Defekte Motherboards selbst repariert

Computerabstürze, Bildstörungen, Schreib- oder Lesefehler beim Festplattenzugriff - die Symptome von Hardware-Fehlern können so vielfältig wie rätselhaft sein. Meist installiert man dann neue Treiber, sucht Einstell-Optionen am Betriebssystem, durchforstet das BIOS oder wechselt gleich ganze Komponenten wie Festplatten, Arbeitsspeicher oder die Grafikkarte. Trotzdem läuft der Rechner einfach nicht rund.

Wenn der Computer nicht so funktioniert wie er soll muss nicht das Betriebssystem oder ein Treiber daran schuld sein. Auch in Zeiten von Vier-Kern-Prozessoren und Terabyte-Festplatten sind Hardware-Defekte leider nicht auszuschließen. Jede Komponente in einem modernen PC oder in Notebooks besitzt eine vom Hersteller festgelegte Lebensspanne. Bei Festplatten sind dies üblicherweise fünf Jahre (man spricht von Component Lifetime); andere Bauteile wie etwa ein Prozessor, der Arbeitsspeicher, das Motherboard oder die Grafikkarte sollten bei sachgemäßem Betrieb und hinreichender Kühlung auch deutlich länger Dienst tun. Die tatsächliche Lebensspanne lässt sich jedoch kaum vorhersagen.

Eine häufige Ursache von außergewöhnlichem Verhalten können defekte Elektrolytkondensatoren, kurz Elkos, auf zahlreichen Halbleiterprodukten sein. Die populärsten Vertreter sind Hauptplatinen oder Grafikkarten. Doch was kann man tun, wenn defekte Motherboard-Elkos die Verursacher Ihrer Computerprobleme sind? Während der Garantiezeit des Produktes ist der Gang zum Händler der erste Schritt. Ist das Motherboard schon etwas älter, muss man bei einer Neuanschaffung meist auch passenden Hauptspeicher sowie einen neuen Prozessor anschaffen. Wenn Sie handwerklich jedoch geschickt sind gibt es eine deutlich günstigere Alternative: Elektrolytkondensatoren können Sie nämlich durchaus selbst ersetzen. THG zeigt, wie Sie mit dem richtigen Werkzeug, einer Investition von wenigen Euro und etwas Geduld Ihr Motherboard oder eine Grafikkarte wieder funktionsfähig machen können.

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21 Kommentare
    Dein Kommentar
  • Der_Paddy
    Ich hätte mir gewünscht, dass ihr testet ob euer Board wieder funzt. :P
    0
  • dontcryjustfly
    Zu Fällen von defekten Mainboards gehört oft auch ein abgeschossenes BIOS.

    Ich hab noch nen kleinen Typ der einen Versuch wert ist wenn per Garantie eh nix mehr zu machen will. Ich hab damit schon 5 mal ein Board gerettet.

    Vorrausetzung ist, dass das Board mit einem "Steckbaren" Bios-chip ausgestattet ist und das man noch ein Board der selben Modellreihe zur Verfügung hat.

    z.B. hatte ich ein K7N2-Delta ILSR welches ein defektes Bios hatte.
    Ich hatte aber noch ein K7N2-Delta L auf Lager welches zwar weniger Features hat und auch dessen Bios nicht alle Funktionen des ILSR besitzt, dennoch konnte ich damit wenigstens den PC starten und per Bootdisk bis in einen DOS Modus bringen.

    also schritt für schritt.

    1.Bios-chips beider Boards vorsichtig lösen
    2.funktionierenden Chip in board dessen Bios futsch ist einstecken...
    3.Wenn ihr das glück habt das euer PC jetzt wieder angeht habt ihr schon die halbe Miete.
    4.per Bootdisk ins DOS gehen

    5.Jetzt kommt der Heikelste Teil. Ich konnte auf den Bios-chip der kleinen Board-Version nicht einfach die ILSR Version flashen weil der Chip weniger Speichergröße besaß als die vom kaputten Orginal Bios. Deswegen musste ich den funktionierenden Chip in Laufendem BETRIEB! wieder vom Board nehmen. DER PC lief BEI mir immer normal weiter!!!! Dann vorsichtig wären der PC weiter läuft den falsch geflashten Bios Chip wieder aufstecken.

