Antlionaudio ModMic 5 im Test - Der Luxus der Erweiterung

Wie macht man stilvoll aus einem normalen Kopfhörer ein Headset und verzichtet dabei auch nicht auf die Flexibilität, die Metamorphose auf Wunsch jederzeit wieder spurlos rückgängig machen zu können? Man kauft sich zum Beispiel einfach ein ModMic 5! Aber lohnt sich der fast 80 Euro teure Spaß am Ende wirklich?

Immerhin bekommt man in dieser Preisklasse bereits recht ordentliche Headsets einschließlich brauchbarer Mikrofone. Was also soll uns jetzt dazu verleiten, sich ein derart kostenintensives Teil zu leisten? Entweder, man besitzt einen richtig teuren Edelkopfhörer, dem man auch gern noch stilvoll das Sprechen beibringen möchte, oder aber einen liebgewonnenen Schallwandler, den man nicht mit einer Frickellösung verschandeln will. Oder eben auch beides.

Lieferumfang

Sind wir mal ehrlich, 80 Euro sind echt eine Menge Geld, da muss sich Antlion schon ganz schön strecken, wenn wir diese Summe irgendwie auch mental akzeptieren sollen. Öffnet man die Verpackung, findet man als Erstes eine hartschalige Tragebox, die alle weiteren Teile enthält. Dazu gibt es noch einen ca. 2 Meter langen Sleeve, der aber extrem starr ausfällt. Nun ja, schaun' wir später mal, was wir damit anfangen (können) oder auch nicht.

Im Inneren der Box finden man das eigentliche ModMic 5 mit Pop-Schutz samt Kopfhörer-Halterung (bestehend aus Neodym-Magnet-Basis und einem abnehmbaren Gegenstück), einen Mute-Schalter als Kabellösung zum Dazwischenstecken, sowie zwei 3,5mm Klinke-Verlängerungskabel (jeweils mit 1 m bzw. 2 m Länge). Neben der kurzen Anleitung erhält der Käufer auch noch zehn Kabelklemmen, wenn man dem starren Sleeve nichts abgewinnen kann (so wie wir) und beide Kabel lieber auf konservativem Weg vereinigen möchte. Ein Alkoholtuch und eine weitere Basis bekommt man auch noch.

Optik und Funktionalität

Das ModMic 5 verfügt interessanterweise über gleich zwei eingebaute Mikrofone, zwischen denen man über einen Schiebeschalter am Mikrofonhals recht einfach hin- und herwechseln kann. Das sehr empfindliche omnidirektionale Mikrofon mit Kugelcharakteristik ist für hochwertige Aufnahmen gedacht, jedoch nicht für laute Umgebungen. Da soll es das unidirektionale Mikrofon richten, dessen Nierencharakteristik zusammen mit dem passiven Noise-Cancelling besser geeignet scheint. Über den Sinn bzw. Unsinn unterhalten wir uns später noch, denn wir haben beide Mikrofone auch gemessen.

Der Pop-Schutz tut, was er soll und lässt sich auch relativ einfach abnehmen. Die Basis klemmt magnetisch fixiert am Gegenstück, das sich recht einfach mittels 3M_Klebepad auf den Kopfhörer kleben lässt. Im Zubehör liegt ein Alkoholtuch, welches zur Reinigung der Oberfläche dienen soll. Bei sehr hochwertigen Kopfhörern mit Holzapplikationen ist jedoch Vorsicht angesagt, wenn diese nur mit Hartöl behandelt wurden. Zacken in der Verbindungsoberfläche von Gegenstück und Basis verhindern ein ungewolltes Verdrehen.

Wer möchte, steckt sich noch einen modular gehaltenen Mute-Schalter zwischen Anschlusskabel und Verlängerung. Das ist gut gedacht und solide umgesetzt. Der Schalter ist großflächig und besitzt ein gut ausgeprägtes taktiles Feedback.

Der Rest der Geschichte ist dann schnell erzählt, denn der Umbau dauert wesentlich kürzer als man braucht, um ihn zu beschreiben. die bis zu 10 altbekannten Doppel-Clips für die Kabelverbindung funktionieren wie angedacht. Wem das optisch zu trivial aussieht, darf sich auch gern am mitgelieferten Sleeve ausprobieren abmühen.

Die Geschichte ist allerdings steifer als die beste November-Brise auf Helgoland und die Kabelage mutiert fast schon zu einer Art kabelgefüllter Haselnussgerte mit Endverfransung. Da wir aber nicht Domina und Domino spielen wollen, belassen wir es lieber bei den Clips. Die tun es auch.

