Mio Fuse: Fitnessarmband mit toller Pulsfunktion, aber hakeliger Software

Der Fuse von Mio trägt sich angenehm, ist gut verarbeitet und besitzt eine gut ablesbare Anzeige. Als Pulsmesser macht er eine tolle Figur und auch die Bedienung ist gut gelöst. An der zugehörigen App muss der Hersteller aber noch arbeiten.

Am männlichen Handgelenk zu Hause

Eins merkt man gleich beim Auspacken: Auf ein filigranes Erscheinungsbild hat Mio bei seinem Fitness-Tracker Fuse keinen großen Wert gelegt. Im Vergleich zu anderen Armbändern, die wir uns bereits näher angeschaut haben, trägt der Fuse ordentlich auf und fällt zudem am breitesten aus.

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Das muss nicht unbedingt ein Nachteil sein, da sich der Druck auf das Handgelenk so auf einer größeren Fläche verteilt. Bei schmalen Handgelenken – wie sie vor allem Frauen meist haben – stört das breite Armband indes vielleicht eher. Unser Autor - männlich - hat allerdings ein recht kräftiges Handgelenk. Da passte der Fuse sehr gut und ließ sich angenehm tragen.


Die Verarbeitung des Silikonarmbandes ist einwandfrei, der Verschluss mit doppelter Sicherung gut gemacht - auch wenn das Anlegen einen Moment länger dauert als bei einer normalen Uhr.

Um eine zuverlässige Funktion des optischen Pulsmessers zu gewährleisten, sollte das Armband recht fest sitzen und idealerweise knapp hinter dem Handgelenk platziert sein. Das ist anfangs gerade für Uhrenträger ein wenig ungewohnt, fällt aber nach wenigen Stunden des Tragens gar nicht mehr auf.


Der Funktionsumfang des Mio Fuse fällt recht hoch aus. Er protokolliert wie nahezu alle Fitnessarmbänder Schritte, Entfernung, Kalorien und Tageszielerreichung. Zudem bietet er einen Trainingsmodus und eine Schlafüberwachung.

Der Fuse stellt seine Herzfrequenzmessung auch anderen Geräten zur Verfügung: Dank ANT+ und Bluetooth 4.0 klappt die Kopplung mit einer Vielzahl von Sport-Produkten wie etwa Fahrradtacho, Laufband oder Smartphone.

Umgekehrt nutzt das Armband auch den GPS-Sensor eines gekoppelten Smartphones, was zu genaueren Messergebnissen führt. Allerdings könnte das Smartphone das dann auch allein – eine entsprechende App vorausgesetzt (Pulsmessung ausgenommen).

Mio ruft für das Fuse-Armband knapp 120 US-Dollar im hauseigenen Webshop auf. Bei den einschlägigen Online-Händlern in Deutschland bekommt man das in zwei Längen von 25,9 und 23,3 cm angebotene Gerät ab etwa 95 Euro in der Farbvariante Rot/Schwarz, für die blaue Version muss man mindestens fünf Euro mehr hinlegen. Damit zählt der Fuse preislich zur Mittelklasse.

Die größte Stärke: Optische Pulsmessung

Mio hat seine Wurzeln im Bereich der Herzfrequenzmessung. Da verwundert es nicht weiter, dass alle Fitness-Produkte des Herstellers eine Pulsmessfunktion mitbringen. Folgerichtig verfügt auch der Fuse über einen Herzfrequenzmesser.

Die Messung erfolgt über einen optischen Sensor, der oben auf dem Handgelenk bzw. Unterarm zum Liegen kommt. Für optimale Funktion sollte das Armband recht eng geschnürt werden, feuchte Haut führte im Test nicht zu Messbeeinträchtigungen.

Ganz im Gegenteil: Der Pulsmesser des Mio Fuse hat uns fast auf ganzer Linie überzeugt. Das einzige kleine Manko ist die mit etwa 30 Sekunden etwas lange Zeit, bis der Sensor die Herzfrequenz initial erfasst hat.

Danach läuft die Messung zuverlässig, der ausgegebene Wert liegt stets sehr nah an der Realität, was wir mit einem Brustgurt und der manuellen Zählmethode überprüft haben. Lediglich bei schnellen Veränderungen der Herzfrequenz – etwa bei kurzen, harten Intervallen – hinkt die Anzeige ein paar Sekunden hinterher.