    6.Jetzt braucht man natürlich noch ein aktuelles Bios seines Boards und ein Programm wie z.B. für die Award Bios AWDFLASH. Ausserdem müsst ihr euch noch einige Befehle ausm Inet suchen, da bei mir z.B. sich das Orginal Bios trotzdem nicht einfach flashen lies, da beim Vergleich der Bios Version auf dem Chip und der die ihr Flashen wollt natürlich ein Fehler auftritt da das Bios auf dem Chip ja defekt ist und nicht mehr Verglichen werden kann.

    7. Wenn ihr Glück habt und der Bios Chip nicht Physisch defekt war sollte euer Board gerettet sein.


    Ich gebe keine Garantie das es bei euch klappt und möchte noch den Hinweis geben das ich meinem Bios-chip nicht falsch geflasht habe sondern im Fall des K7N2 Delta ILSR beim abspeichern der Biossettings der Netzteilstecker rausgerutscht war. Ausserdem
    habe ich das spiel noch mit einem K7N2 Delta Platinum gemacht wo sich das Bios einfach bei bestimmten Settings komplett verabschiedet hat. In beiden Fällen konnte ich das Bios nicht mehr per Jumper zurücksetzen bzw. durchs entfernen der Bios Batterie.
    Bei beiden Boards habe ich einen Bios-Chip von einem K7N2-Delta L kurzzeitig aufgesteckt, damit der PC wenigstens wieder bis ins DOS kam.

    NOCHMAL ICH GEBE KEINE GARANTIE DAS ES BEI EUCH KLAPPT!!!!

    aber bevor man das Board wegschmeisst ist es evtl ein Versuch wert!
    0
  • Mnyut
    Quote:
    Teilweise kommt es vor, dass sich trotz mehrmaligen Erhitzens der Lötstelle und Einsatz der Saugpumpe das Lötzinn nicht ganz von der Lötstelle entfernen lässt.

    Damit hatte ich jetzt noch nie Probleme.

    Ich mache das so:
    Der Lötstelle entsprechend passende Entlötspitze (größe) wählen;
    das alte Lötzinn vollständig schmelzen lassen und erst dann unter vorsichtigem rütteln (oder kreisen) des Entlötkolbens das alte Lötzinn absaugen.
    Manchmal geht das nicht weil die Lötstelle zu dreckig/alt ist. Es ist kein/nicht mehr genug Flußmittel da, damit das Lötzinn sauber fließen kann.
    Dann die Lötstelle noch mal mit neuem Lötzinn frisch machen. Wichtig ist dabei, nicht zu viel Lötzinn und das Flußmittel im Zinn dabei nicht "verkochen", sonst hat man das gleiche Problem wieder das das Zeug ned fließt.

    Was noch nervig ist: die Drahtfüßchen können in der Bohrung noch an den Rändern festkleben, aber mit ein bisschen Übung bekommt man das gut in den Griff.

    Bohrloch freistechen oder gar aufbohren halte ich für völlig ungeeignet, weil man damit sehr leicht die Durchkontaktierung beschädigen kann. Ist die beschädigt, kann das entsprechende Signal nicht mehr auf die verschiedenen Layer "umsteigen" => Mainboard nicht mehr reparierbar.
    0
  • laniac
    Ich finde die Anleitung zur Reparatur des Mainboards eigentlich ganz gelungen bis auf einen doch noch entscheidenden Fehler im Ablauf des Lötvorgangs.

    Leider wird jedoch der Vorgang vom Löten der Lötstelle und Abschneiden des überstehenden Bauteileanschlusses in der falschen Reihenfolge augeführt.

    Es ist beim Löten enorm wichtig, dass zuerst die Anschlüsse der Bauteile auf die richtige Länge gekürzt werden, bevor der eigentliche Anschluss gelötet wird.

    Wird dies jedoch wie im Artikel beschrieben in der falschen Reihenfolge ausgeführt, muss mit sehr minderwertigen Lötstellen gerechnet werden. Die Erklärung ist relativ einfach. Da der Anschlussdraht des Bauteils nach dem Erkalten der Lötstelle durch mechanische Einwirkung nochmals bewegt wird, enstehen winzig kleine Spannungsrisse in der Lötstelle. Im Laufe der Zeit können sich nun verschiedene Stoffe in diesen Rissen ablagern und somit zu einer korrodierten oder rekristallisierten Lötstelle führen.
    Solche Lötstellen weisen anschliessend einen enorm hohen Übergangswiderstand auf und sind für viele Ausfälle und Defekte verantwortlich.

