Mediatek und das Internet der Dinge: Ein Interview rund ums IoT

Das Internet der Dinge ist zu einem Lieblingswort der Marketing-Abteilungen einer Vielzahl von Herstellern geworden. Doch was sich hinter dem IoT genau verbergen soll, bleibt oft unklar. Mediateks Siegmund Redl hat sich im Interview um Aufklärung bemüht.

Internet der Dinge: Steuern übers Netz bis hin zum autonomen steuern lassen

Zu den großen Trends der jüngeren Vergangenheit gehört neben Tablets und Smartphones sowie den in den letzten beiden Jahren aufgekommenen Wearables auch das Internet der Dinge (Internet of Things, IoT), das prinzipiell Entwicklungen wie Smart Home usw. mit einschließt. Denn künftig sollen sich alle möglichen Gerätschaften und Maschinchen - ganz egal ob im privaten oder beruflichen Umfeld - mit dem Internet verbinden lassen.

Dass bei dieser Entwicklung zumindest am Anfang die eigenen vier Wände eine größere Rolle spielen dürften, zeigt die Übernahme des Thermostat- und Rauchmelderherstellers Nest durch Google - oder auch Apples HomeKit. Dabei scheint nicht zuletzt der Sicherheitsaspekt eine große Rolle zu spielen. Selbst namhafte Hersteller wie Panasonic liefern mittlerweile Überwachungskameras mit (mobilem) Netzwerkanschluss, damit der Nutzer unterwegs vom Smartphone aus zusehen (und es aufzeichnen) kann, wenn sich ein Einbrecher in seinem Haus zu schaffen macht.

Was das Internet der Dinge jedoch im Eigentlichen ausmacht, darüber herrscht bis heute noch keine echte Einigkeit - abgesehen von dem Punkt, dass die jeweiligen Gerätschaften ans Netz angeschlossen werden. Manch einem reicht schon der schnöde Anschluss aus, der nächste will die Bedienung mehrerer Einheiten über Fernzugriff ermöglichen. An dieser Stelle setzt etwa Google an: Die Softwareschmiede hat mit Brillo ein eigenes Android-basiertes Betriebssystem für IoT entwickelt und will mit Weave eine Kommunikationsebene präsentieren, mit der verschiedene Geräte plattformunabhängig eingebunden werden können.

Und wieder ein anderer träumt davon, dass in einem Internet der Dinge Maschinen untereinander kommunizieren und sich gegenseitig steuern, sodass der Nutzer nicht mehr tätig werden muss, um etwa im Eigenheim die Heizung zu regulieren - und das wetterunabhängig und im Sommer wie im Winter. Denn an dieser Stelle steckt das eigentlich kniffelige Detail: Die einzelnen Sensoren, die in und an der Behausung stecken, müssen Daten aus verschiedenen Perspektiven liefern, die in einem Analyseverfahren ausgewertet und schließlich in einem Arbeitsschritt - in diesem Fall dem Regulieren - münden müssen. Um die richtige Temperatur einstellen zu können, muss die Technik jedoch bedenken, welche äußeren Umstände herrschen. Im Sommer wünscht sich der Nutzer eine Raumtemperatur von 20°C, im Winter können es jedoch gerne ein bis zwei Grad mehr sein. An dieser Stelle muss ein entsprechendes Datenanalyseverfahren zum Einsatz kommen, dessen Umfang natürlich mit der Komplexität der Aufgabe steigt.

Bekannt ist, dass IBM den Weg in diese Richtung eingeschlagen hat: Mit der Watson getauften Hardware-Plattform und dem als IBM Bluemix bekannten Platform-as-a-Service-Angebot dürfte der Hersteller aktuell eine der leistungsfähigsten Lösungen für die Datenanalyse im Angebot haben. Doch auch hier befindet man nach eigenen Angaben erst am Anfang der Entwicklung. Zuletzt hatte Microsoft angekündigt, mit Accenture stärker in das Geschäft um das Analysieren mannigfaltig gearteter Daten eingreifen zu wollen.

