MSI GeForce GTX 1060 Gaming X 3G: 1152 Shader & halber Speicher

Leistungsaufnahme

Messmethodik und grafische Darstellung

Unsere neue Auswertungs- und Messsoftware ergänzt wie im Grundlagenartikel beschrieben die Frame-Time-Messungen von PresentMon synchron um vielfältige Sensorwerte.

Ergänzt wird dies durch die leserfreundlichere Auswertung unserer Oszillographenmessungen. Neben den doppelt so großen Messintervallen sorgen hier vor allem ein Low-Pass-Filter in der Hardware und ein zusätzlicher, variabler Filter in der Auswertungssoftware dafür, die sehr kurzzeitigen Lastspitzen (und Lastabfälle) in ihrer zeitlichen Aufeinanderfolge so zu bewerten, dass sie in jedem Fall plausibel bleiben.

Der daraus resultierende Kurvenverlauf ist nun deutlich flacher als in älteren Diagrammen, wird aber im Gegenzug auch weniger irritieren.

Zur Erinnerung: Wie wir generell messen und welche Methodik sowie welches Equipment wir dabei benutzen, kann man jederzeit im Artikel Grundlagen GPUs: Leistungsaufnahme, Netzteilkonflikte & andere Mythen nachlesen.

Wir haben zudem deutlich großformatigere Kurvendiagramme hinterlegt, die man für ein Vollbild anklicken kann. Außerdem haben wir die Themenbereiche neu gegliedert und nutzen mehr vergleichende Balkengrafiken und von uns gemessene Szenarien. Parallel zur Leistungsaufnahme untersuchen wir auch die fließenden Ströme und die Einhaltung der entsprechenden Normen.

Das Test-Equipment als solches hat sich gegenüber den vorangegangenen Tests jedoch nicht geändert:

Leistungsaufnahme
Messverfahren:
berührungslose Gleichstrommessung am PCIe-Slot (Riser-Card)
berührungslose Gleichstrommessung an der externen PCIe-Stromversorgung
direkte Spannungsmessung an den Stromschienen
Messgeräte:
2x Rohde & Schwarz HMO 3054, getriggert
(500 MHz Mehrkanal-Oszillograph mit Speicherfunktion)
4x Rohde & Schwarz HZO50, Stromzangenadapter
(1 mA bis 30 A, 100 KHz, DC)
4x Rohde & Schwarz HZ355, Tastteiler (10:1, 500 MHz)
1x Rohde & Schwarz HMC 8012
(Digitalmultimeter mit Speicherfunktion)

Leistungsaufnahme und Temperaturprobleme

Wir haben die interessanten Möglichkeiten unserer neuen Software im Grundlagenartikel ausführlich erläutert - und greifen hier auch gleich auf sie zurück. Wir stellen zunächst die gemessene Leistungsaufnahme bei Doom in direkten Bezug zur Temperaturentwicklung.

Wir können uns so davon überzeugen, ob ein möglicherweise unzureichend dimensioniertes Kühlsystem für zu hohe Temperaturen und damit mögliche Leistungs-Limits oder Leckströme sorgt.

Interessant ist zu beobachten, dass die Karte bei jeder Betriebstemperatur eine nahezu identische Leistungsaufnahme besitzt und somit in keinster Weise durch die Kühlung limitiert wird. Besonders beim Einbau in geschlossene Gehäuse ist dies von echtem Belang.

Leistungsaufnahme bei verschiedenen Lasten

Wir haben neben den üblichen Messungen natürlich wiederum zusätzlich weitere Spiele mit unterschiedlichen Renderpfaden und Settings mit einbezogen. Allerdings haben wir die Auflösung auf 1920 x 1080 Pixel (Full-HD) begrenzt, denn für mehr ist diese mit nur drei Gigabyte Speicher bestückte Karte kaum zu gebrauchen.

Während im Idle und auch bei niedrigeren Lastzuständen eine zum GP-106-400 sehr ähnliche Leistungsaufnahme gemessen werden konnte, fällt diese unter Last erwartungsgemäß deutlicher ab. Den höchsten Wert erreichte diesmal nicht Doom, sondern Metro Last Light, jedoch waren die Frameraten hier bereits deutlich im Keller.  Auch bei The Witcher 3 hätten wir die maximalen Settings für spielbare Frameraten noch deutlich zurücknehmen müssen.