Lobenswert: Der Pulsmesser ist nicht immer aktiv, er muss erst manuell eingeschaltet werden. Aufgrund des höheren Stromverbrauchs bei aktiver Pulsüberwachung schont diese Vorgehensweise den Akku.


Die Herzfrequenzmessung lässt sich auch zur Schlafüberwachung nutzen. Dieser Modus lässt sich über eine spezielle, im Handbuch nicht dokumentierte Tastenkombination aktivieren. Das Armband zeichnet dann den Puls während der Nachtruhe fortwährend auf und schließt daraus auf den jeweiligen Schaltzustand und etwaige Wachphasen.

Das klappt erstaunlich gut - zumindest lässt sich schön ablesen, wann man im Tiefschlaf geschlummert oder man sich eher ruhelos im Bett gewälzt hat. Sicher keine wissenschaftliche Angelegenheit; aber als Anhaltspunkt, wenn man sich morgens mal wieder wie gerädert fühlt, durchaus zu gebrauchen.

Da das Armband wasserdicht ist, lässt es sich auch prima beim Schwimmen benutzen. Sinnvolle Ergebnisse liefert hier allerdings nur die Pulsfunktion. Entfernungen oder Kalorienverbrauch werden wegen der fehlenden Gehbewegung falsch kalkuliert. Wichtig beim Einsatz im Wasser: Die Bildschirmsperre muss aktiviert sein. Andernfalls entwickelt der Mio Fuse ein kaum kontrollierbares Eigenleben.

Gut gelöst: Matrix-Anzeige, Grundfunktionen

Als Fitness-Armband beherrscht der Mio Fuse neben der Überwachung der Herzfrequenz auch die üblichen Grundfunktionen. An erster Stelle ist der Schrittzähler zu nennen. Dieser funktioniert sehr gut und liefert Ergebnisse mit meist sehr geringer Abweichung zur Realität. Dennoch interpretiert auch der Fuse bestimmte Armbewegungen fälschlicherweise als Schritte. Aber das passiert bei jedem Schrittzähler. Solange es sich derart in Grenzen hält wie beim Fuse, gibt es da nichts zu meckern.

Nicht ganz so gut schneidet die Angabe der zurückgelegten Strecke ab. Dafür schwanken die Schrittlängen im Alltag zu sehr. Als grobe Orientierung taugt der Wert allemal – ebenso wie der ermittelte Kalorienverbrauch, der den Grundumsatz in die Berechnung mit einbezieht. Wichtig sind daher korrekte Angaben im Nutzerprofil.

Sehr gut gefallen hat uns beim Mio Fuse das Display - wobei der Ausdruck Display nicht so ganz zutrifft. Der Fuse besitzt eine LED-Matrix-Anzeige, die im Fall unseres Testgerätes in knalligem Rot erstrahlt. Die Anzeige ist mehr als ausreichend groß. Die Kehrseite der Medaille: Da immer nur ein Wort oder Wert ausgegeben werden kann, muss man recht häufig durch die Anzeigeseiten durchblättern. Zudem wird immer erst die Kategorie und dann mit etwa 1-sekündiger Verzögerung der dazugehörige Wert ausgegeben.

Das kann die Geduld schon ein wenig überstrapazieren, auch wenn die Touchpoints links und rechts vom Display gut funktionieren. Dennoch überwiegen letztlich die Vorteile dieser Display-Technik. Egal ob im Wasser, bei strahlender Sonne oder im Fitnessstudio – die Bildschirminhalte lassen sich stets einwandfrei und zuverlässig ablesen.

Beim Thema Akkulaufzeit schlägt sich der Mio Fuse ebenfalls sehr beachtlich. Der Hersteller spricht von etwa einer Woche bei einem täglichen Workout von einer Stunde. Im Workout-Modus ist der Pulsmesser dauerhaft aktiv, das zieht entsprechend am Akku. Die Herstellerangabe erscheint uns nach einer Woche des Tests sehr realistisch.

Bei uns hielt der Mio Fuse zwar nur knapp fünf Tage durch, aber wir haben auch sehr viel damit "herumgespielt". Bei fortwährender Herzfrequenzmessung ist aber durchaus schon nach einem Tag Schluss. Das Ladegerät ist zwar kein optisches Highlight. Die Funktion zählt jedoch, und an der gibt es nichts auszusetzen.