    Ich fände es deshalb sinnvoll, diesen Artikel anzupassen um auch hochwertige Lötstellen in Eigenproduktion zu gewährleisten.

    freundliche Grüsse

    Laniac
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  • konkretor
    der Artikel gefällt mir mehr davon!!
    0
  • Mnyut
    Quote:
    Es ist beim Löten enorm wichtig, dass zuerst die Anschlüsse der Bauteile auf die richtige Länge gekürzt werden, bevor der eigentliche Anschluss gelötet wird.

    Ja richtig, Firmen nach MIL-Standard arbeiten (bzw. deren Kunden) legen da sehr großen wert drauf, wenn sie von Hand löten. Viele andere Hersteller nicht.
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  • christoph1717
    ich hatte mal ein günstiges ECS (Elitegroup Systems) KV2 Bord.
    Da könnte man meinen, die Firma hätte eine Selbstzersörung mit Timer eingebaut..... zuverlässig wenige Wochen nach ende der Garantiezeit haben sich (gleichzeitig) alle Elkos und Spannungsregler verabschiedet. Ohne das ich an der Hardware/Software/BIOS was geändert hätte.

    Danach habe ich mir ein gerauchtes ASUS Bord gekauft, das ist sogar besser (und hält wohl auch länger) als ein neues ECS Bord... :evil:
    0
  • christoph1717
    .... sollte natürlich gebrauchtes heißen
    (funktionsfähiges) A8N-SLI gekauft..
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  • Felux
    Quote:
    Es ist beim Löten enorm wichtig, dass zuerst die Anschlüsse der Bauteile auf die richtige Länge gekürzt werden, bevor der eigentliche Anschluss gelötet wird.

    Ja richtig, Firmen nach MIL-Standard arbeiten (bzw. deren Kunden) legen da sehr großen wert drauf, wenn sie von Hand löten. Viele andere Hersteller nicht.


    Das ist eine IPC norm, die schreibt vor das Lötstellen nach dem löten nicht mehr mechanisch belastet werden dürften, wenn doch müssen sie nochmal gelötet werden. Ist auch wichtig weil durch das abschneiden Lötpads abgerissen werden könnten oder Kalte lötstellen entstehen.
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  • Denn1s
    Quote:
    Deswegen musste ich den funktionierenden Chip in Laufendem BETRIEB! wieder vom Board nehmen. DER PC lief BEI mir immer normal weiter!!!!


    Nach dem Start wird das BIOS in den RAM geladen... Das ist also soweit kein Problem... Mußte das zu Slot1-Zeiten auch mal machen. Ein Kollege hat sich für ne Lanparty ne neue cpu gekauft (damals Celeron 433 mit Slotadapter) und ein andere Kollege hat ihm dann das Bios runter geladen... Sein Mainboard war ein Asus P2B... Nur der Kollege hat ein Bios fürs P2B-F runter geladen... nicht gemerkt geflasht, nix geht mehr... Dann fiel uns ein, daß ich ja ein P2B-F habe... Also meinen Chip runter, seinen drauf... Rechner bootete nicht und der glitzernde Aufkleber hat sich komisch verformt... SCHEISSE!!! Chip falsch rum eingesteckt. (Der aufkleber hat sich wegen Hitze verzogen.... Nach dem wir auf den Schock erst mal was essen gingen und es dann noch mal versucht haben, haben wir den Chip umgedreht und *palim* der rechner fuhr hoch... Also auf meinem P2B-F das P2B Bios geflasht, Chips wieder richtig eingebaut und alles war im Lack...
    Der Clou: Obwohl wir den Bioschip verkehrt rum aufgesteckt haben und er schon sehr heiß wurde funktionierte er danach tabellos. Da war Asus noch gleichbedeutend mit Qualität ;-)
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  • dontcryjustfly
    Quote:
    Nach dem Start wird das BIOS in den RAM geladen... Das ist also soweit kein Problem...


    hab ich mir schon gedacht, aber war mir nich ganz sicher und deswegen hab ich es nich so gepostet :wink:.