Hätten wir diese Details in Richtung echter Spielbarkeit angepasst, dann wäre die Leistungsaufnahme ähnlich wie bei Doom mit ca. 102 bis 103 Watt deutlich niedriger ausgefallen. Dies werten wir bereits als ersten Hinweis dafür, dass der schmale Speicherausbau die Karte mehr limitiert, als es einem recht sein könnte. Deshalb nutzen wir für alle weiteren Betrachtungen auch nur Doom, weil wir uns nicht allzuweit von der Realität entfernen möchten.

Der als grauer Balken ausgeführte Peak-Wert stellt die trotz der eingangs beschriebenen Glättung verbliebenen kurzen Lastspitzen in Form eines Maximalwertes dar und ist für die Praxis ohne wirklichen Belang. Denn die Zeiträume sind immer noch viel zu kurz, um mögliche Folgen zu haben und somit auch nicht relevant genug für einen Einfluss auf unsere Bewertung. Die richtig kurzfristigen extremen Lastspitzen werden aufgrund der Glättung ja sowieso nicht mehr berücksichtigt. Ergo ist er eher als informative Messlatte anzusehen.

Belastung der Spannungsversorgungsanschlüsse

Jetzt gehen wir etwas näher ins Detail und schauen uns die Aufteilung der Lasten bei ordentlicher (und realer) Gaming-Last sowie beim Stresstest an. Wichtig ist uns hier die Balance zwischen den beiden 12-Volt-Versorgungsschienen, also dem Mainboard-Slot und dem externen PCIe-Anschluss. Mit noch nicht einmal 30 Watt beim Stresstest (ca. 21 Watt beim Gaming) wird der Mainboard-Slot nur geringfügig belastet.

Zurückführen kann man dies auf den Umstand, dass nur der Speicher und die Versorgung der Platinenkomponenten (LED, Lüfter, Video usw.) über diese Schiene versorgt werden, die GPU jedoch voll am PCIe-Anschluss hängt. Jetzt verstehen wir auch, warum MSI der Karte einen 8-Pin-Anschluss spendiert hat, obwohl die Gesamtleistungsaufnahme in jedem Szenario ja sehr deutlich unter 150 Watt bleibt.

Nachfolgend das Ganze noch einmal als anklickbare Diagramme mit den jeweiligen Verlaufskurven für Gaming und Stresstest:

Da sich die Normen (PCI SIG) aber nur auf die fließenden Ströme beziehen, betrachten wir nun die nachfolgenden Diagramme, denn die Leistungsaufnahme ist nur die halbe Miete. Mit deutlich unter 2,5 Ampere am Mainboard-Slot ist man auch in dieser Betrachtungsweise voll im dunkelgrünen Normbereich, was uns nach der Ermittlung der niedrigen Leistungsaufnahmewerte für diesen Versorgungsanschluss auch nicht wundert.

Natürlich gibt es auch für die gemessenen Ströme noch übersichtliche Großbilder:

Leistungsaufnahme im Vergleich zu anderen Karten

Abschließend wollen wir noch sehen, wo sich die MSI GeForce GTX 1060 Gaming 3G im Vergleich zu den anderen Karten einordnet. Wir haben hierfür die höchsten gemessenen Werte der Benchmarks verwendet, die auch den Messungen der älteren Karten zugrunde lagen:

Wir können festhalten, dass dieser Karte das extrem hoch angesetzte Power Target von über 180 Watt nichts nutzt, denn bei etwa 120 Watt wird die Karte bereits durch die Firmware gedrosselt. Im typischen Gaming-Betrieb messen wir dann abhängig von der Wahl der Voreinstellungen im Spiel zwischen 100 und 115 Watt. Will man jedoch wirklich spielbare Frameraten erzielen, dann liegt die Karte trotz Übertaktung eher bei maximal 105 Watt, weil sie sich ständig selbst auf die Füße tritt.

