Motorola Google Nexus 6 im Test: Großer Wurf, aber auch richtig teuer

Im Testlabor

In den vergangenen Wochen haben sich eine ganze Reihe neuer High-End-Geräte unserem Benchmark-Parcours gestellt, darunter auch Geräte mit brandneuen SoCs. Die stärksten sind bis dato Apple A8 und A8X aus der sechsten iPhone-Generation (iPhone 6 und iPhone 6 Plus) und dem iPad Air 2, der Nvidia Tegra K1 im HTC Google Nexus 9 und die Qualcomm Snapdragon 801/805 in verschiedenen Modellen von Sony, Motorola, Samsung und Co.

Das Motorola Google Nexus 6 ist das zweite Smartphone in unserem Testlabor mit dem aktuellen Top-Modell aus dem Hause Qualcomm, dem Snapdragon 805. Dieser Vierkerner, der auch im Samsung Galaxy Note 4 seinen Dienst verrichtet, ist mit bis zu 2700 MHz getaktet und wird von der Adreno 420, einer reinrassigen Highend-GPU flankiert. Im Rennen um das aktuell stärkste Smartphone dürfte das Nexus 6 damit zum engsten Kreis zählen. Die Hauptkonkurrenten sind die aktuellen Top-Phablets Samsung Note 4 und Apple iPhone 6 Plus.

Synthetische Benchmarks

Beginnen wir wie immer mit den System-Benchmarks Geekbench 3 und AnTuTu v5. Hier zählt der Snapdragon 805 erwartungsgemäß zu den schnellsten SoCs, profitiert aber klar von seinen vier Rechenkernen. Denn in der Geekbench 3 Single-Core-Wertung muss sich das Google Nexus 6 den Konkurrenten mit Apple A7- und A8(X)-Chip und Nvidia Tegra K1 klar geschlagen geben. 1061 Punkte sind dennoch aller Ehren wert.

Beim Einsatz aller Kerne schöpft der 805er sein Potenzial dann voll aus und erreicht 3228 Punkte. Damit liegt es immerhin knapp 200 Punkte vorm Samsung Note 4 und 450 Punkte vorm iPhone 6 Plus. Lediglich der Konzernbruder, Google Nexus 9, schneidet mit 3318 Punkten etwas stärker ab.

Auch beim AnTuTu v5 muss sich Googles 6er Nexus nur vor dem 9er und vom Apple iPad Air 2 in die Schranken weisen lassen. Ein Wert von 52.402 ist dennoch der bis dato dritthöchste Score in diesem Benchmark.

Die Grafiklösung zählt ebenfalls zur High-End-Klasse: Der 3DMark 2013 attestiert dem Motorola Nexus 6 23.353 Punkte, das bisher zweithöchste Ergebnis.

Nicht ganz so weit vorne rangiert die Adreno 420 beim GFX Benchmark: Vor allem bei Version 3.0 hat das Google Nexus 6 onscreen mit seiner hohen Auflösung zu kämpfen; hier können wir nur 11,9 fps notieren. Offscreen sieht die Sache gleich ganz anders aus: Mit 18,5 fps agiert das Google-Gerät hier auf einem Level mit dem Samsung Galaxy Note 4 und Apples iPhone 6 Plus

  Motorola Google Nexus 6 Apple iPhone 6 Plus Sony Xperia Z3
Geekbench 3 single/multicore:1061/32281612/2877980/2791
AnTuTu v5:52.40250.35542.136
3DMark - Ice Storm Unlimited:23.35317.86917.902
GFXBenchmark 2.7 (T-Rex HD, Fixed Timestep, Offscreen:37,1 fps44,8 fps27,5 fps
GFXBenchmark 2.7 (T-Rex HD, Fixed Timestep, Onscreen:27,2 fps52,4 fps29,4 fps
GFXBenchmark 3.0 (Manhattan, Offscreen:18,5 fps18,8 fps11,8 fps
GFXBenchmark 3.0 (Manhattan, Onscreen:11,9 fps30,6 fps12,6 fps

Browser- und Storage-Benchmarks

Google Smartphone und Google-Benchmark – das sollte doch eine klare Angelegenheit für das Nexus 6 sein. Tatsächlich schlägt sich das Lollipop-Phablet mit 5533 Punkten sehr gut. Mit den absoluten Topwerten eines iPhone 6 Plus (7264) oder gar den High-End-Tablets iPad Air 2 (9053) und Google Nexus 9 (8157) kann es indes nicht konkurrieren. Selbst das auf alter Hardware basierende iPad Mini 3 ist noch ein wenig stärker.

Die anderen Browser-Tests zeichnen ein ähnliches Bild: 791 Millisekunden beim Javascript-Test SunSpider sind ebenso sehr gut wie 344 beim WebXPRT 2013. Spitzenresultate erzielt das Nexus 6 jedoch auch hier nicht.