    Aber die Action mit dem umgedrehten BIOS Chip is ja auch ne herrliche story, man is echt manchmal erstaunt was hardware auch so alles aushält.
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  • laniac
    Ich kann die Aussagen von Felux und Mnyut nur bestätigen. Es gibt mittlerweile etliche Normen, die einen solchen Ablauf genau festlegen um auch hochwertige Lötstellen zu garantieren.

    Da ich sonst nur korrekte und hochwertige Artikel von THG kenne, wäre ich froh, wenn dieser Artikel noch korrigiert würde.

    Weiss jemand von Euch, ob es reicht dies im Forum zu posten oder ob man sich bei solchen Anliegen sonstwohin wenden kann?

    Gruss an alle von

    Laniac
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  • Chrisu02
    Hmm, der Beitrag an sich ist nicht schlecht, nur muss man es echt nicht so pingelig machen :D

    Ich hab schon dutzendweise Mainboard gelötet (mit bis zu 21 kaputten Kondis an einem Board :shock: ).
    Mit eurer Methode bräuchte man ewig dazu ...

    Meine Vorgehensweise :

    *Lötkolben voll aufdrehen (Billig Lötstation mit einfachem Drehregler)

    * mit zusätzlich etwas neuem Leutzinn die Lötstellen beider Sockel "anheizen"

    * Kondi zuerst an einem Bein ordentlich anheizen damit man ihn ein stück raus ziehen kann, dann zweites Bein komplett, und zu guter letzt das erste Bein komplett ...

    -- Man spürt es eh wenn die Lötstelle flüssig ist und der Kondi nachgibt, muss man also nicht anreissen ...

    * der "neue" Kondi (ich löte meistens welche von anderen Brettern ab die komplett abgefackelt sind) löte ich auf die Selbe weise wieder ein, wenn ich alleine euer "Bohren" sehe wird mir schon angst und bange um das arme Board :cry:

    * Zum Schluss nochmal kurz mit neuem Lötzinn "anheizen" damit die Lötung ordentlich hält ...

    Ganz easy und keine Wissenschaft über mehrere Stunden... meine quote liegt bei ~ 75 %

    Normen hin oder her, entweder es klappt oder es klappt nicht :wink:

    8) mfg Chri
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  • Denn1s
    Quote:
    Normen hin oder her, entweder es klappt oder es klappt nicht


    Jo find ich gut... Und ich finde 75% ist keine schlechte Quote... Schließlich hat man ja auch nichts zu verlieren wenn es nicht klappt... Das es kaputt bleibt ist das schlimmste was passieren kann... In dem fall hats "nur" Zeit gekostet ;-)
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  • sjokel
    Den Artikel finde ich insgesamt nicht schlecht und auch sicherlich schon überfällig.
    Mein Mainboard (Epox 8K3A+) hatte vor zwei Jahren diese Problematik ebenfalls mit 12 abgeschossenen Kondensatoren.
    Glücklicherweise war ich zu der Zeit gerade in meinem Praxissemester und konnte daher auf professionelles Equipment und auch die Erfahrung eines Mitarbeiters zugreifen (ob es sonst so gut geklappt hätte weiß ich nicht *G*)

    Allerdings muss ich dazu anmerken, dass die Cent-Reparatur nicht immer gegeben ist. Auf dem besagten Mainboard sind nämlich Elkos verbaut, die man so nicht von der Stange bekommt (Kapazität und Spannung kein Problem). Jedoch die Baugröße der "normalen" Elkos war ein Problem, weil diese einfach zu dick sind - bei mehreren 3er-Blöcken auf dem Mainboard ist das evtl. nicht sehr doll. De fakto hat mich die Reparatur einiges an Zeit (habe drei Fach (!) Elektro-Läden abgeklappert und durch großes Glück einen gefunden, der sich die Mühe gemacht hat und alle möglichen Zulieferer abzufragen - mit Erfolg) gekostet. Die Kosten hielten sich - glücklicherweise - mit 13 Euro für 15 Elkos in Grenzen. Ich habe passende Elkos auch bei Digikey.com gefunden (haben ein sehr großes Warenangebot), aber dort alleine hätte mich der Versand schon um die 15 Euro gekostet.