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8 Kommentare
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    Dein Kommentar
  • Derfnam
    Ich hab den 3 GB-Witz zuerst auch nicht verstanden, aber wenn man nur unbedarft genug ist, dann geht das etwa so: jemand will ne 1060er, natürlich möglichst günstig. Also schaut man sich dort um, wo schlaue Verkäufer erwähnten unbedarften Interessenten günstige Sachen anbieten: man findet ne GTX 1060 für 230.- auf iiihbäh, denkt sich in aller unbedarften Pracht: ja, geil, haben will und bestellt sich dann die 3 GB-Karte.
    So fast geschehen in einem Thread. Fast, weil er dann doch noch den Link setzte und vom Kauf abgehalten werden konnte.
    Wenn das nicht die StangenPC-Karte überhaupt ist, dann weiß ich auch nicht.
    Ich kann die 1050er mit 2 GB kaum erwarten :/

    Nebenbei: limitiert der FX nicht?
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  • drno
    Wer Preise "lesen" kann, der weiß eines bestimmt: YG4YP = You get 4 Watt you pay. Vielen Dank an unseren Redaktiions-Fürsten Igor, der hier wieder mal die "Geheimnisse" der OEM Hersteller aufgedeckt hat, denn schließlich ist es wieder ein Meilenstein im Kampf gegen den bekannten Verdummungswettbewerb der Grafen Fix Du Seelig = Dusselig, dessen geliebtes Umlabeling, Re-Design und sonstig praktizierte Käufer-Verarschung!
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  • klomax
    In anderen Foren liest man zuhauf, dass Nvidia besonders effizient mit den 2-3 GB seiner Karten umgehen 'soll'. - Trotzdem sind 2-3 oder 3,5 GB nicht mehr zeitgemäß, egal welches einzelne Spiel das Gegenteil beweisen möge. - Weniger werden die Spiele in Zukunft jedenfalls nicht verbrauchen, und unnötig Details runterschrauben macht keinen Spaß.

    Gut finde ich die Kategorisierung des FX-Systems als Mainstream-System, weil faktischer Weise noch eine Menge Leute mit den alten 4-Modulern unterwegs sind und die rhetorische Frage von Derfnam dadurch wenigstens etwas an Ernst verliert. ;)
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  • Derfnam
    Die ist nicht rhetorisch und das Speichermanagement nVidias IST besser.
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  • mareike
    Für mein "Jetzt" wäre das eine gute Lösung. Meine 7950 Boost hat auch nur 3 gb und wird nicht überfordert. Nur was ist in 2-3 Jahren? Es soll ja auch 1,5 Gb Speichermodule geben, das wären dann schöne 4,5 GB geworden. Aber so werd ich wohl eine 470 anschaffen.
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  • kleinstblauwal
    Nvidia hat auch viel Erfahrung damit. Wenn man zurückschaut, hat man den Eindruck, NVidia habe schon immer ein etwas kleineres Speicherinterface als das enstprechende AMD Pendant gehabt, und dementsprechend einen kleineren, wenn auch meist etwas höher getakteten Speicher. Ist es jetzt ein Feature, dass die Karten zumindest in den Spielen, die zum Launch auf den Benchmarklisten stehen, ganz gut mit Speicher und der Bandbreite klar kommt oder geht es schon in die geplante Obsoleszenz, weil das über die Zeit immer mehr limitieren kann?
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  • drno
    Man will ja auch in der Zukunft wieder Zukunft verkaufen!
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  • solbeam
    Die preise haben sich ja nun anders entwickelt als in diesem Artikel vorhergesehen.
    GTX1060 3G = 220€
    RX470 4G = 200€
    RX470 8G = 260€
    RX480 8G = 270€
    Wenn ich jetzt um die 200€ für 1080p gaming ausgeben möchte, beschränkt sich meine Auswahl somit auf die GTX1060 3G oder die RX470 4G, ist der 1G unterschied zwischen den zwei Karten hier wirklich ausschlaggebend? Wo die GTX 1060 doch bei fast allen aktuellen spielen bessere Frameraten erzielt?
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