Mediatek auch mit SoCs für das Internet der Dinge

Auch die Chip-Entwickler rüsten sich für das Rennen rund um die vernetzen Dinge des Alltags. So hat sich beispielsweise Nvidia nahezu aus dem Bereich der SoCs für Smartphones und Tablets zurückgezogen, um sich ganz auf das Auto zu konzentrieren.

Auch Qualcomm hat bereits demonstriert, dass man die eigenen Chips gern in Autos sehen würde und im vergangenen Jahr im Rahmen der IFA in Berlin gezeigt, wie man sich die mit dem Netz verbundenen Dinge vorstellt. Auch hier waren eher einfache Verknüpfungen zu bestaunen, etwa ein mit dem Netz verbundener Teddybär, der den Schlaf des Babys überwachen soll.

Intel hat mit Arduino ein eigenes Entwickler-Board bereitgestellt, unterstützt Wettbewerbe, die zu neuen Produkten führen sollen, und setzt bei Wearables auch schon mal auf den Laufsteg der New York Fashion Week sowie eine Kooperation mit dem Schweizer Uhrenhersteller TAGHeuer.

Es ist daher nicht weiter verwunderlich, dass auch Mediatek die Welt der Wearables und Autos sowie das Internet der Dinge im Visier hat. Für smarte Uhren werden bereits eigene Chips bereitgestellt und für das smarte Zuhause hatte der Hersteller zuletzt die Unterstützung von Apples HomeKit angekündigt. Außerdem gibt es bereits seit längerem eine eigene Entwickler-Platine, die in Form der LinkIT-Plattform in ein eigenes, offenes Ökosystem eingebunden ist.

Mediatek im Interview

In London hatten wir kurz Gelegenheit, mit Siegmund Redl - seines Zeichens Mediateks Vizepräsident und General Manager für Europa - über die Ausrichtung des Herstellers im Bereich des Internets der Dinge zu sprechen. Dabei ging es allerdings weniger um konkrete Chips, vielmehr standen Konzepte und der Entwicklungsstand im Zentrum des Gesprächs.

Tom's Hardware Deutschland: Was bedeutet für Sie bzw. Mediatek das Internet der Dinge, Smart Home und ähnlich Begrifflichkeiten? Denn das, was in der letzten Zeit medial mit diesen Schlagworten verbunden wird, kann ein versierter Bastler ja fast schon mit Komponenten aus dem Baumarkt - z.B. eine SBS-Steuerung oder Schaltzeituhren - bewerkstelligen.

Siegmund Redl: Über was wir hier sprechen sind Dinge, die miteinander über das Internet kommunizieren. Damit kann können Anwendungen über das Internet gebündelt und auch entsprechend gemanaged werden. Z.B. sind Aufnahmen einer Kamera oder Aufzeichnungen eines Bewegungssensors von unterwegs abrufbar. Das kann ich mit Komponenten aus dem Baumarkt nicht machen. Dazu muss ich letztlich internetfähige Chips verbauen, die mir diese Kommunikation ermöglichen, entweder über den Provider, aber auch über das WLAN zu Hause direkt.

Dafür stellt Mediatek die passenden die Werkzeuge her. Wenn früher die Produkte nur von großen Elektronikkonzernen bereitgestellt wurden, kann sich nun jeder technisch Versierte dank der Lösungen der Mediatek-Labs einen Hardware Developer Kit holen und mit dem Programmieren loslegen. Das ist dabei keine proprietäre Geschichte, sondern Mediatek ist Mitglied im Open-Interconnect-Konsortium. Die Ansteuerung basiert etwa auf dem Arduino-Standard. Es ist also kein spezielles Mediatek-System.

