Lian Li PC-O7S: Dunkle Schönheit mit schwierigem Charakter

Dass Lian Li gern mit Alumium spielt und in letzter Zeit versucht, wieder stärker aufzufallen, ist ja kein Geheimnis. Das PC-O7S ist das größte aus einer Reihe von Wandgehäusen, dem man aber doch eher Bodenhaftung wünscht. Wir erklären, warum das so ist.

Was lange währt, wird richtig gut - zumindest endlich einmal fertig. Denn wir haben an und in diesem Gehäuse seit August mittlerweile wirklich jede Menge Hardware ausgetestet, um das sinnvolle Maximum verbauen zu können. Geht nicht gibt's bei uns ja nicht - auch wenn ab und an schon mal der Schraubendreher in die Ecke flog. Doch simple Meckerei ist nichts anderes als Dünnbrettbohrerei, wenn man keine Problemlösungen anbieten kann. Denn eigentlich ist das PC-O7S ja eine wirklich begeisternde Erscheinung. Eigentlich...

Der Titel mag sicher etwas provokant gewählt sein, aber man muss als Käufer wirklich genau überlegen (und vorher exakt planen), was man mit diesem sehr eleganten Gehäuse wirklich anstellen möchte. Denn viele Dinge, die eigentlich selbstverständlich scheinen, können sich schnell in fiese, kleine Stolperfallen verwandeln. Doch dazu gleich mehr im Abschnitt über die Montage.

Erst einmal erwartet uns eine dunkle, kühle Schönheit, deren Äußeres auf Laufstegmaße zurechtgestutzt scheint: Groß, extrem schlank und mit einem etwas exotischem Erscheinungsbild, das wirklich auffällt. Statt einer Sonnebrille gibt es hier es eine getönte Glasfront, damit der tiefe Blick ins Innerste nicht gleich zum Seelen-Striptease gerät. Schick ist das Teil ja, keine Frage. Nur ob es so wirklich auch praktisch ist...?

Immerhin: Stand oder Wand - man hat die freie Wahl. Entweder stellt man das gute Stück auf die eigenen Füße oder hängt es ohne den Aufsteller einfach und schlicht irgendwohin, wo es passt. Gute Idee, aber wir werden sehen müssen, wie vor allem die Wandmontage umgesetzt wurde.

Kehrt man das Innerste dann endlich nach außen, erwartet einen augenscheinlich eine Fülle von Möglichkeiten, diverse Dinge universell irgendwohin zu schrauben und zu verfrachten. Das klappt in der Praxis dann auch recht gut, wenn man die neue Liebschaft so richtig durchschaut und ordentlich Lehrgeld gezahlt hat. Doch so ist es nun mal mit neuen Bekannten: Eine allzu oberflächliche Betrachtung führt recht fix ins ungewollte Desaster.

Die Front ist im luftigen Mesh-Stil gehalten und lässt sich mit wenigen Handgriffen abnehmen. Das Durchluftprinzip soll allgemein zur besseren Kühlung beitragen - aber warten wir besser ab, was die Messwerte unseres Tests dann offenlegen.

Der aufreizende Hauch von Nichts setzt sich übrigens auch auf der Rückseite fort, so dass wir neben den üblichen Öffnungen für Grafikkarte und Mainboard-Panel sowie den beiden Durchführungen für Kabel ebenfalls sehr tief in die Anatomie blicken können.

Auch diese knappe Abdeckung lässt sich mit wenigen Schrauben entfernen, wenn man beispielsweise das Netzkabel durchführen möchte (oder dies ja leider sogar muss). Auf einen Anschluss mit Kaltgerätebuchse, wie wir es von vielen Lian-Li-Gehäusen kennen, verzichtet der Hersteller diesmal leider. Wir werden gleich noch begründen, warum dies nicht nur unbequem sein kann, sondern eigentlich auch ein Verstoß gegen gültige Vorschriften ist.

Nachdem wir unserer Schönheit nun bereits im Vorfeld so viele Dinge unterstellt, aber noch nichts bewiesen haben, gibt es zumindest erst einmal die unumstößlichen Fakten in Form der technischen Daten mit auf den Weg.