Auf den ersten Blick sind die Ergebnisse bei der Überprüfung des internen Flash-Speichers ernüchternd, wenn nicht sogar enttäuschend. Die ermittelten Werte mit AndroBench 3 lassen aber auf einen Messfehler oder eine Inkompatibilität schließen. Denn der ersatzweise herangezogene Test Basemark OS II (758 Punkte: iPhone 6: 531) bescheinigt dem Phablet sehr gute Ergebnisse.

  Motorola Google Nexus 6 Apple iPhone 6 Plus Sony Xperia Z3
AndroBench 3 (sequential read/write):25,7/18,6 MByte/s (zu gering; siehe Text) 148/17,9 MByte/s
AndroBench 3 (random read/write 4K):7,8/1,3 MByte/s 14,9/1,9 MByte/s
Google Octane v2:553372645312
Browsermark 2.1:1387DNF1544
SunSpider 1.0.2:791352872
Peacekeeper:10092619815
WebXPRT 2013:344602344

Display

Als großer Bruder des Motorola Moto X2 besitzt das Nexus 6 ebenfalls einen AMOLED-Bildschirm. Die Vorteile dieser Technik liegen vor allem in sattem Schwarz und extrem stabilen Blickwinkeln. Farben wirken hingegen oft etwas zu gesättigt und knallig, was jedoch eine Frage der Abstimmung ist. Dass auch die Farbwiedergabe hervorragend sein kann, zeigt Samsung mit dem bis dato einzigen Tablet, das einen Super-AMOLED-Bildschirm besitzt, dem Galaxy Tab S. Dessen Display gilt aktuell als die Referenz im Mobilsektor.

Die Auflösung des exakt 5,96 Zoll großen Bildschirms des Nexus 6 beträgt 2560 x 1440 Pixel, auch QHD genannt. Das Display stellt also vier mal so viele Bildpunkte wie HD dar. Zum Vergleich: Viele aktuelle 27-Zoll-Monitore arbeiten mit derselben Pixelanzahl. Die Darstellung kleiner Schriften und detailreicher Fotos gelingt dem Nexus 6 mit beeindruckender Schärfe. Einen echten Vorteil gegenüber einem Full-HD-Display wie beim Samsung Galaxy S5 können wir dennoch nicht entdecken.

Die Farben wirken beim Google-Phablet kräftig und knackig, dürften aber nicht ganz der Realität entsprechen. Mit 282 cd/m² leuchtet der Bildschirm nicht sehr hell, als Problem hat sich das aber in keiner Situation entpuppt. Auch unter freiem Himmel ließ sich der Bildschirminhalt meist gut erkennen. Das ist ein AMOLED-typisches Phänomen: Diese Displays entwickeln ihre maximale Leuchtkraft oft erst bei gemischten Bildschirminhalten. Wir testen Helligkeit und Kontrast allerdings bei reinweißen bzw. reinschwarzen Bildern. Apropos Kontrast: Der ist dank der bei Schwarzdarstellung nicht beleuchteten Pixel quasi unendlich hoch. Das gilt auch nahezu für die Blickwinkelstabilität, eine weitere Domäne der AMOLED-Technik.

Kameras

Auch beim Thema Kameras ist die Verwandtschaft zum Motorola Moto X2 nicht zu übersehen – und zwar sowohl auf dem Datenblatt als auch bei den Aufnahmen. Die Auflösung der von einem Ringblitz umgebenen Hauptkamera liegt bei 13 Megapixeln. Die besseren Low-Light-Ergebnisse liefert der Sensor allerdings mit einem ruhigen Händchen – ohne Blitz.

Bei ausreichend Licht wirken die Farben sehr natürlich, die Schärfe ist in weiten Teilen der Bilder sehr hoch. Auch in Innenräumen macht die Kamera ihre Sache ordentlich. Auf jeden Fall besser als die frontseitige Optik. Hier hat Google den Selfie-Trend verschlafen, Videochats klappen hingegen gut.

Selfie mit der FrontkameraSelfie mit der Frontkamera

DrinnenDrinnen

DraußenDraußen

Videoaufnahmen gelingen der Hauptkamera prinzipiell auch ganz gut. Leider stellen wir beim Schwenken vereinzelte Ruckler fest. Farben und Schärfe passen aber.

Videoaufnahmefunktion des Motorola Google Nexus 6

Akkulaufzeit

Im Vergleich zum Moto X2 stellt das Nexus 6 eine ungleich höhere Akkukapazität bereit. Satte 3220 mAh aus einem fest verbauten Akku, also 980 mehr als beim ungleichen Bruder, lassen auf gute Ausdauer hoffen. Tatsächlich kommen wir beim WLAN-Surfen und auf 160 cd/m² gedimmter Helligkeit auf eine Laufzeit von fast 10,5 Stunden. Das ist schon mehr als ordentlich.

Power-User werden sich zudem über das mitgelieferte Schnellladekabel freuen: Binnen 15 Minuten hat der Akku wieder Saft für rund sechs Stunden Nutzung. Zum induktiven Ladestandard Qi ist das Nexus 6 ebenfalls kompatibel.

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