LG G6: Großes Flaggschiff mit kleinen Schwächen bei Details

Optik & Verarbeitung, Display, Ton, Software

Optik & Verarbeitung

LG galt eigentlich als einer der Hersteller, der Smartphones konzipierte, die optisch nicht unbedingt der aktuellen Trend der Stunde folgten, ohne dabei jedoch altbacken oder gar hässlich zu wirken. Allerdings scheint der Misserfolg des LG G5 bei den Koreanern zu einem Umdenken geführt zu haben, das dem G6 nicht unbedingt gut getan hat: Es wurde auf Gestaltungsmerkmale gesetzt, die mittlerweile an so ziemlich jedem anderen Smartphone zu finden sind.

Dies beginnt mit dem Metallrahmen, der Vorder- und Rückseite umschließt. Und natürlich ist die USB-Schnittstelle mit einem Typ-C-Interface mittig in der unteren Stirnseite untergebracht. Daneben definden sich die Aussparungen, durch die der Ton des Lautsprechers seinen Weg nach außen findet. Optisch sticht zudem das große Display heraus, das nahezu die gesamte Front ausfüllt, die vollständig mit Gorilla Glas 3 überzogen wurde. Gleiches gilt für die Rückseite, die allerdings auf den ersten Blick an gebürstetes Aluminium. Sie zeigt sich nicht nur anfällig für Fingerabdrücke, sondern unterstreicht auch die insgesamt recht bieder wirkenden Gestaltung.

Ein großer Vorteil der knapp bemessenen Rändern rund um den Bildschirm fallen die für ein Smartphone mit einem derart großen Bildschirm vergleichsweise gering aus: Die Grundfläche von 14,9 x 7,2 Zentimetern ist weit geringer als bei vielen 5,5-Zoll-Geräten. Auch das Gewicht ist mit 163 Gramm gerade im Hinblick auf die gebotene Displaygröße auf einem guten Niveau. Die Bauhöhe von acht Millimetern mag dem einen oder anderen auf den ersten Blick bereits etwas deftig vorkommen.

Hinsichtlich der Verarbeitung werden keine Gründe für ZWeifel geliefert. Die Lautstärkewippe, die etwas ungewohnt auf der linken Seite des Gerätes untergebracht ist, sitzt perfekt in dem Metallrahmen. Gleiches gilt für die Power-Taste, die bei LG traditionell in der Rückseite integriert wird und einen präzise arbeitenden Fingerabdruckscanner mitbringt.

Display

Der Bildschirm beeindruckt nicht nur dadurch, dass er nahezu die gesamte Front des Smartphones belegt, sondern gefällt auch mit seinen knackigen, aber natürlichen Farben. LG zeigt an dieser Stelle, dass sich ein auf der IPS-Technologie basierendes Display nicht automatisch hinter einem OLED-Panel verstecken muss.

Das ungewöhnliche Seitenverhältnis von 18:9 - oder auch 2:1 - führt bei einem 2K-Display zu einer Auflösung von 2880 x 1440 Pixel und einer Pixeldichte von 564 ppi. Der ganz große Mehrwert, abgesehen von der Optik lässt sich jedoch nicht erkennen. Vorteile zeigen sich vor allem im Hochformat, weil auf Text- wie auch Webseiten mehr Inhalt angezeigt wird. Im Querformat kommt dieser Effekt subjektiv weniger zum Tragen, zumal bei Filmen nun schwarze Seitenränder angezeigt werden.

Die physikalischen Eigenschaften des LG-Panels können darüber hinaus nicht sonderlich beeindrucken. Insbesondere die Bildschirmhelligkeit haut nicht vom Hocker: Bei 15 Messpunkten wurde eine durchschnittliche Leuchtdichte von 346 cd/m² ermittelt, die Maximalwerte wurden mit 365 bzw. 330 cd/m² gemessen. Im prallen Sonnenschein ist das zu wenig.

Auch der Schwarzwert ist mit 0,59 cd/m² nicht sonderlich hoch, sodass unterm Strich ein nur mäßiges Kontrastverhältnis von 586:1 geboten wird.

Ton

Bei einem Smartphone mit einem derart großen Bildschirm spielen auch immer die Alleinunterhalterqualitäten eine Rolle: Dieser werden allerdings dann Grenzen gesetzt, wenn es um die Tonwiedergabe geht. Schon die Ausstattung ist an dieser Stelle begrenzt: Nur ein Lautsprecher muss ausreichen, und dieser zeigt sich mit den in ihn gesetzten Erwartungen schnell überfordert. Die Höhen werden erheblich übersteuert, Tieftöne lassen sich nur erahnen. Zudem ist die Lautstärke nicht die allerhöchste.

Auch beim Telefonieren macht das G6 nicht die allerbeste Figur. Klassisch ans Ohr gehalten wirken die übermittelten Gesprächsanteile recht dumpf. Werden internes Mikrofon und Lautsprecher als Freisprecheinrichtung verwendet, wird sind die Wortbeiträge des Gegenübers einmal mehr sehr höhenlastig. Außerdem ist es auch an dieser Stelle um die maximale Lautstärke nicht am besten bestellt, sodass es in Umgebungen mit einer niedrigen Kulisse an Nebengeräuschen schon zu Verständigungsschwierigkeiten kommen kann.

Software

Android 7.0 gehört mittlerweile bei jedem neuen Smartphone zum guten Ton, und so ist es nicht weiter verwunderlich, dass sich diese Android-Version auch auf LGs G6 wiederfindet. Die UX genannte Oberfläche des Herstellers sorgt allerdings für einige optische Veränderungen im Vergleich zur von Google bereitgestellten Basis-Version, auch wenn bereits auf den ersten Blick offensichtlich bleibt, dass es sich um ein Android-Betriebssystem handelt.

Änderungen finden sich schon mit Blick auf den Heimbildschirm, denn es fehlt der App Drawer, den so mancher Nutzer vermissen dürfte. Die LG-Software bietet aber auch wirkliche Mehrwerte. Dies beginnt schon bei der Tastatur, bei der oberhalb der Buchstaben die Ziffen 0 bis 9 angezeigt werden können. die Einstellung wurden nicht nur mit einer anderen Optik bedacht, sondern verfügen über eine andere Sortierung, bei der Funktionsbereiche in eigenen Tabs sortiert werden. Zudem integriert der Hersteller eine ganze Reihe zusätzlicher Einstellungsmerkmale, die in dieser Form standardmäßig nicht geboten werden und somit einen echten Mehrwert bieten.

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