THDE: Inwiefern stehen sich dabei die verschiedenen Ökosysteme im Weg? Google entwickelt mit Brillo ja beispielsweise ein eigenes Ökosystem.

SR: Mediatek Labs ist wie gesagt in der Programmierbarkeit kein geschlossenes System, man muss sich also nicht auf proprietäre Lösungen von Mediatek einlassen. Für die Hardware-Anbindung sorgen wir aber schon. Brillo ist kein Konzept, das schon fertig gestrickt ist, sondern wird ein weiteres Ökosystem, das auf einem Hardware-Abstraction-Layer basiert, den wir ebenfalls zur Verfügung stellen können.

Wir unterstützen daneben auch andere Ökosysteme wie Android Wear, wenngleich nicht alle. Für Android Wear brauchen wir etwas mehr Rechenleistung. LinkIT One kann das zum Beispiel nicht, aber wir haben entsprechende Plattformen, die das können, auch wenn die noch nicht in den Labs gelandet sind. Sie sind aber Teile eines offenen Ökosystems, bei dem die zentrale Recheneinheit von Mediatek stammt.

THDE: Beim Internet der Dinge ist die Zusammenführung und Analyse der Daten, die von den verschiedenen Geräten geliefert werden, einer der zentralen Bestandteile, und Mediatek will auch an dieser Stelle mit Deep Learning mitmischen. Wie genau?

SR: An dieser Stelle müssen wir Show-Case und Use-Case im Auge behalten um zu zeigen, dass der Lerneffekt auch einen Effekt für den Nutzer hat. Es wird in jedem Fall entsprechende Use-Cases geben. Wie diese aussehen werden, lässt sich derzeit jedoch noch nicht abschätzen. Es geht darum, dass das Gerät lernt, was der Nutzer will, sodass Interaktionen mit dem Gerät letztendlich verringert werden, weil es ja gelernt hat, was der Nutzer von ihm erwartet.

THDE: Wie soll die Analyse konzeptionell durchgeführt werden – dezentral auf einem Mobilgerät oder auf eigenen Servern in der Cloud?

SR: Es kommt letztlich immer auf die Anwendung an. Manche sind eher schmalbandig, etwa wenn es nur darum geht, die Lüftung in einem Haus zu steuern. Anders verhält es sich bei Bildbearbeitung oder Gesichtserkennung. Danach richtet sich auch die dahinter stehende Hardware - schaffe ich das noch auf dem Smartphone oder benötige ich dazu Anwendungen in der Cloud?

THDE: Inwieweit würde an einer solchen Stelle die Kooperation mit einem Entwickler entsprechender Analyse-Verfahren - etwa IBM - sinnvoll?

SR: Da kann man sich in jedem Fall jemanden vom Kaliber IBMs vorstellen. Auf jeden Fall sind hier Unternehmen wichtig, die mit Big Data umgehen können. Wir strecken unsere Fühler schon in diese Richtung aus und werden sukzessive versuchen, mit entsprechenden Partnern ins Gespräch zu kommen.

THDE: Das Thema Automotive wird derzeit vor allem von Nvidia dominiert. Wie gestalten sich die Aktivitäten von Mediatek in diesem Bereich?

SR: Wir sind da dran und sicherlich nicht so schlecht aufgestellt. In China haben wir im After-Market für Infotainment-Systeme einen hohen Marktanteil. Und ich kann mir einen Chip wie den Helio X20 sehr gut in diesem Bereich vorstellen. Allerdings muss dieser noch Auto-gerecht gemacht werden. Dies gilt etwa für das Packaging oder die Temperaturempfindlichkeit. Grundsätzlich ist der Chip aber beispielsweise hinsichtlich Leistung, Memory-Subsystem, Sensoranbindung sowie I/O für Displays geeignet.

Aber Automobil-Geschäft heißt für mich "dicke Bretter bohren". Das ist kein Bereich in dem man sich über Nacht etabliert. Wir müssen an dieser Stelle Vertrauen schaffen - und das bauen wir jetzt Schritt für Schritt auf.