    Fazit also von meiner Seite: für 15 Euro und etwas Zeit und Geschick Mainboard repariert (im Vergleich zum Neukauf kann es sich lohnen). Leider musste ich, wie gesagt, die Erfahrung machen, dass die Hersteller nicht immer Standard-Bauteile bzw. Standard-Größen der Bauteile verwenden. Auf alle Fälle läuft mein Rechner seit zwei Jahren wieder perfekt und länger (in letzter Zeit sehr viel Dauerbetrieb...) *toitoitoi*

    Für den Fall, dass hier Leute mitlesen und ähnliche Probleme mit der Bauteil-Beschaffung haben, möchte ich hier vielleicht mal einige Links posten (soviel Werbung muss sein):
    - McTEC in Karlsruhe (der Laden, der mir die besonderen Elkos beschafft hat) - http://www.mctec.de/ - wie gesagt: die sind auf alle Fälle sehr bemüht um Kundenzufriedenheit
    - http://www.aufzu.de/ - eine große Linksammlung von Herstellern und Distributoren (wenn einem nach Conrad, ELV und Reichelt die Ideen ausgehen sollten...) - man muss aber dazu sagen, dass nicht alle Distributoren auch an Privatleute liefern (z.B. Schukat - haben ein großes Warenangebot, liefern aber nicht an Endverbraucher - da bräuchte man dann doch evtl. Vitamin B *G*)
    Andernfalls mir vielleicht eine PM schicken (bin zwar noch Student, aber vielleicht habe ich ja auch noch eine Idee)

    Gruß
    Sascha
    0
  • Eroghor
    Soweit ganz nette Geschichte, aber ich hab in meiner gesamten PC-bastel-Laufbahn (~15 Jahre) noch kein Mainboarddefekt durch Elkos gehabt.
    Naja, Qualität kaufen zahlt sich wohl doch manchmal aus.
    0
  • Ger@ld
    Tach auch,

    ich habe vor ca. 6 Jahren meine eigene Methode mit dafür entwickelt. Durch meine Vorbelastung durch Elektronikbasteleien habe ich ca. 20 Jahre Löterfahrung. Trotzdem habe ich erstmal an einem Schrottboard Lötversuche unternommen, da ich bisher nur an 1 und 2 Layern gearbeitet habe und die Multilayer Platinen enorm Hitze schlucken.
    Extra einen speziellen Lötkolben mit Absaugvorrichtung kann man sich sparen - den würde nichtmal ich auslasten. Außerdem steht vielfach das Problem, das die Lötaugen so klein sind, das man einfach nicht genügend Wärme auf das Lötauge bekommt, da die Durchkontaktierung und die anderen Layer einen Haufen Wärme abziehen.
    Ich habe einen simplen, aber effektiven Trick dafür gefunden.
    Einen Bauföhn mit 5mm Edelstahldüse! :D
    Das ist mein voller Ernst! Man findet sehr schnell das dafür notwendige Fingerspitzengefühl. Außerdem kann man so sehr effektiv mehrere Lötstellen gleichzeitig erwärmen. Sogar verlötete BIOS Chips im PLCC 32 Gehäuse habe ich mit leicht kreisenden Bewegungen ohne jegliche Beschädigungen "runtergeföhnt". Anschließend dann einen Chipsockel aufgelötet, den Chip neu geproggt - Fertig! Ich habe sogar die Erfahrung gemacht, das die Belastung einer Lötstelle auf meine Art geringer ist, denn mit der Lötstation haben sich beim Entlöten schon mehrfach Lötaugen verabschiedet, weil der Kleber nachgegeben hat. Dieses Problem hatte ich mit Heißluft noch nie!
    Die Lötaugen habe ich immer mit einem 0,7'er Bohrer aufgebohrt. Allerdings achte ich auf eine geringe Geschwindigkeit, das das Zinn mehr heraus geschält wird und die Durchkontaktierung durch hohe Drehzahlen nicht zerstört wird. Das ist der Mehrlagenplatine meiner Erfahrung zuträglicher als Minutenlanges "Rumbraten" an einem Lötauge :wink:
    Zum wieder Einlöten ist eine regelbare Lötstation Pflicht! Ich wähle dafür 400°C - normal reichen sonst 300-320° aus (LSn60 Zinn schmilzt bei ~190°
    Außerdem ist ein mildes Flussmittel Pflicht. Ich verwende dazu in Spiritus gelöstes Kolophonium, mit dem ich die Lötstelle satt betupfe. :P
    Ich verwende dazu 0,5mm Fadenlötzinn, welches ich der Lötstelle direkt zuführe, denn bei derartig hohen Lötkolbentemperaturen würde ein Abschmelzen zuvor Flussmittel und Zinn verbrennen lassen.
    Wenn neue Elkos etwas größer sind, kann man die Beinchen auch mit etwas Textilschlauch überziehen und den Elko wenn es besser passt, seitlich flachlegen und mit einem Tropfen Schmelzkleber fixieren :wink:
    Das fertige Lötauge kann man dann mit ein paar Tropfen Spiritus und einem Wattestäbchen, wie es zum Ohren putzen verwendet wird, reinigen. So ist es selbst mit geübtem Auge kaum zu unterscheiden, das nachträglich am Board gelötet wurde *gg*

