde ich mal anschreiben, Danke! ;)
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  • carlos_s
    NuPro ist natürlich ein Traum, aber mir leider etwas overpowered und zu teuer für meinen PC. Vielleicht später ;-)
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  • FormatC
    Es kann nichts überpowert sein. Maximal ist das Zimmer unpassend ;)

    Die Leute kaufen Grafikkarten für über 700 Euro, die maximal 2-3 Jahre halten. Wenn überhaupt. So ein paar Boxen halten (fast) ein Leben lang. Deshalb ist der Preis eher relativ und im Vergleich zur Grafik fast schon ein Schnäppchen :)

    Adam hat auch nette aktive Lautsprecher, aber das ist außerhalb aller Budgets. Wenn es darum geht, das Beste zu haben, steht dann irgendwann ein Marmorturm im Zimmer :P
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  • drno
    Vielen Dank! Sehr viel Arbeit, Igor! Ein interessanter Einblick in ein Produktumfeld, das auch in diesem Preisbereich immer interessanter wird. Und dessen Produktbeschreibungen hilfreich für alljene sind, die ihrem Puter auch angenehme und hörbare Geräusche entlocken wollen. Ob sich der Einzelne nun für diese oder jene Lösung und System entscheidet, das ist wohl am Ende Sache des Anspruchs und auch des Budgets.
    Aus den meisten der ausführlich beschriebenen Geräte kommt jedenfalls etwas heraus, wobei man sagen kann, daß noch von diversen Billigheimern her eine Menge böser Ohrkrebs herumlungert.

    Ich halte es für interessant, hier mal ein paar flexibel einsetzbare Blauzähne von JBL vorzustellen, die sich in das getestete Preis- und Qualitätsspectrum meiner Meinung nach wohl sehr gut einfügen und durchaus passable Alternativen darstellen können.

    Das verhalten Thomänner hat mich überrascht - und irgendwie auch nicht. Ob der Multimedia Sektor nach meinem Dafürhalt allerdings durch ein Online Musikhaus zu besetzen ist, dessen Existenz wohl selbst mehr am "Online" Begriff klebt als an dem des "Musikhauses" ? Daß sich eine ignorante Nicht Präsenz für Thoman langfristig auszahlen wird, das bezweifele ich.
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  • FormatC
    Ich hätte die Teile sogar verlinkt, denn vieles bekommt man nur dort, wenn es eine seriöse Quelle sein soll. Mir ist es am Ende zwar nicht egal, aber machen kann man da erst mal nichts. Nur werde ich mich hüten, deren Produkte (von denen ich einige besitze bzw. im Umfeld ausleihen könnte) hier für kostenloses Marketing zu verwenden, wenn sich ein Händler dermaßen sträubt. Schade drum, aber was soll's.... :(

    JBL ist auch so eine Baustelle... Da hängt irgendeine Marketing-Agentur dazwischen, deren Kontakte nicht mehr antworten.
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  • drno
    Ist wohl deren (In)Kompenetenz - Aber verkaufen wollen sie doch, jedenfalls ist der Markt regelmässig mit JBL Aktionsware voll!
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  • Plitz
    Offtopic, aber was ich mir mal als Roundup wünschen würde wäre ein Gehäuselüfter Roundup. 12 cm, 14cm, ansaugend, rausblasend, auf nem Radiator. Weil ja jeder Lüfter irgendwie andere Spezialitäten hat. Wäre sowas realisierbar?
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  • drno
    guck mal bei PCGH, die haben gerade erst...
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