Technische Daten des Lian Li PC-O7S
Gehäusetyp:   
Midi-Tower, stehend oder Wandmontage
Abmessungen (BxHxT):51,4 x 58,5 x 14,8 cm
Farbe:
Schwarz (anodisiert)
Seitenfenster:   
getöntes Glas (braun)
Material:Aluminum
Nettogewicht:9,9 kg
Externe Laufwerke:
1x 5,25" (Slim ODD)
Interne LaufwerkeFestplattenkäfig: 3x 3,5", 1x 2,5"
Bracket hinter dem Tray: 1x 3,5" und 2x 2,5" oder 2x 3,5" oder 3x 2,5"
Frontseitig auf dem Tray (statt Grafikkarte): 3x 3,5" oder 3x 2,5"
Erweiterungs-Slots:   
4
PCIe 16X Riser Cable 1 (Gen 3.0)
Formfaktoren:ATX, SP-ATX, E-ATX
micro-ATX (nicht vom Hersteller aufgeführt)
Gehäuselüfter:
Oben: 3x 12 cm (vorinstalliert)
Rückseite: 1x 12 cm oder 1x 14 cm (optional)
I/O_Ports:4x USB 3.0
HD Audio
Kompatibilität:
Grafikkarte: 31 cm mit HDD-Käfig, 41 cm ohne
Netzteil: 22 cm
CPU-Kühler: 8,5 cm
Radiatoren:
Maximallänge: 40 cm (unter Vorbehalt)
Breite: 13,2 cm
Höhe: 6,0 cm  (Falsch, da Lüfter mit einbezogen werden müssen. Es bleiben maximal 33 bis 35 mm Platz!)
Preis:
ab ca. 397 Euro (Geizhals)
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6 Kommentare
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    Dein Kommentar
  • capparezza
    Wow. 400 Ocken für so eine "Glanzleistung" an Ingenieurskunst. Da kauf ich mir lieber das Dan A4... der hat sich wenigstens mal hingesetzt und gedanken gemacht, BEVOR er das Gehäuse geplant hat.
  • FormatC
    Es hat mir auch etwas weh getan, dieses Review zu schreiben. So viele offene Fragen...
  • lowmotion
    Das ist nicht die erste Konstruktion von Lian Li, die nicht durchdacht ist. Der Preis sagt nichts über die Qualität aus.
  • derGhostrider
    Hohe Kosten für große Schmerzen.
    Da hat das Design-Department offensichtlich vor der Nutzbarkeit gewonnen.

    Der Test des Gehäuses ist ja ganz nett, aber an einer Stelle muss ich massiv meckern:
    Zitat:
    Da keine Montagehilfe in Form einer Sechskant-Schraubkappe mitgeliefert wird und die Finger zum Herausschrauben nicht ausreichen, muss eine gute Zange herhalten.

    Das ist haarsträubender Blödsinn! Wer da ernsthaft eine Zange nimmt, der sollte die Finger von solch einem Gehäuse lassen. Eigentlich sollte derjenige die Finger von allem lassen, was die Verwendung von Werkzeug voraussetzt.
    Warum wird nicht gleich ein sehr großer Hammer oder Sprengstoff empfohlen? Das wäre auch unpassend.

    Es gibt passendes Werkzeug! Steckschlüssel in dieser Größe sind nicht exotisch und auch keine Seltenheit in entsprechenden Steckschlüsselsets. Ich habe sogar eine Art "Mini-Radkreuz" - noch aus Modellbauzeiten - der die passende Größe anbietet.

    Diese Stelle liest sich wie der Bericht eines Klempners.
  • drno
    Es ist aus meiner Sichtweise schon durchaus richtig, daß die neuen Lian Boxen zuweilen schon leicht overengineered sind. Dieser Trend scheint iwie weiter zuzunehmen. Was ich mir wünschen würde, wäre eine weitere maßvolle Modernisierung von PC7 und Co.
  • capparezza
    Hab mir gerade erst wieder ein gebrauchtes PC-7 Plus für ein Retroprojekt besorgt. Anno 2006 waren die Anforderungen an ein Gehäuse noch anders. So schön schnörkellos wird's nie wieder, heutzutage zählt ja nur noch der Bling-Bling-Faktor :)