LG V10: Robustes Business-Smartphone mit Dual-Bildschirm

LG setzt bei seinem Business-Smartphone auf technische Ideen, die nicht alltäglich sind und im Test dennoch überzeugen können - und hebt sich damit angenehm vom Einheitsbrei ab.

Smartphones, die dezidiert für den Geschäftsmann oder die Geschäftsfrau gedacht sind, sind in Zeiten des BYOD-Trends ("Bring Your Own Device") selten geworden. Doch spätestens wenn das Display des modisch angesagten Mobilbegleiters mit der "Spider-App" bedacht wurde, dürfte sich so mancher ein grundsolides Smartphone wünschen.

Diesem Wunsch scheint LG entsprechen zu wollen und verspricht beim V10 eine hohe Widerstandsfähigkeit auch gegenüber rabiater Behandlung - und lässt das Phablet als Beweis gleich mal nach dem Outdoor-Standard MIL-STD-810G zertifizieren.

Das V10 wartet mit technischen Eigenheiten aus

Allerdings soll es dem V10 - anders als vielen Outdoor-Smartphones vom Schlage eines Samsung Galaxy Xcover oder gar eines Catphones - nicht an Leistung mangeln: Hinter einem 2K-Display sitzt mit dem Snapdragon 808 zwar nicht das schnellste SoC Qualcomms, doch die Performance liegt deutlich über dem, was klassische Mittelklasse-Chips zu leisten vermögen.

Der 32 Gigabyte große Datenspeicher haut zwar nicht vom Hocker, mehr ist in dieser Klasse jedoch leider immer noch nicht selbstverständlich. Dies gilt nicht zuletzt auch für die Kamera, die mit einer Auflösung von 16 Megapixeln eine hohe Bildqualität bieten soll.

Die Schnittstellenausstattung lässt kaum Wünsche offen, auch wenn der eine oder andere Anwender bemängeln könnte, dass die Verbindung zu einem Rechner noch per Micro-USB-Kabel aufgebaut wird und nicht schon ein Stecker nach dem neuen Typ-C-Standard verwendet wird. Allerdings ist dieser Anschluss in freier Wildbahn noch nicht so oft anzutreffen, sodass der ältere Standard hinsichtlich der Kompatibilität die größeren Vorteile bietet.

Für den Netzwerkverkehr wird auf ein schnelles LTE-Modem sowie einen WLAN-Funkchip gesetzt, der mit dem ac-Standard umgehen kann. Für erhöhte Sicherheit soll ein Fingerabdruckscanner sorgen der in der auf der Rückseite untergebrachten Power-Taste integriert ist. Zudem bringt auch das V10 ganz LG-typisch eine Infrarotschnittstelle mit.

Abheben soll sich das LG V10 von seinen Konkurrenten durch eine Reihe technische Eigenheiten, die zumindest als ungewöhnlich durchgehen. Dies beginnt etwa damit, dass an der Front gleich zwei Kameralinsen fürs Videotelefonieren und die Aufnahme von Selfies stecken, wobei in beiden Fällen eine maximale Auflösung von fünf Megapixeln geboten wird.

Der Infrarot-Sensor wiederum ist zwar gerade bei LG keine Neuheit, sondern war schon in der Vergangenheit ein Feature der höherklassigen Modelle, weiß aber spätestens zusammen mit der Quick-Remote-App immer wieder zu begeistern, die aus dem Smartphone eine Universalfernbedienung für die heimische Unterhaltungselektronik werden lässt.

Ein zweiter Bildschirm

Das interessantere Detail ist jedoch ein zweites Display, das sich - auf den ersten Blick kam als solches wahrgenommen - bündig an dem eigentlichen Bildschirm anschließt und sich am oberen Rand mit einer Auflösung von 1040 x 160 Pixeln bis zu der links positionierten Frontkamera erstreckt.

Der Mehrwert der Übung? Zum einen bleibt dieses kleine Panel stets eingeschaltet und informiert den Nutzer immer über die neusten Entwicklungen hinsichtlich der eingehenden Nachrichten usw. Zudem wird mit einem Wisch der Schnellzugriff auf die Taschenlampe, die Lautstärke, WLAN und die Kamera gewährt.

Auch im Betrieb hat LG einen Weg gefunden um den zusätzlichen Bildschirm sinnvoll zu integrieren. So werden die fünf zuletzt genutzen Anwendungen in chronologischer Reihenfolge angezeigt - eine Funktion, die an die Tabs im Browser erinnert. Wird darüber hinweg gewischt, werden fünf weitere Anwendungen feststehend präsentiert, die vom Nutzer selbstständig festgelegt werden können. Dies funktioniert ähnlich wie das Hinzufügen oder Entfernen von Apps vom Startbildschirm.

Software: LGs Oberfläche ist nicht schick, hat aber etwas zu bieten

Überhaupt glänzt die von LG aufgespielte Software mit einer Reihe von praktischen Funktionen. Neben der erwähnten Quick Remote zählt dazu die Notizfunktion: Der Hersteller verzichtet zwar auf einen digitalen Stift, bietet aber dennoch eine Notizfunktion, die dem Nutzer handschriftliche Notizen erlaubt - etwa indem der Finger, ein Stift, ein Stück Holz o.ä. zum direkten Schreiben auf dem Bildschirm verwendet wird.

Allerdings ist nicht jedes Material als Stiftersatz geeignet: Finger und natürliche Stoffe wie Holz werden problemlos erkannt, bei Metall kommt es zu spürbaren Latenzen und mit der Spitze des Plaste-Eierlöffels wurde die Zusammenarbeit gleich ganz verweigert. Nach Fertigstellung der Aufzeichnungen können diese in eine Notiz-App oder aber die Bildersammlung eingefügt werden.

Allerdings ruft die optische Aufbereitung keine große Begeisterung hervor. Die auf Googles Android 5.1 aufgesetzte Oberfläche ist bieder - milde gesagt. Die Symbole der einzelnen Apps und Dienste werden in schlichten Quadraten präsentiert, der bei erstem Start angezeigte Hintergrund wirkt auf den erstenBlick schlicht schwarz. Und selbst wenn ein sehr dunkles Muster verwendet wird, ruft es geradezu zu sofortigen Veränderungen auf.

Auch mit der Bildschirmtastatur wird nicht jeder glücklich werden: Vielschreiber freuen sich zwar, dass über den Buchstaben die Ziffern präsentiert werden. Geübte Einhand-Wischer müssen jedoch auf eine andere Tastatur umsteigen, wollen sie ihrer liebgewonnenen Gewohnheit weiter frönen.

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