LG G5: Oberklasse-Smartphone mit Akku-Schublade

Kamera & Fazit

Dual-Kamera für zusätzliche Effekte

Mit einem Smartphone einfach nur ein Foto aufzunehmen ist offenkundig nicht mehr im Trend der Zeit. Immer mehr Smartphone-Hersteller ersetzen die klassische Single- durch eine Dual-Kamera mit zwei Linsen.

Mancher Hersteller möchte so noch mehr Informationen aus dem Ausgangsmotiv herauszuholen, um eine möglichst hohe Bildqualität zu bieten. Andere setzen dagegen auf neue Effekte, mit denen eine Aufnahme mit wenigen Einstellungen in eine digitale Postkarte verwandelt werden kann, die beispielsweise beim Vorzeigen auf einschlägigen Social-Media-Kanälen möglichst viel Eindruck schinden soll.

LG folgt mit der im G5 verbauten Dual-Kamera, die Bilder aus einem 16- und einem 8-Megapixel-Sensor kombiniert, dem letztgenannten Ansatz. Die Kamera ermöglicht die Aufnahme von Motiven mit einem breiteren Blickwinkel, bietet Effekte wie etwa eine Fisheye-Optik oder kombiniert die Aufnahmen aller drei Kameras mit ihren unterschiedlichen Perspektiven in einer Art digitalen Postkarte.

Vergleichsweise dunkle Standardaufnahmen

Das sind zwar schöne Spielereien, allerdings stellt sich die Frage, ob sie einen echten Mehrwert darstellen. Denn im Vergleich zu früheren LG-Flaggschiffen kann die Kameraleistung insgesamt nicht so richtig begeistern. Die Bilder geraten verhältnismäßig dunkel, die Kontraste könnten etwas ausgeprägter sein.

Möglicherweise kommt es zu Fehlern bei der Berechnung der Bilder, denn der 16-Megapixel-Sensor sollte mit einer Blende von f/1,8 vergleichsweise empfindlich auf Licht reagieren. Der zweite Sensor ist mit einem Wert von f/2,4 deutlich schwächer.

Bei Videoaufnahmen kann das LG G5 seinen Konkurrenten Paroli bieten: Auch hier können Filme mit einer Auslösung von maximal 2160p bei einer Bildrate von 30 fps aufgezeichnet werden. Die Eigenschaften der Kamera bei den Fotoaufnahmen lassen sich auch bei den Bewegtbildaufnahmen wiedererkennen: Auch die Videos sind grundsätzlich zu dunkel, sodass feine Details schnell leiden.

LG G5 Testvideo

Beim Frontsensor will LG ebenfalls eine hohe Bildqualität bieten und setzt dazu auf eine Auflösung von acht Megapixeln. Die Aufnahmen gefallen hinsichtlich der Schärfe und der Kontraste, könnten aber wie schon die Fotos der Hauptkamera etwas heller sein.

Zusatzmodule kosten fast so viel wie das Smartphone

Mit seinen Zusatzmodulen fürs Fotografieren und für die Tonwiedergabe begeisterte das LG G5 bei seiner Vorstellung. Doch wie das bei Zusätzen nun mal so ist müssen sie nicht selten für teures Geld hinzugekauft werden, sodass ein Großteil des Reizes des Smartphones schon mit dem Auspacken wieder verloren geht.

Denn: Das Kameramodul kostet zusätzlich 100 Euro, der Verstärker von Bang & Olufson ist mit 150 Euro ausgepreist und die VR-Brille wird für 279 Euro angeboten. Die Zusatzoptionen sind zusammengenommen also fast so teuer wie das ganze Smartphone und werden vermutlich nicht auf das größte Interesse stoßen - zumal die LG VR 360 bei ihrer Vorstellung weder hinsichtlich der Bildqualität noch der Ergonomie überzeugen konnte.

Allerdings bietet der austauschbare Akku eine gute Möglichkeit, die Nutzungsdauer des Smartphones zu verlängern - schließlich dürften viele Nutzer nur wenig Interesse daran haben, ein teures Flaggschiff nach zwei Jahren schon als altes Eisen abstempeln zu müssen, nur weil der akku schlapp macht. Denn die Leistung der Hardware dürfte auch dann noch hoch genug sein, um den meisten Mittelklasse-Smartphones locker das Wasser zu reichen.

Der Hauptgrund dafür ist der Qualcomm Snapdragon 820 (eines der aktuell schnellsten SoCs), aber auch die schnellen Netzwerkschnittstellen, die den Wunsch nach mehr in Grenzen halten dürften. Mit der Möglichkeit zur Speichererweiterung wird an dieser Stelle ebenfalls genug Offenheit geboten. Und das zwar recht schlichte, aber sehr gut verarbeitete Gehäuse dürfte der Technik langfristig eine sichere Hülle bieten. Lediglich für den Schutz der Displayoberfläche muss noch gesorgt werden - selbst das beste Displayglas zeigt sich beim engen Transport mit scharfkantigen Gegenständen wie Schlüsseln in der Hosentasche machtlos.

Fazit

Ob es tatsächlich ein Oberklasse-Smartphone sein muss, ist letztlich Geschmackssache. Das LG G5 zeigt sich jedoch den gehobenen Ansprüchen zahlungskräftiger Kundschaft gewachsen: Die Hardware ist schnell, die Verarbeitung sehr gut - lediglich das etwas dunkle Display und die ebenso etwas zu dunklen Bilder der Kamera bieten Anlass zu Kritik.

Der austauschbare Akku dürfte bei einer Vielzahl der Nutzer sehr gut ankommen, ist es doch eines der Bauteile, das häufig als erstes die Segel streicht - hin und wieder auch deutlich vor dem Ende der Vertragslaufzeit. Ob die Modularität bei Sound und Foto von der breiten Masse der Kundfschaft genutzt werden wird, bleibt abzuwarten - aber damit und mit der Akuschublade hebt sich das G5 defintiv von der Konkurrenz ab.

Erstelle einen neuen Thread im Artikel-Forum über dieses Thema
Dieser Thread ist für Kommentare geschlossen
2 Kommentare
Im Forum kommentieren
    Dein Kommentar
  • stefan00166
    "warum im Querformat nicht die ganze Breite ausgenutzt wird"

    Bei der Tastatur kann man in den einstellungen einstellen das die volle Breite benutzt wird
    0
  • Behrli
    Das smartphone der Zukunft. Schönes Design und Tauschbarer Akku sind für Samsung und Konsorten ja nicht machbar. Mein nächstes Handy wird ein LG wenn sie einen Nachfolger bringen.
    0