Antlion bietet zudem noch einen einfachen USB-Adapter als Soundlösung an. Der verbaute C-Media-Chip ist Standardware und weder schlecht, noch überragend. Aber er lässt sich auch mit aktuellen Konsolen betreiben - Pluspunkt!

Am Schluss haben wir schnell noch die technischen Daten in Tabellenform fürs detailversessene Publikum:

Technische Daten allgemein
Ausführung:
Doppelkapsel-Mikrofon mit umschaltbarer Charakteristik
Flexibler Schwanenhals
Anschluss:
3.5mm Klinkenstecker mit 20 cm Kabel
2x Verlängerungskabel (1m + 2m) mit 2,5mm Durchmesser
Kevlarverstärkte Gummiummantelung
Modular:
Optionaler Mute-Switch, mit Tantal-Elko entstört
Halterung:
Klebepad und Magnethalterung (Neodym N45)
Straßenpreis:
ab ca. 80 Euro
Unidirektionales Mikrofon
Empfindlichkeit:
-38 ± 3 dB
Frequenzumfang:
100 Hz–10 kHz (Herstellerangabe)
SNR:
>50+ dB
Impedanz:
2.2 KΩ
Maximalpegel:
110 dB
Omnidirektionales Mikrofon
Empfindlichkeit:
-26 ± 3 dB
Frequenzumfang:
30 Hz–17.5 kHz
SNR:>58+ dB
Impedanz:
2.2 KΩ
Maximalpegel:110 dB
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5 Kommentare
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    Dein Kommentar
  • Martin_6
    Danke für den Test!

    Würde mich interessieren wie sich andere Nachrüstmics schlagen.
    Wie z.B. von Beyerdynamic
    https://www.beyerdynamic.de/custom-headset-gear-2-generation.html
  • samserious
    Anonymous sagte:


    Das ist aber ein Billigmikrofon mit Clip. Wenn man das mit einem Hifi-Kopfhörer betreiben möchte, muss man es irgendwo ans Kopfhörerkabel oder die Kleidung clippen, wo es dann zu weit vom Mund entfernt ist, um ok zu klingen. Man kann sich natürlich auch einen Schwanenhals basteln (zum Beispiel aus einem billigen LED-Klemm-Licht) und das Teil an einem guten Mikrofoneingang betreiben, dann klingt es wirklich brauchbar, sieht aber arg bescheiden aus.
  • samserious
    Anonymous sagte:
    Danke für den Test!

    Würde mich interessieren wie sich andere Nachrüstmics schlagen.
    Wie z.B. von Beyerdynamic
    https://www.beyerdynamic.de/custom-headset-gear-2-generation.html


    Auf der Suche nach einem Stereo-Headset ohne DSP-verquirltem Pseudosorround-Klang habe ich mir das Beyerdynamic Custom Game zugelegt, das ist ein Custom One mit dem von dir verlinkten Mikrofon.
    So richtig begeistert hat mich das Mikrofon aber nicht. Der Klang geht in Ordnung, aber klingt für mich nicht nach 55 € Mikrofon. (An meiner Soundkarte sollte das eigentlich nicht liegen, die Creative ZxR klingt z.B. mit einem Beyerdynamic TG-X58 Gesangsmikrofon ziemlich gut.)
    Vielleicht sind auch die langen Kabel vom Mikrofon schult, einmal kurz zur Erklärung: Das feste Kabel (bei der 1. Generation war es wohl noch wechselbar) misst stolze 1,70m und endet als vierpoliger Klinkenstecker. Um das Ganze an einen Desktoprechner anzuschließen, liegt dann nochmal ein 0,9m langes Y-Kabel auf zwei dreipolige Klinkenstecker (Mikrofon und Kopfhörer) bei. Ein derart langes Kabel mit mehreren Steckverbindungen ist für ein Mikrofonsignal vielleicht auch nicht förderlich (sind ja keine fetten symmetrischen XLR-Kabel).
  • Martin_6
    Im Test von 2015 ist ja das erste Beyer Custom Gear.
    Das eigentlich gut abschneidet.

    Ich habe die zweite Gen verlinkt und gehe mal davon aus, dass sie kaum schlechter wäre.

    Der Beyer COP+ ist wirklich ein guter KH und mit Mic zum dran stecken wäre das eine feine Sache.