Die größte Schwäche: die Software

Bis hierhin schlägt sich der Mio Fuse sehr gut und zählt zu den besten Fitnessarmbändern, die wir bis dato getestet haben. Aber: Kein Activity-Tracker ohne Software bzw. Smartphone-App. Diese Komponente macht ein Fitnessarmband erst rund, dient sie doch der Sammlung, Auswertung und Bereitstellung aller Trainingsergebnisse. Beim Fuse heißt die hauseigene App Mio GO.

Die App ist übersichtlich gestaltet, bereitet die Ergebnisse ansehnlich auf und – ein Extralob – sie erfordert keinerlei Registrierung auf irgendwelchen Plattformen.

Große Freude bereitet die Mio GO-App dennoch nicht. Schon das erste Pairing des Fuse mit dem Smartphone war eine kleine Herausforderung. Erst nach mehrmaligem Löschen des erkannten, aber nicht richtig gekoppelten Armbandes und weiteren Versuchen klappte es schlussendlich. Doch auch beim regelmäßigen Syncen brachte die Software immer wieder Fehlermeldungen.

Angeblich sei das Armband nicht gekoppelt, oder der Sync-Vorgang sei bereits beendet, obwohl noch keinerlei Aufzeichnungen auf dem Smartphone zu sehen sind. Oft wurden die Ergebnisse eines Tages erst am darauffolgenden Tag korrekt übertragen. Zudem wurden in der App vorgenommene Einstellungen vom Mio Fuse nicht übernommen.

Mit dieser App macht sich Mio jedenfalls auf Dauer keine Freunde. Gut, dass der Hersteller auf seiner Webseite gleich eine Liste mit kompatiblen Drittanbieter-Apps veröffentlicht. Das macht zumindest Hoffnung. Schade ist es dennoch, denn Mio GO hat uns prinzipiell sehr gut gefallen.

Fazit: Gelungenes Teil - aber nur mit Drittanbieter-Software

Wichtig bei einem Fitnessarmband ist zunächst, dass es sich auch über einen längeren Zeitraum angenehm tragen lässt. Die Aufgabe löste der Mio Fuse zumindest am Handgelenk unseres - wohlgemerkt männlichen - Autors vorbildlich. Auch das Bedienkonzept mit den drei Sensortasten und das helle, sehr gut ablesbare LED-Matrix-Display stehen dem Activity Tracker gut zu Gesicht. Hinzu kommt, dass die ermittelten Werte wie Schrittzahl und Kalorienverbrauch nah an der Realität liegen.

Paradedisziplin des Fuse ist aber eindeutig die Überwachung der Herzfrequenz, die zuverlässig und sehr genau erfolgt. Außerdem stellt das Armband die Pulswerte auch in Echtzeit anderen Sportgeräten wie Cross-Trainern, Laufbändern oder Fahrradcomputern zu Verfügung. Mit der Unterstützung von ANT+ und Bluetooth 4.0 erweist sich der Fuse in dieser Disziplin als echter Generalist.

Mit gut 90 Euro bleibt er preislich dennoch im Rahmen. Wenn der Hersteller jetzt noch die Probleme mit der eigentlich gelungenen App in den Griff bekommt, erhielte der Mio Fuse eine uneingeschränkte Empfehlung. Wenn…

Fazit

Braucht man ein Fitnessarmband, um seinen Alltag sportlicher zu gestalten? Mit Sicherheit nicht. Mit dem richtigen Activity Tracker kommt aber vielleicht mehr Begeisterung für Bewegung und sportliche Aktivitäten auf. Und wenn dann noch ein gut funktionierender Pulsmesser mit an Bord ist, lässt sich das Teil sogar zur ernsthaften Trainingssteuerung nutzen.

All diese Eigenschaften bringt der Mio Fuse mit. Obendrein sieht er auch noch gut aus (zugegeben: Geschmackssache), lässt sich intuitiv bedienen und besitzt ein gelungenes Display. Hohe Punktzahl also bei der Kür. Auf dem Patzer bei der Pflicht – also der App – sind wir ja bereits zur Genüge herumgeritten.

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