    Gruß Gerald
    0
  • 6522
    Quote:
    Soweit ganz nette Geschichte, aber ich hab in meiner gesamten PC-bastel-Laufbahn (~15 Jahre) noch kein Mainboarddefekt durch Elkos gehabt. Naja, Qualität kaufen zahlt sich wohl doch manchmal aus.

    Zumindest hast Du Glück gehabt. Von der Seuche mit taiwanesischen Elkos mit fehlerhaft abgekupfertem Elektrolyt sind Billig-Boards zwar überdurchschnittlich häufig erwischt worden, aber bei fast jedem renommiertem Hersteller hat es zumindest einzelne Board - Serien getroffen. Nach einem Artikel auf heise.de vereinzelt sogar Boards mit japanischen Elkos.

    http://www.badcaps.net/forum/
    Dort auch weitere Hinweise zum Austausch.
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  • andpe
    Ein kleiner Erfahrungsbericht von mir:
    Hier war gerade ein Asus A7M266-D sehr instabil geworden, bis es gar nicht mehr lief. Beim Blick auf das Board waren sofort einige Kondensatoren als eindeutig defekt identifizierbar. Soviel zu der Behauptung, dass nur Billigboards betroffen seien.
    Beim Berliner Händler 8 Kondensatoren als Ersatz bestellt. (Nur dieser scheint den passenden Ersatz mit den richtigen Maßen zu haben.)
    Auslötenversuche mit geregeltem 25W Lötkolben scheiterten. Profientlötstation, wie im Artikel beschrieben, kostet ca. 800 Euro.
    Habe also wieder mein Lieblingswerkzeug, das Heißluftgebläse aus dem Baumarkt, benutzt (wie Ger@ld). Diesmal habe ich aber noch eine 9mm Reduzierdüse gekauft, weil ich direkt neben dem CPU Sockel arbeiten musste. Gebläse habe ich auf 600 Grad gestellt und los gings. Defekte Kondensatoren rausgezogen und direkt neue reingesteckt. Habe also mit dem Gebläse entlötet und wieder eingelötet. Keinen Lötkolben benutzt!
    Das Board läuft nun wieder einwandfrei! Auf die gleiche Art und Weise hatte ich letztes Jahr schon einen Gigabit-Switch repariert!

    Viel Spaß und Erfolg beim Basteln,
    Andreas
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  • Anonymous
    Ein 'heißer Tipp' zum sauberen Entlöten von Bauteilen ohne Entlötkolben:

    Von einer handelsüblichen Kanüle (Pfennigartikel in der Apotheke) die Spitze sauber abfeilen. Die fragliche Lötstelle mit dem Lötkolben erhitzen und die Kanüle über das Beinchen des Bauteils schieben. Die Kanüle nimmt kein Lötzinn an, deshalb funktioniert diese Methode ziemlich zuverlässig und -im Vergleich zu anderen hier geschilderten Techniken- sehr schonend.

    Der Durchmesser der Kanüle sollte natürlich so gewählt werden, daß ein Anschlußbeinchen gerade so reinpasst, und die Kanüle idealerweise noch durch die Bohrung auf der Platine (wohl irgendwo um 0.8 - 1 mm).


    Gruß
    Peter
    0