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1 Kommentar
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  • Darkness
    Und was genau bringt das Jetzt für Vorteile?
    (Mal abgesehen von den Vorteilen der Hersteller, die Daten an NSA und co verkaufen können!)
    Ich sehe keinen einzigen.
    Eigentlich alles was hier aufgeführt wird, können Elektroinstallationsbusse schon lange.
    Mit KNX (aka EIB) lassen sich ebenfalls Heizungssteuerungen realisieren, Lichkulissen schalten, etc.
    Und solange man nicht übers Tablet oder Smartphone übers Netzwerk steuern will, gibt es nichtmal eine Möglichkeit für Angreifer übers Netzwerk reinzukommen, da keine Netzwerkschnittstelle vorhanden ist!
    Onlinezwang (Waschmine läuft nur mit Internetzugang) ist daher auch nicht möglich!

    Zitat:
    sind Aufnahmen einer Kamera oder Aufzeichnungen eines Bewegungssensors von unterwegs abrufbar. Das kann ich mit Komponenten aus dem Baumarkt nicht machen

    Das kann der findige Bastler doch schon lange. Da hat wohl jemand noch nichts vom Ethernet-Shield für den Arduino oder vom Raspberry Pi und co gehört.
    Ist um einiges günstiger als eine fertige Lösung und vermutlich aufgrund unterschiedlicher Konfigurationen auch nicht schlechter gegen Unbefugten Zugriff geschützt.
    Und vom Professionellen Umfeld brauchen wir gar nicht zu reden, da gibt es solche Lösungen schon lange.
    Zitat:
    Es geht darum, dass das Gerät lernt, was der Nutzer will, sodass Interaktionen mit dem Gerät letztendlich verringert werden, weil es ja gelernt hat, was der Nutzer von ihm erwartet.

    Super Neuerung, anstatt das Teil einfach so zu programmieren, wie man es gerne hätte, muss man jetzt drauf einschlagen und rumbrüllen, bis es kapiert hat, was man will.
    Da sind bisherige Lösungen um einiges besser.
    Da kann jeder dem Techniker erklären was er gerne hätte, und der programmiert das dann (sofern möglich).

    Zitat:
    Anders verhält es sich bei Bildbearbeitung oder Gesichtserkennung. Danach richtet sich auch die dahinter stehende Hardware - ... oder benötige ich dazu Anwendungen in der Cloud?

    Da sieht man doch schon worauf man aus ist, auf Daten.
    Vorallem bei Gesichtserkennung bietet es sich an, lokal zu Rechnen (schon allein aus Sicherheitsaspekten) weil die Internetverbindung vorallem im Upload verdammt schmalbandig ist.
    Bis das ganze Bildmaterial geuploadet ist, hat auch ein langsamer Rechner bereits ein Ergebnis.

    Allgemein frage ich mich, wie mann sich das vorstellt, denn ein Laie kann eine Heizungs- und Lüftersteuerung nicht aufbauen/installieren und ein Fachbetrieb wird sich hüten etwas einzubauen woran der Kunde ohne Vorwissen Änderungen vornehmen kann bzw. Änderungen vom Kunden schlecht erkannt werden können (Stichwort: Gewährleistung sowie Ansehen/Ruf der Firma)
    Außerdem muss in 30 Jahren auch noch Software und Hardware verfügbar sein und ein sicherer Betrieb möglich sein (was ich bei aktiver Internetverbindung schlichtweg bezweifle)


    Ich hoffe mal nicht, das demnächst auch noch Rauchmelder mit IoT angeboten werden.
    Eine BMA hat nämlich schlichtweg nichts im Internet zu suchen (mal abgesehen davon das Netzwerkabel nicht feuerfest ist und mir Brandmeldekabel mit ausreichender Schirmung nicht bekannt sind)
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